ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Gedicht

nullpunkt / wie im film

in fight club heißt es
an einer stelle:
du musst an deinen
nullpunkt kommen
eine szene in der
brad pitt und edward norton
im auto unterwegs sind
auf nächtlicher straße
diskutieren sie
wichtige fragen
des lebens
während edward norton
langsam panisch wird
löst brad pitt die hände
vom lenkrad
lass los
lass es los
lass es los

der nullpunkt ist der punkt
an dem zuerst alles stillsteht
bevor es dann umschlägt
aufsteht
erneuert
in eine andere richtung geht
der nullpunkt ist
kein toter punkt
sondern der an dem neues beginnt
doch dazu muss das alte
losgelassen werden
also vertrauen
und loslassen
lass los
lass es los
lass es los

© mp

hier zur erinnerung, für alle, die nicht mehr wissen, die sich nicht mehr erinnern oder den film überhaupt noch nicht gesehen haben. jemand hat die bilder nachträglich mit einem effekt versehen, aber sie sind noch erkennbar und die worte sind wichtig. (ich werde ihn mir in kürze auch noch mal ganz anschauen. mein absoluter lieblingsfilm).

in schweren zeiten

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

ist ein leicht dahin gesagtes
wort vielleicht
eine erleichterung
oder muss es schwer
gewichtig sein
damit es leichter wird

ist es vielleicht leichter
kein wort zu verlieren
und nur anzunehmen
und nur zuzuhören
was der andere sagt

wie leicht ist es
etwas schweres zu hören
und wie schwer ist es
etwas zu sagen
das sagt sich so leicht
das sagt sich nicht leicht

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

© mp

verquer

überall sitzt mir das virus
im kopf in meiner sprache
im radio in den geschäften
auf der straße tag und nacht
maskiert überall zahlen
es ist zum verzweifeln
ich kann kein gedicht schreiben
nicht darüber und nicht darunter
nicht hier und jetzt und überhaupt
ich kann nicht
die worte kämpfen miteinander
ich kann nicht nur das eine
sagen will doch soll doch ganz
und alles ach
ich kann nicht
ich kann überhaupt nichts sagen
ich kann überhaupt nichts schreiben
die worte rasen durch mich
ich schreie
ich kann überhaupt nichts tun
nicht mal ein gedicht kann ich schreiben

© mp

elfchen im zwölfchen

o.t.

poesie
ist träumen
auf dem papier
in worten baden möglichkeiten
leben

© mp

nur einer

es waren zwei doch
es kann nur einer sein
es wählten viele
es zählten viele
es konnte nur
einer sein
nur einer der
biden

© mp

morgengedicht

morgen ruft er
morgen morgen
morgen sag ich
ach und oh

morgen lacht er
morgen morgen
bin noch schläfrig
sowieso

hüh und hott
mit wilder mähne
zeigt der morgen
mir die zähne

morgen sag ich
morgen morgen
sag oh ach
so früh wie froh

morgen sagt er
nicht nur morgen
fühl dich froh
und früh geborgen

© mp

knisterknaster

zuckerspitze, zuckerhut.
flammenfeuer, flammengut.
oh es heiß, es heiß, es heißer.
knicken, knacken, feuerbleister.
knackt das holz im feuerschlund.
flammen, flammen, hoch und bunt.

© mp

gedanken zum malen, zeichnen und schreiben.

manchmal weiß ich nicht genau, ob ein bild fertig ist oder nicht.
in dem moment, wo es entsteht, entsteht es.
ich habe in dem moment, wo ich es male oder zeichne, kein anderes ziel,
als es zu malen oder zu zeichnen.
es ist nicht mal ein moment des wollens, das ist fast gänzlich abgelegt,
es ist mehr ein moment des handelns, des tuns, der aktivität.
ich bin gleichzeitig erschafferin und betrachterin von etwas,
das entsteht.
irgendwann gibt es den punkt, an dem ich das gefühl habe:
das war es,
mehr farbe muss nicht, mehr linien müssen nicht,
„ich hab es“,
so kann es bleiben,
dann lasse ich die farbe trocknen,
oder lege die zeichnung beiseite.
meist am nächsten tag weiß ich mehr über das bild.
ist es fertig? oder war es nur eine weitere stufe,
bis ich zu dem bild komme, was es sein will und soll?
manchmal denke ich über ein bild nach,
oder ich betrachte es nur, „fühle es“.
und dann gibt es oft einen impuls, der entweder lauten kann:
mehr farbe, oder: andere farbe, oder: übermale alles.
dann geht es wieder von vorne los.

das, was ich durch und über das malen lerne,
habe ich beim schreiben so nicht gelernt oder anders gelernt.
interessant ist auch, dass das, was ich woanders gelernt habe,
neu im kontext der malerei oder kunst lernen, oder besser gesagt:
mir übersetzen muss. es „der hand beibringen muss“,
in die sprache der hand übersetzen.
die prozesshaftigkeit des entstehens, empfinde ich beim malen
und zeichnen deutlicher als beim schreiben.
auch diesen punkt, diese empfindung, wann etwas gut ist oder nicht,
das fällt mir wesentlich leichter beim malen und zeichnen,
als beim schreiben.
und doch profitiert das eine vom anderen. und darüber hinaus
profitiere ich von allem.

© mp

wenn du an mich denkst

du gibst mir dein wort
es ist eines
darin bin ich
es ist du – sagst du
im du bist du
also ich
denn wenn du du sagst
meinst du mich
also ich
und ich bin in mir
und in dir bin ich
wenn du an mich denkst
und auch du bist
in meinen gedanken
da bist du nie ich
da bist du immer
du
du bist und bleibst
in meinen gedanken
immer du

© mp

vielleicht denkst du ans glück

ich stell mir vor
wie du in einem garten sitzt
zwischen wild gewachsnen sträuchern
vielleicht steht dort auch eine birke
und eine blumenwiese
voller kornblumen und gänseblümchen
irgendwo darin
du
lauscht den vogelstimmen
auf einem stuhl vielleicht
dem tag hinterher
sinnend
mit geschlossenen augen
genießt du den sommerabend
schaust in die ferne
vielleicht denkst du
ans glück
als sich ein marienkäfer
auf deine hand setzt

© mp

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heutiger begriff: marienkäfer
#juniverse

bewegungen

ich stehe vor mauern
ich suche einen faden
ich liege in der hängematte
ich schwebe auf wolken
ich schwimme im pool
ich tauche ein
ich fange seifenblasen
ich träume
ich blicke in die ferne
ich berühre deine stimme
ich wühle mich durch schmetterlinge
ich fahre in der u-bahn
ich schreibe ein gedicht
ich poste es im blog
ich sitze im garten
ich stehe auf dem schlauch

© mp

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heutiger begriff: gartenschlauch
#juniverse

staubblüten

der stüten blaut
ein blütenkraut
darüber taub
aus blüten staub
staubt wie taub
ein raub aus kraut
wie taub beraubt
oh klüten schraut
es schießt ins kraut
der blütenstaub
von stüten klaut
in blüten staut
wie stüten blaub
im blütenstaub

© mp


Im Rahmen der Juniverse, einer 1 Monat dauernden Lyrik-„Challenge“, bei dem an jedem Tag ein Gedicht zu schreiben ist, habe ich mich am heutigen Begriff versucht, der da lautet: Blütenstaub. Die Liste mit den Begriffen hier: https://www.silbenton.de/juniverse/

 

raus

die worte tragen masken
flüsternd gehen sie
durch ungeschriebene
gedichte
irgendwo fällt ein stein
eine schneeflocke
irgendwo stürzt ein leben
krachend zu boden
jemand sieht auf
gott wo bist du
im hintergrund
antwortet youtube
mit einem algorhythmus
niemand wippt mit dem fuß
es ist sonntag
sonntag
schon wieder sonntag
schon wieder montag
schon wieder dienstag
es ist schon wieder
leben
die worte tragen masken
flüsternd gehen sie
durch unbeschriebene tage

© mp

wanndernd

ich. suche. und
weiß noch nicht.
wohin.

ich weiß. und
weiß noch nicht.
wie.

wenn ich weiß.
wie. kommt
das wann.

© mp

gedicht über arme socken

ich trage socken
an meinen füßen
ich trage die socken
bis in die schuhe
ich trage die socken
in den schuhen
bis auf die straße
ich trage die socken
in den schuhen
auf der straße
den ganzen tag
bis zum abend
trage ich die socken
in den schuhen
auf der straße
bis zum abend
bis nach hause
die socken tragen
den ganzen tag

© mp