ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: Mai, 2014

My.head.is.an.animal.

die.welt.existiert.nicht.

wenn die welt nicht existiert,
was existiert dann überhaupt?
keine tiere.
keine autos.
keine verbotsschilder.
kein hammer.
keine menschen.
ich nicht.
wer hat sich das ausgedacht?
es muss mich geben.
wieso kann ich das hier sonst denken?
die welt existiert nicht.
und dich gibt es auch nicht.

es gibt sätze die bohren sich in dein leben.
manchmal bohre ich zurück.
ich kaufe mir ein fahrrad.
und dann werde ich der welt beweisen,
dass es sie gibt.
wenn ich durch sie hindurchfahre
wie der wind durch morgendliche gedanken.
ich will es wissen.
wenn es die welt nicht gibt,
gibt es kein fahrrad
und keine straßen auf denen ich fahren kann.
dann gibt es keine gedanken,
keinen krieg und kein geld,
keinen wein und keine kondome.
wenn all das hier erlogen und erstunken ist
und es mich gar nicht gibt,
dann habe ich dieses gedicht wohl auch nicht geschrieben
aber wer war es?

© mp

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Wenn du nicht sagst, was du auf dem Herzen hast, wozu dann überhaupt schreiben?

(Jack Kerouac)

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wovon.träumen.

Debakel

Schreibst einen Text aufs Papier

Denkst: So gefällt er mir.

Und dann kommt Herr Makel

fragt: Was soll das Gekrakel? 

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© mp

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Der Traum ist ein zweites Leben.

(Gerard Nerval)

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Be.kenntnisse.

„Jesus, hier ist Nina.“

Erinnert sich jemand an diese Frau? Sie hat vor einiger Zeit ein Buch geschrieben mit dem Titel „Bekenntnisse„. Es geht natürlich um Nina Hagen. Nina Hagen, die Kandidaten über’n Haufen gesoffen hat, die auf’m Bahnhof Zoo hungrig war und nichts wusste, von seinen Ufern. Sie war ein Hund, fühlte sich unbeschreiblich weiblich und wollte ein Fisch im Wasser sein. Sie lief’n Bahnsteig lang und wusste nicht, ob sie da wegfährt oder was. In ihrer Tasche klebte ein Bonbon und sie tanzte den African Reggae. Nina Hagen war heiß und wollte rangehn und das tat sie auch musikalisch: Wilde, punkige Musik mit ausgefallenen Texten und Takten. Jedenfalls in den 80ern. Mit einer Band, die ihren Namen trug und zwei Alben veröffentlichte: Nina Hagen Band. Wer ist diese Frau? Wer und was hat sie beeinflusst und geprägt? Das erzählt Nina Hagen selbst in ihrer Biographie, die auch die Geschichte ihrer spirituellen Entwicklung ist, die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben und auch ihr Buch zieht. Nina Hagen ist Christin. Sie hat sich vor ein paar Jahren sogar taufen lassen. Es ist ihr ernst damit. Geboren wird sie 1955 in Ostberlin. Ihre Eltern trennen sich früh, sie bleibt bei der Mutter, obgleich sie sich dem Vater näher fühlt. Nina geht ihren Weg. Sie verliert sich, sie findet sich. Versucht Neuanfänge, flüchtet, liebt, fällt und steht wieder auf. Sie hat den Farbfilm vergessen und tingelt mit einer Schlager-Combo, sich deplaziert und unerfüllt fühlend, durchs Land. 1976 nimmt Nina den Rausschmiss Wolf Biermanns aus der DDR zum endgültigen Anlass, sich ebenfalls ausweisen zu lassen. Sie geht mit dem Freund der Mutter in den Westen und beginnt dort peu á peu ihre Musikerkarriere. Sie reist nach London, Amsterdam, Indien, Amerika, begegnet Hermann Brood und vielen anderen Musikerkollegen.

Wer sich auf diese Biographie einlässt, bekommt einige Bibeltexte zu lesen, mit denen „Bekenntnisse“ durchgängig durchwoben ist. Man erhält Einblick in das ungewöhnliche Leben der zweifachen Mutter und Godmother of Punk Nina Hagen, – auf der Suche nach Liebe und Sinn. Hier wird authentisch und humorvoll ein Leben erzählt, über Drogenabsturz, menschliche Verluste, Flucht und Enttäuschung, aber auch das weiche Landen und Finden im christilichen Glauben, der ihr bis heute Mission und Halt ist. Das Buch enthält zahlreiche Fotos und eine übersichtliche Gestaltung in 16 Kapitel, an deren Ende noch ein Nachwort aus dem Himmel folgt. Die beschriebene Zeitspanne: Bis etwa 2006. Literarisch hochwertig ist es nicht, aber das wird vermutlich auch niemand erwarten. Dennoch: Mir hat’s gefallen.

 

© mp

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We are, each of us, a multitude. Within us is a little universe.

(Mo Willems)

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Masquerade

kein gedicht

heute bin ich

einem gedicht nachgelaufen

aber das gedicht war

schneller als ich

deshalb konnte ich es nicht

aufschreiben.

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© mp

die.ruhe.nach.dem.sturm.

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Das Nichts ist unmöbliert.

(Hans Arp)

So.was.von.da.

So was von da sind manche. Zum Beispiel Oskar Wrobel, der 23 jährige Protagonist, dem gerade sein Leben um die Ohren fliegt. Oskar betreibt auf St. Pauli einen Club, zusammen mit seinem Kumpel Pablo. Das Gebäude soll abgerissen werden und deshalb ist der 31.12. der letzte Tag des Clubs. Nicht nur der Jahreswechsel wird erwartet, sondern auch jede Menge Gäste, ein Programm mit Bands und Spezialbowle und jede Menge Spaß. Aber es gibt Probleme. Nicht nur eins. Nicht nur, dass Oskar hoch verschuldet ist. Jemand Unangenehmes hat sich angekündigt – Kiezkalle, ein Zuhälter, der 10.000 Euro von Oskar erpressen will. Und dann gibt es noch Mathilda, Oskars große und einzige Liebe, die er nicht vergessen kann. Sie käme auch, steckt ihm sein Kumpel Pablo am Silvestertag, der Mathilda hatte versprechen müssen, nichts zu sagen. Oskar denkt an Flucht, ist hin-und hergerissen zwischen all den Anforderungen. Die letzte Party im Club soll eine Riesenparty werden, doch so einfach lässt sich alles nicht bewerkstelligen. Oskar zählt auf Rocky und seine Band Kid Kommander, die Silvester spielen sollen. Doch Rockys Vater muss gerettet werden und alle müssen helfen. Die Party steigt schließlich doch und das Chaos weitet sich aus: Wände werden eingetreten, Drogen konsumiert, es wird Abschied im großen Stil gefeiert mit allerlei Gästen und vielen Freunden. Da gibt es noch Theo, ein Russe, der Beruhigung darin findet, zu zählen: Mülleimer, Schritte, Jahre, Blätter. Er ist mit Nina zusammen, aber er weiß nicht, ob er sie lieben kann und soll. Dabei lieben alle Nina, die lebendige und lebensweise Künstlerin, die sich dauernd neu erfindet. Nina, die ein Geheimnis in sich trägt. Mittendrin Oskar, der stets ein Buch von Marc Aurel bei sich trägt, in dem er Antworten für sein Leben zu finden hofft. Oskar, der versucht, den Laden in Schwung zu halten, an allen Orten gleichzeitig und glücklich zu sein inmitten dieser Szenerie, zwischen Freundschaft und Liebe, Rausch, Zerstörung und Neuanfang.

So was von da ist der Debütroman von Tino Hanekamp, Musikjournalist und ehemaliger Clubbesitzer aus Hamburg. Selten habe ich solch einen lebendigen, lebensfrohen, witzigen und melancholischen, abwechslungsreichen und schnellen Roman gelesen, über das Leben, Entscheidungen, Freundschaft und Liebe, – gespickt mit einer Menge Lebensweisheiten und tollen Charakteren. Unterhaltsam und authentisch – absolut lesenswert!

 

© mp

Zärtlichkeit.und.Güte

Zärtlichkeit und Güte sind keine Zeichen von Schwäche und Verzweiflung, sondern Ausdruck von Stärke und Entschlossenheit.

(Khalil Gibran)

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