ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Gedanken

weisheit und erkenntnis

diesem buddhistischen mönch habe ich gerade zugehört und es hat mich sehr berührt, was er erzählt hat. es ist sehr hilfreich, es lohnt sich also, ihm 20 minuten zuzuhören. es ist auf englisch, er spricht sehr ruhig und langsam, wer möchte, kann sich die englischen untertitel aktivieren (das viereckige kästchen unter dem video). das beispiel mit der rose zwischen den kakteen, was er am ende bringt, ist sehr einleuchtend und berührend. ich wünsche euch einen schönen tag. liebe grüße,m.

osterhase

© mp

hallo, ihr lieben, ich wünsche euch, ja, trotz allem, schöne ostern. gern auch frohe, wenn ihr dazu in stimmung seid. ich darf heute wieder arbeiten. dem hasen ist das recht. mir auch. es frühlingt so, das ist das schöne. als ich vor zwei tagen ausgiebig spazieren war, waren unzählige menschen unterwegs und im park, saßen oder standen in der sonne, alle 1,5 meter von einander entfernt (bis auf die knutschenden und schmusenden), lachten, erzählten, probierten sich am hula-hoop-reifen. warfen frisbeescheiben. spielten gitarre oder trommelten. es war warm und leicht und froh. so wünsch ich es mir jetzt auch für euch und für mich. schöne freie tage euch und frohe ostern. eure wolkenbeobachterin

ohne zweifel

frühlingslicht am morgen
über den bäumen
der mond
blass und zart
darunter stimmen
lachen und gebell
singende vögel
unmaskiert
zeigt die natur uns
dass es weiter geht

© mp

nach außen und nach innen

ruh dich aus
wenn du dich müde fühlst
finde deine inseln
die dir kraft spenden
bereise sie
genieße die ruhe
das bei-dir-sein
schone dich
sei gut mit dir und geduldig
du bist es wert
[ich] schicke dir liebevolles
in den raum der du bist

© mp

pfade

der faden
der sich in den tag legt
sich hindurchzieht

der faden
den wir nicht verlieren
wollen

aus unseren augen
der faden
der reißt

und wir
wie ausgefädelt
versuchen

den faden wieder
aufzunehmen
wieder anzuknüpfen

© mp

vielleicht

vielleicht war ich zu früh
vielleicht war ich zu spät
vielleicht war ich zu schnell
vielleicht war ich zu langsam
vielleicht habe ich zu viel gesagt
vielleicht zu wenig
vielleicht war ich zu laut
vielleicht zu leise
vielleicht war ich zu ungenau
oder zu genau
vielleicht war ich zu ungeduldig
vielleicht zu zaghaft
vielleicht war ich an der falschen stelle
vielleicht an der richtigen
vielleicht stimmte die zeit nicht
vielleicht war es der beste zeitpunkt
vielleicht ist es schlimmer als es je war
vielleicht wird es schöner als alles
vielleicht sehe ich nicht klar
vielleicht ist alles gut

© mp

the importance of music

musik hat mir immer schon viel bedeutet. musik ist begleiterin in guten, schlechten, schweren, schmerzvollen und übergangszeiten. musik ist aufforderung zum tanzen, zum mitsingen, zum nachdenken, zum rauf-, rein-oder runterkommen. sie ist auch immer erzählerin und dokumentarin aus einer bestimmten zeit.
dieser song von den pixies wirft mich weit zurück in der erinnerung an einen fernen sommer am niederrhein. ich war ziemlich verknallt und schon ein paar monate mit meinem damaligen freund r. zusammen.
ich weiß noch genau, wie es bei ihm in der wg aussah. in seinem zimmer hing sein fahrrad an der wand, in der raummitte stand ein großes altes sofa mit ausladenden ohren, von dort aus der blick auf die fensterfront, wovor seine anlage aufgebaut war, auch riesige boxen und dahinter sein hochbett, natürlich selbst gebaut. auf dem durchgesessenen sofa saßen wir oft, knutschten, diskutierten, aßen, hörten musik.
r. lebte in einer zweier wg auf einer etage mit f., mit der ich mich anfreundete. er hatte mir seinen hausschlüssel gegeben und manchmal, wenn er noch nicht zuhause war, quatschte oder kochte ich mit f. sie fand ihn sonderbar, lebte dort aber gern. er fand sie auch sonderbar. so lebten sie einige jahre friedlich miteinander ohne zu viel miteinander zu tun zu haben.
das haus stand direkt an der niers, in der gocher innenstadt, das zimmer von f. hatte ein buntes und vielfarbiges bleiverglastes fenster das über die gesamte raumbreite ging. man konnte den unteren teil des fensters hochschieben, so dass man auf der breiten fensterbank sitzen und frühstücken konnte, was sie und ich manchmal taten. ich lernte viel durch sie und von ihr. wir philosophierten viel, hörten musik, wir sprachen über bücher und ein paar jahre später studierten wir beide philosophie und germanistik.
für mich war diese zeit eine sehr wichtige zeit, nicht nur wegen r., mit dem die beziehung leider nicht lang hielt, sondern auch deshalb weil ich mich sehr stark veränderte. meine mutter mochte f. nicht, aber mir machte all das gegenseitige mögen oder nichtmögen nichts aus. ich blieb allen verbunden. jedenfalls damals. meine mutter ist lange gestorben, der kontakt zu f. besteht nicht mehr, wir haben uns irgendwann aus den augen verloren. hin und wieder google ich ihren namen, da sie künstlerin ist und manchmal große ausstellungen hat.
r. hat eine neue freundin, mit der er mich vor ein paar jahren besucht hat, doch sie mochte es nicht, dass r. und ich uns immer noch mochten und so war es vielleicht nur eine frage der zeit, dass sich auch hier der kontakt minimierte.
keine frage der zeit ist für mich die musik. und eine musik aus der zeit ist diese musik, die erzählt und bilder trägt aus vergangenen zeiten. und sie bedeutet mir auch deshalb etwas, weil sie die schlussmusik von fight club ist, meinem lieblingsfilm.

© mp

nullpunkt / wie im film

in fight club heißt es
an einer stelle:
du musst an deinen
nullpunkt kommen
eine szene in der
brad pitt und edward norton
im auto unterwegs sind
auf nächtlicher straße
diskutieren sie
wichtige fragen
des lebens
während edward norton
langsam panisch wird
löst brad pitt die hände
vom lenkrad
lass los
lass es los
lass es los

der nullpunkt ist der punkt
an dem zuerst alles stillsteht
bevor es dann umschlägt
aufsteht
erneuert
in eine andere richtung geht
der nullpunkt ist
kein toter punkt
sondern der an dem neues beginnt
doch dazu muss das alte
losgelassen werden
also vertrauen
und loslassen
lass los
lass es los
lass es los

© mp

hier zur erinnerung, für alle, die nicht mehr wissen, die sich nicht mehr erinnern oder den film überhaupt noch nicht gesehen haben. jemand hat die bilder nachträglich mit einem effekt versehen, aber sie sind noch erkennbar und die worte sind wichtig. (ich werde ihn mir in kürze auch noch mal ganz anschauen. mein absoluter lieblingsfilm).

in schweren zeiten

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

ist ein leicht dahin gesagtes
wort vielleicht
eine erleichterung
oder muss es schwer
gewichtig sein
damit es leichter wird

ist es vielleicht leichter
kein wort zu verlieren
und nur anzunehmen
und nur zuzuhören
was der andere sagt

wie leicht ist es
etwas schweres zu hören
und wie schwer ist es
etwas zu sagen
das sagt sich so leicht
das sagt sich nicht leicht

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

© mp

verquer

überall sitzt mir das virus
im kopf in meiner sprache
im radio in den geschäften
auf der straße tag und nacht
maskiert überall zahlen
es ist zum verzweifeln
ich kann kein gedicht schreiben
nicht darüber und nicht darunter
nicht hier und jetzt und überhaupt
ich kann nicht
die worte kämpfen miteinander
ich kann nicht nur das eine
sagen will doch soll doch ganz
und alles ach
ich kann nicht
ich kann überhaupt nichts sagen
ich kann überhaupt nichts schreiben
die worte rasen durch mich
ich schreie
ich kann überhaupt nichts tun
nicht mal ein gedicht kann ich schreiben

© mp

es schneit

es ist der dritte januar 2021, schnee fällt, er kommt erst heute, die wunsch-briefe an das schneeamt sind zu spät eingetroffen wegen corona, erst heute kann der himmel antworten: für jeden guten wunsch eine schneeflocke;
es schneit, heute, am dritten januar; es ist noch früh, es ist noch dunkel, in den häusern ist es noch ruhig; germurmelte sätze, erst mal aufwachen, frühstück machen, der kaffeeduft legt sich auf die bilder vor dem fenster; spaziergänger, warumummützt, eingepackt, schritte im schnee, rennende, fröhliche, aufgeweckte kinder; auch die hunde können ihre freude nicht verbergen;
es schneit, das laufende, kontinuierlich fallende weiß, das sich auf die erde schreibt; die zum himmel geschickten guten wünsche: wir haben die wünsche gehört, wir haben sie empfangen! von irgendwo klingt glockengeläut, locker flockig fällt die frohe botschaft, sie schreibt sich auf den boden, leise; das flüstern des himmels; zeit der ruhe, der kontemplation, es ist winter, es schneit;
schnee, der fällt, schnee, so weiß, so schön, die ruhe, die auf die stadt fällt, alles ist verhüllt mit flockigem weiß, die bäume, entspannt unter weißgrauem himmel, mit ausgebreiteten ästen, das jahr ist frisch und neu, der himmel schickt uns hoffnungsfrohes weiß, die welt, wie ein heft im neuen jahr, das darauf wartet mit gutem und schönem beschrieben zu werden.

© mp

momentaufnahme

draußen böllerts, ich sitze am schreibtisch, neben mir schläft eine katze, die andere liegt auf dem bett und schläft dort. vorhin habe ich noch einen spaziergang im alten jahr gemacht, einmal durch den kiez, hier herum und da herum. es waren noch viele menschen unterwegs, obgleich nicht mal ein supermarkt geöffnet hatte. die luft war erfrischend, angenehm und tat dem körper und den gedanken gut. während ich ruhig ging und in gedanken war, hörte ich jemanden meinen namen rufen. einer meiner nachbarn hatte mich erkannt und gegrüßt, wir sprachen ein paar worte, er war auf dem weg zur tankstelle, einkaufen auf die letzte minute. wir wünschten einander einen schönen silvesterabend und verabschiedeten uns. langsam ging ich wieder heim. ich kochte mir spaghetti arrabiata. dann topfte ich noch eine pflanze um, eine kürzlich gekaufte friedenslilie, die sich gefreut hat, in einen größeren topf zu kommen, wo sie sich freier bewegen und besser wachsen kann. ich goß sie, stellte sie auf die fensterbank und warf einen blick auf die straße. alles ruhig, nur etwas entfernt das geräusch fliegender und knallender silvesterraketen. dabei ist es nicht mal 20 uhr. heute abend ist also der wechsel, der übergang ins nächste jahr. ich bin bereit.

© mp

….

hallo ihr lieben, ich wollte einen jahresrückblick schreiben, doch das klappt im moment nicht. also habe ich mich entschlossen, nur eine kleine momentaufnahme vom heutigen abend aufzuschreiben. ich wünsche euch einen angenehmen jahreswechsel und einen schönen abend und alles gute für 2021. eure m.

offen

worte
wie eine hand
die streichelt
in die welt der poesie
male ich bilder
der zuversicht
der hoffnung große schwester
eine offene tür
das glück
& so viel raum
für knospende
träume

© mp

es ist herbst geworden.

es ist herbst geworden. irgendwie. die zeit hat es nicht gekümmert, wie bekümmert so mancher war, so manches war und ist. es ist herbst. und geworden ist nicht viel und doch. still ist es geworden. hinter den masken. in den städten. in den straßen. maskierte menschen. stille. schweigen. dazwischen das geräusch gelesener kreditkarten. ec-karten. bsss. bsss. bargeld klimpert seltener. alles menschliche, was zuvor gut war. alles, was die gesellschaft zusammen hielt, die kontakte am leben hielt – ist nun verboten. weniger kontakte. beschränkung, hier und da. bei den alten, bei den kleinen. in den diskotheken. arbeitsplätzen, museen, kinos, restaurants.
es ist herbst geworden. irgendwie hat sich jemand gekümmert, den etwas anderes nicht gekümmert hat. manche sind gesprungen. hinein in die statistik. andere laufen immer noch verwüstet hin und her mit ihren masken auf den gesichtern. dahinter: gesichter, von der angst verstellt. vor der angst vor dem tod. vor der angst vor dem virus. vor der angst der ansteckung. es hat die köpfe in brand gesetzt. die gedanken sind bis zur unkenntlichkeit enstellt. es wird nicht mehr ruhig gesprochen, nur noch gebrüllt. geschimpft. geschrieen. mit dem finger gezeigt. setz deine maske auf! demonstriere nicht! lass dich manipulieren! jawohl, manipulieren. die angst sitzt überall.
es ist herbst geworden. irgendwie sehen die blätter noch normal aus. die bäume. die blumen. das gemüse, das obst. die jahreszeit passt zur jahreszeit. das wetter ist entsprechend, es ist kalt geworden in den straßen. es ist kalt geworden in den köpfen. es leuchtet nicht mehr. es leichtet nicht mehr. alles ist schwer.
es ist herbst geworden. irgendwie hat die zeit nicht belohnt. die maßnahmen lesen sich wie ein protokoll des scheiterns. nichts, das hilft. die ausgeschaltet, die nichts dafür können. ausgeschaltet. alle sollen gleich aufeinander aufpassen. und jeder soll den anderen verraten was richtig ist. doch was ist wahr, was stimmt, was stimmt nicht? die verwirrung läuft durch die sprache. die menschen gehen auf die straße. hintenrum. vorneweg. zweifel und sorgen. mit wem kann man darüber sprechen?
es ist herbst geworden. der dunkelste herbst seit jahren. menschen sterben. städte sterben. das virus stirbt nicht aus. argumente. gründe, die gefunden werden. es richtig zu machen. zu richten. zu berichten: die zahlen gehen runter. aufatmen. dann, einen tag später, die zahlen gehen wieder rauf. es gibt immer noch genug zahlen, um irgendwas durchzudrücken. es drückt auf die stimmung.
es ist herbst geworden. irgendwie liegen blätter auf der welt. wer hat sie beschrieben. wer liest sie richtig. wer und was bestimmt die richtung? und dieses virus. und diese politiker. und diese informationen. und dieser herbst. nichts ist klar und es ist herbst. alles ist so dunkel.

© mp

tagebuchnotizen, 22.11.2020

morgengedicht

morgen ruft er
morgen morgen
morgen sag ich
ach und oh

morgen lacht er
morgen morgen
bin noch schläfrig
sowieso

hüh und hott
mit wilder mähne
zeigt der morgen
mir die zähne

morgen sag ich
morgen morgen
sag oh ach
so früh wie froh

morgen sagt er
nicht nur morgen
fühl dich froh
und früh geborgen

© mp