ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: April, 2014

Der Tag X

Heute also. Stichtag. Einsendetag. Letzter Tag. Heute werden Träume verschickt. Drucker belastet. Worte gekostet. Über vierzig Texte warten, ob sie erwählt werden. Ob sie in den Umschlag kommen. Ob sie schließlich von dozierenden Augen gelesen werden. Wer weiß, vielleicht wollen sie gar nicht? Schließlich sitzt am anderen Ende jemand, der einen Stempel drauf haut. „Gut“. „Miserabel“. „Akzeptabel“. Die Gedichte zittern. Die Prosa lehnt sich an sie: „Kommt her, wir tun uns alle zusammen. Zusammen sind wir stark.“ Und dann sind da noch die kleinen Episoden. Sequenzen. Nicht zu vergessen die, die nicht in Frage gekommen sind. Ein paar Geschichten haben es nicht in die letzte Runde geschafft. Schon bevor es in die Post ging. „Tut mir leid. Um dich muss ich mich noch mal an anderer Stelle kümmern. Für dich will ich mir mehr Zeit nehmen, als ich jetzt habe“. Die Geschichten nickten. Die Gedichte nickten. Die Zeit ist  noch nicht reif. Für andere schon. Und die warten nun gespannt, ob sie es aufs Siegertreppchen schaffen. Die letzten Tage waren interessant, arbeitsam und auch anstrengend. Ich habe stundenlang an meinen Texten gearbeitet, die Zeit verging im Fluge. Es gibt und gab keine konkrete Vorgabe, welcher Art die Texte sein sollen, was ich gut finde. „Reichen Sie zum Thema „Herbst“ ein Gedicht, ein Sonett, eine Kurzgeschichte, ein Haiku, ein Senryu und einen Essay ein“ – da wäre ich schon raus gewesen, bevor es angefangen hätte. Es ist schon richtig so, diese „keine Vorgabe“ bis auf die 20 Seiten Textbegrenzung. Also musste ich selbst eine Richtung finden, eine Sortierung quasi, eine Auswahl treffen. Es bedeutete ein stetes inneres Ringen. Ein stetes innere Abwägen: Ist das gut genug? Die Frage nach dem „Wert“ dessen, was man abgibt. Es kritisch beäugen. Zweifeln. Beruhigen. „Es wird sich fügen. Es kommt, wie es gedacht ist.“ Die Texte sind gut. Der Weg, den die Texte nehmen. Der Weg, den die Gedanken nehmen. Die Gefühle. Nicht nur die Texte wurden bearbeitet, auch ich selbst habe mich durch diesen Prozess verändert. Einen anderen Blick bekommen, auf mich, das, was ich tue und auf meine Texte. Und am Ende? Ein Umschlag. Die Idee eines Traumes. Das hier könnte die Basis sein. Vielleicht. Das eine übernehme ich. Das andere machen die anderen. Vielleicht passt es. Vielleicht nicht. Alles kann, nichts muss. Heute bringe ich auf den Weg, woran ich die letzten Jahre, Wochen, Monate gearbeitet habe. Noch bin ich ganz entspannt. Ich habe Zeit, bis die Post schließt. Gleich geht es ans Entscheiden. Und dann ans Sortieren. Und dann geht es zur Post. Spannend! Irgendwo las ich, dass es diese „letzten Termine“ bräuchte, damit die Dinge fertig würden. Stimmt. Die besondere Anspannung, die erhöhte Konzentration und Aufmerksamkeit. Heute also. Stichtag. Einsendetag. Letzter Tag. Heute werden Träume verschickt. Mal sehen, was draus wird.

 

© mp

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Konzentriertes Arbeiten

Falls sich jemand wundert über die himmlische Ruhe hier im Blog – ich arbeite an und mit meinen Texten. Es sind noch ca. 2,5 Tage Zeit. Heute habe ich acht Texte überarbeitet. Es geht langsam und konzentriert voran – es soll ja gut werden. Morgen geht es weiter. Welche Texte ich dann davon einreiche, habe ich noch nicht zu 100 % bestimmt. Deshalb werde ich etwas mehr als ich benötige, überarbeiten und vorbereiten. Damit ich bei der Post mit wehenden Fahnen und Schweißperlen auf der Stirn den Umschlag abgeben kann, weil ich in letzter Sekunde doch noch den anderen Text wollte und nicht den, der schon im Umschlag war.

Worum es geht? Hier: https://stadtzottel.wordpress.com/2014/04/25/slowly-but-surely/

und hier: https://stadtzottel.wordpress.com/2014/03/16/es-tun/

 

Erinnerungen.teilen.

„Weißt du noch? Damals, als wir uns kennen lernten?“

„Ja, das weiß ich noch ganz genau!“

„Geht mir auch so.“

„Wir waren im englischen Garten.“

„Nein. Wir standen vor dem Kino. Und weil es so geregnet hat und wir nicht ins Kino gelassen wurden, standen wir dicht gedrängt unter dem Abdach.“

„Das war doch eine Woche später. Der Abend, an dem wir uns kennen gelernt haben, standen wir beide in einer Warteschlange im englischen Garten und warteten auf unseren bestellten Tee. Ich suchte den braunen Zucker und so sind wir ins Gespräch gekommen.“

„Das war nicht im englischen Garten. Das war im botanischen Garten und unser zweites Treffen. Unsere erste Begegnung war vor dem Kino.“

„Warum wolltest du eigentlich mit mir über unser Kennen lernen sprechen?“

„Weil es für mich ein so rührender Moment war, der mir bis heute so besonders ist, wie damals vor dem Kino im Regen.“

„Ja, rührend war es. Im englischen Garten.“

„Also wenn schon, dann botanischer Garten. Aber es war im Kino!“

„…“

„…“

„Schön, dich zu sehn.“

„Ja.“

 

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© mp

slowly.but.surely.

Weniger als eine Woche noch, um die Texte versende-fertig zu machen für die Bewerbung beim DLL für den Studiengang „Literarisches Schreiben“. Ich arbeite dran. Konzentration…

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another.love.

 

Es geht nicht darum, was auch immer zu ändern, sondern an nichts festzuhalten und die Augen sowie das Herz zu öffnen.

(Jack Kornfield)

Auf.dem.Weg.

Manchmal, da träumt man. Manchmal, da ist man wach. Und manchmal weiß man das eine vom anderen nicht zu unterscheiden. Als hinge alles zusammen. So scheint es. Manchmal. Alles eins. Zwei drei. Seiten einer Medaille. Kopf oder Gefühl. Zahlen oder nicht. Hoffen und Würfeln. Die Regie führt die Wurzeln. Direkt in Dein Herz.

 

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left.

1.) Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Und nicht früher.

2.) Einer allein kann keine Zwei machen, das braucht Beide.

3.) Es ist davon auszugehen, dass wir alle Angst haben, besonders, wenn uns jemand wichtig ist.

4.) Das, was man will und das, was man tun kann, entwickelt sich manchmal erst.

5.) Geduld ist wichtig. Für sich, für beide, für alles. Manchmal sagt einer, er wäre es, ist es dann aber doch nicht.

6.) Es geht nicht ohne Hoffnung, aber es geht auch nicht ohne Angst.

7.) Aufrichtigkeit ist fühlbar und verbindet.

8.) Man glaubt an einander, weil man etwas fühlt oder sieht, zwischen sich und dem anderen, weil etwas stimmig ist, weil es eine Basis gibt, die trägt. Im besten Fall empfinden es beide.

9.) Es gibt immer Gründe. Für und gegen alles.

10) Manchmal reicht der Mut einfach nicht aus. Anerkennen, ohne stehen zu bleiben.

11) Manchmal braucht es nur wenige Momente und etwas Bleibendes ist entstanden.

12) Wenn einer nicht weiter gehen möchte, fällt alles in sich zusammen.

13) Es ist besser, man traut sich die Liebe zu.

14) Das gemeinsame Lachen und Wachen. Für den anderen da sein. Wahr sein.

15) Es geht immer weiter. Auch wenn ich gerade nicht weiß, wie.

16) Ich weiß, dass ich es wert bin.

17) Es tut weh.

18) Das Leben meint es gut.

19) An allem Hoffen und Sehnen hängt auch der Zweifel, der Fall, der zu den Akten gelegt wird, zumindest theoretisch.

20) Das Gefühl ist stärker als der Kopf.

21) Verzeihen und Gedeihen.

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Vertrauen.

Man muss nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer sind als unsere Einsicht und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selbst leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.

(Rainer Maria Rilke in einem Brief)

 

 

 

Quelle: http://www.marschler.at/worte-rilke-briefe-westhoff.htm

be.quiet.enjoy.the.silence.

aus.sicht.en.ein.sicht.en.

Wenn wir uns begegnen, sind wir nicht immer allein der die das, was wir eigentlich sind. Die Vergangenheit reist mit. All die Lieben, die erfüllten, die unerfüllten. All die Dramen, Spektakel, Schlachten. All die Erklärungen, Verzerrungen, Entlarvungen. Highlights, low lights. Verlorene Sätze, verdorbene Momente, höchste Glücksgefühle, durchdringende Erfahrungen, gute und schlechte. Die, die da waren, sind manchmal noch da, oder tauchen wieder auf. Plötzlich sitzen sie mit uns am Tisch, während wir uns in die Augen sehen. Oder sie klemmen sich ins Telefonat, während wir miteinander sprechen. „Was hast du gesagt?“, fragen wir dann.  „Siehst du mich?“ „Ja, ich sehe dich.“ Die Herzen zittern vor Freude. „Du bist schön!“ Wir sind zusammen. Wir sind allein. Miteinander. Gefühle. Große und kleine. Raue und scharfe. Durch Missverständnisse zum Verstehen. Wahrheiten. Wie viele Wahrheiten verträgt eine Liebe. Wie viel Liebe verträgt die Wahrheit? Sind Wahrheit und Liebe dasselbe? Bist du du oder bist du ich? Bin ich du? Verwirrend. Ich liebe dich. Etwas aus uns spricht. Die Worte sind schön. Zwei, ganz nah beieinander. Genießen. Fühlen. Die Klarheit der direkten Begegnung. Rein. und. Klar. Tief. Wir lieben einander. So. gut. wir. können. Wir halten uns. Für. das. was. wir. sind. im. Fühlen. im. Denken. im. Sein. Mit seinen Wünschen rutscht jemand in die Tiefe. „Hilfe, da ist ja gar kein Boden!“, rufen wir erschrocken. Im Rutschen ein Rufen: „Halt mich!“ Wer oder was soll halten? Im tiefen Brunnen steht am Boden eine Leiter. Da steht sie noch, der Fuß schon auf der ersten Stufe. Der Blick nach oben – Himmel! Die Hoffnung steigt zuletzt über die Trümmer. Wir üben. Nein, wir üben nicht. Wir machen. Doch, wir üben. Jeden Tag üben wir uns. In Geduld. In allem. Es gibt soviel zu lernen. Schöne Aussicht. Ebenen. Bessere Ebene. Uns gefällt, was wir entdecken. Uns gefällt, was wir fühlen. Meistens. haben. wir. keine. Angst. vor. dem. was. wir. finden. Was. wir. sind. Manchmal lernen wir etwas, das wir gar nicht wissen wollten. Das Leben ist ein Übungsfeld, ein Lernfeld, ein Trial-and-Error-Spiel. Für unsere Gedanken. Für unsere Gefühle. Unsere Träume. Alpträume. Wünsche. Unsere eigene Welt. Bezahlt wird mit Lehrgeld, mit Gefühl und Freude, auch Verzweiflung. Und Erkenntnis. Unser Herz wird weiter. Wir atmen durch. Wir bekommen Geschenke. Liebe. Wir bekommen Antworten. Wir fühlen. Wir wachsen. Verwachsen. Wuchern. Wildern. Wundern. uns. Wir leben. Wir fühlen, dass wir leben. Wir leben gern. „Sollen wir nicht von vorn anfangen?“, fragen wir. Wir wollen. Wir wollen neu sein.  Wir sind neu, sehen neu, wenn wir es zulassen. Wenn wir loslassen. Wenn wir es leben. Das Neue. sind. Ich habe die Knospen am Strauch gesehen, die Sonne stand hoch am Himmel. Du hast meine Hand genommen und hieltest sie fest. Wir sahen einander an und lachten. „Wann fliegen wir nach Detmold?“ hast du mich gefragt, – ich war verwirrt. „Ich verstehe nicht“, flüsterte ich, als ein Flugzeug über unsere Köpfe flog. „Denkst du, wir sehen, was da ist?“, fragte ich dich. „In Detmold gibt es viel zu sehen,“ sagtest du. „Ich meine, du und ich“, sagte ich. „Ja, du und ich, wir sehen, was wir sehen können.“ Dann klappten Bilder aus uns heraus, kleine Filme, mit Menschen, die schon mal da gewesen waren. „Wo bist du?“, rief ich. Ich winkte. Da winkte jemand zurück. Wer war das? Wer ist das? „Bist du noch da?“ Nervös streift unser Blick das, was da ist. Das, was wir sehen. „Ich bin nicht allein, du bist nicht allein“, ruft jemand.  „Meinst du mich? Bin ich gemeint?“ Dann habe ich dich gesehen. Wir liefen aufeinander zu. Wir hielten einander fest, umarmten uns stürmisch, wir sahen uns an. „Wer weiß, was Liebe ist?“, fragtest du. „Die Liebe“, sagte ich.

 

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„Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden.“

(Rainer Maria Rilke)

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