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Kategorie: Festival

meine ersten zähne

 

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Lollapalooza 2018, Teil 3/3

Nach ausgiebigem Tanzen habe ich irgendwann das Bedürfnis nach einer Pause. Über eine der Treppen verlasse ich mit vielen anderen das Stadion im Schneckentempo. Ein paar Polizisten stehen oben an den Rampen und schauen wippend der feiernden Menge zu. Alles ist friedlich. Immer wieder sehe ich in lächelnde Gesichter. Obwohl alles voller Menschen ist, rempelt man sich nicht gegenseitig an. Mich erinnert die Szenerie an ein Video, in dem ein riesiger Kreisverkehr in Indien zu sehen war. Menschen mit Rikschas, Radfahrer, Mopeds, Autofahrer, Busse fuhren hin und her, und obwohl niemand den Verkehr regelte, es keine Ampeln gab, fädelten sich die Verkehrsteilnehmer locker ein und aus, ohne dass es Unfälle gab. So wie hier. Es geht kreuz und quer, die einen gehen ins Stadion, die anderen verlassen es, manche wollen zur Toilette, andere bestellen sich Pommes. Alles fließt! Wie im Ameisenhausen und es wirkte perfekt komponiert. Faszinierend!

Als ich auf dem Gelände bin, stelle ich mich noch mal an, um den Bezahl-Chip aufzuladen. Diesmal stehe ich nur knapp zehn Minuten an. Auf Hauptbühne 1 spielt seit 17.30 Uhr Casper mit Band, ich mache einen Abstecher dorthin und lausche dem deutsch-amerikanischen Rapper. Die Menge wippt auf und ab, singt mit, Kameras halten Bilder fest und die werden auf die riesigen Leinwände neben der Bühne übertragen. Richtig warm werde ich mit der Musik und der Stimme nicht und entscheide mich, an den gerade wenig besuchten Getränkeständen mir etwas zu Trinken zu bestellen. „Was ist denn ein schnelles Wasser?“, fragt mich der Mensch hinterm Tresen und ich muß lachen. „Nicht schnelles, sondern stilles Wasser“, sage ich. Mit 4 Euro für einen Plastikbecher Wasser, plus einem Euro Pfand, bin ich dabei. Im Vergleich zu den anderen Getränken ist das ziemlich teuer.

Ich begebe mich zu Bühne 1, wo The National auftreten werden, deren Song „About today“ mir sehr gefällt. https://stadtzottel.wordpress.com/2018/09/03/today/ Ich bin gespannt, wie sich die Stimme des Sängers live anhören wird. Die Band, die ich erst kürzlich entdeckt habe, scheint bekannt zu sein. Eine Menschentraube hat sich vor der Bühne gebildet. Das Publikum ist altersmäßig durchmischt, und in der Menge sehe ich einen Mann mit Bart, Sonnenbrille und Hut, der mich an den englischen Singer-Songwriter Fink erinnert, der tags drauf auf dem Lollapalooza auftreten wird.

Fink hatte ich im vorletzten Jahr schon woanders live gehört. Der Sound war grandios und das Konzert hatte mir gut gefallen. Kaum habe ich das gedacht, läuft er an mir vorbei. Er erkennt mich nicht und ich bekomme erste Zweifel (ich mache Spaß). Es war nicht Fink, sondern sein Doppelgänger. Fink hatte bestimmt sein Double vor die Bühne gestellt, damit er in Ruhe woanders Musik hören konnte.

Es ist 18.30 Uhr. The National beginnen zu spielen. Die Bühne gleicht einer riesigen Leinwand, an die Bewegtbilder projiziert werden. Die US-amerikanische Indie-Rockband wird von übereinander liegenden Videobildern in blau eingehüllt, der Sänger klingt live genauso gut wie in den Videos.

Irgendwann springt Matt Berninger, so heißt der 47jährige Sänger, studierter Grafikdesigner und Frontmann der Band, ins Publikum, während er weiter singt, und lässt sich über die Köpfe des Publikums heben. Die Security tänzelt vor der Absperrung herum. Als er wieder festen Boden unter den Füßen hat, geht er am Zaun entlang und berührt viele Hände in der ersten Reihe. Dann rennt er los soweit das Kabel seines Mikros reicht, um schließlich wieder auf der Bühne weiter zu singen. Die Kameraleute haben Schwierigkeiten seinem Tempo zu folgen.

An Hauptbühne 2 beginnt bereits der Auf-und Umbau für den nächsten Gig. Der ist The Weeknd, auf den ich mich sehr freue. Es warten bereits unzählige Fans und der Strom derer, die auch dorthin wollen, reißt nicht ab. Die Sonne ist gerade untergegangen, zahlreiche Lampions und bunte Lichter zieren jetzt das Gelände des Olympiaparks. Auch das Riesenrad ist beleuchtet und erhellt den Abendhimmel. Immer noch ist es warm, überall liegen oder sitzen Menschen auf dem Boden, reden oder ruhen sich aus. Vor der Bühne von The Weeknd ist allerdings kein Platz dafür. Bei keinem anderen Konzert wird soviel gedrängelt wie hier. Es ist brechend voll.
Das Konzert beginnt, The Weeknd rennt auf die Bühne, und alles ist von schwarz-weißen Videobildern angestrahlt. Ich sehe ungefähr 8.000 Arme und 4.000 Smartphones in der Luft, die ein Konzert mitfilmen, sehen tu ich ansonsten nicht viel. Immerhin höre ich ihn singen, und erkenne die Stimme, die sehr hoch klingt. An der Leinwand kann ich The Weeknd in schwarz-weiß Videobildern bewundern. Der erfolgreiche 28jährige kanadische R&B-Musiker rockt in seiner bemalten Jeansjacke über die Bühne.

Die Smartphones sind unentwegt in der Luft, es wird laut mitgesungen, hin und wieder drängeln sich ein paar Leute durch die Masse. Mir ist es zu eng, ich schiebe mich irgendwie raus aus der Menge und mein Platz wird gleich besetzt, die Freude ist groß, zehn Zentimeter weiter nach vorne gekommen zu sein. Ich gehe ein bischen herum auf dem Platz und mache Fotos. Der Abend, und damit mein Lollapalooza 2018, ist fast zu Ende, ich bestelle mir noch was im Foodcourt.

Ab 21.30 Uhr ist David Guetta auf Perry’s Stage eingeplant, also im Stadioninnern. Die Festivalplanung hat sämtliche DJs dort untergebracht. David Guetta ist der letzte Gig des Abends, den ich besuchen möchte.

Doch erst esse ich in Ruhe, ich habs nicht eilig, setze mich zu den anderen, trinke noch was. Als ich mich aufmache um ins Stadion zu kommen, sehe ich schon von Weitem einen riesigen Menschenauflauf vor dem Eingang. Eine große beleuchtete Hinweistafel verkündet, dass Einlass-Stop für Perry’s Stage wegen Überfüllung ist. Später lese ich in der Zeitung, dass etwa 2.000 Leute vergeblich vor dem Eingang gewartet haben. Die 74.475 Sitzplätze des Olympiastadions blieben den ganzen Tag und Abend gesperrt, während der Innenraum überfüllt war und draußen zahlreiche Musikbegeisterte standen, die nicht hinein und mitfeiern durften. Ich bin froh, dass ich mich kurzentschlossen auf den Weg nach Hause gemacht hatte. Die S-Bahnen waren voller als am Morgen, doch ich komme gut voran. Vor Mitternacht bin ich glücklich und zufrieden Zuhause.

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Lollapalooza 2018, Teil 2/3

Um 15.30 Uhr wartet an Hauptbühne 1 der nächste interessante Act: Years & Years. Wir hatten schon 2016 das Vergnügen, was hier nachzulesen ist: https://stadtzottel.wordpress.com/2016/09/15/lollapalooza-im-treptower-park-tag-2/ und hier: https://stadtzottel.wordpress.com/2016/09/16/lollapalooza-im-treptower-park-tag-2-teil-ii/ Es ist warm, der Himmel hellblau, verschönert mit ein paar hübschen Federwölkchen (für mich) und die Besucherzahlen sind sichtlich angestiegen. Die Fläche vor Hauptbühne eins ist voller wartender Fans, die sich auf die britische Band freuen. Ich stehe links neben der Bühne und erinnere mich gerade an mein erstes Lollapalooza-Festival in 2016, bei dem auch Years & Years zugegen waren, als Sänger (und Schauspieler) Olly Alexander, der jetzt rothaarig ist, sagt: „Wir waren schon mal 2016 hier. Es ist toll, wieder hier zu sein, am Ende des Sommers.“ Ich nicke zustimmend, da beginnt er auch schon sich gekonnt auf der Bühne zu räkeln, zu singen und sich auszuleben mit einer Gruppe von Tänzern, was so aussieht wie im Video.

Die Menge ist begeistert, applaudiert, singt und tanzt mit, ich höre eine Weile zu und obwohl die Stimmung gut ist, entscheide ich mich spontan, wieder ins Stadion zu gehen, zu Perry’s Stage. Beats schwappen über den Platz, ich bin neugierig und möchte hin um zu sehen, wer da Musik macht. Es sind Ofenbach, zwei DJs und Produzenten aus Frankreich, die ich noch nicht kenne, aber kennen lernen möchte. Eins ihrer bekannteren Stücke ist dieses hier aus 2017:

Es ist laut, die Wände wackeln nicht, da es hier keine gibt (aber sie würden, gäbe es welche) im offenen Olympiastadion, das inzwischen wieder zur Hälfte gefüllt ist. Und zur Hälfte, das heißt, das mehrere Tausend Leute hier sind, kaum jemand steht still, und wenn, dann, um ein Selfie zu machen mit den Videoinstallationen der DJs im Hintergrund. Die Menge tanzt vergnüngt und singt laut mit. Ich bin ebenfalls enthusiastisch dabei und stelle später fest, dass ich die Zeit völlig vergessen und dadurch jemanden verpasst habe, den ich gerne gehört und gesehen hätte und zwar Ben Howard, Singer-Songwriter aus London. Aaaargh! So ist es manchmal mit den Überschneidungen der Auftritte – manchmal spielen zwei parallel an verschiedenen Orten! Hier eines seiner schönen, ruhigen Lieder:

und dies hier, eines meiner Favoriten von ihm. Schade, schade, schade. Nun ja, vielleicht höre ich ihn ja mal an anderer Stelle.

Ich bleibe an Perry’s Stage, der Bühne im Olympiastadion, denn dort spielt ab 17 Uhr Jonas Blue. Und der füllt auch die verbleibende Fläche im Stadion. Der 29jährige Musikproduzent aus London rockt das Innere des Stadions und das Publikums rockt mit! Freude und Begeisterung pur! Hunderte von Smartphones tanzen in der Luft, um einen Song nach dem anderen mitzuschneiden. Zum Beispiel diesen:

oder diesen, der im Radio rauf und runter gespielt wird:

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Fortsetzung folgt ….

Lollapalooza 2018, Teil 1/3

Samstag, 08. September 2018, 8 Uhr, ich wache auf ohne Wecker. Super, denke ich, das passt! Denn ich habe etwas vor und zwar das Lollapalooza-Festival. Auf diesmal 6 Bühnen spielen 36 Bands am Samstag, weitere 34 Bands am Sonntag, im Olympiastadion in Berlin für 140.000 Festivalbesucher.
Im Radio werden 22 Grad gemeldet, tags bis 24 Grad erwartet, also optimales Open-Air-Wetter. Nach Duschen und Frühstücken packe ich meine Tasche und gehe zur U-Bahn. Ich rechne mit überfüllten Zügen, doch Bahnsteige und Waggons sind nicht voller als sonst. Vielleicht ist es kurz vor elf den meisten Festivalbesuchern noch zu früh. Einige sind aber doch unterwegs, deutlich erkennbar an glitzernden, bunten Steinchen im Gesicht, manche tragen Plastikblümchen oder Glitter im Haar oder ein Ein-Horn auf der Stirn, die Meisten gehen aber unverkleidet, so wie sonst auch.

Am Ausgang der U-Bahn-Station Olympiastadion hängen die bunten Lollapalooza-Plakate und helfen bei der Orientierung. Nach kurzem Fußmarsch erreiche ich den Vorplatz des Stadions, auf dem sich bereits mehrere hundert Menschen tummeln. Die Atmosphäre ist gelöst und fröhlich, einige essen Bratwurst, andere stochern in Pommes, machen Selfies. Es wird gelacht und vielsprachig freudig geplaudert, Polizisten stehen entspannt hier und da herum, ein paar Flaschensammler schieben Leergut in große, blaue Ikeataschen.
Aufs Festivalgelände gehts innerhalb von zehn Minuten inclusive Bodycheck, Taschencheck, Ticketcheck. Ich bin drin, mitsamt Übersichtsplan für das Festivalgelände und suche Perry’s Stage. Wie in den letzten drei Jahren auch, habe ich mir einen groben Plan gemacht, wen ich wann hören und sehen will. Von den bisherigen Festivals weiß ich, dass die Taktung verlässlich, ziemlich zeitgenau und gut durchorganisiert ist.

Der erste auf meiner Liste ist Oliver Koletzki, der ab 11 Uhr spielt. Oliver Koletziki ist ein deutscher Produzent und DJ, bekannt durch den Titel „Hypnotized“, den ich sehr mag, oder dieses hier: https://stadtzottel.wordpress.com/2018/06/30/%e1%b4%97/ Er performt direkt im Stadion, welches Sitzplätze für über 74.000 Menschen bietet, die allerdings nicht freigegeben sind, was später noch für Unmut sorgen wird. Die Tanzwütigen dürfen lediglich in den Innenraum, auf den Rasen quasi, der allerdings mit Kunststoffplatten gepflastert ist. Das Stadion ist bereits jetzt gut besucht; gegen 11.30 Uhr stehe ich weit vorn an der Bühne und tanze bald schon ausgelassen mit den anderen. Kaum jemand zückt sein Smartphone um Videos oder Selfies zu machen, wir lachen und tanzen im Freien und haben einfach Spaß.

Zeitgleich spielt auch Mokoomba, eine 6köpfige Band aus Simbabwe, die in ihrer Musik verschiedene Kulturen und Stile vereinen. Sie treten auf einer der großen Außenbühnen auf, Main Stage eins. Ich hatte mir Videos angeschaut und wollte sie gern live hören und sehen, doch als ich dort bin, aufgeladen noch vom Tanzen zu Oliver Koletzkis Musik, bleibe ich nur kurz und gehe wieder zurück ins Stadion um dort mit den anderen eine weitere Stunde zu tanzen.


Oliver Koletzki ist mit fast 3 Stunden Spielzeit der längste Act von allen. Das Stadion füllt sich zusehends, zur Hälfte schon tummeln sich jetzt die Menschen auf dem Kunststoffboden, der sich wunderbar zum Tanzen eignet. Ein unaufhörlicher Strom an Festivalbesuchern, die ins Stadion kommen oder es verlassen über schmale, hohe Gänge und Treppen. Die Sonne leuchtet vom Himmel ins Stadion. Ich beschließe, mir etwas zu Trinken zu besorgen.

Also einfach an die nächste Bude und etwas bestellen? Nein. Denn beim Lollapalooza wird nicht bar bezahlt, nicht per Scheck oder Überweisung, sondern mit dem Bändchen, das man am Eingang gegen das Ticket getauscht hat und am Handgelenk befestigt ist. Daran befindet sich ein Chip, der aufgeladen werden kann, schon online vor dem Festival, oder beim Festival selbst, man muss sich dazu nur in eine der zahlreichen Schlangen einreihen und warten. Am Schalter nennt man dann eine Summe, die man auszugeben gedenkt. Anfangs läuft es sehr gut, ich bin innerhalb von zehn Minuten in der Mitte der Wartenden, doch das letzte Stück gestaltet sich zäh. Anfangs denke ich: 10 Euro reichen. Dann: Besser 15. Fürs Essen sind meist um die 5-6 Euro zu bezahlen, also lieber 15 als 10 und mich noch einmal anstellen zu müssen. Es braucht schließlich insgesamt etwa 25 Minuten, bis ich mein erlösendes „20 Euro, bitte“ los werde, die Hand durchs Fenster schiebe und ein „Piep“ mich wieder in die Freiheit entlässt.

Die Sonne scheint, ich orientiere mich auf dem riesigen Gelände. Nahe des Eingangs ist ein großer Food-Bereich. Dort gibt es Essen vom Thai, türkisches Essen, Vegetarisches, gefüllte Teigtaschen, Flammkuchen, Pizza, Pasta, Burger, Sandwiches, Waffeln, Eis, Überbackenes, Krapfen und, und, und, es ist reichlich Auswahl da. Ich bestelle mir einen Flammkuchen und setze mich auf aufgeschichtete Holzpaletten eines Berliner Radiosenders. Dort sitze ich im Schatten, esse meinen Flammkuchen, der 5,50 Euro gekostet hat und köstlich schmeckt und schaue in die Menge. Überall flattern Fähnchen, aus mehreren Richtungen schallt Musik über den Platz, die Menschen laufen hier hin und her, die Sonne scheint, es ist alles friedlich, keine betrunkenen Menschen, kein Streit, Menschen verschiedener Altersklassen feiern miteinander, bis spät in die Nacht ist Programm. Und während ich glückselig meinen Flammkuchen esse, nehme ich meine Liste zur Hand und sehe, dass ich weiter muss.
Denn auf Hauptbühne eins, wartet der großartige schottische Songwriter Lewis Capaldi, der zum Beispiel dieses Lied singt:

Der blonde Sänger aus Whitburn begrüßt das Publikum: „Hi, habt Ihr eine gute Zeit? Ich habe eine gute Zeit.“ Applaus, Begeisterungsschreie. „Was ich sagen wollte: Es wäre gut, wenn ihr traurige Lieder mögt, weil davon bekommt ihr hier einige zu hören. Falls ihr das nicht mögt, dann fühlt ihr euch sicher nicht so wohl hier.“ Dann singt der 22jährige Singer-Songwriter ein weiteres Lied, noch eins und noch eins. Am Ende seines Auftritts sagt er dann: „Wenn es Euch gefallen hat, erzählt doch bitte allen Leuten, die ihr kennt davon. Im November bin ich wieder in Berlin. Und wenn es Euch nicht gefallen hat, dann behaltet das gefälligst für Euch!“ Ich lache. Mir hats sehr gefallen!

Noch eins, weils so schön ist:

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Fortsetzung folgt …

Wir sehn uns …

auf dem Lollapallooza-Festival, oder? Auf geht’s! Ich freue mich!

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Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 2, Teil II

Es ist immer noch Sonntag, der 11. September 2016. Im Treptower Park in Berlin wird die Musik gefeiert und ziemlich viel getanzt. Die Sonne brennt, der Himmel scheint ein Herz für Musikfans zu haben. Es sind fast 30 Grad auch heute. Die Leute sitzen, wenn möglich, im Schatten. Die Plätze unter den Bäumen sind dicht besetzt, auch die Schattenplätze an den aufgestellten Wänden sind beliebt (26 km Zaun), man hockt friedlich miteinander auf dem Boden, trinkt, isst, lacht, unterhält sich. Einige Leute machen Selfies. Am Schminkstand kann sich, wer will, ein Festival-Make-up schenken lassen. Wer Hunger hat, sitzt im Schatten der Bäume in der Nähe von Perry’s Stage oder im grünen Kiez. Da gibt es richtige Tische und Bänke und zusammengeschobene Holzpaletten, auf denen man sitzen kann. Years & Years verabschieden sich, ich mache mich auf zu Hauptbühne II. Hier noch mal ein Video von King, weil ich den Song so gern mag und Ihr vielleicht ja auch.

Beeindruckend an diesem Riesenfestival: Die Running Order, zu deutsch: Der Zeitplan, wann welche Band auf welcher der vier Bühnen spielt, ist nicht nur so ungefähr. Die Zeiten sind aufeinander abgestimmt und es ist perfekt getimed! Es ist 16.15 Uhr als Milky Chance spielen. Lt. Wikipedia bezeichnet sich diese Band als „Folktronica-Duo“. Dass Milky Chance deutsch sind, habe ich erst festgestellt, als der Sänger nach dem Einstiegssong ein ziemlich deutsch klingendes „Danke schön!“ in die begeisterte Menge ruft. Und später stellt der Leadsänger aus Kassel fest: „Ihr seid ganz schön viele!“ Wo er recht hat, hat er recht. Und es kommt mir vor, als wären heute mehr Festivalbesucher auf dem Gelände, als einen Tag zuvor. Insgesamt ist von 140.000 verkauften Tickets die Rede.

Hier mal ein eigenwilliges Lyricvideo von Milky Chance’s Song „Stolen dance“

Never danced like this before, we don’t talk about it“ heißt es darin. Aber hier talk ich nun doch about it. Denn es wird wieder überall gejubelt und getanzt. Wer günstig steht, steht im Schatten der Bühne. Ich stehe in der prallen Sonne. Sobald ein Plätzchen in Richtung Schatten frei wird, hüpfe ich ein Stück vor und tanze weiter. Obwohl es so voll ist, hat jeder genug Platz zum Tanzen. Hier wird man nicht getanzt, man tanzt selbst! Und zwischen allen Tanzenden immer wieder die Bierverkäufer mit Fäßchen auf dem Rücken, an dem ein „Bier“-Schild durch die Luft torkelt. Ich trinke Wasser.
Wer sich das Konzert ansehen möchte von Milky Chance. Noch steht es in der artothek. Hier der Link: http://concert.arte.tv/de/milky-chance-lollapalooza-berlin-2016

Es ist ca. 17.15 Uhr als Milky Chance mit ihrem Auftritt durch sind. Um 17.15 Uhr spielt auf der Hauptbühne nebenan James Blake. Der 27jährige englische Musiker ist den meisten vermutlich durch diesen Song bekannt:

Ich brauche nach dem ausgiebigen Sonnenbad bei Milky Chance erst mal eine Schatteneinheit. Ich setze mich an die rechte Seite der Bühne und verfolge das Konzert. James Blake sitzt im Lila-gestreiften Hemd am Keyboard. Insgesamt ist seine Musik eher ruhiger, was mir sehr recht ist nach den zwei Stunden Tanzen, Applaudieren und Singen mit Years & Years und Milky Chance.
arte hat auch dieses Konzert online gestellt. Hier der Link: http://concert.arte.tv/de/james-blake-lollapalooza-berlin-2016

Nach dem Konzert von James Blake, beschließe ich, etwas zu essen und meine Wasserflasche aufzufüllen. Ein großer Teil der Festivalbesucher ist wegen Radiohead hier. Wie ich las, geben sie hier heute das einzige Deutschlandkonzert dieses Jahr. Doch ich habe auf meiner Liste andere Bandnamen stehen. Die Beginner zum Beispiel. Und Alle Farben ab 19 Uhr Es ist also noch etwas Zeit. Auffällig an Tag II des Festivals: Die Zahl derer, die offene Schuhe tragen, hat sich drastisch reduziert. Ich höre nur kurz die Beginner und bleibe schließlich bei Alle Farben kleben. Alle Farben ist der Musiker und DJ Frans Zimmer aus Berlin. Hits von ihm sind u.a.: All along she moves, Please tell Rosie, Music is my best friend.
Auf der Bühne tanzen zwei Tänzer, schwenken Silberfahnen, während die bunten Lichter tanzen. Mehrere tausend Menschen tanzen hier ausgelassen. Hier bin ich tatsächlich mal ganz vorn an der Bühne und tanze mit! Hier mal ein (mir zumindest bislang) nicht so bekanntes Stück von ihm:

Und eigentlich, eigentlich, eigentlich … wollte ich dann bald den 2. Festival-Tag beschließen. Doch der Abend ist noch nicht zu Ende. Unerwarteter Weise hält mich jemand davon ab, der gar nicht auf meiner Liste stand: DJ Zedd. Die Videos, die ich gefunden hatte, hatten mir nicht sonderlich zugesagt (deshalb auch hier an dieser Stelle kein Video), aber als ich dann live vor Ort die Musik höre, will ich unbedingt bleiben und mit den anderen weiter tanzen. DJ Zedd ist ein 31jähriger deutsch-russischer Musiker und DJ. Die Bühnenshow ist beeindruckend. Digitale Bilder in schnellen Wechseln, Licht-und Farbenspiele, auch ein paar Dampf-Fontänen, Hell-Dunkel-Effekte. Es kracht, es wummert, die Menge tanzt und feiert und ich kann einfach noch nicht das Festival verlassen. Aber danach mache ich mich dann doch, ziemlich happy, langsam auf den Weg zum Ausgang. Adieu Lollapalooza!

Mein Fazit: Ein großartiges Festival! Für mich stimmte die Musik und im Endeffekt auch der Preis fürs Ticket (knapp 150 Euro für 15 Bands, die ich gesehen und gehört habe.) Insgesamt 45 Bands waren vor Ort, das Wetter war wie bestellt. Der Sound an allen Bühnen war bestens! Der Einlass ging unkompliziert, schnell und freundlich vonstatten. Es gab genügend Toiletten und kostenloses Wasser zum Selbstnachfüllen, ein breit gefächertes Essensangebot. Ich war beeindruckt, wie toll dieses Riesenevent organisiert war. Die Kameraleute haben tolle Bilder gemacht. Danke arte! Polizei habe ich wenig gesehen, drei Beamte spazierten am Tag zwei über das Gelände. Rundherum gabs überall Festival-Guards, die gern halfen, wenn man sich verlaufen oder eine Frage hatte. Der Treptower Park in Berlin ist eine sehr schöner Festivalort. Insgesamt war die Stimmung ausgelassen. Ich habe nirgends Betrunkene gesehen, es gab nirgends Schlägereien, Streitereien oder Krawall. Die Leute waren freundlich und haben einfach friedlich miteinander gefeiert. Dieses Festival war einfach großartig und hat richtig viel Spaß gemacht. Wenn das LineUp passt bin ich im nächsten Jahr vielleicht ja wieder dabei. Im Treptower Park wird es im kommenden Jahr allerdings nicht mehr sein. Wo, darüber wird noch verhandelt.
Danke fürs Lesen.

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Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 2

Bevor ich mich aufmache zum Festival, schreibe ich mir wieder eine Liste, wen ich wann sehen und hören möchte. Der erste auf meiner Liste an Tag zwei ist MNEK. Der 22jährige Londoner Songwriter und Produzent spielt gleich an Hauptbühne II, der direkt an meinem Festival-Eingang liegt. Es ist heiß, wie am Tag zuvor und es kommt mir schon jetzt wie 30 Grad vor. MNEK steht in Jeansjacke und Shorts auf der Bühne. Er sei zum ersten Mal in Berlin, erzählt er, bevor er das Publikum mit eigenwilligen Moves zu seiner und mit seiner Musik bezaubert. Mit ihm auf der Bühne sind zwei Sängerinnen und sein DJ. MNEK verbreitet gute Laune. Das Publikum singt laut mit, als er seinen Hit „I will never forget you“ singt. Ein tolles Konzert, ein talentierter Sänger, der, das sagt er, gern wieder käme nach Berlin. Er hatte viel Spaß, sagt er. Ich auch. Jetzt geht es zur nächsten Bühne.

Da singt ab 13.15 Uhr Aurora, die auch als Aurora Aksnes bekannt ist. Die 20jährige norwegische Sängerin mit der beeindruckenden Stimme begrüßt das Publikum auf Deutsch. Die deutsche Grammatik sei hässlich, sagt sie. Oder wie sagt man: difficult auf deutsch? Dass sie Deutsch sehr möge wegen der vielen Worte. Sie mag den Treptower Park und freut sich über die Bäume dort und sorgt sich um das Publikum, das in der Sonne steht. Es ist wirklich sehr heiß. Diese Bühne bietet größtenteils Schatten. Ich stehe links an der Bühne, da ist Schatten, da ist es angenehm.

Inzwischen ist es 14.15 Uhr, als das Konzert von Aurora, deren Gesang und Musik mich ein bisschen an Loreena Mc Kennitt erinnert, zu Ende ist. (Wer sich das Konzert anschauen möchte, hier: http://concert.arte.tv/de/aurora-lollapalooza-berlin-2016

Ich habe eine Stunde noch, bis Years & Years spielen. Ich beschließe, mir noch eine Waffel zu kaufen. Die Frau am Verkaufsstand erinnert sich an mich, wir sprechen kurz, als es eine Durchsage gibt, dass die Festivalbesucher sich mit den Notausgängen vertraut machen sollen. Heute ist der 11. September, geht es mir durch den Kopf. Ich setze mich in den Schatten auf ein freies Plätzchen zwischen all den anderen, trinke und esse. Über uns fliegt ein Hubschrauber. Wenn sich hier einer … Ich atme tief durch. Wird schon gut gehen, denke ich. Dann gehe ich rüber auf die andere Seite der Bühne.

Es ist 15.15 Uhr als Years & Years mit ihrer Show beginnen. Der sportlich bekleidete bauchfrei tragende, tanzfreudige 26jährige Sänger Olly Alexander, (der auch Film-und Theaterschauspieler ist) und der so unglaublich schön und hoch singen kann, betört das Publikum vom ersten Moment an. Den meisten ist die britische Elektropopband Years & Years bekannt durch Songs, die es auch in die Charts schafften wie Shine und King.

Wer sich das Konzert ansehen möchte: http://concert.arte.tv/de/years-years-lollapalooza-berlin-2016

Später mehr …

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Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 1, Teil 2

Klingande (live) spielen ab 17.30 Uhr. Klingande? Kenn ich nicht. Doch, kennst Du. Zum Beispiel das hier:

Samstagabend, 30 Grad und dann diese Musik. Perfekt! Da störte kein Staub, da störte nichts. Da wurde abgetanzt bis zum geht nicht mehr und danach noch weiter! Klingande ist übrigens schwedisch und bedeutet klingend. Klingande ist ein Projekt zweier französischer Studenten. Und ich hab Essen ausgefahren, damals an der Uni. Wenn ich das gewusst hätte … 🙂 Und während ich mit den anderen abtanzte bis zum Abwinken, hatte ich extreme Glücksgefühle und dass es eine tolle Atmosphäre war, muss ich nicht etwa erwähnen, nehme ich an. Guckt mal – bei ca 31 sek. irgendwo dazwischen bin ich auch. Es fällt mir schwer, hier einen sachlichen Bericht zu verfassen, nach diesem Festival.

Nach Klingande (live) ging es wieder zurück zu Hauptbühne I. Da spielte Philipp Poisel ab 18.30 Uhr. Vielleicht könnt Ihr Euch vorstellen, dass alles etwas ruhiger wurde, er wird ja bekanntlich als Schmusesänger gehandelt. Er schreibt wirklich gute Lieder, ich mag seine Texte und die Musik sehr. Er kam mit leichter Sturmfrisur auf die Bühne, sprach ins Publikum, grüßte und sang und irgendwann fragte er: Erklär mir einer die Liebe! (Wer das kann, bitte vor und bitte jetzt! Das sage ich, nicht er). Und er sang weiter seine traurigen und auch stimmungsvollen Lieder, da passierte es: Auch er weinte. Erst Jess Glynne, jetzt er. Ich hab ein Video gefunden. Ihr braucht mich nicht zu suchen, ich stehe auf der anderen Seite von der Bühne und singe von dort aus mit. Lieber Philipp, ich kenne diesen Schmerz so gut. Danke für Deine Lieder. Fühl Dich gedrückt!
Übrigens seht Ihr im Hintergrund die Hauptbühne zwei. Philipp Poisel spielt hier auf der Hauptbühne eins. Und im Hintergrund, also da, wo die Hauptbühne zwei ist, da spielt ab 19.30 Uhr, worauf ich mich schon extrem freue: Paul Kalkbrenner.

Paul Kalkbrenner, Musiker und DJ, nebenbei auch Bruder von Fritz Kalkbrenner, der ja auch Musik macht. Aber andere Musik. (Fritz ist aber nicht aufgetreten dort). Es ist das erste Mal, dass ich Paul Kalkbrenner live sehe. Ich hab mich schon sehr drauf gefreut. Es ist inzwischen schon abendlich und ziemlich voll. Von schwarzen Füßen schreibe ich jetzt mal nichts mehr, bald sieht man die eh nicht mehr. Es war inzwischen sehr voll auf dem Festivalgelände. Vorab hatten die Veranstalter schon darüber berichtet, dass im Verlauf des Tages der Besucherstrom zunähme und man besser früher da sein soll, wenn man nicht lange warten möchte. War ich ja. Ich war ja schon dort und war innerhalb von 6 oder 7 Minuten auf dem Festivalgelände, mitsamt Taschen-und Bodycheck. Ich habe viele Male die Organisation des Festivals bewundernd bestaunt. So eine Masse an Menschen zu organisieren und einen reibungslosen Ablauf hinzukriegen. Respekt! Das einzige, was hätte mehr sein können waren Mülleimer. Die waren bei 140.000 Besuchern natürlich ziemlich schnell voll. Aber zurück zu Paul Kalkbrenner. Der saß hinter seinem Pult und hat Musik gemacht, aber wie! Kam mir vor, als sei er in Trance, mit geöffnetem Mund drehte er die Knöpfe. Ich hatte den Eindruck, er isst die Musik! Lecker! Der Sound war extrem gut und laut, zwischendurch schien Paul Kalkbrenner zu bemerken, dass Publikum da ist. Dann guckte er in die Kamera und grinste oder zog Grimassen. Extrem sympathisch!

Ich will an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass auch aus mir während des Tanzens Freudenschreie kamen. Ich konnte nichts machen, das wollte so. Das Leben war auf einmal eine riesengroße Party für zwei Tage! Ihr könnt es Euch nicht vorstellen, es war einfach superklasse! Alle happy, immer noch keine Betrunkenen (zum Glück!), tolle Acts, nur ein bisschen voll geworden dann doch am Abend. Die Kameraleute haben auch unermüdlich gearbeitet und unentwegt die besten Bilder an die Leinwände gebracht. Zum Teil wurde ein live-stream von arte angelegt, manche der Clips sind dort noch zu sehen und zu hören. Paul Kalkbrenner hat aufgehört, um die Bühne zu verlassen und eine Zugabe zu spielen. Die Leute sind ausgerastet vor Freude. Ich auch. Ich grins jetzt schon wieder glücklich, wenn ich daran denke.

Inzwischen war es 21 Uhr. Glücklich abgetanzt dank Paul Kalkbrenner kaufte ich mir an einem Stand noch eine Waffel und dachte dann das Festival für diesen Tag zu Ende sein zu lassen. Kurz hatte ich bei Kings of Leon an der Bühne nebenan noch zugehört, aber mir gefiel es nicht und ich machte mich auf, das Gelände zu verlassen. Während ich auf dem Weg war, dachte ich dann: Ach, ich könnte ja noch kurz mal reinhören, was New Order machen. Die spielten ab 21.20 Uhr auf der alternative Stage. Ich also rüber. Und war begeistert! Ich hatte die weitere Entwicklung nach Blue Monday nicht wirklich weiter verfolgt. Das war schon ziemlich lange her. Mir war nicht bewusst, dass die immer noch Musik machen. Aber hier, das war der lebende Beweis. Vor grafischer Kulisse, die fröhlich wechselte zwischen farbigen Punkten und bunten Farbstangen mit kleinen Filmsequenzen. Es gefiel mir, was die Band inzwischen musikalisch produzierte. Es war dann doch ein besonderer Moment, als sie eben das spielten, was ich so lange schon kannte und nicht mehr gehört hatte:

Es war inzwischen kurz vor 23 Uhr. Dann bin ich aber tatsächlich runter vom Festivalgelände, raus aus den Schuhen und ziemlich bald, ziemlich zufrieden schlafen gegangen.

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Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 1

Eat, sleep, dance, repeat. (Das Lollapalooza-Festival-Motto)

Es ist Samstag, der 10. September 2016, kurz nach 12 Uhr, als ich mit 2-Days-Festival-Bändchen am Arm, nach Leibesvisite und Taschenkontrolle, bei schönstem Wetter den Treptower Park in Berlin betrete. Mehrere Tausend Fans stehen bereits in der prallen Sonne und lauschen Josef Salvat.

Der 27jährige australische Popsänger spielt seit 12 Uhr auf einer der Hauptbühnen in der Nähe des Eingangs. Seine Musik passt extrem gut zum Superwetter und zur ausgelassenen Stimmung. Berührend schön auch sein Cover „Diamonds“ von Rihanna, bei dem ich lauthals mitsinge. Es sind fast 30 Grad. Die Stimmung ist angenehm und beschwingt. Überall wird gelacht, gesungen und getanzt. Hier und da werden Selfies gemacht. Auf der Bühne nebenan wird bereits der nächste Gig vorbereitet: Dubioza Kolektiv, eine bosnische Dub-Band spielt gleich im Anschluß. Nach knapp einer Stunde in der Sonne singen und tanzen bin ich durstig und gehe über den trockenen Rasen zu den Getränke-Ständen und bestelle ein Wasser, 0,33l. 4 Euro. Davon 1 Euro Pfand. Ich bezahle und nehme einen Schluck. Vorbei an Essständen, gehe ich zur nächsten Bühne und warte im Schatten.

12.45 Uhr Dubioza Kolektiv werden angekündigt, mit einer von der Band initiierten Ansage, die unter anderem dringend empfiehlt, während des Konzertes Marihuana zu rauchen und sich gut zu amüsieren. Die sieben Bandmitglieder stürmen in typisch gelb-schwarzem Outfit auf die Bühne und legen gleich los. Die Truppe verbreitet gute Laune, das Publikum hüpft und tanzt. Ich natürlich auch. Die Band spielt fröhlich und ambitioniert. Man merkt, wie viel Spaß sie haben und das überträgt sich auf die Menge. (arte hat auf ihrer Website einen Mitschnitt. Ansehen!). Am Ende des Konzertes hab ich ziemlich viel getanzt und mein Wasser ist alle. Ich muss Nachschub holen und was essen. Ich komme überall gut durch, die Stände rundherum sind nicht allzu bevölkert, auch bei den Toiletten geht es gesittet zu. Auf dem riesigen (275.000 qm) umzäunten Festival-Gelände gibt es u.a. den grünen Kiez, in dem nachhaltige Projekte vorgestellt werden und ich entdecke, dass man dort Wasser umsonst bekommt. Auch dort zahlreiche Essstände, Eis und ein paar ruhige Plätze unter Bäumen, Händler mit T-Shirts und Röcken uvm. Auf der Hauptstraße, die die vier Bühnen voneinander trennt, strömen weiterhin Menschen aufs Gelände. Alle sind froh über die Bäume hier, denn die spenden Schatten. Es ist inzwischen sehr heiß und staubig, die Stimmung bestens. Keine betrunkenen Menschen weit und breit, dafür aber viel Staub und deshalb viele schwarze Füße. Auch meine Turnschuhe sehen inzwischen anthrazit aus. Ich esse Spaghetti und setze mich in den Schatten. Es ist eine lockere Atmosphäre, hier kommt man leicht ins Gespräch. Ich lache mit zwei Spaniern und treffe zwei Arbeitskollegen. Später reihe ich mich in die Schlange für Wasser ein und fülle meine Flasche auf. Hinter dem Kiez sind zwei weitere Bühnen: Perry’s Stage und Alternative Stage. Überall Stände mit Essen, Trinken und Zigaretten, auch stark frequentierte Geldautomaten und ein kleines Karussell. Eine eigene Welt, ein kleines Paradies. Ich esse einen Paradiesapfel (2,50) und bestelle mir anschließend einen Kaffee. 4 Euro. Prost. Auf Perry’s Stage spielt Alan Walker seit 15.15 Uhr.

Der erfolgreiche britisch-norwegische 19jährige Musikproduzent steht mit Sweater auf der Bühne und hat die Kapuze hoch gezogen, wie in seinen Videos. Ich schwitze schon beim Zugucken. Es sind immer noch 30 Grad. Aus den Boxen ein Hit nach dem anderen und ein mitklatschendes und mitsingendes Publikum. Ich gehe bald zurück zur Hauptbühne. Dort spielt ab 16 Uhr die großartige Jess Glynne. Das Gelände wird immer voller, der Sand fliegt durch die Menschen und jeder Schattenplatz ist begehrt. Jess Glynne singt mit ihrer phantastischen Stimme und als das Publikum „My Love“ laut mitsingt, kommen ihr die Tränen.

Sie ist so gerührt, dass sie sich wegdreht und mit den Tränen ringend weiter singt. Sehr berührend. Auch mir laufen die Tränen. Die Menge applaudiert und jubelt. Sie lacht. Wir tanzen, klatschen und singen. Es ist so klasse hier zu sein! Über dem Publikum schwebt ein Kameramann und dreht quer durch die Menge. Mittendrin die Bierverkäufer mit Fässern auf dem Rücken. Ich trinke Wasser, tanze und sehe überall schwarze Füße. Meine Schuhe sehen inzwischen schwarz aus. Nach dem Konzert wird es Zeit wieder rüber zur Alternative Stage zu gehen. Da spielen seit 16.30 Uhr Kaiserchiefs. Dort angekommen, tritt Plan B in Kraft: Es geht wieder zurück, rüber zu Perry’s Stage. Denn da spielen … (Fortsetzung folgt) 🙂

© mp

Vorgeschmack (Lollapalooza 2016 in Berlin)

Nur noch einmal schlafen

Nein, Du hast nichts verpasst, morgen ist nicht Weihnachten, keine Sorge. Aber was Ähnliches: Morgen und übermorgen ist FESTIVAL! Lollapalooza nennt sich das Spektakel. 140.000 Musikbegeisterte werden erwartet. 45 Gigs sind angekündigt, unter anderem Josef Salvat, James Blake, Aurora, Years & Years, Philip Poisel, Milky Chance, Paul Kalkbrenner, Jess Glynne, Alan Walker, Kaiser Chiefs, Dubioza Kollektiv, Tocotronic und viele, viele andere! Und ich werde auch dort sein, nicht auf der Bühne, sondern davor. Ich muss mir noch einen Plan machen, wann ich an welcher Bühne wen hören möchte. Gestern las ich, dass arte Live überträgt. Ich winke dann in die Kamera für Euch. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!