ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Gedanken

inner peace

manchmal rede ich
tagelang mit niemandem
und vermisse nichts

© mp

 

 

tagebuchnotizen, im november 2016

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heut‘ gibt es nichts zu lesen

nichts,
absolut nichts,
rein gar nichts,
überhaupt nichts,
kein bisschen,
niente,
null,
zero.

 

© mp

aufgeräumt im kopf

mit einem besen fege ich
meine gedanken durch den kopf
zu den ohren & zum mund heraus
bis alles leergefegt ist und ich
denke: was denke ich eigentlich?
wo sind meine gedanken?
wieso ist es so still in meinem kopf?
was hat die gedanken gemacht?
was hat sie weggemacht?
ist alles leer und leicht?
gut!
der kopf ist frei!
die gedanken sind frei.
jetzt ist wieder platz für neue.

© mp

Das Faltboot in der Küche

Ich wollte mich gerade um mein Frühstück kümmern, da überraschte es mich: Ein Faltboot, in der Küche, genauer gesagt, in meinem Kühlschrank. Es lag im Gemüsefach, zwischen Brokkoli und Radieschen.
Während ich verdattert da stand, gab es plötzlich einen Knall und das Boot entfaltete sich mir entgegen, mit einem heftigen Schlag gegen die Stirn. Da hörte und spürte ich auch schon: Wasser! Nach und nach rauschte zu meinen Füßen das Meer heran. Bereits nach ein paar Minuten stand ich in fünf Zentimetern Wasser, als das Faltboot sprach: „Du kommst hier net rein.“
„Ich will auch gar nicht da rein!“, rief ich, während ich mir mit der linken Hand an die Stirn fasste. Das Wasser schwappte um meine Füße. „Wie, verdammt noch mal, kommst du in meinen Kühlschrank und kannst du bitte das Meer stoppen!?“
Das Faltboot sagte nichts. Es sank in sich zusammen. Oh je, ein sensibles Faltboot in meinem Kühlschrank!, dachte ich, unerfahren in Faltbootpsychologie. Der Wasserpegel stieg auf sieben Zentimeter.
„Hör zu“, sagte ich bestimmt, „du musst das Wasser stoppen! Du bist hier, aus Versehen, in meiner Küche gelandet. Ich brauche hier kein Meer! Ich brauche Brokkoli und ein Pflaster!“ Das Blut tropfte mir von der Stirn.
Das Faltboot blieb still.
„Bist du beleidigt?“, versuchte ich unsere Konversation in Gang zu bringen. Nichts. Wasserpegel inzwischen 9 Zentimeter. Die ganze Wohnung machte Schwappgeräusche, nur das Boot blieb still.
Ich warf einen Blick um die Ecke. Das Wasser stand auf gleicher Höhe in Flur und Wohnzimmer. Ich hörte, wie es im Bad gegen die Fliesen klatschte. Was mach ich denn jetzt?, dachte ich laut.
„Hör zu, wenn du was essen willst,“ begann plötzlich das Faltboot, „ich hab in einer meiner Innentaschen noch ein Sandwich. Irgendwo muss auch ein Campingkocher für Tee sein, kannst du gern benutzen.“ Dann war es wieder still.
Ich lachte laut auf.
„Entschuldige,“ stammelte ich, nachdem ich mich wieder gefangen hatte. „Ich hatte noch nie das Meer in meiner Wohnung oder ein Faltboot im Gemüsefach… und mit Faltbootpsychologie kenne ich mich nicht aus.“
„Macht nichts,“ antwortete das Faltboot, dafür kenne ich mich, sowohl mit Meeres-, als auch mit Menschenpsychologie aus. „Ich kann dir anbieten: Ein herrliches Sandwich mit frischem Gouda, Gurken-und Tomatenscheibchen. Interessiert?“
„Welchen Tee hast du dazu,“ fragte ich, halb im Scherz.
„Welchen trinkst du denn am liebsten?“
„Roibuschtee“, antwortete ich.
„Den hab ich, kein Problem. Soll ich den Tisch für dich decken?“
Das hier war zu absurd, träumte ich? Ich schlug mir mit der flachen Hand an die Stirn. Autsch, das tat weh. Ich hatte Blut an den Fingern. Nein, das hier war real!
„Ja, gerne, deck für mich den Tisch,“ sagte ich. „Aber sag: Könntest du bitte endlich das Meer stoppen?“ Das Wasser reichte mir inzwischen bis an die Kniekehlen. Wie mochte es wohl im Hausflur aussehen? Die Türe konnte ich nicht öffnen, wegen des starken Wasserdrucks. Als ich durch den Türspion sah, sah ich, wie ein Papierbötchen über die Treppen von der vierten in die fünfte Etage schipperte.
„Eine Bedingung!“, sagte das Faltboot in meine Beobachtungen.
„Welche?“, fragte ich.
„Du musst mich ans Meer bringen, ans richtige, dann stopp ich das Meer hier.“
„Mach ich“, sagte ich kurzentschlossen. „Eine Fahrt von ein paar Stunden, ich pack dich einfach ins Auto.“
„Mir wird aber so schnell übel beim Autofahren,“ sagte das Faltboot. „Das letzte Mal hab ich in den Innenraum gekotzt.“
Ich stellte mir vor, wie das wohl ausgesehen haben könnte, sah Gürkchenscheiben und Gouda schwimmen und wie sich Gurkenscheibchen in den CD-Player schoben.
„Ich könnte das Fenster öffnen, während der Fahrt. Und wir machen genügend Pausen, dann kannst du dir die … ähm, Flanken vertreten auf dem Autobahnparkplatz“, schlug ich vor.
„Flanken vertreten“, spottete das Faltboot. „Willst du mich verscheißern? Wenn schon, dann musst du mich zwischendurch zu Wasser lassen. Da bin ich wie ein Fisch.“
„Ein Fisch?“, fragte ich verdattert.
„Ja, in meinem früheren Leben war ich ein Fisch,“ berichtete das Faltboot. „Hab ich bei einem Retreat herausgefunden. Spannend war das.“
„Ahja, sehr spannend“, sagte ich. „Also gut, ich suche per Routenplaner die Strecke aus, auf der die meisten Tümpel, Seen, Pfützen und Wasserlachen sind.“
Es entstand eine Stille zwischen uns. Ich befürchtete, das Faltboot könne wieder eingeschwappt, äh eingeschnappt sein, weil ich nicht richtig geantwortet hatte. Inzwischen hatte das Wasser meine Kniescheiben überwunden. Ich sah das Toastbrot am Küchenfenster durchs Wasser schwimmen, gleich daneben drehten sich die Äpfel zufrieden im Wasser. Aus dem Wohnzimmer kamen mir die Blumenvasen im Flur entgegen geschwommen.
„Einverstanden“, sagte das Faltboot in meine Gedanken hinein. Dann gab es einen Zischlaut von sich und mit einem Schlag war alles Wasser verschwunden und kein Meeresrauschen mehr da.
„Such die Route schon mal raus,“ sagte das Faltboot selbstbewusst und klappte in den Flur, als wolle es gleich los. Ich trottete klatschnass zum Computer und suchte, wie gewünscht, die Route aus.
„Ich freu mich schon aufs Meer“, rief das Faltboot aus dem Flur.
Ich starrte auf den Bildschirm. Zwischen all den Tümpeln, Seen und Pfützen gab es einen Weg ans Meer. Zwar kostete das 149 km Umweg, aber was macht man nicht alles für eine trockene Wohnung und ein Sandwich mit Gouda und Gürkchen.
„Ich habs,“ rief ich zufrieden.
Das Faltboot applaudierte in der Küche. „Ich hab dir dein Frühstück angerichtet“, hörte ich. „Mit Roibuschtee.“
Ich nahm die Wegbeschreibung aus dem Drucker, krempelte meine Hose hoch, zog die Socken aus, suchte im Schuhregal nach trockenen Schuhen, zog Sandalen an und setzte mich an den Küchentisch. Das Sandwich schmeckte vorzüglich. Das Faltboot grinste, während ich begierig aß.
Zehn Minuten später fuhr ich auf die Autobahn. Es gab keine unangenehmen Zwischenfälle, die Route war gut gewählt, es gab allerhand Planscherei und ein zufriedenes Faltboot.
Gegen Abend war ich wieder zurück Zuhause. In der Wohnung war alles wie immer. Keine umherschwimmenden Toastboote, ähm, Toastbrote, die Äpfel lagen unversehrt in der Obstschale, die Vasen standen da, wo sie zuvor gestanden hatten, der Boden war trocken, die gesamte Wohnung war in Ordnung, als hätte ich alles zuvor geträumt.
Am Kühlschrank fand ich einen Zettel hinter einem Magneten. „Dank dir fürs Übernachten,“ stand drauf. „Ich freu mich aufs Meer! Das andere!“ Dahinter war ein Smilie gezeichnet. Sachen gibts.

© mp

Gedanken.kraft

Erkenntnisse haben nicht alle dieselbe Kraft, aber sie haben Kraft.
Und manche haben Türen, die sich dahinter öffnen oder schließen.

© mp

prozess

manchmal schreibe ich einfach
ein paar worte nebeneinander
so wie sie herauskommen wollen
lasse ich sie aufs papier fallen
& sehe ihnen zu wie sie
auf der weißen fläche gleiten
ziehe ihnen schlittschuhe an
& warte ob sie auf dem weißen
grund mir ein gedicht erzählen
oder einfach nur ihre runden
dort drehen einfach so

© mp

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Poesie?

Über die Hoffnung

Zwar hat es die Hoffnung mitunter sehr schwer, aber sie findet einen Weg in die Welt, wie ein zartes Pflänzchen sich auch durch Beton wühlt und sein Köpfchen in die Welt reckt! Die Hoffnung, die wir in uns tragen, können wir teilen und wenn wir sie teilen, vermehren und vergrößern wir sie! Das ist zumindest meine Hoffnung.

© mp

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„Wem alles gleich viel und einerlei ist, der hat gut sprechen. Aber wem es an etwas gelegen und in der Brust nicht hohl ist, dem ist anders zu Mute als den Eiszapfen am Dache des Toleranztempels. Das Herz hat auch seine Rechte und läßt nicht mit sich spielen wie mit einem Vogel.“

(Matthias Claudius)

Jahresausklang

Hallo meine Lieben, 2016 liegt in den letzten Zügen, ein turbulentes und aufwühlendes Jahr geht zu Ende. Wie war Euer Jahr? Meines war ein Schweres, mit viel Traurigkeit, Verlusten und Abschieden, Kummer und Tränen, auch mit viel Freude, Musik und Büchern, mit vielen Erkenntnissen, auch Schocks, Fehlern und Einsicht. Ich bin immer noch dabei, mich auseinander und wieder zusammen zu setzen, im Stillen und in Abgeschiedenheit, weshalb es auf meinem Blog ruhiger war und ist als sonst. Ich hatte häufig keine Worte, insofern war das Nicht-schreiben eine zwangsläufige Konsequenz, manchmal sind Rückzug und Ruhe einfach notwendig. Ich haderte mit vielem, auch mit mir selbst, auch mit dem Schreiben. Manches habe ich verstanden und gelernt, anderes noch nicht. Inzwischen ist etwas Ruhe eingekehrt, ich lerne seit ein paar Monaten ein neues Instrument, die Bauarbeiten am Haus sind zu Ende, ich bin nach wie vor Nichtraucherin und will es auch bleiben, ich habe meine Zuversicht wieder gefunden, die Worte sind mir manchmal wieder zugetan, so ganz will es aber noch nicht. Es braucht noch Zeit und Geduld. So ist es mit allem. Ich freue mich, dass Ihr mir trotz der zeitweisen Funkstille erhalten bliebt und viele neue Follower/innen hinzu kamen. Danke dafür.
Ich wünsche Euch allen einen guten Jahreswechsel, einen schönen Ausklang eines aufrüttelnden Jahres, wie auch immer Ihr den Übergang gestalten mögt, macht es so, dass es Euch gut und wohl ist. Lasst es Euch gut gehen! Kommt gut rein ins neue Jahr. Ich wünsche Euch das Beste. Liebe Grüße, Eure Wolkenbeobachterin

Frohe Weihnachten

Hallo, meine lieben, lesenden Weihnachtsengel,

ich wünsche Euch allen knusprige, leckerschmeckende, inspirierendfriedliche, freundliche und besinnliche Weihnachtsfeiertage. Kommt gut, gesund und froh durch die Feiertage. Schön, dass Ihr da seid. Danke, dass es Euch gibt. Mögen sich all Eure Wünsche erfüllen.

Merry Xmas und frohe Weihnachten von der Wolkenbeobachterin

manches kannst du nicht aussprechen
es bleibt in dir
und redet dort weiter

© mp

(Tagebuchnotizen, November 2016)

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Stufen

Das Wichtigste ist nicht die Erkenntnis, sondern das Fazit, das man daraus zieht.

© mp

Gelassenheit bei der Betrachtung

„Wenn man sich selbst erkennen und erfassen möchte, ganz gleich auf welche Art, ob schreibend, denkend, redend, schweigend, kreativ, muss man bedenken, dass man mehr als eine Person ist. Und dass, abhängig von der Perspektive aus der man schaut, aus dem Blickwinkel, mit dem man betrachtet, auch abhängig vom Empfinden und Zeitpunkt des Betrachtens, das Ergebnis stets ein anderes sein wird. Zum Beispiel: Aus der Liebe heraus, aus der Angst, der Wut, aus dem Ego heraus, aus der Enttäuschung, der Traurigkeit, aus dem Zweifel, aus der Erwartung u.a. heraus sich immer andere und unterschiedliche Antworten finden werden, obwohl alles eins ist und man doch nie nur eins ist.“

(Tagebuchnotizen)

© mp

Notiz

Manchmal sucht man etwas, das man längst hat. Man weiß aber nicht, dass man es hat. Dazu muss man es manchmal erst verlieren, um es dann, unter Mühen, wieder zu bekommen.

(Tagebuchnotizen, im Oktober)

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