ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Akzeptanz der Stille

Manchmal gibt es nichts zu sagen, da gibt es dann auch nichts zu schreiben. Das ist zu akzeptieren. Die Stille dient der Erholung, Reflexion und inneren Sammlung. Wie der Körper Schlaf braucht, um wieder gestärkt in den Tag zu gehen, verhält es sich auch mit dem Geist und der Kreativität. Man darf nichts erzwingen.

© mp

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Glück

“Das wahre Glück kostet nicht viel.
Wenn es teuer ist, ist es von schlechter Qualität.”

(François-René Vicomte de Chateaubriand)

Auf dem Hügel über der Stadt

Wie ist das möglich, dass sich die Stadt so verändert hat, während ich immer gleich geblieben bin?
Der Baum sah an sich herunter und seufzte. Dann blickte er in die Ferne, sah auf die Stadt die vom Hügel aus so gut zu erkennen war. Rundherum wuchsen Häuser aus dem Boden, immer mehr, umgeben von unzähligen Straßen, auf denen viele Autos fuhren. Die Bäume, die vorher dort waren, mussten alle weichen.

Alles wächst. Und ich? sagte der Baum zu sich. Die Blätter raschelten.
Und ich? hörte er.
Wer hat das gesagt? fragte der Baum.
Wer wars? antwortete eine Stimme.
Wo steckst du, zeig dich! sagte der Baum.

Da tänzelte ein kleiner Schmetterling durch die Luft. Er kitzelte eines der Blätter des Baumes und flog lachend davon.

Das hat mir gerade noch gefehlt, brummelte der Baum, dass mich ein Schmetterling nachäfft. Dann seufzte er wieder. In dieses Geräusch mischte sich ein anderes.

Kuckuck.
Kuckuck? fragte der Baum.
Kuckuck.

Der Baum konnte keinen Kuckuck sehen, fühlen oder finden.

Kuckuck. Kuckuck. Kuckuck.
Wo zum Kuckuck steckst du? fragte der Baum. Bist du ein Schmetterling?
Kuckuck. Kuckuck. Kuckuck.
Der Baum hob seine Äste an und schüttelte sie. Es klang, als applaudierten die Blätter.
Kuckuck, hörte er wieder.

Der Baum sah nichts. Er lauschte.

Hallo Baum! rief da die Stimme.
Wer, ich? fragte der Baum.
Wer sonst?, fragte die Stimme.
Du kannst doch alles Baum nennen, sagte der Baum, nicht nur Bäume.

Eine lustige Idee,, lachte die Stimme, wenn ich ein Auto Baum nennen würde, oder Blume. Stell doch mal den Baum in die Vase. Oder: Ich setz mich jetzt in die Blume und fahre nach Tapete.

Der Baum hörte ein Kichern.

Zeig dich mal, bat der Baum. Bist du ein Kuckuck?
Nein, sagte die Stimme. Seh ich aus wie ein Kuckuck?

Ich kann dich nicht sehen, sagte der Baum. Geh mal ein paar Schritte, die Blätter hängen so dicht in meinen Ästen, ich kann dich nicht sehen.

Da sah der Baum, dass sich ein Mädchen mit blonden Zöpfen neben die Parkbank stellte, die ihm gegenüber stand.
Ich bin das, rief das Mädchen und wedelte mit den Armen. Rosemarie. Ich bin Rosemarie.

Hallo Rosemarie, sagte der Baum. Schön, dich zu sehen. Was machst du denn hier?
Dich angucken, sagte Rosemarie. Ich mag Bäume so gern. Es gibt kaum noch welche, wo ich wohne.
Danke schön, sagte der Baum, und ich mag Kinder sehr gern. Es kommen nur noch selten welche her, früher war das anders.
Ist wie mit den Bäumen, sagte Rosemarie. Früher war die Straße voller Bäume, Jetzt ist da kein einziger mehr. Nur noch Autos.

Ja, seufzte der Baum. Alles verändert sich, nur ich nicht.
Oh, du dich auch!, sagte das Mädchen.
Ich mich auch?, fragte der Baum überrascht.

Ja. Als ich dich das erste Mal sah, hattest du keine Blätter. Es war Winter, als ich mit dem Schlitten hier war. Da hast du ganz anders ausgesehen und warst doch der Baum, der du bist.

Meinst du?, fragte der Baum.
Ganz sicher, sagte Rosemarie. Jeder verändert sich doch.

In der Stadt sehe ich das, sagte der Baum. Es gibt dort immer mehr Häuser, hohe Häuser und immer mehr Autos. Das ist mir aufgefallen, doch an mir ist mir nicht aufgefallen, dass ich mich verändere.

Dafür bin ich ja da, sagte das Mädchen. Ich hab dich im Winter gesehen, im Frühling und im Sommer und ich werde dich auch im Herbst besuchen. Immer siehst du anders aus, aber immer bist du du. Manchmal lächelst du sogar mit deinen Ästen, manchmal siehst du traurig aus. Aber du bist immer ein wunderschöner Baum.

Und du bist ein wunderschönes Mädchen, sagte der Baum.

Da lächelte Rosemarie und umarmte den Baum. Und als sie später nach Hause ging, drehte sie sich immer wieder um, um dem Baum zu winken.

Bald komm ich wieder!, rief sie.
Da lächelte auch der Baum, winkte mit seinen Ästen und die Blätter applaudierten.

© mp

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“Der Schriftsteller muss Wind in die Segel kriegen, er braucht eine Glücksader, und er muss eine Phase erwischen, in der die Worte zu ihm kommen und sich die Sätze ausbalancieren.”

(Robert Louis Stevenson)

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Julibäum … Jubiläum

An meine lieben Leserinnen und Leser! Wir feiern Geburtstag! Nein, nicht meinen, der kommt erst noch, sondern Bloglubijäum, Verzeihung: Blogjulibäum, Kruzifix! Bloggeburtstag! Im Juli 2013 startete ich dieses Blog mit der Idee, mindestens ein Jahr lang Gedichte, Prosa, Gedanken hier zu posten. Nun geht es bereits ins vierte Jahr! Ich freue mich sehr, dass Ihr dabei seid! Danke fürs Kommentieren, Diskutieren und Inspirieren. Danke für Eure Besuche, fürs Lesen, fürs Folgen, für Eure Likes und Herzchen, Eure Smilies, Komplimente und für Eure Wertschätzung. Schön, dass es Euch gibt. Happy birthday und Danke an Euch alle! Eure Wolkenbeobachterin

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heut‘ gibt es nichts zu lesen

nichts,
absolut nichts,
rein gar nichts,
überhaupt nichts,
kein bisschen,
niente,
null,
zero.

 

© mp

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„Es ist dein Weg. Manche können ihn mit dir gehen,
aber keiner kann ihn für dich gehen.“

(Rumi)

„biliiiing“

ich saß gerade hinter dem espressokocher und aß eine murmel aus schokolade, da passierte es: die katze kam in die küche und öffnete den kühlschrank. mit einer pfote griff sie den himbeerquark, mit der hinterpfote schubste sie die tür zu, dann ging sie ans regal, nahm eine kleine weiße schüssel und kippte den quark hinein. danach öffnete sie das küchenfenster, schaltete das radio ein und setzte sich an den tisch. genüsslich schlabberte sie den quark aus der schüssel.
ich beschloss, ein erinnerungsfoto zu machen und krabbelte den herd hinunter, rannte über den glatten boden um die ecke, noch einmal, und stand im wohnzimmer.
wo war die kamera? sie lag in der tasche. die katze schmatzte, ich hörte es bis hierher. ich schubste die tasche um und fischte die kamera heraus. dann zog ich sie hinter mir her und brachte mich in position am türrahmen.
immer noch zufrieden schlabberte die katze im schälchen herum. „biliiiing“, machte die kamera, als ich sie einschaltete. das rote lämpchen blinkte und wurde grün.
die kamera war bereit, doch bevor ich durch den sucher den optimalen bildausschnitt finden konnte, sah ich, dass die katze erschrocken am tisch stand, mit einer banane im anschlag.
sie hatte mich beobachtet! ihre kopfhaare standen zu berge oder berghoch oder wie auch immer das heißt. in solch einem moment der hochspannung fallen einem manchmal nicht die passenden vokabeln ein! ich muss die geschichte weiter erzählen!
ich rannte um die nächste ecke, die mir zur verfügung stand. es war eine nussecke, mir war das egal, hauptsache ecke. „kannst rauskommen, ich hab dich gesehen!“, rief die katze.
ich strich mir einmal durchs haar und ging selbstbewusst, mit erhobenem haupt, von einer seite des türrahmens zur anderen. dabei sah ich wie zufällig rechts rüber zur katze, die immer noch die banane auf mich richtete, ich nickte ihr zu, rief „moooooin“, um sie beiläufig zu grüßen und war bald auf der anderen seite des türrahmens angekommen.
da setzte ich mich, mit einem fast unhörbaren seufzer direkt auf den boden, um zu überlegen, wie ich aus dieser gefahrensituation entkommen könnte. da hörte ich ein atmen, direkt neben mir. quasi direkt an meinem ohr. und vernahm ein flüstern: „na, du kleine maus. was spielen wir jetzt?“
aus reflex habe ich meine augen so weit aufgerissen wie möglich. beeindruckt hat das die katze nicht. bevor ich darüber nachdenken konnte an meinem ausdruck zu arbeiten, rannte ich auch schon. wer war in meinem windschatten? die katze!
sofabeine, einmal links rum, dann weiter zum tisch, wieder um die beine, dann zu einem stuhl, dort eine acht gerannt, zum nächsten stuhl, eine sieben gerannt, haha, dann die treppe rauf, ich musste zeit gewinnen. während ich gehetzt rannte und rannte, ging die katze entspannt hinter mir.
die einzige, die außer atem war, war ich. ich glaube, ich hatte hitzeflecken am hals, eventuell auch ausschlag im gesicht, sicher war ich mir nicht. während ich keuchte und die katze mich angrinste, überlegte ich, wohin ich jetzt in sicherheit flüchten könnte.
das bett! ich sprang mit schwung auf die matratze und verkroch mich unter dem bettzeug. die katze lachte. dann schob sie eine pfote unters bettzeug, hob es an und legte mich frei. scheiße, ich zitterte. dann hörte ich: „biliiiing“ und sie drückte auf den auslöser. „ein foto fürs erinnerungsalbum“, sagte sie gelassen und lachte wieder. dann drehte sie sich um und ging zurück in die küche, um ihren quark zu ende zu schlabbern.
sie mochte es genauso wenig wie ich, fotografiert zu werden. nur ihre maßnahmen waren irgendwie drastischer als meine.

© mp

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aufgeräumt im kopf

mit einem besen fege ich
meine gedanken durch den kopf
zu den ohren & zum mund heraus
bis alles leergefegt ist und ich
denke: was denke ich eigentlich?
wo sind meine gedanken?
wieso ist es so still in meinem kopf?
was hat die gedanken gemacht?
was hat sie weggemacht?
ist alles leer und leicht?
gut!
der kopf ist frei!
die gedanken sind frei.
jetzt ist wieder platz für neue.

© mp

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