ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Allgemein

Fehlt noch was?

Seit Tagen schon will ich eine Rezension über dieses Buch in meinem Lesezeichenblog schreiben, doch es gelingt mir nicht. Woran das liegt? Weil das Buch

„Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle,

das außergewöhnlichste, wahrhaftigste, intensivste, großartigste Buch ist, das ich seit langem gelesen habe. Ich finde einfach nicht die passenden Worte dafür. Es ist überwältigend, dieses Buch. Thomas Melle ist manisch-depressiv, oder wie man heute sagt: bipolar. In diesem Buch, seiner Autobiographie, schreibt er über sein Leben und seine Krankheit, die über ihn, in ihn herein bricht, aus ihm heraus bricht und spricht. Sollte jemand von Euch noch ein Geschenk benötigen, für jemand anders, oder für sich selbst, oder gerade nicht wissen, welches Buch man als nächstes lesen sollte – möchte ich Euch dieses Buch sehr ans Herz legen. Es ist mitreißend, berührend, aufwühlend, tief, sprachlich ein Genuss, kurz: Es ist das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Es war für den Buchpreis 2016 nominiert, hat leider nicht gewonnen, was ich sehr bedaure. Das Buch und der Autor haben es mehr als verdient. Kauft dieses Buch. Verschenkt es. Lest es.

Hier eine Leseprobe:

http://www.rowohlt.de/download/file2/row_upload/3458707/LP_978-3-87134-170-0_Leseprobe.pdf

Nur noch einmal schlafen

Nein, Du hast nichts verpasst, morgen ist nicht Weihnachten, keine Sorge. Aber was Ähnliches: Morgen und übermorgen ist FESTIVAL! Lollapalooza nennt sich das Spektakel. 140.000 Musikbegeisterte werden erwartet. 45 Gigs sind angekündigt, unter anderem Josef Salvat, James Blake, Aurora, Years & Years, Philip Poisel, Milky Chance, Paul Kalkbrenner, Jess Glynne, Alan Walker, Kaiser Chiefs, Dubioza Kollektiv, Tocotronic und viele, viele andere! Und ich werde auch dort sein, nicht auf der Bühne, sondern davor. Ich muss mir noch einen Plan machen, wann ich an welcher Bühne wen hören möchte. Gestern las ich, dass arte Live überträgt. Ich winke dann in die Kamera für Euch. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Wie das so ist

Ich muss mal wieder was schreiben, denke ich. Bloggen. Denn wozu sonst ist ein Blog da? Zum Angucken. Schlendern. Zum …. was weiß ich? Es gibt viele mögliche Antworten, denke ich. Also, erinnere Dich, warum Du damit angefangen hast. Da muss ich mich nicht groß erinnern, das weiß ich noch genau. (Wenigstens das). Ja und? Angedachtes Ziel erreicht und erfüllt. Und weiter? Nichts weiter. Und jetzt? Ja, was jetzt. Das ist wohl die Frage. Und die Antwort? Keine Ahnung, ich kann sie noch nicht hören. Sie flüstert noch. Wie wäre es mit Ohrenstäbchen? Ja, super Idee, das mit dem Ohrenstäbchen. Ich hab aber keine da und außerdem – was ist so schlimm, keine Antwort zu haben? Das muss man erst Mal aushalten können. Und wie geht das so? Ganz gut. Es ist wie Rast machen, sich in den Schatten eines Baumes zu setzen, sich dort anzulehnen, das Rauschen der Blätter zu hören und in die Landschaft zu gucken. Und was ist mit den anderen? Welchen anderen? Na, Du hast doch Verpflichtung, Deinen Followern und Blogkollegen gegenüber. Ach so? Welche denn? Na, zu bloggen. Verpflichtung? Aber das hier ist doch freiwillig. Ich meine alles. Das Lesen, das Schreiben. Alles freiwillig. Niemand wird gezwungen. Ich habe außerdem nette Followerinnen und Follower. Die sind tolerant und gönnen mir auch mal eine Pause. Die sind dann auch nicht sauer. Sicher? Nee, sicher nicht, aber ich hoffe es. Ich gestehe jedenfalls jedem eine Pause zu, auch mehrere. Und wie soll es jetzt weiter gehen? Abwarten. Ich bleibe noch etwas unter dem Baum sitzen und wenn alles in mir sagt: Weiter gehen, dann gehe ich weiter. Und wohin? Zum Supermarkt, zum Vogelpark, zum Vanillequark. Keine Ahnung. Wird sich zeigen, oder? Nimmst Du mich mit? Was hast Du denn auf Deinem Brot? Dem täglich Brot? Nee, auf Deinem Pausenbrot. Käse. Und Marmelade. Selbstgemacht? Ja, selbstgemachter Käse und Marmelade. Super, dann nehm ich Dich mit. Das heißt, wir gehen ja gar nicht, noch nicht. Wir sitzen hier einfach unter dem Baum und gucken in die Landschaft. Ich bin dabei. Wer will, setzt sich einfach dazu und guckt mit. Egal ob mit oder ohne Pausenbrot? Ja, egal ob mit oder ohne Pausenbrot. Apropos. Wollen wir tauschen? Was denn? Dein Käsebrot gegen Tee? Abgemacht. Toll. Ja. Danke. Hatte ich das schon gesagt? Was denn? Schön, Dich zu sehn.

© mp

2014 im Rückblick

 

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 18.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 7 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Vielen Dank allen einzigartigen Leserinnen und Lesern, Followerinnen und Followern dieses Blogs. Danke fürs fleißige und freundliche Kommentieren, Diskutieren, Abbonieren, Inspirieren und den Spaß mit Euch: Danke, dass Ihr da seid. Ich freue mich auf ein weiteres, schönes Jahr mit Euch! Kommt gut ins nächste Jahr!  liche Grüße

g e f u n d e n

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Herbsttöne.

Liebe Leserinnen und Leser, der Sommer geht zu Ende, der Herbst naht in kleinen, aber spürbaren Schritten. Es liegt was in der Luft und das heißt Herbst. Manchmal, wenn man spazieren geht, dann ist noch die Sonne da und dazwischen mischt sich schon der Herbst. Die ersten Blätter fallen von den Bäumen und es wird schon wieder früher dunkel. Es beginnt die Teezeit, mit oder ohne Kandis, und Abende, eingemummelt auf der Couch, aneinander geschmiegt, filmguckend oder Katzenstreichelnd. Die gemütliche Zeit ist also angebrochen, der Blick in den Kleiderschrank verrät, dass es vielleicht noch einen oder zwei Pullover für den Winter braucht, die ersten Gedanken an Weihnachtsgeschenke werden wach. Und doch ist es immer noch Sommer, Spätsommer, das Licht sieht warm und golden aus und es ist immer noch möglich im T-Shirt draußen unterwegs zu sein. Ich mag den September, ich mag die Atmosphäre des herannahenden Herbstes, den langsamen aber beständigen Farbenwechsel an Bäumen und das Gemütliche, was sich überall breit macht. Und doch ist diese Zeit auch eine, in der es zu tun gibt, getan wird, ich habe keinen Garten, leider, noch nicht, vielleicht kommt das ja noch. Ich bestelle derweil meinen eigenen Garten, das ist mein Roman, den ich vor zwei Jahren schrieb und der auf Überarbeitung wartet. Eine Weile ist nun arbeitsfrei für mich und ich bestelle meinen Wortgarten, rupfe Ungeziefer aus, gieße, pflanze, säubere. Es ist also möglich, dass es hier in nächster Zeit noch etwas ruhiger wird, weil das Arbeiten eine gewisse Disziplin und Sorgfalt verlangt und ich mich ihr gern ganz hingeben und widmen möchte, damit es gut wird, denn ich würde ihn dann, wenn er denn mal fertig ist, gerne vorlegen, vorlesen und vielleicht, sofern sich ein Verlag dafür findet, verlegen lassen. Aber das ist noch ein Traum und weit weg, aber ohne Arbeit daran, kann er nicht wahr werden, also werde ich die Schritte tun und gehen, die notwendig sind und alles andere liegt nicht in meiner Hand, dann gilt es abzuwarten. Vielleicht gelingt es, vielleicht nicht. Alles in allem ist es eine Übung, eine weitere Übung auf dem Lebensweg und vielleicht kommt das heraus, was ich mir wünsche. Euch allen wünsche ich einen schönen September und Herbstanfang. Herzliche Grüße von der Wolkenbeobachterin

© mp

You already know

Zell.teilung.

Manchmal weiß man nicht, wo man anfangen soll. Heute ist solch ein Tag. Ich fühle mich merkwürdig. Alles geht durcheinander, innen drin, im Kopf, im Bauch. Die gestrige Selbstmordankündigung eines Bloggers hier bei wordpress. Pascal. Und wie es aufwühlt und erinnert. Auf einer bestimmten Ebene sind wir alle miteinander verbunden und doch kann man sich so endlos allein und verloren fühlen. Der Hilferuf eines anderen, der an das eigene Rufen erinnert, was auch immer es ist, wonach jemand ruft. Nicht immer ist es zu hören, manches Rufen geht nur nach innen, weil es keine Worte hat oder etwas anderes fehlt. Alles durcheinander. Ich fühle mich leer, als wären mir alle Worte ausgegangen und doch denke ich und doch schreibe ich. Ich habe heute zufällig in einem Nebensatz erfahren, dass meine Stiefmutter verstorben ist. Ich weiß nichts. Nichts über die Umstände und den Zeitpunkt, nur das. Tränen. Ich mochte sie gern. Gestern jemandes Hand gegriffen, heute jemanden verloren. Versuche der Annäherung. Immerzu. Überall. Reden. Schweigen. Flüstern. Schreien. Lachen. Verletzendes und Verbindendes. Gespräche und der Versuch einander verständlich zu machen, zu sagen, zu zeigen, dass man sich mag, dass man versteht, dass man sich verzeiht und verziehen hat und doch nicht wieder so zusammen finden, wie es mal war. Ich weine. Es sitzt mir alles in den Knochen. Nachtschichten. Verluste. Scheitern. Menschen, die nicht berührbar sind, die Steine in sich züchten, Unversöhnlichkeit und Häme. Missverständnisse und Gespräche, die nicht geführt werden oder wurden. Das Unabgeschlossene, das einen eigenen Schlüssel braucht um irgendwo gelassen zu werden, um es irgendwo zur Ruhe kommen zu lassen und doch immer das Aufbrechen dessen, was nicht greifbar ist und nicht begriffen werden konnte. Lose Enden, lose Worte und Gedanken, die sich in Wunden legen. Es ist niemand mehr da. Meine Eltern sind tot, auch mein Stiefvater, meine Stiefmutter. Ich habe Geschwister. Die leben. Ich kann heute niemanden anrufen. Es ist eine seltsame Leere in mir an diesem Tag und doch sind da viele Gedanken und Gefühle. Manchmal kann ich es einfach nicht fassen, alles das, was da ist, die Fülle, die Leere, es ist eine Gnade, wenn die Worte kommen, ich sie greifen kann um zu begreifen. Es gibt so viele Überschneidungen, Überlappungen mit anderen, auch mit denen, die man nicht kennt. Hier ein Verstehen, da ein Unverständnis, ein Wunder(n). Dort ein geteilter Schmerz, geteilte Gedanken und Freude. Man begegnet sich, man tauscht sich aus, man geht aneinander vorbei, man teilt sich (mit) und etwas vom anderen bleibt in uns und etwas von uns verbleibt im anderen. Zellteilung. Verbindung aufnehmen. Morsen. Zeit mit etwas verbringen. Zeit miteinander verbringen. Zeitteilung. Ich weiß nicht, wohin dieser Text will und das entspricht meiner heutigen Verfassung, wie alles das, was ist und geschieht im Leben etwas anderem, Größerem entspricht. Gestern sagte ich, dass die Dinge sacken müssen, dass wir ihnen Zeit geben müssen, sie sacken zu lassen. Ich lasse sie sacken, hole sie hervor und sehe sie an. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Ein Spaziergang wird mir gut tun. Draußen scheint die Sonne und im Fernsehen weint ein Baby. Ein französischer Film mit einer eigenwilligen, sympathischen Hauptfigur. Liebenswert. Alles hat mit allem zu tun. Aus allem kann man etwas lernen. Manchmal braucht es einen Tag oder zwei. Manchmal dauert es Jahre. Manches lernt man nie. Manchmal muss man über alles lachen. Auch über sich selbst. Gestern hatte ich vor, einen Teil einer (versprochenen) Geschichte über einen Hund zu veröffentlichen und dann kam alles anders. Wie im richtigen Leben. Manchmal wird man fertig, manchmal nicht. So ist es hier und überall. In meinem Leben, in dem der Marktfrau, des Handwerkers und wem auch immer – wir begegnen Leben und wir sind Leben. Dieses Posting will nirgends hin. Nur ins Blog. Dahin lasse ich es jetzt frei. Alles andere dann später. Sofern die Worte wollen.

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Jubiläum! Jubiläum! Mein Blog wird 1 Jahr

Heute auf den Tag genau begann mein „Experiment“ mit diesem Blog. Nach einer gefühlt ewig  l-a-n-g-e-n Schreibblockade war das für mich die Herausforderung und sie ist vollbracht! Die Buchstaben wollen wieder, die Worte wollen wieder. Tolles Gefühl! Vielen lieben Dank an alle Leser und Follower, alle Kommentierer und Diskutierer, alle Gucker, Vorbeihuschenden und Mitlachenden. Es war ein schönes, ereignisreiches Jahr mit Euch mit Ups and Downs, Erfolgen und Scheitern, Tränen und Lachen. Danke, dass Ihr da seid! Für alle die, die nicht mehr dabei sind: Danke, dass Ihr da wart! Und: Es geht weiter! Yeah! Liebe Grüße von den Ameisen im Kirschblütenhaufen. Und von mir.

Plan_B

Sie sitzt am Tisch. Vor ihr der Plan. Sie sieht den Plan an. Der Plan sieht sie an. Sie schüttelt den Kopf. Der Kopf schüttelt sie. Sie zerknüllt den Plan. Der Plan zerknüllt sie. Sie nimmt ein neues Blatt. Darüber schreibt sie: Ich bin der Plan meines Lebens. Mehr nicht.

 

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Boden.satz.

Falls du mich irgendwo suchst – ich bin gerade am Boden. (Wolkenbeobachterin)

Etwas größer als einen Zentimeter bin ich schon. Aber nicht viel mehr. Bin geschrumpft in den letzten Tagen und Nächten. Es hat geregnet, Absagen, gleich drei innerhalb eines Monats. Davon eine Persönliche. Schmerzhaft. Sehr. Am Boden bin ich, zerstreut, zerrührt und aufgelöst. Bezeichnend für Zeiten wie diese: Es ist grad niemand da. In den entscheidenden Momenten des Lebens ist man allein. Vielleicht ist das Quatsch und alle haben einfach nur ihr eigenes Leben, ihr eigenes Armageddon. Jeder muss sich auch und besonders um sich selbst kümmern, ich rede wie eine Erklärung. Wegen der Not. Jetzt und immer sowieso ist Selbsthilfe angesagt. Köfferchen aufgeklappt und los. Ich halte meine Hand, stelle mir Fragen, richte mir liebe Sätze aus und hoffe, dass Antworten kommen. Aus mir. Wie es weiter geht, möchte ich wissen. Wie es weiter gehen soll, versuche ich zu ergründen. Ich schicke Wünsche hinaus in die Welt. Wie ein Kind, wie ein Kind hoffe ich. Ich hoffe und wünsche, dass ich meine Hand nicht los lasse. Nicht jetzt. Nicht ich. Ein paar Entscheidungen treffen. Ein paar Erkenntnisse sammeln und eine Vision daraus legen. Erreichbare Ziele setzen: Mal gegen einen Mülleimer treten. An allem kann man scheitern oder wachsen. Sätze am Boden, zum Aufrichten. Die Katzen an meiner Seite schlafen, als wäre nichts geschehen. Vielleicht haben sie recht, aber ich fühle mich miserabel. Die Zeit lassen, sich Zeit lassen, sich Zeit nehmen. Langsam ins Verstehen gehen. Langsam aufsehen. In der Liste der Lieblingsworte steht derzeit eines ganz oben: Vielleicht. Vielleicht mal wieder Aufräumen, vielleicht mal wieder Umräumen, vielleicht mal wieder Aufbäumen. Alles ins richtige Licht rücken. Der Zug des Lebens ist ja nicht abgefahren. Er hat gerade angehalten. Zwischenstation, mal wieder. Zum Auftanken. Zum in-die-Landschaft-gucken. Zum Durchatmen. Ist ja ganz schön hier. Der Himmel trägt ein paar Wolken, ist doch hübsch. Da sehe ich Berge und eine Schlucht. Einen See gibt es auch und das Meer. Und da, unwegsames Gelände. Ein paar andere Menschen sind auch da. Weiter sehen. Aufstehen. Weiter gehen. Es ist nichts Besonderes, was gerade geschieht. Einfach nur das Leben. Mehr nicht.

 

© mp

Über.Wolken.und.Michael.Krüger.

Es gibt Menschen, denen begegnet man gerne, die machen das Leben besser. So einer ist er: Michael Krüger. Aber ich fange mal ganz von vorne an. Am Anfang schuf Gott die Wel… – also gut, vielleicht nicht so weit vorne. Gestern. Gestern bin ich hingefahren nach L. Mit meinem treuen und verlässlichen Begleiter, mit dem ich noch Streit bekommen sollte. Dazu später mehr. Erstmal ging es auf die Reise. Ich hatte mir den Gedichtband von Michael Krüger eingepackt, eine Flasche Wasser eingepackt für unterwegs, Musik von anno Dunnemol und die Reise konnte am Nachmittag beginnen. Ich sagte wohin es gehen soll und dann ging es los, fuhr es los, ich fuhr los, wir fuhren los. Juchu! Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn. Ich hatte ewig nicht mehr Peter Murphy gehört („A strange kind of love“), ewig nicht mehr Sisters of Mercy („More“), ewig nicht mehr Midnight Oil („Beds are burning“). Ich sang mit Midnight Oil, Peter Murphy, Peter Gabriel, Billy Joel, mit den Talking Heads uvm. und musste irgendwann die Autobahn verlassen, weil es eine große Baustelle und Umleitung gab. „Bela Lugosi is dead.“ Das Wetter war gut, die Vorfreude war groß, der Himmel sagte mir freundlich „Hallo“ und dass ich erwartet würde. Guckst Du hier – extra für mich:

sky up above

sky up above

Ich brauchte länger als gedacht, wegen der Baustellen überall, hier 80 km/h, da 100 km/h, dann wieder nur 60 km/h. Machte aber nichts, ich hatte ja Zeit, die Lesung sollte um 19 Uhr beginnen, ich hatte gute Musik im Auto, sang mit Inbrunst laut und falsch mit und bald war ich auch schon in L. und wurde freundlichst und optimistisch begrüßt. Guckst Du hier – extra für mich:

Touch the sky

Touch the sky

Yes, I will! Ich fuhr durch die Stadt, erkannte manche Straße, manches Gebäude wieder und fuhr und fuhr. Mein Begleiter meinte, es seien noch 114 Kilometer zu fahren und das würde in etwa 1,5 Stunden dauern. Ich: Was? Wir sind doch schon da! Nö. 114 Kilometer noch und 1,5 Stunden. Ich: Nicht dein Ernst? Er: Noch 114 Kilometer und 1,5 Stunden. Es fing an zu nerven. Ich: Moment mal, das klären wir. Ich fahr mal ran. Natürlich überall enge Straßen, Baustellen, fließender Verkehr, hupende Autofahrer. Da kam ein Standstreifen. Ich rangefahren. „Wir müssen mal reden“. Tasten drücken. Tasten drücken, die man beim anderen kennt. Und eine Reaktion abwarten. Tasten gedrückt, abgewartet. Er: Noch vier Kilometer. Ich: Na also, geht doch! Der gute Mann hatte sich geirrt. Mr. TomTom. Auf nix mehr ist Verlass, also ehrlich.

Es war also nicht mehr weit, ich war bald dort und war begeistert. Das Gebäude war sehr schön, ich hatte es schon mal auf einem Foto gesehen, jetzt konnte ich selbst eins machen, lief einmal herum. Es war umgeben von grün, von Bäumen und einem kleinen Stück Rasen, dahinter eine Bank, auf der eine lesende Frau saß. Ich sah auf die Uhr, es war noch Zeit, ich beschloss, erst mal in die Stadt zu gehen. Dort machte ich ein paar Fotos, aß eine Kleinigkeit und machte mich um 18.30 Uhr wieder auf den Rückweg. Die Lesung sollte um 19 Uhr beginnen.

Als ich ankam, lagen schon ein paar Leute auf dem Rasen, ich wollte mich nicht dazu legen, das war mir zu privat und intim, ich kannte ja niemanden von denen und beschloss stattdessen lieber jemanden anzusprechen und zu fragen, wo die Lesung sei, weil das Gebäude zwar nicht groß war, aber doch mehrere Eingänge und Etagen hatte und die Türen verschlossen gewesen waren, als ich es bei meinem ersten Rundgang probiert hatte. Die zwei, die gerade mit dem Fahrrad angekommen waren, wussten es auch nicht. „Wir wollen auch hin.“ Ich sah noch mal zu den auf den Rasen Flezenden, aber nein, nein. Privat. Da hörte ich eine Stimme hinter mir: „Hallo! Komm mal mit, wir wissen jetzt wo es ist!“ Die Frau, die ich eben gefragt hatte, hatte mit ihrem investigativen Begleiter herausgefunden, wo die Lesung stattfand. Wir betraten gemeinsam das Gebäude durch den Haupteingang.

Innen wurde noch gearbeitet, die Getränkeecke wurde aufgebaut, die Mikros wurden getestet, das Fenster geöffnet, die ersten Gäste kamen. Ich suchte mir einen guten Platz. Da also würde er lesen:

his place

his place

Die Mikros waren irgendwann beide getestet, die Schlürfecke aufgebaut, die Leute kamen, der Raum füllte sich mit Menschen, die Stimmen waren erst flüsternd, wurden lauter, es war kurz nach 19 Uhr, jemand hatte, vielleicht zur Beruhigung oder Einstimmung, Musik aufgelegt, leise. Der Moderator setzte sich links von mir hin. Dann kam er! Er, der große Michael Krüger, setzte sich neben den kleinen Moderator. Ich sah rüber, Michael Krüger sah rüber zu mir, ich lächelte, er lächelte. Schnell wieder weg geguckt, gleich würde es los gehen, jetzt den Künstler nicht ablenken, irritieren oder irgendwie lästig werden. Das wäre wirklich das Letzte, was ich wollte, ich wollte ja seinen schönen Gedichten und Worten lauschen.

Der Moderator stellte sich vorne hin und begann von seinem Zettel abzulesen, was es über Michael Krüger zu sagen gab. Zusammenfassend, ein Leben als Lektor und Schriftsteller, Preise, Geburtsort und seine Hand zitterte, der Zettel zitterte und ich dachte: „Müsste ich vortragen, würde ich auch zittern.“

Michael Krüger stand auf und setzte sich an den Tisch und begann ein paar einleitende Worte zu sprechen, auch darüber, wo und wie er aufgewachsen war, in ärmlichen Verhältnissen, aber glücklich. Die glücklichste Zeit seines Lebens nannte er diese Zeit und begann die Lesung mit einem ersten Gedicht.

Beeindruckend, wie routiniert und angenehm jemand lesen können kann. Er kann. Es gab keinen Applaus zwischen den Texten, aber eine angenehme Ruhe, die sich vom Autor aufs Publikum zu legen schien, er las weiter, erzählte weiter, schweifte ab, kam wieder zurück. Las das nächste Gedicht, über Bäume, über vergangene Zeiten, über Orte. Ein solch feiner Beobachter, beeindruckend. Beeindruckend, wie er mit einfachen Worten, soviel Welt zeigen kann, soviel Welt öffnen kann. Schön.

Lange Zeit war er in einem Verlag tätig, war Geschäftsführer und hatte in dieser Zeit auch selbst geschrieben, häufig Pflichttexte, häufig hatte er auch Dinge zu tun und zu organisieren, die nicht so interessant waren, Meetings, die er manchmal mit einem Gedicht eröffnete, weil er der Meinung war, dass es die Welt ändern würde, die Sprache ändern würde, würde man alles mit einem Gedicht eröffnen. Frau Merkel im Bundestag, jede Vorstandssitzung irgendwo, Unterricht in den Schulen etcpp. Er hatte diese Idee woanders gehört, für gut befunden und umgesetzt in seinem Rahmen.

Dann las er wieder aus seinen vier Gedichtbänden. Erzählte, dass er ein kleines Holzhaus gekauft habe, in dem es kein Radio gab, keinen Fernseher, ein Ort, umgeben von Wald und Natur, ein guter Ort zum Schreiben. Dann erzählte er, dass er ein besonderes Verhältnis zu einem bestimmten Baum entwickelt habe, ich wusste sofort, was er meinte und er sagte: Vielleicht muss man ländlich aufgewachsen sein, um das zu Verstehen.

Er sprach über den Hund, der an der Eingangstür lag und der ihn amüsierte, also nicht im Gedicht, sondern in dem Raum, in dem wir alle saßen und ihm zuhörten. Ich lachte und grinste sehr viel, Michael Krüger besitzt einen sehr feinen Humor.

Ein paar Menschen verließen irgendwann die Lesung, da sagte er: „Da gehen schon die ersten. Ich kann das verstehen. Ich kann aber nichts anderes schreiben als das.“ Dann sagte er: „Ich lese jetzt mal ein anderes Gedicht, damit sie nicht denken, ich würde nur in meiner Holzhütte sitzen oder mit Bäumen reden.“ Dann las er ein Gedicht über Istanbul vor. Istanbul hatte er vor vielen Jahren mit dem Autor Peter Rühmkorff besucht und auch dazu hat er eine amüsante Anekdote erzählt, obgleich in jener Zeit dort vieles alles andere als amüsant war.

Irgendwann las er noch ein Kapitel aus seinem Roman vor, in dem es um einen Menschen geht, der den Nachlass eines Schriftstellers zu verwalten hat, der selbst aber nie mit Schreiben zu tun hatte. In einem Dialog geht es darum, dass zwei Autoren miteinander sprechen und der eine über seinen Roman erzählt und dass er seit Jahren das zweite Kapitel überarbeitet und überarbeitet und nicht weiter kommt. Dass er sich schon einiges überlegt habe, wie es weiter gehen könne, zum Beispiel, dass sein Protagonist ja in ein Wirtshaus gehen könne und dort essen, aber dort würde er vielleicht abgelenkt, würde sich verlieben in eine Frau und seine Geschichte würde eine Richtung nehmen, die er nicht nehmen wolle. Ließe er ihn aber Zuhause essen, würde er sich in seiner dumpfen Verfassung verheddern und es würde auch nicht weiter gehen. Und plötzlich wurde ihm sein eigener Protagonist zuwider, er konnte ihn nicht mehr leiden, nicht mehr sehen, wolle nicht mehr mit ihm sprechen. Die Verzweiflung, die Schreibende sehr gut kennen. Ich habe mich geschüttelt vor Lachen, weil ich das so gut kenne – ich habe zwei Romane bislang verfasst. Ich sag besser nichts weiter dazu.

„Sie können mich alles fragen, alles, was sie wollen. Egal was!“, lud Michael Krüger am Ende der Lesung ein, nachdem der Applaus abgeklungen war. Stille. So ist das ja immer. Traut sich keiner. Ich auch nicht. Der Moderator zitterte jetzt nicht mehr, stellte eine Frage, dann nahm alles seinen Lauf. Michael Krüger erzählte, antwortete, ich hörte begeistert zu. „Wenn jetzt niemand mehr eine Frage hat, würde ich gern was trinken, aber fragen sie nur“. Es fragte niemand mehr, die Getränkeecke bekam reichlich Zulauf, Michael Krüger stand auf und sah mich an. JETZT ODER NIE! „Guten Abend, Herr Krüger. Würden Sie mir wohl eine Widmung in meinen Gedichtband schreiben?“ Tadaaaa! Es war raus! Ausgesprochen! Yes! Ich war ja so ungeheuerlich mutig. Ich war so großartig. So toll. Ich war so … so, nun beruhigen wir uns mal wieder.

Ich hab ihn tatsächlich angesprochen. Er nickte: „Natürlich, gerne.“ Ich zog den Gedichtband hervor und dann bekam ich eine so persönliche Widmung, das kann doch kein Zufall sein. Seht selbst. Ein schöner Abschluss eines schönen Tages. Anschließend bin ich sehr glücklich nach Hause gefahren.

for you

for you

Ein paar sächsische Wölkchen für mich.

 

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© mp

 

 

Jetzt oder Ja

Es gibt so viele schöne Orte. Auch im Außen. Gestern war ich an einem solchen. Und während ich am Ufer stand und aufs Wasser blickte, da fragte ich mich, ob diesen Ort wohl alle Menschen schön finden würden. Ich setzte mich ins Gras und sah den vorbeischippernden Bötchen zu. Zwei Frauen hatten sich auf eine Bank gesetzt und unterhielten sich. Kurzer Blick, freundliches Nicken. Ich stand irgendwann auf und ging einen Schotterweg am Wasser entlang. Zwei Angler saßen im Gras und hatten sich einen Grill mitgebracht. Angeln ist nicht so mein Fall, aber vielleicht stimmt das gar nicht. Ein Kollege erzählte mir, Angeln sei zu Unrecht als langweilige Freizeitbeschäftigung verschrien, bei denen Männer stumpf auf Wasser guckten. So sei das ja gar nicht. Es sei ein adrenalinfördernder Sport ohne Gleichen und während er mir erzählte, was alles los ist in und mit ihm, während er da hoffnungsfroh und gespannt die Angel ins Wasser schmeißt, musste ich nicht nur lachen, sondern dachte: Vielleicht geh ich das nächste Mal einfach mal mit. Ich würde allerdings jeden Fisch wieder zurück ins Wasser schmeißen, aber vielleicht ist das Erlebnis Angeln ja ganz schön. Mit einem Ex-Freund war ich mal am Millerntor, da war er allerdings noch mein Freund und ein großer Fan von, – wie heißt noch diese coole Fußballmannschaft, die dauernd absteigt? Coole Truppe jedenfalls, das war schon ein Grund dort zu sein und außerdem wollte ich wissen, was es eigentlich ist, das Männer so willenlos macht, wenn sie auf einen grünen Rasen gucken. Ich weiß es jetzt, aber ich sag’s nicht. Wer es wissen will, soll selbst in ein Stadion gehen. Ihr wisst ja – manches kann man nicht vermitteln, das muss man erleben.  Jedenfalls hatte ich viel Spaß im Stadion und ich habe eine neue Seite an meinem damaligen Freund entdeckt. Er hatte noch denselben Namen und dasselbe Gesicht, aber etwas in ihm und an ihm war wie ausgetauscht. Ist das bei Frauen, wenn sie Schuhe kaufen wohl auch so? Also bei mir nicht, das sag ich gleich, aber ich höre ein Kreischen, welches nicht meines ist, sobald bestimmte Namen erklingen, die Schuhe so teuer machen, dass ich dafür lieber einen Gebrauchtwagen kaufen würde. Man muss ja nicht immer laufen, man kann ja auch mal fahren. Wo war ich? Wo bin ich? Wo will ich hin? Ich werde heute vermutlich nach L. fahren, so Gott will, sage ich gern mal dazu. Man weiß ja nie, wann man dran ist. Ach, welches Datum ist heute? Moment, heute ist doch die Soundso dran. Die will noch nach L.? Ja, das hat sie sich so gedacht. Es hat sich ausgeellt, heute ist Himmel dran. So oder so ähnlich könnte es ja laufen, wer weiß das schon. Ich würde jedenfalls gern hin, weil heute ein großartiger Mensch und Dichter liest. Ich habe ihm schon mal zugehört, während er las und sprach und schon da fand ich ihn toll und war so sprachlos, dass ich nicht mehr konnte, als ein zustimmendes Lächeln ihm zu schicken, das er sogar erwiderte, aber ich hatte nicht die Courage, mit meinem dort frisch gekauften Gedichtband hinzugehen, um eine Widmung zu bekommen. Berührungsängste. Respekt. Sind alles nur Menschen, ich weiß, aber ich habe da eine Hemmschwelle. Ich denke dann an all die, die beispielsweise des Öfteren im Fernsehen zu sehen sind, wo dann Leute hingehen und sagen: „Tach Frau Lindenstraße. Wie geht es eigentlich ihrem Sohn Benni.“ Arme Frau Lindenstraße. Passiert sicher ziemlich oft. Die Leute denken, dass sie andere kennen, wenn sie sie öfter in diesem viereckigen Gerät sehen und sie denken außerdem, dass die, die rausgucken auch die sehen können, die reingucken. Aber, ganz im Vertrauen, das ist nicht so. Manche Dinge müssen einfach mal ausgesprochen werden. Ich habe mal ein Interview mit dem Hauptdarsteller der Serie „Rex Revier“ gehört (also mit dem Mann, nicht mit dem Hund) und da erzählte der Mensch, dass jemand auf ihn zugekommen sei und gesagt hat: „Guten Tag, Herr Rex Revier“. Ich hab mich nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Jedenfalls werde ich nicht zu dem Dichter gehen und sagen: „Guten Tag Herr Frühlingsgedicht“. Wär mir unangenehm, obwohl das sicher ein Lacher wäre. Aber es muss ja nicht immer gelacht werden. Apropos nicht lachen. Ich habe bislang noch nicht verlinkt auf ein anderes Blog, aber ich habe vorhin derart schöne, berührende Fotos gesehen, dass ich die Seite verlinken möchte. Die sind allerdings nichts zum Lachen. Wer möchte, schaut dort mal:

http://stevemccurry.wordpress.com/2014/06/02/faces-of-afghanistan/

 

 

© mp

My.head.is.an.animal.

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We are, each of us, a multitude. Within us is a little universe.

(Mo Willems)

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