ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: März, 2014

grüne.grüße.

ich fahre ein paar tage aufs land und freue mich schon, das wird mir und meiner seele gut tun. ich brauche ein paar tage in ruhe und ohne hämmernde und lärmende handwerker um mich herum. nur, falls ihr euch wundert, dass es hier still ist die nächsten tage. ich wünsche euch ein schönes wochenende. es soll warm werden. genießt die sonne, genießt die zeit und macht es euch schön. alles liebe und bis bald.

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empor.hinein.heraus.gewachsen.

Was kann man dafür, wo man aufwächst? In welcher Familie, an welchem Ort? Gar nichts, es sei denn, man ist Verfechter der Theorie, dass wir uns alle unsere Eltern und die Umstände, in denen wir aufwachsen aussuchen, um daran zu wachsen, um dort zu lernen, um dort etwas hin zu geben. Betrachtet man manche Leben von außen, mag das stimmen. Alles schön, alles easy, alles rosig. Doch bei anderen, kommt dann der Zweifel. Das soll selbst ausgesucht sein? Bei all dem, was der-oder diejenige durchgemacht hat?

Im Roman „Stinkehose“ erzählt der Autor Axel Altenburg seine Geschichte. Er wächst in den 60er Jahren in Berlin auf und ist eines von vier Kindern, – vier Jungs und ein Vater, der trinkt und schlägt und eine Mutter, die mehr oder weniger erfolgreich versucht, diese Familie eine Familie sein zu lassen. Der Protagonist wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, das Geld reicht zum Essen nicht, an manchen Tagen laufen die Kinder herum mit nur heißem Wasser im Bauch, sonst nichts, weil nichts da ist. Die Möbel fallen fast auseinander, der Vater schlägt und säuft, die Mutter will sich irgendwann das Leben nehmen. Eins der Kinder macht in sein Bett und erfährt dafür Schläge und Verachtung des Vaters. „Epilepsie aufgrund von Missbrauch“ diagnostiziert ein Arzt. Missbrauch erfährt auch Axel, als er zum Urlaub machen in den Ferien weggeschickt wird. Er freut sich auf die Zeit, mal raus Zuhause, neue Umgebung und Menschen, regelmäßiges Essen. Doch dann geschieht das Unfassbare.

Die Kinder sind allein in dieser Familie und halten doch zusammen, auch die Erwachsenen sind allein und doch ist das hier eine Familie. Eine, sich irgendwie durchwurschtelt, die irgendwie versucht Oberwasser zu bekommen, doch es fehlen die Mittel. Doch sie geben nicht auf, lassen es schleifen oft, dann passiert wieder etwas, weil zu lange gewartet und nicht gekümmert wurde. Es geht immer weiter, trotzdem, trotz allem, die Kinder werden größer, werden älter, die Hoffnung bleibt, dass es besser wird. Weihnachten bekommt jeder ein kleines Geschenk, die Oma macht Weihnachtsteller und Heiligabend säuft der Vater nicht. Als ein paar Gäste kommen, um gemeinsam Silvester zu feiern, kauft der Vater stolz eine Musiktruhe, die niemand berühren darf außer ihm. Doch dann ist es der kleine Sohn, der dem Vater das technische Gerät erklären muss. Als die Gäste dann kommen, wird Familie „gespielt“, wie es häufiger geschieht, sobald jemand anders zu Besuch kommt, dem man nicht sagen möchte, wie es wirklich bestellt ist, um diese Familie.

Dieser Roman ist grandios geschrieben. Eine schöne Sprache, die man angesichts obiger und weiterer Zu-und Umstände vermutlich eher nicht erwarten würde. Hinter all der Gewalt, Verachtung Zuhause und der Ausgrenzung, die die Familie fast überall erfährt, auch die Kinder in der Schule, gibt es doch etwas wie den Versuch menschlicher Wärme, den Versuch von Zusammenhalt. Gewiss, diese Familie und deren Leben ist sicher nicht die Regel, eher die Ausnahme, doch es gibt sie. Es gibt sie, die Menschen, die irgendwo aufwachsen, und irgendwo raus wollen, die ganz allein sind oder sich so fühlen. Die ein anständiges Leben wollen, eines, in dem sie Wertschätzung erfahren und Unterstützung. Eines, in dem „wenigstens“ Grundbedürfnisse nach Wasser, Essen, Wärme, Liebe und Freundschaft gestillt werden.

Axel Altenburg hat ein Buch geschrieben, das ich sehr empfehlen möchte. Manchmal muss man es zur Seite legen, um all das zu verdauen. Wie unterschiedlich doch Lebenslinien verlaufen. Wie unterschiedlich doch das ist, was Menschen zu (er-)tragen haben. Und wie unterschiedlich mit alldem umgegangen wird.

 

© mp

Hier noch ein paar Infos zum Roman, auch eine Leseprobe:

http://www.klingenstein-verlag.de/stinkehose.html

Zwischen.stationen.

Wenn man mal immer wüsste, wo man sich gerade befindet. Auf seinem Lebensweg, meine ich. Ich meine, ich weiß es, so ungefähr jedenfalls – ich bin gerade an einer Zwischenstation. Aber nicht nur an einer, sondern an mehreren, weil ich ja nicht nur eins bin, sondern zwei, drei, vier, fünf Anteile hier und da, Ihr wisst schon. Es gibt diese Aufgabe, jenes Thema, es gibt hier einen Punkt A, an dem man sich befindet, zu einem anderen Thema, an Punkt F, wobei A wie Anfang ist und F, das ist schon ein Stückchen weiter. Welches der Endpunkt dabei ist, welcher nicht als Endpunkt gemeint ist, sondern Ziel, das kann ich gerade nicht benennen, aber wenn man angekommen ist, das kennen ja manche, vielleicht ja sogar die meisten, dann fühlt man dies. Ich befinde mich also an verschiedenen Zwischenstationen, was die Themen angeht, die mich angehen. Ich stehe auf der Warteliste, sozusagen, es heißt eigentlich „Auswahlverfahren“, ich bin im Auswahlverfahren bei einem Thema. Nicht schlecht, ist recht, es kann sich nur um ein paar Wochen handeln, bis eine Antwort kommt. Von anderer Stelle gibt es auch diese Situation, doch wesentlich anders. Da heißt es nicht Auswahlverfahren, sondern, Rausschmeißverfahren, aber es wird natürlich anders genannt. Auch da handelt es sich um ein paar Tage nur, warten wir es also ab. Mit dem Auswahlverfahren im Kreuz, lässt sich das doch um einiges besser aushalten. Ja, ein bisschen aushalten ist dabei, aber das ist in Ordnung, weil ich gerade auch innehalten muss, wegen all der Anstrengungen in letzter Zeit und da kommt mir dieses „laufen lassen und abwarten, schließlich hab ich getan, was getan werden musste und ich habe es gut getan“ recht. Gestern traf ich einen Exfreund, einer, der mir ganz wichtig mal war, ich ihm aber leider nicht gleichermaßen. Interessant war, dass ich ihn mit dem falschen Namen ansprach, dies aber gleich bemerkte und mich korrigierte. Ich war beim Einkaufen und hatte Geschenke ausgesucht für jemanden, den ich bald besuche mit seinem Kind. Und da schwappte mir der Name heraus und nicht der eigentliche des Exfreundes. Ich denke, es hat ihm nichts ausgemacht, ich habe ihm ja auch nicht so viel ausgemacht, was mir seinerzeit sehr viel ausgemacht hatte. Den Garaus hatte es mir sogar gemacht, ganz schlimm war es für mich, aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls habe ich schon während des Gesprächs bemerkt, dass ich die Station, die seinen Namen trägt, längst verlassen habe. Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber irgendwas in mir war immer noch in dieser „Alert-Haltung“, die einen Alarm auslöste, sobald ich ihm begegnete. Gestern war es anders, vorher, hinterher und auch währenddessen war es keine Alert-Haltung. Beruhigend. Endlich. An manchen Menschen hat man wirklich lange zu tun. Und dann gibt es noch Freundschaften, die sich entwickeln. Hier und da. Freundschaften auch, die sich verändern, weil sich die Menschen verändert haben. An manchen Stellen tritt dann irgendwann auch die Wandlung auf, die Wandlung der Form. Die Freundschaft wird umbenannt in etwas anderes, manchmal trennen sich Wege. Vielleicht ist man ja sein ganzes Leben damit beschäftigt, an irgendwelchen Zwischenstationen oder Bahnhöfen zu sein, bis man irgendwann zur Endstation kommt, die dann zwar etwas Endgültiges (Vorläufiges?) hat, dennoch fährt man geruhsam hinein um die nächste Station zu betreten, die, hinter dem weißen Licht.

 

© mp

Unterschiede.

Das Ruhelose treibt Fragen und Gefühle an, – es ist hungrig. Das Erkennen hingegen ist still, wie ein sanfter, warmer Tag, der nichts anderes will, als ein sanfter, warmer Tag zu sein.

 

© mp

 

 

 

night.time.

Go.slow.

 

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.

(Mahatma Gandhi)

Spiegel.im.Spiegel.

 

„Nothing in life is to be feared, it is only to be understood. Now is the time to understand more, so that we fear less.“

(Maria Sktodowska-Curie)

Gedanken.zum.War-ten.

Warten ist eine innere Einstellung. Dann, wenn wir es bewusst tun, dann empfinden wir Zeit. Wenn ich beschäftigt bin, dann warte ich nicht. Dann bin ich nicht in Gedanken und tatsächlich aktiv damit beschäftigt, dauernd auf die Uhr zu sehen. Die Zeit vergeht während ich etwas tue.

Wenn ich auf einen Termin warte, auf eine Verabredung, auf eine Nachricht, auf eine Diagnose – dann verschieben sich die Dinge mitunter. Das heißt, ich erlebe mich – in Abhängigkeit – zu einem, etwas oder jemandem anders. Es ist eine Art Fremdeinfluss und unterliegt nicht „meiner Macht.“ Wohl aber obliegt mir, OB ich warte.

Ich muss auf niemanden warten, ich kann geh’n. Ich kann eine Nachricht auch später lesen. Ich kann sagen: Ich bin dann mal weg.

Dann gibt es noch das „kleine Warten“. An der Tankstelle. Im Supermarkt an der Kasse. Vor der Ampel. In der Schlange bei der Post. In der Kirche.

Im Grunde sind dies die Momente, in denen man es genießen kann / könnte, dass man ein paar Minuten für sich hat. Zwischen dem einen und dem anderen Termin ist Zeit – für mich -. Meist ist es aber so, dass Termine oder Dinge, die man zu erledigen gedenkt drängeln, aber nur deshalb, weil wir es so denken.

Muss ja so nicht sein. Ich kann auch sagen: Erst mach ich dies, dann mache ich das. Und wenn keine Zeit mehr für das ist, dann mache ich das morgen.

Es ist also auch eine Frage, wo wir (mental und real) sind – mit uns selbst, mit unseren Gedanken, Ideen, (vermeintlichen) Aufgaben und Aufträgen.

Bin ich da, wo ich bin, oder bin ich schon beim nächsten Termin, bei der nächsten Aufgabe?

Es gibt Menschen, die verabreden sich und wenn man sie trifft, gucken sie dauernd auf die Uhr. Sie haben einen weiteren Termin. Sie sind weder hier da, noch sind sie dort da, wenn sie dort sind. Weil sie in Gedanken und mit dem, was sie sind, nie da sind, wo sie sich gerade aufhalten.

Warte-Zeit ist immer auch Zeit. Zeit, die genutzt werden kann. Zum Durchatmen, zum Ausruhen. Wenn man es sich möglich macht.

 

© mp

(Danke an Guinness, der mich zu diesem Thema inspiriert hat.)

http://guinness44.wordpress.com/2014/03/18/es-ware-wirklich-schon-wenn-man-schneller-warten-konnte/

es.tun.

ich mach es – mich bewerben für das studium „literarisches schreiben“ am dll-institut in leipzig. gestern abend, während eines talks von der buchmesse, (den denis scheck moderierte), nahm ich all meine texte zur hand, – lyrik und prosa – und begann diese mit anderen augen zu betrachten. ich diskutierte mit mir, welche texte in frage kommen könnten für die bewerbung, welche nicht. dann entschied ich in kategorien ähnlich des schulnotenprinzips. jetzt stehen sechs ordner in meinem regal, bei denen ich gezielt zugreifen, auswählen und damit arbeiten kann. das macht es einfacher für mich. das macht es einfacher, die texte zu finden, die in frage kommen. wobei das letzte auswählen noch mal eine schwierigkeit für sich ist, aber ich freue mich schon sehr darauf. ich bin bereit dazu. das, was ich seit monaten vorbereitet hatte, habe ich gestern und auch heute abgearbeitet. das sammelsurium an papier gebändigt. mit etwa 500 papierseiten und einem usb-stick war ich aus dem copy-shop nach hause gegangen und da lag das papiermonster nun und das galt es zu bändigen. was ich tat. ganz ohne gewehr! die erste sortierung ist fertig und es fühlt sich richtig gut an! richtig gut! ich bin vielen menschen begegnet, die mir sagten, man dürfe texte nicht wegwerfen, geschriebenes nicht wegwerfen. ich habe ungefähr 60 – 80 texte weggeworfen und es fühlt sich richtig und richtig gut an. wie ballast abwerfen. jetzt habe ich das gefühl, dass ich einen guten überblick über meinen „textbestand“ habe. endlich. ein paar „frische“ texte sind noch auf meinem rechner, die noch ausgedruckt und ausgewertet gehören. das mache ich später. was genau eingeschickt werden darf, werde ich noch mal nachlesen, damit ich nicht zuviel und nicht zu wenig schicke und dann geht es in die nächste runde: texte von den ausgewählten auswählen und entscheiden, womit ich mich bewerben möchte. step by step. nur so geht veränderung. so geht es weiter. hoffentlich. ich freu mich drauf! es wäre so toll, würde ich einen der begehrten plätze bekommen. mit diesem studium liebäugle ich schon eine weile. das ist wirklich ein herzenswunsch von mir. keep your fingers crossed! thank you.

 

© mp

Frühlings.erwachen.

Sie können wohl alle Blumen abschneiden, aber sie können den Frühling nicht verhindern

(Pablo Neruda)

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Signs.

Faszination.Leben.

Es gibt Momente, da denke ich: Jetzt geht’s. Prompt geht’s schief. Und dann gibt es Momente, da denke ich: Es geht einfach nicht. Und prompt geht’s.

 

 

© mp

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langsam.machen.

sehen.lernen.

sich selbst sehen. sich selbst erkennen. leicht gesagt. schwer getan. ich sehe mich, wie du mich siehst. ich sehe mich vor dem spiegel. ich sehe mich gespiegelt. im gegenüber. im fremden. im bekannten. ich sehe mich im handeln. im reden. ich sehe mich im schweigen. allein. mit anderen. ich sehe mich, wie du mich nicht siehst.

es ist seltsam, sich selbst sehen zu wollen. so, als wollte man einen fluss anhalten und sagen: „so bist du, fluss“. das kann nur für einen moment stimmen. die welle, die gerade zu sehen war, ist schon jetzt nicht mehr da. eine welle taucht auf, die andere unter. es geht durcheinander. manchmal bildet sich ein muster. eine kreisbewegung. ein strudel.

doch was ist der fluss? willst du den fluss erkennen, setze dich ans ufer und schaue. was siehst du? etwas lebendiges. sich selbst zu sehen, ist, als würde man eine momentaufnahme machen. und doch ist nicht alles zu sehen. ich bin umgeben, da ist licht, da ist schatten. alles beeinflusst mich, ich beeinflusse. alles wirkt aufeinander, miteinander, sogar, wenn es keine wirkung zeigt.

ich sehe was, was ich nicht bin. ich sehe was, was ich sein könnte. gedanken erfassen nie alles. wenn ich wissen will, wohin ich will, dann muss ich in mich fühlen. und wenn ich wissen will, wer ich bin, auch. und wenn ich wissen will, was richtig ist, dann auch. denn das denken trifft nicht ganz. die gefühle gehören bei der selbstbetrachtung unbedingt dazu. und dann gibt es ja auch noch die muster. dieses. jenes. alt und neu. losgelassen. vergessen. zurück geholt. neu erlernt. und. und. und.

ich bin dann mal weg. auf dem weg. unterwegs. zu mir. zu dir. hinein ins leben. sich selbst erkennen ist nicht so leicht, wenn man es ehrlich meint mit sich und der selbsterkenntnis. es ist nicht leicht, aber es ist möglich. es ist eine neverending-aufgabe. und man kann nicht damit aufhören, wenn man einmal damit angefangen hat. stimmts? oder ist der versuch, sich selbst erkennen zu wollen quatsch und zeitverschwendung? ich weiß es nicht.

 

© mp

about.importance.

Der wichtigste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht.

(Meister Eckhart)

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