ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

bungalow

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Frühstück mit Brad Pitt

Es klingelte. Ich saß mit meinen vier Kanarienvögeln am Frühstückstisch und trällerte ihnen ein Liedchen. Sie hatten Geburtstag, da wollte ich nicht knickerig sein. Für jeden gab es ein Frühstücksei. Das Wasser brodelte. Es klingelte erneut. Ich stand auf, goss das Eiwasser in die Spüle und ging dann an die Tür. Wer stand da? Britt Patt. Verzeihung, – Brad Pitt. Ich bat ihn herein, er fragte, ob er sich die Schuhe ausziehen solle, ich schüttelte seine Hand und sagte: “Nein”. Die Vögel flatterten. Hitchcock reckte seinen Hals und schaute durchs Fenster. Er blinzelte.
Brad Pitt setzte sich, ich schenkte ihm Tee ein, Earl Grey, er sagte: “Kennste den? T sah Film. Haha.” Der Witz klemmte. Ich kannte den schon und nahm ihn aus der Verankerung. Sagte: „Da oben liegt Staub.“
“Mittwochs bin ich immer hier. Ein Wunder, dass wir uns noch nie begegnet sind.” Keine Ahnung, mit wem Brad Pitt sprach. Ob er die Kanarienvögel meinte? Ich köpfte ein Ei. “Geschmacklos”, sagte ich. Brad stand auf. “Was?”, fragte er irritiert. “Ich meine das Ei. Reichst du mir bitte mal das Salz?” Er reichte mit seinem Arm bis ans obere Regal. Das Salz stand im Schrank unter der Spüle. “Da ist nichts”, sagte er. “Das habe ich schon öfter gedacht”, erwiderte ich, nahm den Salzstreuer und salzte mein Ei, während Brad zwei Scheiben Toast im Toaster versenkte. “Brutal!”, sagte er. “Fight Club?”, fragte ich, “Ansichtssache”. “Nein”, sagte er. “Brutal, wie kalt das draußen geworden ist”. Ich nickte. “Na ja, es ist halt November, mitten im August”. Die Toasts wurden ausgeworfen, wir sprachen einen Toast auf die Kanarienvögel und dann schloss ich hinter Brad die Tür. “Bis nächste Woche”, sagte er im Gehen. Ich setzte mich an den Tisch und las die Tageszeitung. Bei Aldi gab es Vogelfutter im Angebot.

© mp

 

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vom lesen

worte die mich erreichen
andere nicht
& ich weiß warum
manche diese kraft haben
andere nicht
auch meine eigenen worte
sind nicht immer kraftvoll
ich spüre es
wenn ich schreibe
& im selbstgespräch
so wie heute
wo ich mich müde fühle
& kraftlos ich
mich nach ausruhn sehne
& nach einem gespräch
in das ich mich
fallen lassen kann
& mich etwas hält

© mp

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noch

nach dem aufrauenden streit
die suche nach einem anfang doch
alles wonach ich greife
löst sich wieder auf
ich lasse los
schlafe unruhig
& wälze mich
durch morsche fragen
finde mich nicht zurecht
schweige um die sprache
wieder zu fassen die antwort
& brücke sein soll ins neue
ein gedicht will es greifen
& es benennen doch
die bewegten worte
flüstern so leise
noch

© mp

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Hallo, meine Lieben, hier hab ich schöne Musik! Mein Lieblingslied seit einigen Tagen. Ich hoffe, es gefällt Euch auch. Ich wünsche Euch ein grandioses Sommer-Sonnenwochenende! Liebe Grüße von hier nach da. Haltet die Ohren steif und danke! Eure Wolkenbeobachterin

Info

Liebe Leserinnen und Leser, wie Ihr alle wisst und sehen könnt, möchte ich nicht, dass meine Texte rebloggt werden. Das steht ganz oben auf meinem Blog. Seit fünf Jahren blogge ich hier meine Texte. Das Blog ist öffentlich, es kann also lesen, wer hier vorbei kommt. Ich freue mich über Rückmeldungen, freue mich, wenn jemandem meine Texte und Gedichte gefallen und den Austausch darüber. Mit meiner Bitte um Respekt für meinen Wunsch, gab es bislang keine Schwierigkeiten. Man liest sich, man kommentiert sich, Punkt aus. Als ich heute Nacht von der Arbeit nach Hause komme, lese ich aber einen Kommentar hier auf meinem Blog verlinkt, in dem sich ein User auf seinem Blog öffentlich darüber mokiert, weil ich nicht möchte, das meine Texte ungefragt rebloggt werden. Er hat auf seinem Blog meine Seite als eigenen Artikel gebloggt und bittet die anderen um ihre Meinung darüber. Ich finde das unverschämt, respektlos und grenzüberschreitend. Es sind meine Texte. Ich habe in meinem öffentlich sichtbaren „bitte-nicht-rebloggen-Text“ darauf hingewiesen, dass man mich anschreiben kann, wenn Interesse an einem bestimmten Text besteht und ich mich mit dem Anfragenden entsprechend austauschen und darüber verständigen würde, ob ein Text von mir woanders rebloggt werden darf oder nicht. Karin beispielsweise hat mal einen Text von mir rebloggt nach Absprache mit mir. Einfach so möchte ich mir meine Texte nicht nehmen lassen, weil irgendwer meint, es müsse alles umsonst geben und einfach so zur Verfügung gestellt werden bzw. dürfe sich alles nehmen, was man möchte. Deshalb habe ich nun alle meine Texte offline gesetzt. Inzwischen verstehe ich, dass andere Autoren ihre Texte nicht öffentlich bloggen oder nur ein, zwei Kostproben davon geben. Liebe Grüße von der Beobachterin und danke fürs Lesen.

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weiße notiz

Besuch einer Ausstellung [Gerhard Richter]

Durch die Räume, sehe sie. An der Wand, zu mir herüber. Groß, fast alle. Schön. Gedanken: In meine Wohnung. Wohnzimmer. Wand mit den Regalen, daneben. Darüber. Oder Schlafzimmer. Große freie, weiße Wand. Zwischen Fenstern. Gegenüber. Tages-und Sonnenlicht. Diese Farben! Sehe es strahlen. Gehe durch Räume, so, still, sprudelnd vor Freude. Nähere mich. Slowmotion. Stop. Station. Staunen. Geist nimmt Bild auf, mit allen Sinnen. Bild nimmt mich auf. Gefühl beginnt Dialog mit Farbe und Komposition. Ohne Worte. Kunst. Manche stellen sich direkt vor das Bild, bedecken es mit Rücken, Gedanken und Gefühlen. Ich warte. Das Genießen ist nicht Wollen, vielmehr Folge des Sehens. Diese Farben! Rot, breitflächig, links eingestrichen, Schärfe. Unschärfe. Untergrund weiß, dann Rot, strukturiert, fast ein Viertel des Bildes. Auch hineingezogenes Grau, dunkles Blau, wie unleserlich gewordener, verwitterter Schriftzug. Darüber durchschimmernd Rot, Grün, hochgewachsene Balken, streuende Formen. Wunderbar. Jedes Kunstwerk erzählt dem Betrachter eine persönliche Geschichte. Zwiegespräche. Anfangs in jedem Raum mehr als ein Lieblingsbild, später wähle ich eines aus allen, ein lebendiges, farbenfrohes Vielflächiges, mit himbeerroten Anteil, viel Gelb und Grün: Abstraktes Bild, 952-2. Abstrakt sind hier alle Bilder. Frisches Museum, hohe Räume und Parkettboden, tragen leicht und elegant die beeindruckenden Kunstwerke. Angenehm, hell. Wir laufen gemeinsam in Räume, dann geht jeder in seine Richtung, im eigenen Tempo.

© mp

Museum Barberini, Potsdam, Gerhard Richter, „Abstraktion“, umfangreiche Ausstellung, beeindruckend, vom 30. Juni bis 21. Oktober 2018

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transformation III

das alte & das neue
& wie das alte das neue
sperren wollte & doch
neu wurde & dies neue
abstimmt & sich einstimmt
beflügelt & gewandelt
ergriffen gehandelt
begriffen kapiert
transformiert

© mp

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