ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: April, 2017

Bruno Mars und seine Fans

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Das Faltboot in der Küche

Ich wollte mich gerade um mein Frühstück kümmern, da überraschte es mich: Ein Faltboot, in der Küche, genauer gesagt, in meinem Kühlschrank. Es lag im Gemüsefach, zwischen Brokkoli und Radieschen.
Während ich verdattert da stand, gab es plötzlich einen Knall und das Boot entfaltete sich mir entgegen, mit einem heftigen Schlag gegen die Stirn. Da hörte und spürte ich auch schon: Wasser! Nach und nach rauschte zu meinen Füßen das Meer heran. Bereits nach ein paar Minuten stand ich in fünf Zentimetern Wasser, als das Faltboot sprach: „Du kommst hier net rein.“
„Ich will auch gar nicht da rein!“, rief ich, während ich mir mit der linken Hand an die Stirn fasste. Das Wasser schwappte um meine Füße. „Wie, verdammt noch mal, kommst du in meinen Kühlschrank und kannst du bitte das Meer stoppen!?“
Das Faltboot sagte nichts. Es sank in sich zusammen. Oh je, ein sensibles Faltboot in meinem Kühlschrank!, dachte ich, unerfahren in Faltbootpsychologie. Der Wasserpegel stieg auf sieben Zentimeter.
„Hör zu“, sagte ich bestimmt, „du musst das Wasser stoppen! Du bist hier, aus Versehen, in meiner Küche gelandet. Ich brauche hier kein Meer! Ich brauche Brokkoli und ein Pflaster!“ Das Blut tropfte mir von der Stirn.
Das Faltboot blieb still.
„Bist du beleidigt?“, versuchte ich unsere Konversation in Gang zu bringen. Nichts. Wasserpegel inzwischen 9 Zentimeter. Die ganze Wohnung machte Schwappgeräusche, nur das Boot blieb still.
Ich warf einen Blick um die Ecke. Das Wasser stand auf gleicher Höhe in Flur und Wohnzimmer. Ich hörte, wie es im Bad gegen die Fliesen klatschte. Was mach ich denn jetzt?, dachte ich laut.
„Hör zu, wenn du was essen willst,“ begann plötzlich das Faltboot, „ich hab in einer meiner Innentaschen noch ein Sandwich. Irgendwo muss auch ein Campingkocher für Tee sein, kannst du gern benutzen.“ Dann war es wieder still.
Ich lachte laut auf.
„Entschuldige,“ stammelte ich, nachdem ich mich wieder gefangen hatte. „Ich hatte noch nie das Meer in meiner Wohnung oder ein Faltboot im Gemüsefach… und mit Faltbootpsychologie kenne ich mich nicht aus.“
„Macht nichts,“ antwortete das Faltboot, dafür kenne ich mich, sowohl mit Meeres-, als auch mit Menschenpsychologie aus. „Ich kann dir anbieten: Ein herrliches Sandwich mit frischem Gouda, Gurken-und Tomatenscheibchen. Interessiert?“
„Welchen Tee hast du dazu,“ fragte ich, halb im Scherz.
„Welchen trinkst du denn am liebsten?“
„Roibuschtee“, antwortete ich.
„Den hab ich, kein Problem. Soll ich den Tisch für dich decken?“
Das hier war zu absurd, träumte ich? Ich schlug mir mit der flachen Hand an die Stirn. Autsch, das tat weh. Ich hatte Blut an den Fingern. Nein, das hier war real!
„Ja, gerne, deck für mich den Tisch,“ sagte ich. „Aber sag: Könntest du bitte endlich das Meer stoppen?“ Das Wasser reichte mir inzwischen bis an die Kniekehlen. Wie mochte es wohl im Hausflur aussehen? Die Türe konnte ich nicht öffnen, wegen des starken Wasserdrucks. Als ich durch den Türspion sah, sah ich, wie ein Papierbötchen über die Treppen von der vierten in die fünfte Etage schipperte.
„Eine Bedingung!“, sagte das Faltboot in meine Beobachtungen.
„Welche?“, fragte ich.
„Du musst mich ans Meer bringen, ans richtige, dann stopp ich das Meer hier.“
„Mach ich“, sagte ich kurzentschlossen. „Eine Fahrt von ein paar Stunden, ich pack dich einfach ins Auto.“
„Mir wird aber so schnell übel beim Autofahren,“ sagte das Faltboot. „Das letzte Mal hab ich in den Innenraum gekotzt.“
Ich stellte mir vor, wie das wohl ausgesehen haben könnte, sah Gürkchenscheiben und Gouda schwimmen und wie sich Gurkenscheibchen in den CD-Player schoben.
„Ich könnte das Fenster öffnen, während der Fahrt. Und wir machen genügend Pausen, dann kannst du dir die … ähm, Flanken vertreten auf dem Autobahnparkplatz“, schlug ich vor.
„Flanken vertreten“, spottete das Faltboot. „Willst du mich verscheißern? Wenn schon, dann musst du mich zwischendurch zu Wasser lassen. Da bin ich wie ein Fisch.“
„Ein Fisch?“, fragte ich verdattert.
„Ja, in meinem früheren Leben war ich ein Fisch,“ berichtete das Faltboot. „Hab ich bei einem Retreat herausgefunden. Spannend war das.“
„Ahja, sehr spannend“, sagte ich. „Also gut, ich suche per Routenplaner die Strecke aus, auf der die meisten Tümpel, Seen, Pfützen und Wasserlachen sind.“
Es entstand eine Stille zwischen uns. Ich befürchtete, das Faltboot könne wieder eingeschwappt, äh eingeschnappt sein, weil ich nicht richtig geantwortet hatte. Inzwischen hatte das Wasser meine Kniescheiben überwunden. Ich sah das Toastbrot am Küchenfenster durchs Wasser schwimmen, gleich daneben drehten sich die Äpfel zufrieden im Wasser. Aus dem Wohnzimmer kamen mir die Blumenvasen im Flur entgegen geschwommen.
„Einverstanden“, sagte das Faltboot in meine Gedanken hinein. Dann gab es einen Zischlaut von sich und mit einem Schlag war alles Wasser verschwunden und kein Meeresrauschen mehr da.
„Such die Route schon mal raus,“ sagte das Faltboot selbstbewusst und klappte in den Flur, als wolle es gleich los. Ich trottete klatschnass zum Computer und suchte, wie gewünscht, die Route aus.
„Ich freu mich schon aufs Meer“, rief das Faltboot aus dem Flur.
Ich starrte auf den Bildschirm. Zwischen all den Tümpeln, Seen und Pfützen gab es einen Weg ans Meer. Zwar kostete das 149 km Umweg, aber was macht man nicht alles für eine trockene Wohnung und ein Sandwich mit Gouda und Gürkchen.
„Ich habs,“ rief ich zufrieden.
Das Faltboot applaudierte in der Küche. „Ich hab dir dein Frühstück angerichtet“, hörte ich. „Mit Roibuschtee.“
Ich nahm die Wegbeschreibung aus dem Drucker, krempelte meine Hose hoch, zog die Socken aus, suchte im Schuhregal nach trockenen Schuhen, zog Sandalen an und setzte mich an den Küchentisch. Das Sandwich schmeckte vorzüglich. Das Faltboot grinste, während ich begierig aß.
Zehn Minuten später fuhr ich auf die Autobahn. Es gab keine unangenehmen Zwischenfälle, die Route war gut gewählt, es gab allerhand Planscherei und ein zufriedenes Faltboot.
Gegen Abend war ich wieder zurück Zuhause. In der Wohnung war alles wie immer. Keine umherschwimmenden Toastboote, ähm, Toastbrote, die Äpfel lagen unversehrt in der Obstschale, die Vasen standen da, wo sie zuvor gestanden hatten, der Boden war trocken, die gesamte Wohnung war in Ordnung, als hätte ich alles zuvor geträumt.
Am Kühlschrank fand ich einen Zettel hinter einem Magneten. „Dank dir fürs Übernachten,“ stand drauf. „Ich freu mich aufs Meer! Das andere!“ Dahinter war ein Smilie gezeichnet. Sachen gibts.

© mp

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Gedanken.kraft

Erkenntnisse haben nicht alle dieselbe Kraft, aber sie haben Kraft.
Und manche haben Türen, die sich dahinter öffnen oder schließen.

© mp

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Es ist trüb heute morgen. Der Himmel ist grau, die Sonne ist nicht zu sehen. Es ist kalt, die Menschen tragen wieder ihre Winterjacken, hochgeschlossen. In meinem Herzen scheint die Sonne.

(Tagebuchnotizen, April 2017)

 

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♫ ♩ ♬

träumen

das licht ist ausgeknipst
die nacht beginnt und wischt
den schlaf uns in den körper
die katzen liegen neben mir
& schlafen friedlich
beieinander liegen wir
körper an körper an körper
traum reiht sich an traum an traum
wir sind eine landschaft aus wärme

© mp

Was möchte ich behalten?

Möcht mich behalten
im Verschenken,
& gute Gedanken
denken.
Möcht mein Lachen gerne
teilen,
möge uns das Glück
ereilen.
Möchte fröhlich sein und
bleiben,
Düstres, wenn ich kann,
vertreiben.
Möcht nur, was ich
brauch, behalten,
& das Leben schön gestalten.
Möchte Kummer überwinden
ja & weiter tief empfinden.
Möchte dichten, Prosa
schreiben,
& des Lebens Freundin
bleiben.

© mp

(Dies ist ein Antwortgedicht auf Maribeys Frage: Was möchtest Du behalten?) https://mbeyersreuber.wordpress.com/2017/04/13/13-april-4/

An alle lieben Osterhäsinnen und Osterhasen!

Ich wünsche Euch schöne Ostertage und fröhliches Eiersuchen. Wer mit all dem nichts anfangen kann, dem wünsche ich einfach ein paar schöne freie Tage. Lasst es Euch (und den andern) gut gehn. Eigentlich wollte ich Euch einen Osterhasen zeichnen, aber ich hab ihn nicht ins Laptop bekommen, um ihn abzuzeichnen. 🙂 Frohe Ostern!

(. .)

augen.blicke

ich schreib dein gesicht
in dieses gedicht
so kann ich dich am tag
wenn ich es mag
immer ansehn
oder dran vorbei gehn
oder dich anlächeln
& dir luft zufächeln
oder ich stups deine nase
hase

© mp

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