Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 1

Eat, sleep, dance, repeat. (Das Lollapalooza-Festival-Motto)

Es ist Samstag, der 10. September 2016, kurz nach 12 Uhr, als ich mit 2-Days-Festival-Bändchen am Arm, nach Leibesvisite und Taschenkontrolle, bei schönstem Wetter den Treptower Park in Berlin betrete. Mehrere Tausend Fans stehen bereits in der prallen Sonne und lauschen Josef Salvat.

Der 27jährige australische Popsänger spielt seit 12 Uhr auf einer der Hauptbühnen in der Nähe des Eingangs. Seine Musik passt extrem gut zum Superwetter und zur ausgelassenen Stimmung. Berührend schön auch sein Cover „Diamonds“ von Rihanna, bei dem ich lauthals mitsinge. Es sind fast 30 Grad. Die Stimmung ist angenehm und beschwingt. Überall wird gelacht, gesungen und getanzt. Hier und da werden Selfies gemacht. Auf der Bühne nebenan wird bereits der nächste Gig vorbereitet: Dubioza Kolektiv, eine bosnische Dub-Band spielt gleich im Anschluß. Nach knapp einer Stunde in der Sonne singen und tanzen bin ich durstig und gehe über den trockenen Rasen zu den Getränke-Ständen und bestelle ein Wasser, 0,33l. 4 Euro. Davon 1 Euro Pfand. Ich bezahle und nehme einen Schluck. Vorbei an Essständen, gehe ich zur nächsten Bühne und warte im Schatten.

12.45 Uhr Dubioza Kolektiv werden angekündigt, mit einer von der Band initiierten Ansage, die unter anderem dringend empfiehlt, während des Konzertes Marihuana zu rauchen und sich gut zu amüsieren. Die sieben Bandmitglieder stürmen in typisch gelb-schwarzem Outfit auf die Bühne und legen gleich los. Die Truppe verbreitet gute Laune, das Publikum hüpft und tanzt. Ich natürlich auch. Die Band spielt fröhlich und ambitioniert. Man merkt, wie viel Spaß sie haben und das überträgt sich auf die Menge. (arte hat auf ihrer Website einen Mitschnitt. Ansehen!). Am Ende des Konzertes hab ich ziemlich viel getanzt und mein Wasser ist alle. Ich muss Nachschub holen und was essen. Ich komme überall gut durch, die Stände rundherum sind nicht allzu bevölkert, auch bei den Toiletten geht es gesittet zu. Auf dem riesigen (275.000 qm) umzäunten Festival-Gelände gibt es u.a. den grünen Kiez, in dem nachhaltige Projekte vorgestellt werden und ich entdecke, dass man dort Wasser umsonst bekommt. Auch dort zahlreiche Essstände, Eis und ein paar ruhige Plätze unter Bäumen, Händler mit T-Shirts und Röcken uvm. Auf der Hauptstraße, die die vier Bühnen voneinander trennt, strömen weiterhin Menschen aufs Gelände. Alle sind froh über die Bäume hier, denn die spenden Schatten. Es ist inzwischen sehr heiß und staubig, die Stimmung bestens. Keine betrunkenen Menschen weit und breit, dafür aber viel Staub und deshalb viele schwarze Füße. Auch meine Turnschuhe sehen inzwischen anthrazit aus. Ich esse Spaghetti und setze mich in den Schatten. Es ist eine lockere Atmosphäre, hier kommt man leicht ins Gespräch. Ich lache mit zwei Spaniern und treffe zwei Arbeitskollegen. Später reihe ich mich in die Schlange für Wasser ein und fülle meine Flasche auf. Hinter dem Kiez sind zwei weitere Bühnen: Perry’s Stage und Alternative Stage. Überall Stände mit Essen, Trinken und Zigaretten, auch stark frequentierte Geldautomaten und ein kleines Karussell. Eine eigene Welt, ein kleines Paradies. Ich esse einen Paradiesapfel (2,50) und bestelle mir anschließend einen Kaffee. 4 Euro. Prost. Auf Perry’s Stage spielt Alan Walker seit 15.15 Uhr.

Der erfolgreiche britisch-norwegische 19jährige Musikproduzent steht mit Sweater auf der Bühne und hat die Kapuze hoch gezogen, wie in seinen Videos. Ich schwitze schon beim Zugucken. Es sind immer noch 30 Grad. Aus den Boxen ein Hit nach dem anderen und ein mitklatschendes und mitsingendes Publikum. Ich gehe bald zurück zur Hauptbühne. Dort spielt ab 16 Uhr die großartige Jess Glynne. Das Gelände wird immer voller, der Sand fliegt durch die Menschen und jeder Schattenplatz ist begehrt. Jess Glynne singt mit ihrer phantastischen Stimme und als das Publikum „My Love“ laut mitsingt, kommen ihr die Tränen.

Sie ist so gerührt, dass sie sich wegdreht und mit den Tränen ringend weiter singt. Sehr berührend. Auch mir laufen die Tränen. Die Menge applaudiert und jubelt. Sie lacht. Wir tanzen, klatschen und singen. Es ist so klasse hier zu sein! Über dem Publikum schwebt ein Kameramann und dreht quer durch die Menge. Mittendrin die Bierverkäufer mit Fässern auf dem Rücken. Ich trinke Wasser, tanze und sehe überall schwarze Füße. Meine Schuhe sehen inzwischen schwarz aus. Nach dem Konzert wird es Zeit wieder rüber zur Alternative Stage zu gehen. Da spielen seit 16.30 Uhr Kaiserchiefs. Dort angekommen, tritt Plan B in Kraft: Es geht wieder zurück, rüber zu Perry’s Stage. Denn da spielen … (Fortsetzung folgt) 🙂

© mp