ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Lyrisches

abendlicht

© mp


abends

der spaziergang
am märkischen ufer
septemberlicht
spiegelt sich
in den wellen
der herannahende
herbst liegt schon
in der luft

© mp

gedanken zum malen, zeichnen und schreiben.

manchmal weiß ich nicht genau, ob ein bild fertig ist oder nicht.
in dem moment, wo es entsteht, entsteht es.
ich habe in dem moment, wo ich es male oder zeichne, kein anderes ziel,
als es zu malen oder zu zeichnen.
es ist nicht mal ein moment des wollens, das ist fast gänzlich abgelegt,
es ist mehr ein moment des handelns, des tuns, der aktivität.
ich bin gleichzeitig erschafferin und betrachterin von etwas,
das entsteht.
irgendwann gibt es den punkt, an dem ich das gefühl habe:
das war es,
mehr farbe muss nicht, mehr linien müssen nicht,
„ich hab es“,
so kann es bleiben,
dann lasse ich die farbe trocknen,
oder lege die zeichnung beiseite.
meist am nächsten tag weiß ich mehr über das bild.
ist es fertig? oder war es nur eine weitere stufe,
bis ich zu dem bild komme, was es sein will und soll?
manchmal denke ich über ein bild nach,
oder ich betrachte es nur, „fühle es“.
und dann gibt es oft einen impuls, der entweder lauten kann:
mehr farbe, oder: andere farbe, oder: übermale alles.
dann geht es wieder von vorne los.

das, was ich durch und über das malen lerne,
habe ich beim schreiben so nicht gelernt oder anders gelernt.
interessant ist auch, dass das, was ich woanders gelernt habe,
neu im kontext der malerei oder kunst lernen, oder besser gesagt:
mir übersetzen muss. es „der hand beibringen muss“,
in die sprache der hand übersetzen.
die prozesshaftigkeit des entstehens, empfinde ich beim malen
und zeichnen deutlicher als beim schreiben.
auch diesen punkt, diese empfindung, wann etwas gut ist oder nicht,
das fällt mir wesentlich leichter beim malen und zeichnen,
als beim schreiben.
und doch profitiert das eine vom anderen. und darüber hinaus
profitiere ich von allem.

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wenn du an mich denkst

du gibst mir dein wort
es ist eines
darin bin ich
es ist du – sagst du
im du bist du
also ich
denn wenn du du sagst
meinst du mich
also ich
und ich bin in mir
und in dir bin ich
wenn du an mich denkst
und auch du bist
in meinen gedanken
da bist du nie ich
da bist du immer
du
du bist und bleibst
in meinen gedanken
immer du

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vielleicht denkst du ans glück

ich stell mir vor
wie du in einem garten sitzt
zwischen wild gewachsnen sträuchern
vielleicht steht dort auch eine birke
und eine blumenwiese
voller kornblumen und gänseblümchen
irgendwo darin
du
lauscht den vogelstimmen
auf einem stuhl vielleicht
dem tag hinterher
sinnend
mit geschlossenen augen
genießt du den sommerabend
schaust in die ferne
vielleicht denkst du
ans glück
als sich ein marienkäfer
auf deine hand setzt

© mp

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heutiger begriff: marienkäfer
#juniverse

bewegungen

ich stehe vor mauern
ich suche einen faden
ich liege in der hängematte
ich schwebe auf wolken
ich schwimme im pool
ich tauche ein
ich fange seifenblasen
ich träume
ich blicke in die ferne
ich berühre deine stimme
ich wühle mich durch schmetterlinge
ich fahre in der u-bahn
ich schreibe ein gedicht
ich poste es im blog
ich sitze im garten
ich stehe auf dem schlauch

© mp

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heutiger begriff: gartenschlauch
#juniverse

staubblüten

der stüten blaut
ein blütenkraut
darüber taub
aus blüten staub
staubt wie taub
ein raub aus kraut
wie taub beraubt
oh klüten schraut
es schießt ins kraut
der blütenstaub
von stüten klaut
in blüten staut
wie stüten blaub
im blütenstaub

© mp


Im Rahmen der Juniverse, einer 1 Monat dauernden Lyrik-„Challenge“, bei dem an jedem Tag ein Gedicht zu schreiben ist, habe ich mich am heutigen Begriff versucht, der da lautet: Blütenstaub. Die Liste mit den Begriffen hier: https://www.silbenton.de/juniverse/

 

raus

die worte tragen masken
flüsternd gehen sie
durch ungeschriebene
gedichte
irgendwo fällt ein stein
eine schneeflocke
irgendwo stürzt ein leben
krachend zu boden
jemand sieht auf
gott wo bist du
im hintergrund
antwortet youtube
mit einem algorhythmus
niemand wippt mit dem fuß
es ist sonntag
sonntag
schon wieder sonntag
schon wieder montag
schon wieder dienstag
es ist schon wieder
leben
die worte tragen masken
flüsternd gehen sie
durch unbeschriebene tage

© mp

wanndernd

ich. suche. und
weiß noch nicht.
wohin.

ich weiß. und
weiß noch nicht.
wie.

wenn ich weiß.
wie. kommt
das wann.

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gedicht über arme socken

ich trage socken
an meinen füßen
ich trage die socken
bis in die schuhe
ich trage die socken
in den schuhen
bis auf die straße
ich trage die socken
in den schuhen
auf der straße
den ganzen tag
bis zum abend
trage ich die socken
in den schuhen
auf der straße
bis zum abend
bis nach hause
die socken tragen
den ganzen tag

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ich habe keine ahnung

ohne ahnung
schritt für schritt
ahnungslos
gehe ich
ungeahnte wege
fürchte mich noch
ahne ich nichts
doch
in dieser furcht
in diesen schritten
da ist eine
vorahnung
dass es kommt
wie es kommt
doch ich weiß nicht
ob das wahr ist
ich habe überhaupt
keine ahnung

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der grund

du bist dir nicht sicher
also tust du es
du tust es
aus genau diesem grunde
wenn du es tust
tust du es
als seist du dir sicher
im grunde
doch tust du es
um dir erst sicher zu werden
um schließlich sicher zu sein
dass du es bald
nicht mehr tun musst
weil du dann sicher bist
das ist wie ein grund
der einen abgrund
sichern möchte
ganz sicher
deshalb tust du es
im grunde unbegründet

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motive

einmal die woche
treffen sich bei mir
vor dem haus
1000 flamingos
immer sonntags
und stehen mir modell.
montags treffen sich
die krähen.
dienstags die fische.
mittwochs die eulen.
donnerstags die frösche.
freitags vögel und
schmetterlinge.
samstags haben alle
tiere frei.
ich nicht.

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walheimat

die wale
ziehen
hinter den wolken
einen wal
aus wolken hinterher
ziehen die wolken
einen wal
aus dem wasser
entlang der wolken
walken die wolken
sie wählen
einen wolkigen wal
in einem
wolkigen tal
entlang der wolken
gehen wolken
immer wieder mal
als wal
durchs tal

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innerer prozess

ich versuche
die wahrheit zu erkennen
in mir
versuche ich mich
einzunehmen
an den grenzen die waffen
sinken zu lassen
ich versuche zuzulassen
was wahr ist
in mir

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vom nichtstun

nichts tun
was heißt das
auf der stelle
zu stehen
nur zu atmen
mich nicht zu bewegen
heißt es
nicht einzukaufen
nicht zu sprechen
nicht zu denken
nicht aufzuräumen
nicht dichten
nichts tun
heißt es
nur zu atmen
hier und jetzt zu sein
im kopf
im körper
still sein
mich nirgends hin denken
mich nirgends hin fühlen
nirgends hin agieren
nichts tun
was heißt das

© mp