ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Spontan

Julibäum … Jubiläum

An meine lieben Leserinnen und Leser! Wir feiern Geburtstag! Nein, nicht meinen, der kommt erst noch, sondern Bloglubijäum, Verzeihung: Blogjulibäum, Kruzifix! Bloggeburtstag! Im Juli 2013 startete ich dieses Blog mit der Idee, mindestens ein Jahr lang Gedichte, Prosa, Gedanken hier zu posten. Nun geht es bereits ins vierte Jahr! Ich freue mich sehr, dass Ihr dabei seid! Danke fürs Kommentieren, Diskutieren und Inspirieren. Danke für Eure Besuche, fürs Lesen, fürs Folgen, für Eure Likes und Herzchen, Eure Smilies, Komplimente und für Eure Wertschätzung. Schön, dass es Euch gibt. Happy birthday und Danke an Euch alle! Eure Wolkenbeobachterin

Fremde Männer gucken mir beim Schlafen zu

Ich wohne jetzt im Erdgeschoss. Dabei bin ich gar nicht umgezogen. Aber jetzt wohne ich im Erdgeschoss. Quasi. Wenn man im Erdgeschoss wohnt, können Hinz und Kunz rein gucken. Bei mir sind es ungefähr zehn polnische Bauarbeiter, deren Namen ich nicht kenne. Sie haben sich nicht vorgestellt, wie man sich vorstellen kann. Was außerdem unvorstellbar ist: Die mir seit einiger Zeit beim Schlafen, Wohnen, Kochen, Essen und Leben zugucken. Ich bin umzingelt. Der Vermieter rüstet auf und hat einrüsten lassen. Das Haus wird modernisiert. Rundherum spazieren nun die Bauarbeiter. Es wird eine Verkleidung am Haus angebracht, die gar nicht angebracht ist. Die Wärmedämmung, die das Haus zukünftig leichter entflammbar macht, wird jetzt aufgebracht. Aufgebracht waren wir Mieter im Haus darüber, weil die Wärmedämmung nämlich gar nicht nötig ist. Es war immer schön warm hier. Im Sommer angenehm kühl, im Winter angenehm warm. Ab jetzt ist es auch im Winter kühl und wir müssen mehr heizen. Außerdem könnte es sein, dass der Schimmel kommt, das sind hervorragende Aussichten. Apropos Aussichten: Die Bauarbeiter sind schon da, sie fangen früh an diese Woche. Schon um halb sieben haben sie sich auf der Straße breitgemacht. Dann sind sie nach und nach aufs Gerüst geklettert und haben laut knallend die Treppen herunterfallen lassen, über die sie übers Gerüst klettern können. Nachdem alle im Haus hochgeschreckt und halbwach sind, schneiden sie die Kunststoffknirschplatten direkt vor dem Fenster zu. Und kommentieren dies laut gröhlend mit durchdringend scharfer Stimme. Die Stadt schläft, nur wir sind jetzt alle halbwach. Modernisierung macht Spaß. Man zieht quasi um, ohne umgezogen zu sein. Es ist ein neues Wohnerlebnis, sich bei allem zugucken lassen zu müssen. Und obendrein gibts eine ordentliche Mieterhöhung. Toll.

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Filmtipp heute Abend auf arte, 21.50 Uhr

Ich hatte kürzlich über diese Doku, die ich im Kino gesehen habe, schon in meinem Filmblog erzählt. Hier der Link:
https://filmkalender.wordpress.com/2015/05/31/lust-sound-in-west-berlin/

Unbedingt ansehen! Großartige Doku über West-Berlin. Tolle Musik, toller Schnitt, mitreißend erzählt! Nicht verpassen!

Heimat.

Wenn man in sich selbst ein Zuhause hat, kann man nicht verloren gehen.

 

© mp

Sprechen Sie Türkisch?

Seit gerade eben, ist mein Blog auf Türkisch umgestellt, dabei habe ich nichts weiter gemacht, als mich Einzuloggen. Wenigstens ist mein Blogname noch derselbe, ansonsten steht da alles in einer mir wenig bekannten Sprache. Beispiele gefällig? Vielleicht möchte ja jemand türkisch lernen? Lektion eins: 2 Yorum heißt, so vermute ich: Zwei Antworten. Paylaşım butonlarını göster. Das hat mit der Reblog-Funktion zu tun, wenn ich das richtig erinnere. Denn es ist so, dass ich mich lediglich daran orientiere, woran ich mich erinnere: „Wo war welcher Button? Welche Funktion?“ Jedenfalls, das Lustige an dem hier ist, dass ich erst gestern Abend jemandem sagte, ich sei noch mit Neuorientierung beschäftigt. Dass ich jetzt Türkisch lernen sollte ist also ein Wink des Schicksals? Dahin geht die Reise? Oder ist es ein Fehler von WordPress? Wie ist es für Euch, wenn Ihr die blogüblichen Angaben lest? Stehen die da auf Deutsch oder auf Türkisch? Was muss ich denn nun Anklicken zum Posten? Oh man. Ah, Yayinla. Zum Glück ist der Button grün, ansonsten rufe ich mir wohl besser ein Wörterbuch auf. Ich würde Euch ja nun gern einen schönen Tag auf Türkisch wünschen, aber so weit bin ich noch nicht. …. Ah. Einfach posten geht anscheinend auch nicht. Da erscheint diese Meldung:

 

Diese Webseite ist nicht verfügbar

Die Webseite unter https://stadtzottel.tr.wordpress.com/2014/06/30/sprechen-sie-turkisch/?postpost=v2#content ist möglicherweise vorübergehend nicht erreichbar oder wurde dauerhaft auf eine neue Webadresse verschoben.
……
Edit zwei: Und jetzt ist wieder alles in Deutsch? Ich nix capito. Hat sonst noch wer von Euch technische Probleme mit der (= Eurer) Web-/Blogsite hier?
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DAS.

Manchmal ist es schon verwirrend. Es, Mensch. Hier ist ein Mensch, öffne die Tür. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Horch was kommt von draußen rein, Hollahi, Hollaho. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz. Fahrn, fahrn, fahrn, auf der Autobahn. I feel looking for freedom. Freedom is just another word for nothing left to lose. We carry in our heart the true Country, and that cannot be stolen. So könnt ich stundenlang weiter machen. Sich selbst auf die Spur kommen. Fragen beantworten, Fragen stellen, setzen, legen. Sich ergeben, sich erzürnen, sich ermuntern, sich wundern. Im Miteinander mit anderen, sich selbst er-fahren. Sich selbst erkennen. Sich selbst benennen. Wie heißt du? Was ist dir wichtig? Magst du Ziegenkäse? Oder andere Belanglosigkeiten. Manchmal wirkt es, als wirkten alle. Als wirkten alle etwas verstört. Verstört? Ach so. Ach so, was hattest du gemeint mit? Was hattest du gemein mit? Mir? Wir kennen uns nun schon so lange, findest du nicht, dass es an der Zeit ist, …? Ja, es ist Zeit, es wird Zeit, dass wir … Die Sätze mal zu Ende sprechen, vor denen wir uns am meisten fürchten. Fürchte dich nicht! Doch, fürchte dich. Ich flüchte! Hilfe. Ich sehe einen Menschen gehen. Hey, wo gehen Sie denn hin? Ich bin auf dem Weg in mein eigenes Unglück. One way oder return? Welchen Unterschied macht das schon? Einen gewaltigen. Einen gewaltigen Krach hat es gegeben. Wann denn? Als ich mir zuhörte. War es so schlimm? Es war schlimmer, als ich gedacht habe. Was war denn so schlimm? Dass ich gesagt habe, ich sei glücklich. Danach habe ich mir kein Wort mehr geglaubt. Sind Sie Komiker? Nein, nicht Komiker, aber was ähnliches. Was denn? Mensch. Mensch, da sagen Sie aber was! Ja, ich sage was und Sie sagen nichts. Nichts sage ich, nichts, gar nichts. Ich bin still, wie ein automatischer Bankeinzug. Was kann denn die arme Bank dafür? Sie hat mir im Weg gestanden. Da habe ich die Säge ausgepackt. Es kommt der Tag, da will die Säge sägen. Alles durchgesägt. Bedeutungen, Bindungen, ein ganzes Stück Leben abgeschnitten und es meistbietend angeboten. Wollte keiner haben. Hatten alle noch selbst genug. Sie machen wohl Witze? Ja, dauernd. Damit ich nicht weinen muss. Sie sind aber sehr durcheinander heute, kann das sein? Ich war noch nie so klar im Kopf. Also gut, wenn Sie so klar sind, dann haben Sie sicher viele Antworten. Ja, viele Antworten, ganz viele. Wollen Sie was wissen? Ja. Okay, dann schießen Sie mal …, nein, schießen Sie nicht. Fragen Sie. Haben Sie Fragen? Und wie ich Fragen habe! Dann los. Fragen Sie nur. Erklären Sie mir das doch mal. Was denn? Na, DAS. Was das? DAS! Ein wenig müssen Sie mir schon helfen … Dauernd will jemand, dass man hilft. Und wenn man dann einen Finger krumm macht, dann sagen Sie: Der Finger ist aber krumm. Also, DAS. Ach so, DAS. Jetzt weiß ich, was Sie meinen. Wirklich? Nein, aber ich erzähle Ihnen mal was. Gerne. Also DAS, das stimmt wirklich. Wirklich? Ja, es stimmt wirklich. Was jetzt? Na, DAS. Dann ist es also wahr? Ja. Das ist ja toll. Ja. Dann stimmt es also nicht, dass alles Lüge ist? Nein. Beruhigend. Es sei denn, … Ja? Es sei denn, auch das ist eine Lüge. Damit würde alles in sich zusammen stürzen, die komplette Diskussion. Nun ja, es war ja keine richtige Diskussion. Es war ja vielmehr ein …, ein …. Vortrag? Ja, genau. Es war ein Vortrag. Jetzt bin ich genau so schlau wie vorher. So ist es meistens. Außer, dass es sich anders anfühlt. Aber das ist nur ein Gefühl. Ach so, sie meinen ein Gefühl … Ja, ich meine, ein Gefühl ist ein Gefühl. Jetzt wird mir einiges klar. Und mir erst. Das ist das Gute an Feiertagen. Man kann mal so richtig in Ruhe nachdenken und über alles reden. Ja, das stimmt. Auch über DAS. Genau. Besonders über DAS. Beruhigend. Ja, die Unruhe bleibt. Ja. Zum Glück. Ja, zum Glück bleibt die Unruhe.

 

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Jetzt oder Ja

Es gibt so viele schöne Orte. Auch im Außen. Gestern war ich an einem solchen. Und während ich am Ufer stand und aufs Wasser blickte, da fragte ich mich, ob diesen Ort wohl alle Menschen schön finden würden. Ich setzte mich ins Gras und sah den vorbeischippernden Bötchen zu. Zwei Frauen hatten sich auf eine Bank gesetzt und unterhielten sich. Kurzer Blick, freundliches Nicken. Ich stand irgendwann auf und ging einen Schotterweg am Wasser entlang. Zwei Angler saßen im Gras und hatten sich einen Grill mitgebracht. Angeln ist nicht so mein Fall, aber vielleicht stimmt das gar nicht. Ein Kollege erzählte mir, Angeln sei zu Unrecht als langweilige Freizeitbeschäftigung verschrien, bei denen Männer stumpf auf Wasser guckten. So sei das ja gar nicht. Es sei ein adrenalinfördernder Sport ohne Gleichen und während er mir erzählte, was alles los ist in und mit ihm, während er da hoffnungsfroh und gespannt die Angel ins Wasser schmeißt, musste ich nicht nur lachen, sondern dachte: Vielleicht geh ich das nächste Mal einfach mal mit. Ich würde allerdings jeden Fisch wieder zurück ins Wasser schmeißen, aber vielleicht ist das Erlebnis Angeln ja ganz schön. Mit einem Ex-Freund war ich mal am Millerntor, da war er allerdings noch mein Freund und ein großer Fan von, – wie heißt noch diese coole Fußballmannschaft, die dauernd absteigt? Coole Truppe jedenfalls, das war schon ein Grund dort zu sein und außerdem wollte ich wissen, was es eigentlich ist, das Männer so willenlos macht, wenn sie auf einen grünen Rasen gucken. Ich weiß es jetzt, aber ich sag’s nicht. Wer es wissen will, soll selbst in ein Stadion gehen. Ihr wisst ja – manches kann man nicht vermitteln, das muss man erleben.  Jedenfalls hatte ich viel Spaß im Stadion und ich habe eine neue Seite an meinem damaligen Freund entdeckt. Er hatte noch denselben Namen und dasselbe Gesicht, aber etwas in ihm und an ihm war wie ausgetauscht. Ist das bei Frauen, wenn sie Schuhe kaufen wohl auch so? Also bei mir nicht, das sag ich gleich, aber ich höre ein Kreischen, welches nicht meines ist, sobald bestimmte Namen erklingen, die Schuhe so teuer machen, dass ich dafür lieber einen Gebrauchtwagen kaufen würde. Man muss ja nicht immer laufen, man kann ja auch mal fahren. Wo war ich? Wo bin ich? Wo will ich hin? Ich werde heute vermutlich nach L. fahren, so Gott will, sage ich gern mal dazu. Man weiß ja nie, wann man dran ist. Ach, welches Datum ist heute? Moment, heute ist doch die Soundso dran. Die will noch nach L.? Ja, das hat sie sich so gedacht. Es hat sich ausgeellt, heute ist Himmel dran. So oder so ähnlich könnte es ja laufen, wer weiß das schon. Ich würde jedenfalls gern hin, weil heute ein großartiger Mensch und Dichter liest. Ich habe ihm schon mal zugehört, während er las und sprach und schon da fand ich ihn toll und war so sprachlos, dass ich nicht mehr konnte, als ein zustimmendes Lächeln ihm zu schicken, das er sogar erwiderte, aber ich hatte nicht die Courage, mit meinem dort frisch gekauften Gedichtband hinzugehen, um eine Widmung zu bekommen. Berührungsängste. Respekt. Sind alles nur Menschen, ich weiß, aber ich habe da eine Hemmschwelle. Ich denke dann an all die, die beispielsweise des Öfteren im Fernsehen zu sehen sind, wo dann Leute hingehen und sagen: „Tach Frau Lindenstraße. Wie geht es eigentlich ihrem Sohn Benni.“ Arme Frau Lindenstraße. Passiert sicher ziemlich oft. Die Leute denken, dass sie andere kennen, wenn sie sie öfter in diesem viereckigen Gerät sehen und sie denken außerdem, dass die, die rausgucken auch die sehen können, die reingucken. Aber, ganz im Vertrauen, das ist nicht so. Manche Dinge müssen einfach mal ausgesprochen werden. Ich habe mal ein Interview mit dem Hauptdarsteller der Serie „Rex Revier“ gehört (also mit dem Mann, nicht mit dem Hund) und da erzählte der Mensch, dass jemand auf ihn zugekommen sei und gesagt hat: „Guten Tag, Herr Rex Revier“. Ich hab mich nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Jedenfalls werde ich nicht zu dem Dichter gehen und sagen: „Guten Tag Herr Frühlingsgedicht“. Wär mir unangenehm, obwohl das sicher ein Lacher wäre. Aber es muss ja nicht immer gelacht werden. Apropos nicht lachen. Ich habe bislang noch nicht verlinkt auf ein anderes Blog, aber ich habe vorhin derart schöne, berührende Fotos gesehen, dass ich die Seite verlinken möchte. Die sind allerdings nichts zum Lachen. Wer möchte, schaut dort mal:

http://stevemccurry.wordpress.com/2014/06/02/faces-of-afghanistan/

 

 

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Der Tag X

Heute also. Stichtag. Einsendetag. Letzter Tag. Heute werden Träume verschickt. Drucker belastet. Worte gekostet. Über vierzig Texte warten, ob sie erwählt werden. Ob sie in den Umschlag kommen. Ob sie schließlich von dozierenden Augen gelesen werden. Wer weiß, vielleicht wollen sie gar nicht? Schließlich sitzt am anderen Ende jemand, der einen Stempel drauf haut. „Gut“. „Miserabel“. „Akzeptabel“. Die Gedichte zittern. Die Prosa lehnt sich an sie: „Kommt her, wir tun uns alle zusammen. Zusammen sind wir stark.“ Und dann sind da noch die kleinen Episoden. Sequenzen. Nicht zu vergessen die, die nicht in Frage gekommen sind. Ein paar Geschichten haben es nicht in die letzte Runde geschafft. Schon bevor es in die Post ging. „Tut mir leid. Um dich muss ich mich noch mal an anderer Stelle kümmern. Für dich will ich mir mehr Zeit nehmen, als ich jetzt habe“. Die Geschichten nickten. Die Gedichte nickten. Die Zeit ist  noch nicht reif. Für andere schon. Und die warten nun gespannt, ob sie es aufs Siegertreppchen schaffen. Die letzten Tage waren interessant, arbeitsam und auch anstrengend. Ich habe stundenlang an meinen Texten gearbeitet, die Zeit verging im Fluge. Es gibt und gab keine konkrete Vorgabe, welcher Art die Texte sein sollen, was ich gut finde. „Reichen Sie zum Thema „Herbst“ ein Gedicht, ein Sonett, eine Kurzgeschichte, ein Haiku, ein Senryu und einen Essay ein“ – da wäre ich schon raus gewesen, bevor es angefangen hätte. Es ist schon richtig so, diese „keine Vorgabe“ bis auf die 20 Seiten Textbegrenzung. Also musste ich selbst eine Richtung finden, eine Sortierung quasi, eine Auswahl treffen. Es bedeutete ein stetes inneres Ringen. Ein stetes innere Abwägen: Ist das gut genug? Die Frage nach dem „Wert“ dessen, was man abgibt. Es kritisch beäugen. Zweifeln. Beruhigen. „Es wird sich fügen. Es kommt, wie es gedacht ist.“ Die Texte sind gut. Der Weg, den die Texte nehmen. Der Weg, den die Gedanken nehmen. Die Gefühle. Nicht nur die Texte wurden bearbeitet, auch ich selbst habe mich durch diesen Prozess verändert. Einen anderen Blick bekommen, auf mich, das, was ich tue und auf meine Texte. Und am Ende? Ein Umschlag. Die Idee eines Traumes. Das hier könnte die Basis sein. Vielleicht. Das eine übernehme ich. Das andere machen die anderen. Vielleicht passt es. Vielleicht nicht. Alles kann, nichts muss. Heute bringe ich auf den Weg, woran ich die letzten Jahre, Wochen, Monate gearbeitet habe. Noch bin ich ganz entspannt. Ich habe Zeit, bis die Post schließt. Gleich geht es ans Entscheiden. Und dann ans Sortieren. Und dann geht es zur Post. Spannend! Irgendwo las ich, dass es diese „letzten Termine“ bräuchte, damit die Dinge fertig würden. Stimmt. Die besondere Anspannung, die erhöhte Konzentration und Aufmerksamkeit. Heute also. Stichtag. Einsendetag. Letzter Tag. Heute werden Träume verschickt. Mal sehen, was draus wird.

 

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Gedanken.zum.War-ten.

Warten ist eine innere Einstellung. Dann, wenn wir es bewusst tun, dann empfinden wir Zeit. Wenn ich beschäftigt bin, dann warte ich nicht. Dann bin ich nicht in Gedanken und tatsächlich aktiv damit beschäftigt, dauernd auf die Uhr zu sehen. Die Zeit vergeht während ich etwas tue.

Wenn ich auf einen Termin warte, auf eine Verabredung, auf eine Nachricht, auf eine Diagnose – dann verschieben sich die Dinge mitunter. Das heißt, ich erlebe mich – in Abhängigkeit – zu einem, etwas oder jemandem anders. Es ist eine Art Fremdeinfluss und unterliegt nicht „meiner Macht.“ Wohl aber obliegt mir, OB ich warte.

Ich muss auf niemanden warten, ich kann geh’n. Ich kann eine Nachricht auch später lesen. Ich kann sagen: Ich bin dann mal weg.

Dann gibt es noch das „kleine Warten“. An der Tankstelle. Im Supermarkt an der Kasse. Vor der Ampel. In der Schlange bei der Post. In der Kirche.

Im Grunde sind dies die Momente, in denen man es genießen kann / könnte, dass man ein paar Minuten für sich hat. Zwischen dem einen und dem anderen Termin ist Zeit – für mich -. Meist ist es aber so, dass Termine oder Dinge, die man zu erledigen gedenkt drängeln, aber nur deshalb, weil wir es so denken.

Muss ja so nicht sein. Ich kann auch sagen: Erst mach ich dies, dann mache ich das. Und wenn keine Zeit mehr für das ist, dann mache ich das morgen.

Es ist also auch eine Frage, wo wir (mental und real) sind – mit uns selbst, mit unseren Gedanken, Ideen, (vermeintlichen) Aufgaben und Aufträgen.

Bin ich da, wo ich bin, oder bin ich schon beim nächsten Termin, bei der nächsten Aufgabe?

Es gibt Menschen, die verabreden sich und wenn man sie trifft, gucken sie dauernd auf die Uhr. Sie haben einen weiteren Termin. Sie sind weder hier da, noch sind sie dort da, wenn sie dort sind. Weil sie in Gedanken und mit dem, was sie sind, nie da sind, wo sie sich gerade aufhalten.

Warte-Zeit ist immer auch Zeit. Zeit, die genutzt werden kann. Zum Durchatmen, zum Ausruhen. Wenn man es sich möglich macht.

 

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(Danke an Guinness, der mich zu diesem Thema inspiriert hat.)

http://guinness44.wordpress.com/2014/03/18/es-ware-wirklich-schon-wenn-man-schneller-warten-konnte/

about.the.city.that.never.sleeps.and.what.it.means.to.me.

die stadt, die nie schläft. das ist ja etwas, das man über new york sagt. aber das stimmt nicht. also, das stimmt schon, aber es stimmt auch für andere städte. für meine zum beispiel. meine schläft nämlich auch nie. und weil sie nie schläft, schlafe ich auch wenig. im haus gibt es neue mieter. nicht, dass ich sie schon zu gesicht bekommen hätte oder ein namensschild entdeckt hätte oder einen umzugs-einzugswagen. nichts habe ich gesehen und trotzdem weiß ich bescheid. wie das kommt? sie haben jemanden vorgeschickt. keine anstandsdamen. anstandsherren auch nicht. aber ein paar handwerker. die haben sie aufgefordert, die wand zu meiner wohnung durchzuhämmern. vornehmlich morgens vor acht uhr. auch, wenn ich lange gearbeitet habe. da besonders gern. ich höre, wenn sie kommen. und ich glaube, sie möchten auch, dass ich das höre. denn das erste, was sie machen, wenn sie kommen, ist steine durch die wohnung zu werfen. ziegelsteinweitwurfparade. direkt im nebenzimmer. aber nur so lange, bis ich richtig wach bin. dann ist erstmal ruhe. aber diese ruhe währt nicht ewig, schon bald geht es in die nächste trainingsrunde. wenn sie mit dem ziegelsteinweitwurf fertig sind, üben sie sich in einer weiteren disziplin – wanddurchschlagen. heute morgen dachte ich, sie würden gleich die steine in meinem schlafzimmer aufschichten. vielleicht kann man sie ja noch mal für irgendwas gebrauchen. jemanden an den schädel schmeißen zum beispiel. gebannt saß ich auf meinem bett und starrte die wand an. ich folgte dem geräusch, dem schlagen des hammers. bumm. bumm. bumm. „gleich sind sie durch“, dachte ich. vorsorglich tat ich einen blick hinter den schrank. wenn sie da landeten, würde ich es nicht sofort sehen. das hämmern hörte auf. die wand blieb ganz. völlig tiefenentspannt stand ich auf und kochte mir einen kaffee. dann schob ich den schrank von der wand ab. und installierte eine kamera. wenn, dann würde ich das material an rtl verkaufen. oder sat1. oder pro7. vielleicht.

 

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richtig.und.falsch.

ende der 70er, bis in die 80er jahre, gab es eine kindersendung, ein quiz, das michael schanze moderierte. am ende einer aufgabe oder frage, stellten sich die kinder auf ein feld im studio und dann sagte der moderator: „ob es wahr ist oder nicht, sagt dir gleich das licht.“ (so in etwa) dann leuchtete auf dem fußboden eine der drei lampen und zeigte an, ob es richtig war oder nicht.

ob etwas richtig ist oder nicht, das kann ein gedanke sein, ein ort, ein job, ein mensch oder viele menschen, eine idee etcpp. ob die richtig sind oder nicht, ist häufig schwer zu sagen. da wäre solch ein studio sehr hilfreich, in das man geht, nimmt den entsprechenden menschen mit, einen job oder einen gedanken und dann sagt einem das licht, ob es so richtig ist. aber vielleicht wäre das ja gar nicht so toll, weil man sich das denken abgewöhnen würde und noch etwas anderes.

ich denke, dass in diesen fragen, ob jemand oder etwas richtig (für einen) ist, dass da das denken gar nicht das wichtigste kriterium ist, das antwort geben kann, – es gibt ein anderes, viel verlässlicheres. das fühlen. das gefühl sagt dir, ob du irgendwo richtig bist. das ist das licht in uns selbst.

Skizze.eines.Besuches

Das wilde Treiben. Der. Kreativität. Im Internet. In den Medien. In der Welt. Überall Action. Hier und dort. Halt. An. Halt an. Stille. Ruhe. Rast. Der Gedanke weicht. Dem Gefühl. Wohl.Fühlen. Ich. fühle. mich. wohl. bei dir. Bei dir. Welt. Mit all den Menschen. Medien. Bäumen. Mit all der Musik. Auch den Trauermärschen. Den Märchen. Mitschwingen. Mitswingen. Mitfühlen. In die Melodie des Lebens fallen. Lassen. Leben. Lachen. Ich hab heute an dich gedacht und du weißt es nicht.

Was.Zur.Hölle.Ist.Loslassen?

Da, wo der Zweifel wohnt, da ist viel Platz für Möglichkeiten. Des Denkens. Des Erklärens. Des Wollens. Wissens. Werdens. Wachsens. Verirrens. Die Ruhe muss weichen oder bekommt nur einen Teilaufenthalt. Hier wird gewirbelt und gewechselt. Im Café saß ich und las. Gestern schon. Es ist schon erstaunlich, dass bei allem Nachdenken, bei allem Erkennen doch immer das Unbekannte, Fremde, Unbewusste alles umgibt oder beeinflusst. Nicht sichbar ist. Und doch die ganze Zeit da. Wie mit den Fischen bei David Foster Wallace.

Ich habe seit einiger Zeit das Talent jeweils auf „das richtige Buch“ zu stoßen, in dem es um das Thema geht, welches gerade meines ist. In dem Buch, das ich gerade lese, habe ich eine Antwort gefunden: Ich habe nicht genügend getrauert um meine Mutter. Ich weiß noch, dass ich damals darüber sehr verzweifelt war. Dass da soviel Wut war. Dass da so wenige Tränen waren. Und das mir. Wo ich doch „IHR“ Kind war. Heute weiß ich es besser. Zehn Jahre später, weiß ich es besser. Nicht genügend getrauert. Steckengeblieben. Stop. Stop. Stop. Holterdipolter. Es wollte nicht voran gehen. Es wollte kaputt gehen. Alles im Fokus der verlorenen Mutter. Alles unter dem Winkel des Versteckens. Versteckspiele. Drachentöter. Drüben dröhnt ein Drache. Dort driftet ein Dromedar dankend in den Dreck.

Ich habs einfach nicht kapiert. Bei aller Loslasserei nicht losgelassen. Was war dann das, was ich gemacht habe? Mich verirrt. Vielleicht. Eine Person einverleiben. Weil es so schwer ist, sie gehen zu lassen. Das kannte ich ja schon. Wie der Ex essen. Wie der Ex sprechen. Bis er fort ist. Bis er losgelassen ist. Stückweise Abschied nehmen. Und jetzt das. Ich weiß nicht, wie ich das bewerkstelligen soll. Aber vielleicht bin ich längst auf dem Weg. Was weiß ich denn? Nichts. Und alles. Und alles und nichts ist dasselbe. Etwa nicht? Setze die Sonnenbrille auf und schau mal in den Himmel. Da winkt jemand. Der Hoffnungsschimmer ist es. Winkt jemand zurück? Wer? Ich? Ich schau mal in den Spiegel. So steht es geschrieben. Ich kann das gar nicht alles begreifen. Wie unter Schock. Aber zurück geht es auch nicht. Soll es auch nicht. Ich bin Tarzan und schwinge mich von Liebkosung zu Liebkosung. Liane heißen die Dinger. Liane. Nicht Liebkosung. Ach, wozu brauche ich Lianen? Ich kann fliegen! Du spinnst ja! Na und? Ist das nicht meine Sache?

 

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Der.Innere.Kritiker.Zu.Gast.

Es gibt Themen, die sich wiederholen. Und doch ist es manchmal gar nicht so leicht, sie „wieder zu holen“, um sie anzusehen. Als ob sie flüchteten, die Schüchternen. Doch es hilft nichts. Wenn ich wachsen will, muss ich da ran. Anders geht es nicht. Auch für die Sperrigen. Sperrangelweit. Ausgesperrt. Eingesperrt. Versperrt. Bewusstsein hilft mir bei Veränderung. Bewusstsein ist bereits Veränderung. Wie ich manche der inneren Blockierungen zu öffnen versuche, wie ich sie zu lösen versuche. Erfolgreich dabei bin. Oder erstmal Scheitere. Und wie sie sich vor mir verstecken. Schattenexistenz. Ich finde euch! Ich spüre euch auf! Das klingt ja alles seltsam. Das macht nichts. Und wenn ich mich auch sehr anstrengen muss, ich möchte weiter kommen. Wachsen. Werden. Und manches geht ja auch ganz leicht. Im eigentlichen und im übertragenen Sinne. Weißt Du, was ich meine? Sein. Lassen. Seinlassen. Loslassen. Der innere Zensor mischt sich dauernd ein, kritisiert. Das, was ich denke. Das, was ich schreibe. Das, was ich will. Das, was ich nicht will. Das, was ich tu. Das, was ich nicht tue. Quasselstrippe. Selbstgezüchtet sozusagen. Von anderen und mir. Guten Tag. Setz Dich doch. Geduldig bitte ich ihn an den Tisch. Erzähl doch mal, fordere ich ihn auf. Vor mir eine Leinwand, auf der Bilder flimmern. Manchmal fallen mir die Augen zu. Das ist die Angst. Zweifel. Wut. Oder Müdigkeit. Dabei bin ich doch wach! Sprich weiter, fordere ich ihn auf und beobachte die Farben, Formen und Worte. Es gehört alles zu mir. Manches kann ich wirklich mal loslassen, denke ich. Danke fürs Zeigen. Ich muss das hier aufschreiben. Das ist Teil des Experimentes. Da ist der Kritiker wieder. Klar, der hat ja zu allem und jedem eine Meinung. Ich sperr die Ohren auf. Und höre zu.

 

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Gewillt.Getilt.Geteilt.Geheilt.

Dies ist ein Experiment. Hier. Eine Sache zwischen mir und mir. Ja, es ist mir Ernst damit. Ich behüte meinen Hut. Unsichtbar. Ziehe. Ich. Aus. Dem. Hut. Was. Darin. Ist. Wer hat das alles dort hinein gelegt? Wer hat das alles dort hineingelebt? Zögernd ziehen. Zugweise. Zaudern. Zirpen. Sich trauen. Vertrauen. Zu-trauen. Ich. Mir. Dir. Ver-trauen. Ich, die immer verstanden werden wollte. Ich, die immer verstehen wollte. Fazit heute: Ein Satz mit X. Ich glaub, ich steh im Walde. Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum. Und wenn die Gans gestohlen ist, dann fuchst das den Bauern. This is brainstorming. This is the life. Wenn Du das tust, wovor Du Dich fürchtest, dann fürchtet sich Besagtes und flüchtet. Deal? Aber ja. Jedenfalls so nach und nach. Und ich verspreche, bei mir zu bleiben. Mir zittern die Sätze. Es riecht herbstlich. Der Frühling sitzt mir im Herzen. Die Tür steht sperrangelweit offen und ich angle mir ein Herz. Verhakt. Vertagt. Verliebt. Wenn Du so weiter machst, dann bleibe ich. Ich beginne schon zu träumen. Lass mich doch. Und wenn Du nichts verstehst, macht das rein gar nichts. Wir haben Zeit. Der Himmel ist wolkenlos. Ich bin bereit.

 

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