ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Notizen

Chronik einer unangekündigten Belagerung

Dienstag, 14 Uhr, Berlin. In Windeseile radle ich zur Arbeit und komme pünktlich an. Keine zwei Stunden später spüre ich: Da ist etwas. Im Anmarsch. In mir. Ich nieste. Die Nase lief. Schüttelfrost. Schwächegefühl. Kopf- und Gliederschmerzen. Irgendwas kroch unaufhaltsam durch meinen Körper. Um 16 Uhr hatte es mich bereits umzingelt und gänzlich eingenommen: Ich hatte kalte Hände, das Gefühl halb zu schlafen, halb anwesend zu sein und ein aufdringliches Pfeifen in den Ohren. Ich hörte nicht mehr auf zu niesen, mein Körper war Schmerzgebiet, der Kopf war auf Halbmast.
Ein Kollege fragte, ob er mir grünen Tee anbieten dürfe. „Könnte helfen. Schmeckt aber nicht jedem“, warnte er vor. „Gerne“, sagte ich und zehn Minuten später stand er mit dem dampfenden Tee in der Tür. Ich probierte. „Und?“, wollte er wissen. „Ich habe jetzt auch kein Geschmacksempfinden mehr“, sagte ich, „den nehm ich gern, danke“.
Irgendwie stand ich den Tag durch. Es ging mir bescheiden.
In der Nacht traf mich alles in potenzierter Form: Niesen, Schüttelfrost, kalte Hände, dröhnende Glieder-und Kopfschmerzen, laufende Nase. Hitze. Kälte.
Am nächsten Morgen meldete ich mich krank, schleppte mich zum Arzt und legte mich anschließend ins Bett.
Ich schlief ungefähr 22 Stunden. In den Wachzeiten: Katzen versorgen, zur Toilette, bei jeder Bewegung „Oh Gott“, sagen, wieder hinlegen und weiter schlafen.
Das ging den nächsten Tag so weiter. 17 Stunden geschlafen. Ich hatte jetzt auch noch Husten dazu bekommen.
Den Tag danach 14 Stunden.
Heute ist Freitag. Ich war draußen und bin spazieren gegangen an der frischen Luft. Im Supermarkt habe ich grünen Tee gekauft. Ich habe mich inzwischen auf 11 Stunden Tagesschlafpensum runtergeschlafen und bin so gut wie neu. Der Husten ist fast weg. Der Schüttelfrost hat aufgehört. Das Niesen auch. Der Kopf ist noch nicht ganz wieder da aber fast. Ich spüre langsam wieder Kraft im Körper. Nach vier Tagen geht es mir endlich wieder etwas besser.

© mp

nur noch dreieinhalb stunden

hallo ihr lieben, heute ist es soweit! der tag des geheimnisses. nein, der tag der lüftung! nein, auch nicht. heute wird das geheimnis gelüftet! jawohl! es flattert im wind und ich lasse es frei! also, worum geht’s? es geht um literatur. das 19. internationale literaturfestival berlin hat die artweek 2019 abgelöst. und jetzt kommts … wer ist dabei? ja ich. also als zuschauerin, als zuhörerin. und wer sonst noch so? wer liest? *trommelwirbel*

TOMAS ESPEDAL!

watt? WER? tomas espedal! einer meiner lieblingsschriftsteller von dem ich alle ins deutsche übersetzte bücher gekauft und gelesen habe. ich raste aus vor freude! wer hätte das gedacht?! also nicht, dass ich vor freude ausraste, sondern dass ich zufällig kürzlich ins programmheft schaute, blätterte und blätterte und auf einmal sah ich den namen! in gottes namen, was war da los? da war was los! also hier in der stadt und in mir! diese unglaubliche freude! im internet versuchte ich dann ein ticket zu bekommen, hätte dafür aber ein ca. 25-seitiges pamphlet durchlesen müssen, in dem ich erkläre, dass ich damit einverstanden bin, dass die ticketverkäuferfirma information einholen darf, ob ich bei trost kasse bin! also flüssig. überflüssig zu erwähnen, dass ich das bei einer summe von ACHT euro etwas übertrieben finde. natürlich hätte ich den test bestanden, aber ich wollte nicht 25 seiten lesen, was ich denen damit alles noch erlaube und so weiter. also fuhr ich zum museum, wo die lesung stattfindet. dort erfuhr ich, dass dort keine tickets verkauft wurden. ich solle mich an den anbieter wenden. den aus dem internet. hmpf. flott bekam ich das infozettelchen rübergereicht, was ich aber gar nicht haben wollte! ich will das nicht online machen, sagte ich fest. da können sie anrufen, sagte die frau. auf dem zettel steht auch eine telefonnummer. das tat ich einen tag später. am telefon war eine freundliche österreicherin. ihr sagte ich, dass ich nicht 25 seiten lesen und unterschreiben möchte, sondern nur das ticket für 8 euro kaufen möchte. sie: es gibt da eine website, da können sie das ticket kaufen. ich sagte: ICH WILL DAS NICHT ONLINE MACHEN! sie: sie können auch das ticket in einer unserer angebundenen verkaufsstellen kaufen. (aha, so einfach, warum nicht gleich so?) würden sie bitte für mich schauen? bat ich sie. sie fand es nicht auf der webseite. dann fand sie es doch, teilte mir den laden mit und ich radelte zur verkaufsstelle, die vier straßen weiter ist. dort gab es reichlich tickets für rock-und popkonzerte. auf literaturfestival war man noch nicht eingestellt. es war nicht so leicht ein ticket zu bekommen, was zum teil auch daran lag, dass man die tickets nicht unter dem datum abgespeichert und sortiert hatte, sondern nur unter dem namen der veranstaltung. super system, finde ich. ich versuchte es mit dem namen: tomas espedal. wie? fragte er. ES-PE-DAL, wiederholte ich ruhig. espenlaub? ja ja, selten so gelacht. dann fiel mir der titel seines neuen buches ein: das jahr. und siehe da, so war das ticket auffindbar im computer. er druckte es also aus: hier, ihr espendahl, sagte der verkäufer. ich geb dir gleich espendahl sagte ich und nahm ihm das ticket ab, warf 8 euro auf die theke und verschwand hinter wehenden fahnen. na gut, es war weniger dramatisch, gebe ich zu. wir haben zusammen über den ollen witz gelacht, ich hab das ticket eingesteckt, bezahlt und dann bin ich mit dem fahrrad nach hause gefahren. ÜBERGLÜCKLICH, dass ich dieses ticket bekommen hatte. ja, und das ist heute abend. die lesung seines neuen buches. ich freu mich riesig und hoffe, ich erwische einen anständigen sitzplatz.

wer tomas espedal ist? ich schrieb über ihn bzw. seine literatur, hier:

https://stadtzottel.wordpress.com/2018/10/29/tomas-espedal/

https://stadtzottel.wordpress.com/2018/11/17/regenseufzer-sinnlich/

https://lesezeichenblog.wordpress.com/2019/02/18/gehen-mit-tomas-espedal/

© mp

 

nur noch drei tage

schon wieder ein jahr herum

hallo meine lieben, es jährt sich mal wieder der tag der blogeröffnung. ich muss mich beeilen und schnell noch etwas posten, um diesen moment nicht zu verpassen. *gg* im juli 2013 begann ich hier zu dichten, zu schreiben, musik und zitate zu teilen und dachte: für ein jahr probierst du es mal. jetzt bin ich immer noch da, also hier, mit gedichten, zeichnungen/bildern und musik. insgesamt weniger als anfangs, aber das ist ja in ordnung. bedürfnisse, neigungen und output ändern sich manchmal mit der zeit und dem folge ich. euch möchte ich danke sagen, fürs folgen, fürs reinschauen, da bleiben, da sein, fürs hier sein, fürs liken und kommentieren, fürs mitschunkeln und spaß haben. danke, dass es euch gibt. alles liebe, eure wolkenbeobachterin

Computer sind doof

Hallo meine Lieben, eine meiner Katzen ist vorhin über meine Tastatur gelaufen. Das Laptop hat sich automatisch geschlossen und danach ging nichts mehr. Die Seite mit der Abfrage meines Passwortes hat sich aufgemacht und ich konnte das Passwort plötzlich nicht mehr eingeben, weil die Taste des ersten Buchstabens vom Passwort seitdem nicht mehr funktioniert. Ich hab alles versucht, die Taste ist tot. Dann fiel mir ein, dass ich noch ein altes Laptop habe. Das ist mein Altes. Das habe ich einfach mal rausgeholt und wie Ihr seht, kann ich jetzt wieder schreiben – fragt sich nur wie lange. Solltet Ihr vorläufig nichts von mir hören, liegt es daran, dass das Laptop den Geist aufgegeben hat, nicht ich (fragt sich nur wie lange … Spässle). Ich hoffe das Beste.

Durch_drungen

Ich spüre, wie ich innerlich leichter werde, sich Freude, Leichtigkeit und Erleichterung in mir wieder ausbreiten und wachsen. Immer wieder atme ich tief durch und fühle, wie nach und nach etwas von mir abfällt, wie ich loslasse und frische Energie freigesetzt wird. Ein Gefühl von Befreiung. Wunderbar.

(Tagebuchnotizen, 27.05.2019)

Von der Sprache

Sprache sind nicht einfach nur Worte. Sprache ist Ausdruck, ist Mitteilen, ist Teilen. In den letzten Monaten ist mir die Sprache irgendwie abhanden gekommen. Nicht, dass ich das Schreiben oder Sprechen verlernt hätte, doch ich habe etwas verloren. Nicht die Worte waren es, es war eine Fähigkeit. Konnte nicht sagen, was ich meinte, trotz zahlreicher Versuche. Versuchte immer wieder, immer wieder, doch es war, als verberge sich die Sprache vor mir und dem, was ich mitzuteilen versuchte. Ich geriet in Schwierigkeiten, in innere Not. Aus der Vergangenheit wusste ich, dass ich mich nicht zwingen, nicht drängen darf, also ließ ich los, ruhte aus. Und versuchte wieder und wieder. Und scheiterte, wieder und wieder. Es wurde mir manches klar auch in diesem Scheitern. Obgleich manches klar war, fanden die Worte und das Unausgesprochene nicht zueinander. Ein Dilemma. Ein schmerzhaftes Dilemma, das ich nur kleinschrittig lösen konnte. Vielleicht ist manchmal Stillsein die Beste aller möglichen Antworten. Manches muss sich vielleicht erst Setzen, wie aufgewirbelter Sand auf dem Meeresgrund. Das Zeichnen hat im Moment das Schreiben eingeholt. Nun sitze ich bei geöffnetem Fenster und sehe draußen die Sonne. Vögel, die durch die Frühlingsluft fliegen. Den blauen Himmel. Keine Wolken. Alles strahlt, alles ist hell, ich will zuversichtlich sein. Die Worte und ich, wir werden wieder zueinander finden. Irgendwann wird sich die Türe wieder öffnen, auch zu den Bereichen, die sich noch nicht mit Worten verbinden können. Die verwundeten Stellen. Ich weiß, dass Worte Ungutes bewirken können, wie auch Gutes. Auch, dass das Schweigen Ungutes bewirken kann, wie auch Gutes. Es braucht alles Zeit. Zeit zum Reifen, Zeit zum Wachsen, Zeit zu verstehen, zu erkennen und das Erkannte umzusetzen. Ich will geduldig sein und hoffe, dass andere geduldig mit mir sind, die mein Schweigen, wie auch mein Sprechen berührt und bewegt. Auch diese Seite kenne ich, dem Schweigen ausgesetzt sein. Manchmal habe ich es persönlich genommen, war es manchmal vielleicht auch. Inzwischen weiß ich, dass aber auch der andere leidet, wenn er bewegt ist und sich nicht mitteilen kann.

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Die Fliege

Heute Morgen nach dem Aufstehen spürte ich das unwiderstehliche Bedürfnis, meine neuen, am Vortag gekauften Stifte in die Hand zu nehmen, um das Zeichnen fortzusetzen, das mich nun seit zwei Monaten, fast ununterbrochen, begleitet. Ich hatte mich einige Tage zuvor an kleinen und großen Tieren versucht: Eine Fliege war dabei, ein Schmetterling, ein Marder, eine Maus, ein Hirsch, ein Adler und eine Löwin. Heute morgen in mir der Wunsch, das Zeichnen fortzusetzen. Ich kritzelte zuerst Blätter, dann Blumen und plötzlich wollte eine Fliege aufs Papier. Ich folgte diesem Impuls, begann mit den Augen, an denen sich der Rumpf anschloss, dann die Flügel und zuletzt die Beinchen. Strich für Strich, setzte sich die Fliege aufs Papier. Während ich zeichnete wurde mir klar, was hier geschah: Die Fliege, die ich vor ein paar Tagen gezeichnet hatte, wollte sich in Erinnerung bringen. Strich für Strich wuchs mir die Fliege aus der Hand. Bald sah sie aus wie eine Fliege, einzig der Kopf war nicht vollständig erinnert, aber doch als Kopf erkennbar. Ich fragte mich, ob mein Gehirn so funktioniert, (vielleicht auch das der anderen), dass wir, sobald wir etwas lernen, sich im Gehirn etwas abspeichert, das nach Bestätigung oder Vervollständigung sucht. Als wollte es wissen, ob das Abgespeicherte der Wahrheit entspricht. Durch das erneute Zeichnen, kann ich nun sagen, wo ich noch einmal hinschauen muss: In diesem Falle auf den Kopf der Fliege. Vielleicht heißt das Lernen: Wir sehen hin und sehen doch nicht alles. Doch je öfter wir hinsehen und je genauer, offener und konzentrierter, umso mehr können wir erkennen, wie dieses Betrachtete wirklich ist. Und wenn wir gelernt haben, wie es aussieht und beschaffen ist, müssen wir unseren Blick wieder entfernen, um dieses „Gewusste“ aus einem Abstand, einer stetigen Unwissenheit, trotz „Wissen“, immer wieder neu betrachten, immer wieder neu zu lernen und zu erkennen. Denn Veränderung wohnt allem inne, auch uns selbst. Die, die wir schauen, lernen und begreifen, sind heute nicht mehr die, die wir gestern waren. Auch wir sind jemand anders geworden, den wir auch immer wieder neu begreifen und erkennen können, so wir denn wollen und dazu bereit sind.

© mp

🎄 🎄🎅🎄 🎄

bald ist weihnachten. es ist schon ganz nah. nur noch vier tage. bestimmt habt ihr schon alle geschmückte räume, adventskränze, weihnachtsplätzchen, vielleicht auch duftlämpchen und lichterketten. die einzige weihnachtsdeko dieses jahr in meiner wohnung ist ein weißer papierstern, den ich gestern ins fenster gehängt habe. die stadt hingegen ist lichterfroh geschmückt. runde, große, strahlende kugeln aus licht, die bäume darstellen. lichterketten quer über die straßen aufgereiht. der fliehende duft von glühwein. weihnachtsbuden. zimtsterne, vanillekipferl und viele, viele buntgeschmückte weihnachtsbäume. jetzt mache ich auch ein bisschen weihnachtsstimmung hier im blog für alle, die noch nicht davon infiziert sind (so wie ich). spritzgebäck. schokoprinten. marzipan. (merkt ihr schon was?) jeder satz bekommt nun lametta. dies ist ein vorweihnachtlicher, glitzernder lamettasatz. ha! fühlt euch heimelig und warm und wohl. und wenn ihr nicht feiert, macht es euch schön. geht spazieren. nehmt den fotoapparat mit. tanzt. lacht. esst. verabredet euch. redet oder schweigt. hört musik. schreibt briefe. lest briefe oder die bücher, die ihr die ganze zeit schon lesen wolltet. (tomas espedal zum beispiel). macht einfach, wozu ihr lust habt. ich wünsche euch schöne, besinnliche und frohe weihnachten. merry christmas. eure wolkenbeobachterin. 🎅

let it flow

ich konnte nach dem zeichnen zwischen vier und sechs uhr heute morgen nicht mehr schlafen, habe mich aber noch etwas ausgeruht, geschlummert, bis gerade eben. und mir die freude bereitet aufzustehen bevor der wecker klingelt. die eine arbeit wartet, die andere ist getan. ich habe vier zeichnungen angefertigt, (fineliner und bleistift), habe eine angefangene vom montag fertig gestellt, mich danach drei mal an einem portrait eines schriftstellers versucht, das noch zu wenig ähnlichkeit mit dem original hat, mir dennoch gefällt. ich werde es weiter versuchen, aber nicht jetzt. jetzt wartet die andere arbeit, für die ich bezahlt werde. ich höre seit heute morgen kurz nach vier uhr schon ry x – ich könnte durchdrehen vor freude. was für ein sänger! diese musik berührt mich so sehr. tschicketschicketschicketschicke, herrlich! for so long, for so long, for so long. das malen hat etwas mit mir gemacht. alles hat etwas mit mir gemacht. ich habe mit allem etwas gemacht, aus allem etwas gemacht. ich bin glücklich. ich fühle mich erfüllt und glücklich. die lebensenergie fließt durch mich, ich kann es fühlen, es ist so stark, meine kraft ist wieder da, ich möchte dauernd juchzen und tanzen, sitze grinsend am schreibtisch, male mit den fingern, zeichne mit dem bleistift, mit dem fineliner, mit acrylfarbe, singe und tanze. mein letztes bild macht mich glücklich! es ist so schön geworden, ich kann es kaum glauben, was ich da geschaffen habe. jeden morgen, wenn ich die augen öffne und der blick auf das bild fällt, 90 cm x 90 cm ist es groß, spüre ich meine kraft und energie, ich bin so glücklich und möchte die ganze welt umarmen. for so long, for so long. wooooooooow, diese musik, diese musik ist so unfassbar schön. tschicketschicketschicketschicke. und jetzt mache ich mir und den katzen frühstück. und danach werde ich das musikstück bloggen. das müssen einfach alle hören und sich mitfreuen und mitsingen und tanzen! waaaaaaah, ich sprühe vor freude!

tagebuchnotizen, 21.11.2018

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der kreative prozess

während ich mich ehemals dafür schalt / gescholten habe, dass ich etwas im übermaß getan hatte – sei es zu schreiben, zu zeichnen, zu fotografieren, zu sprechen, unterwegs zu sein u.a. – ist es inzwischen so, dass ich die notwendigkeit erkannt habe, diesen impulsen nachzugeben, „es“ aus mir fließen zu lassen, zuzulassen und dem raum zu geben, was sich aus mir mitteilen möchte, es werden lassen zu einem gedicht, einer notiz, geschichte, einem foto, einer zeichnung oder einer erkenntnis, die genau zu dieser zeit in die welt will.
nun kann ich zulassen, was kommen will, ohne es zu bereuen, wie es mir in der vergangenheit manchmal passierte, weil ich mich schimpfte, wegen des sich anschließenden gefühls von müdigkeit oder der leere, übersah dabei das gefühl von glück und erleichterung darüber, dass ich kreativ gewesen war, erschaffen hatte, alles zugelassen und mich dem hingegeben hatte,
spürte, auch wenn es im übermaß aus mir kommt und sich manifestieren will, ich erlaube diesem inneren flow zu wirken, ich weiß um die endlichkeit, auch um die endlichkeit dieser erfahrung, die, ganz natürlich, wieder eine andere form von sich aus, aus sich heraus, annehmen wird, eine form, in der ich still bin, nichts heraus will, nichts heraus kommt, kann, will, eine zeit, in der ich schweige, mich sammle, ausruhe, innerlich „abgleiche“, bewusster werde, aufnehme, was ich erkannt habe in ebenjener zeit des „flows“ und der produktivität,
so hat alles seine zeit und ich urteile nicht mehr,
weiß, dass schon im wechsel zur stille, das nächste in mir vorbereitet wird, es gibt keinen grund zur sorge, oder mir druck zu machen, es geht alles seinen natürlichen und kreativen gang, es ist ein kontinuierlicher prozess im innern, der wie ein perpetuum mobile, stets in bewegung ist und sich fortsetzt in mir und der welt.
manchmal kommt der flow scheinbar ungelegen oder die stille fühlt sich schmerzhaft und unpassend an, gerade nach einem wechsel vom flow in die stille hinein, (seltener anders herum), doch ich habe erkannt, anerkannt und gelernt, dass dies natürlich wirkende impulse sind, die insgesamt ein gleichgewicht bilden,
dies hat mich frieden schließen lassen mit dem, was (in mir) ist, es zuzulassen, nichts zu (er-)zwingen, nichts zu unterdrücken, ja, nicht mehr zu wollen als das, was ist.

© mp

(tagebuchnotizen im november 2018)

Regenseufzer, sinnlich

Ich kann gerade nicht weiter lesen und muss davon erzählen, noch ein wenig versunken darin und ganz erfüllt davon. Der Leser möge mir meine schwelgenden Ausführungen verzeihen und selbst den norwegischen Schriftsteller lesen.
Bergeners, das sind die Bewohner von Bergen, der regenreichsten Stadt Europas, es ist die Heimat-Stadt von Tomas Espedal. In der gleichnamigen Erzählung beschreibt er, nach kurzer Skizzierung des rauchenden Protagonisten, den Regen, in den sich die Hauptfigur begibt, den kommenden, fallenden Regen.
Wenn Tomas Espedal etwas beschreibt, ist es nicht einfach eine Beschreibung, es ist eine sinnliche Erfahrung. Ich lese die Worte, sehe und spüre das Fallen der Tropfen, spüre, wie der Regen in der Luft tanzt, wie die Tropfen in langen, weich gezogenen Linien ästhetisch vom Himmel fallen, sie stürzen nicht, sie fallen und verbinden sich mit anderen Tropfen, werden zu Blumen, tanzen in der Luft, werden hierhin, dorthin getragen vom Wind, der luftigen Begleitung des Wassertanzes.
Ich staune, lese, betrachte und genieße den Regen, seinen Regen, spüre ihn auf meiner Haut, der Regen fällt und ich lese jeden einzelnen Tropfen, das stimmt nicht, ich lese nicht, ich spüre, ich bin im Regen, werde zum Regen, ich bin die Erde, lasse die Tropfen auf mich fallen, werde eins mit den sinnlichen Beschreibungen.
Ich folge dem Schriftsteller, stehe neben ihm, höre ihn atmen und sprechen durch seine Worte und sein Schweigen. Ich bin der Wind, er ist der Regenschauer, der in mich schreibt, seine Worte beginnen mit meinen zu tanzen. Hier bin ich, hier will ich sein, ich genieße es, ich stehe im Regen und will gerade nirgends anders sein, als im Regen von Tomas Espedal. Ich bin erfüllt, inspiriert und beginne den Regen wie Sternenstaub in mir zu sammeln. Lesen in Selbstvergessenheit, abtauchen, ein Bad in der Sprache eines anderen nehmen, ein Zwiegespräch mit einem Schriftsteller halten, das ist das Lesen von Tomas Espedal für mich. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Es ist jedes Mal eine neue, bereichernde und inspirierende Erfahrung.

© mp

sonntagmorgen

ich sitze bei geöffnetem fenster am schreibtisch, die katze ist gerade auf die fensterbank gesprungen und sieht in den himmel. ein paar vögel, die sich noch nicht auf in den süden gemacht haben, flattern zwischen den bäumen umher. ein pärchen radelt durch die straße, ein auto fährt vorüber. ich höre leise musik. eigentlich ist der morgen für mich ein moment der ruhe, stille und besinnung, doch manchmal, wenn ich neue musik entdeckt habe, höre ich sie schon früh, oft wieder und wieder und bin ganz erfüllt davon. erst gestern das schöne lied von mansionair, höre ich nun LP, so heißt die amerikanische band mit der tollen, beeindruckenden singstimme der sängerin.
ich spüre immer wieder, wie mich das schön-kreierte emporhebt, wie es mich trägt, mich bereichert – musik, literatur, kunst jedweder art, alles schöne. gerade geht jemand pfeifend die straße entlang, ich muss lächeln.
vor ein paar tagen habe ich meinen zweiten espedal beendet, also den roman „wider die kunst“, worin der norwegische dichter und schriftsteller tomas espedal über den tod seiner frau schreibt und wie es das zusammenleben mit seiner tochter und auch sein schreiben verändert hat. seine sprache ist so kraftvoll, poetisch und tief, so unfassbar schön, dass ich es einfach nur liebe! es ist wie beste speise für herz, seele und den kopf. noch ganz erfüllt davon bin ich in die buchhandlung und habe dort nach „gehen“ gefragt, einem anderen roman von ihm.
„wider die natur“ war der erste roman, den ich von ihm gelesen habe, mein „einstiegs-espedal“, in dem er über die liebe schreibt, ein wundervoller roman, wie ich finde, den ich nur empfehlen kann, (wie alle bücher von ihm). in der buchhandlung gab es „gehen“ nicht, also habe ich es dort bestellen lassen, doch es gab ein anderes von tomas espedal, das ich gekauft habe – „bergeners“, eine sammlung aus erzählungen, anekdoten, gedichten und notizen von ihm. endlich habe ich gelegenheit auch gedichte von ihm zu lesen! bevor ich es wußte, dass er gedichte auch schreibt, habe ich es schon geahnt, seine sprache lässt einfach darauf schließen. er beschreibt und schreibt so unglaublich bildhaft lebendig-schön! gestern habe ich „gehen“ abgeholt, noch habe ich ein paar der erzählungen aus „bergeners“ zu lesen, bevor ich „gehen“ beginne.
die katze sitzt wieder am fenster, nach einem kleinen erkundungsspaziergang durch die wohnung ist sie wieder zurück an ihrem fensterplatz. die andere katze springt über schreibtisch, kommode, auf den schrank und putzt sich oben das schöne, weiche, schwarze fell. die bäume vor dem fenster lauschen meiner musik, draußen rufen ein paar krähen sachte in den morgen.
ein farbenfrohes bild zeigt sich mir hier: das langsam sich entsättigende grün wird zu hellerem grün, gelb, manche blätter sind rötlich-braun. einige äste sind schon blätterbefreit, andere halten sich noch, bevor auch sie bald loslassen.
sonntag. ich werde noch etwas lesen, musik hören und vielleicht noch an meinem bild weiter arbeiten, bevor ich zur arbeit gehe. dieses lied, welches ich heute morgen (und gestern auch schon) immer wieder höre, ist so wunderbar und ich werde es für euch da lassen.
ellen hat mich dran erinnert, dass die uhr umgestellt wurde letzte nacht. das habe ich gestern abend schon gemacht. ich hätte es vergessen, hätte ich es bei ellen nicht gelesen, vielleicht geht es euch auch so, somit habe ich euch nun auch daran erinnert. ich wünsche euch einen wundervollen herbstlichen inspirierend-kreativen tag. alles liebe. ❤

notizen, oktober 2018

feste feiern

vor ein paar tagen war ich mit dem taxi unterwegs und der taxifahrer erzählte mir, dass er seinen geburtstag jedes jahr vergisst. „und an dem tag klingelt dann dauernd das telefon oder es kommt nachricht auf nachricht. während ich fahre, kann ich nicht rangehen und denke: was ist denn los, dass heute alle schreiben oder anrufen? ist was passiert?“ und erst später merke er, was der grund dafür sei: sein geburtstag. ich fand das ziemlich ungewöhnlich und fragte ihn, wann das angefangen habe. er meinte, das sei schon immer so gewesen bei ihm.
mir fiel nun auf, dass ich auch meinen geburtstag vergessen habe, das heißt, nicht meinen direkt, sondern den von meinem blog, der „eigentlich“ schon im juli war. 2013 hatte ich mir vorgenommen, für ein jahr zu bloggen. ob mir das gelingen würde, wußte ich nicht, ich wollte es probieren. nun sind fünf jahre vergangen und mein blog gibt es immer noch. das ist ein schöner anlass, mich bei euch hier lesenden, mir folgenden oder einfach nur vorbei-und/oder hereinspazierenden zu bedanken, fürs lesen, kommentieren, diskutieren, folgen. danke für eure zeit und gedanken, für eure likes und auch kritischen anmerkungen, danke für euren trost, beistand, eure freude, euer lob, eure zuneigung, eure worte, eure treue. es macht so viel spaß mit euch zu tanzen, zu dichten, zu diskutieren, mich auszutauschen mit euch. ihr seid eine bereicherung. von herzen ein großes danke. ich wünsche euch einen großartigen tag. und weil ich zufällig heute geburtstag habe, habe ich beschlossen, einen kaffee auf euch zu trinken. eure wolkenbeobachterin 🙂 ❤

Info

Liebe Leserinnen und Leser, wie Ihr alle wisst und sehen könnt, möchte ich nicht, dass meine Texte rebloggt werden. Das steht ganz oben auf meinem Blog. Seit fünf Jahren blogge ich hier meine Texte. Das Blog ist öffentlich, es kann also lesen, wer hier vorbei kommt. Ich freue mich über Rückmeldungen, freue mich, wenn jemandem meine Texte und Gedichte gefallen und den Austausch darüber. Mit meiner Bitte um Respekt für meinen Wunsch, gab es bislang keine Schwierigkeiten. Man liest sich, man kommentiert sich, Punkt aus. Als ich heute Nacht von der Arbeit nach Hause komme, lese ich aber einen Kommentar hier auf meinem Blog verlinkt, in dem sich ein User auf seinem Blog öffentlich darüber mokiert, weil ich nicht möchte, das meine Texte ungefragt rebloggt werden. Er hat auf seinem Blog meine Seite als eigenen Artikel gebloggt und bittet die anderen um ihre Meinung darüber. Ich finde das unverschämt, respektlos und grenzüberschreitend. Es sind meine Texte. Ich habe in meinem öffentlich sichtbaren „bitte-nicht-rebloggen-Text“ darauf hingewiesen, dass man mich anschreiben kann, wenn Interesse an einem bestimmten Text besteht und ich mich mit dem Anfragenden entsprechend austauschen und darüber verständigen würde, ob ein Text von mir woanders rebloggt werden darf oder nicht. Karin beispielsweise hat mal einen Text von mir rebloggt nach Absprache mit mir. Einfach so möchte ich mir meine Texte nicht nehmen lassen, weil irgendwer meint, es müsse alles umsonst geben und einfach so zur Verfügung gestellt werden bzw. dürfe sich alles nehmen, was man möchte. Deshalb habe ich nun alle meine Texte offline gesetzt. Inzwischen verstehe ich, dass andere Autoren ihre Texte nicht öffentlich bloggen oder nur ein, zwei Kostproben davon geben. Liebe Grüße von der Beobachterin und danke fürs Lesen.