ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: Juni, 2015

gute.nacht.gedicht.

die blumen legen sich schlafen
die katzen legen sich schlafen
die hunde legen sich schlafen
die menschen legen sich schlafen
die schultaschen legen sich schlafen
die zahnbürsten legen sich schlafen
die laptops legen sich schlafen
die synthesizer legen sich schlafen
die füllfederhalter legen sich schlafen
die fußballschuhe legen sich schlafen
die alten socken legen sich schlafen
die kaffeemaschine legt sich schlafen
und irgendwann fängt irgendwo
einer an zu gähnen
und dann sieht man plötzlich überall
nur noch offene münder
und einen der das licht ausknipst
und flüstert
gute nacht

© mp

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Was einer nicht hat, das kann er auch nicht geben.

(Matthias Claudius)

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Reflection

The beauty you see in me is a reflection of you.

(Rumi)

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Wellen.

If you don’t become the ocean, you’ll be seasick every day. (Leonard Cohen)

Es gibt Momente im Leben, die besonders sind. Besonders besonders. Weil sie fordern. Weil sie wollen. Etwas von dir. Manchmal schwappt einem das Leben als riesige Welle entgegen, während man am Ufer steht und die Füße vom Wasserstrudel umspült werden. Wird es mich mitreißen? Soll ich weiter gehen? Ist es besser, fest zu stehen? Kann ich schwimmen? Trägt mich die Welle? Als ob man auf alles vorbereitet wäre. Was hast du denn? Was brauchst du denn? Das Leben liefert. Antworten. Fragen. Aufgaben. Und wir? Mittendrin. Scheitern und siegen, falls es so was wie Scheitern und Sieg überhaupt gibt. Vielleicht ist alles einfach nur. So wie wir selbst auch. Wir sind. Du bist. Ich bin. Mensch. Bist du bereit? scheint das Leben manchmal zu fragen. Es tritt an einen heran, hat etwas dabei. Manchmal ist es ein Problem. Ein Problem? Was soll ich verfluchte Scheiße mit einem Problem? Gibt’s nicht was Besseres? Nein. Zeig mir, wer du bist, sagt das Leben. Ich bin da, wo bist du? Ich warte auf dich. Das Leben ist geduldig. Es sieht sich an, wo wir sind, wer wir sind. Es will wissen, wo wir sind, wer wir sind. So, da bist du ja, XY. Ich klopfe mal an, wie die Lage ist. Klopf, klopf. Manchmal fühlt es sich wie eine Kopfnuss an. Manchmal denkt man: Es reicht! Vielleicht Ausdruck unseres mangelnden Vertrauens. In uns selbst. In das Leben. Das Leben weiß. Oder nicht? Woher soll ich das wissen? Ich weiß, dass es manchmal ganz Dicke kommt. Der aufgeschlagene Mensch. Das aufgeschlagene Buch. Wir. Du. Ich. Die Seiten füllen sich, die Seiten leeren sich. Wir überschreiben, radieren, schreiben neu. Wir, auf und in den Wellen unserer Erfahrungen. Ich spüre die Wellen. Ihre Kraft. Ihre Lebendigkeit. Ihre Schönheit. Wie sie sagen: Komm, wir spielen! Komm mit! Und manchmal kannst du nichts anders tun, als weg zu laufen. Dich treiben zu lassen. Oder dir die Taucherbrille aufzusetzen und dich voll und ganz hinein zu stürzen. Und manchmal erkennst du: Ich selbst bin die Welle. Und das da draußen hat Vertrauen in mich und sagt: Es ist alles für dich. Es ist alles für dich da. Ich bin für dich da. Hab Vertrauen. Tu, was du tun kannst. Trau dich. Du schaffst das. Wir schaffen das zusammen.

© mp