ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Tagebuch

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Es ist trüb heute morgen. Der Himmel ist grau, die Sonne ist nicht zu sehen. Es ist kalt, die Menschen tragen wieder ihre Winterjacken, hochgeschlossen. In meinem Herzen scheint die Sonne.

(Tagebuchnotizen, April 2017)

 

© mp

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erinnerung

ich denke oft an dich, sehr oft. ich habe dich nie vergessen. wie könnte ich? du warst immer und überall bei mir. wenn ich an schönen orten war, stellte ich mir vor, wie ich sie mit dir erkunde. wenn ich interessantes hörte, stellte ich mir vor, wie ich es dir erzähle. wenn ich spürte, dass du traurig bist, sprach ich dir tröstende worte. das klingt seltsam, nicht wahr?

(mai 2009, tagebuchnotizen)

© mp

 

über das schreiben

das, mit dem man sich an den schreibtisch setzt, um es aufzuschreiben.
und das, was dann tatsächlich da steht.

© mp

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manches kannst du nicht aussprechen
es bleibt in dir
und redet dort weiter

© mp

(Tagebuchnotizen, November 2016)

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Entlärmen

Manchmal nichts anderes wollen, als sich zu verkriechen. Sich klein machen wie ein Igel, zusammenrollen. Flüchten. Ins Laub. In den Wald. Irgendwohin, wo man allein ist. Wie in einem Kokon, sich geschützt fühlen. In Ruhe. Ausruhn.

(Tagebuchnotizen)

© mp

Gelassenheit bei der Betrachtung

„Wenn man sich selbst erkennen und erfassen möchte, ganz gleich auf welche Art, ob schreibend, denkend, redend, schweigend, kreativ, muss man bedenken, dass man mehr als eine Person ist. Und dass, abhängig von der Perspektive aus der man schaut, aus dem Blickwinkel, mit dem man betrachtet, auch abhängig vom Empfinden und Zeitpunkt des Betrachtens, das Ergebnis stets ein anderes sein wird. Zum Beispiel: Aus der Liebe heraus, aus der Angst, der Wut, aus dem Ego heraus, aus der Enttäuschung, der Traurigkeit, aus dem Zweifel, aus der Erwartung u.a. heraus sich immer andere und unterschiedliche Antworten finden werden, obwohl alles eins ist und man doch nie nur eins ist.“

(Tagebuchnotizen)

© mp

Unaussprechlich

„Obwohl es sich Denken lässt, lässt sich nicht alles aufschreiben. Als müsse manche Wahrheit ein unausgesprochenes Geheimnis bleiben.“

(Tagebuchnotizen)

© mp

Notiz

Manchmal sucht man etwas, das man längst hat. Man weiß aber nicht, dass man es hat. Dazu muss man es manchmal erst verlieren, um es dann, unter Mühen, wieder zu bekommen.

(Tagebuchnotizen, im Oktober)

© mp

Hoffnungsfroh träumen

Träumen. Dort finde ich mich, dort fange ich mich. Dort fange ich an, Bilder zu suchen und zu finden, Blumen zu suchen und zu finden. Worte daraus zu basteln. Verse. Prosa. In meinen Träumen ist alles möglich, auch ich. Ich, die ich bin und werde, ich, die ich war und wurde. In meinen Träumen ist Schön-und Schlechtwetter, es gibt offene und geschlossene Türen, hinter denen Blumen wachsen. Es ist schön, es ist leicht, zu träumen, trotz allem. Es ist schön und leicht zu sagen, dass es schön und leicht ist. Und es ist angenehm zu weinen. In den Tränen verabschieden sich Bilder aus Träumen, korrigierte Sätze, die Stacheln in die Haut ritzen, die als feine Narben bleiben. In den Räumen träumen, versäumen zu säubern, das kommt später, wie alles später kommt und manches auch gar nicht. Gar nicht schlimm, wenn was fehlt, das beflügelt, die Phantasie, die Kreativität, das löst Hunger aus, doch Hunger lässt Schmerz da. Und wo Schmerz ist, da ist auch ein Herz nicht weit, oft, manchmal findet sich auch dort keines, es ist manchmal leichter in den Träumen zu träumen, als in Gegenwart anderer Menschen. In den Wolken Geschichten sehen und finden, in den Augen der anderen lesen und hören, das Erlöste, das Erzählte, das Unerzählte in unzähligen Auslassungen abgelegt. Die Hoffnung frisst Schokolade, wir teilen gerecht, sie und ich, wir sind ein Paar, schon lange. Wir waren auch schon getrennt, haben gestritten, sie wollte zuviel oder ich, so ist es ja immer, das haben wir begriffen. Dass wir einander lassen müssen, gehen lassen, hoffen lassen, lieben und träumen lassen und manchmal wissen wir beide nicht, was wahrer ist. Wir lieben das Träumen, die Hoffnung und ich. Wir schreiben Geschichten und Gedichte, in denen wir lachen und weinen. Wir wissen, was wir aneinander haben. Wir halten einander, beschenken uns und in den dunklen Stunden sitzen wir bei einander, flüsternd bei Kerzenschein.

(Tagebuchnotizen, September 2014)

© mp

„Heute nichts geschrieben. Morgen keine Zeit.“ 

(Franz Kafka, Tagebucheintrag)

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