ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Gedanken

bewegt

das jahr ist müde
geworden
die tatzen blättern
ausgestreckt & träge
durch die bäume
dann legt es sich
in seinen letzten stunden
behutsam schlafen
ein seufzen geht durch
die leichte winterluft
bald ist es vergangen
es wartet schon
das neue jahr

© mp

digital male 1

© mp

ich habe euch ja vor ein paar tagen schon erzählt, dass ich viel und gerne ausprobiere. das ist auch immer noch so und beschränkt sich nicht aufs zeichnen mit verschiedenen stiften und farben, sondern auch aufs digitale. ich habe mich nämlich auch im digitalen zeichnen versucht und bleibe auch da dran. dies hier ist eines der entstandenen portraits. ich versuche das programm zu erkunden, zu verstehen und anzuwenden. es funktioniert in layer-technik, etwas, womit ich bislang wenig bis gar nicht zu tun hatte. es gibt viel zu lernen. ich habe einige abstrakte bilder auch schon damit kreiert. jedoch ist das digitale zeichnen, auch wenn es mit einem stift erfolgt, für mich nicht vergleichbar mit dem greifen eines fineliners, bleistifts oder pinsels, es ist einfach ein anderes arbeiten und erleben tatsächlich.
das digitale zeichnen hingegen ermöglicht dinge, die so mit dem stift vielleicht nicht entstehen würden. mir macht beides spaß, aber das zeichnen auf dem papier ist mir doch tatsächlich noch lieber, müßte ich einen favoriten benennen. wie dem auch sei – hier ein portrait, das ich gezeichnet habe. ich habe es vom anderen bildschirm abfotografiert, weil ich noch nicht weiß, wie ich die datei da heraus bekomme um sie hier hinein zu machen, lach. braucht alles seine zeit.
am 09.12.21 habe ich einen zeichenblock in buchform, din a 4, begonnen. er/es hat 150 seiten und ist fast voll. d.h. innerhalb von 20 tagen mehr als 150 zeichnungen. außerdem habe ich ein kleines din a 5 sketchbook angefangen, darin sind noch drei freie seiten. und dann kommen noch die zeichnungen hinzu, die ich auf karton gezeichnet habe und das, was ich so nebenbei zeichne. echt richtig viel output. war mir gar nicht so bewusst. ich hätte gern ein atelier. vielleicht ergibt sich das irgendwann, das wäre toll. bis es soweit ist, arbeite ich weiter zuhause künstlerisch.

eilig

der paketbote war eben da
es liegt noch
die orange
auf dem regal im flur
ich wollte sie ihm schenken
denn die nikoläuse sind alle
er gab mir ein paket
für mich und eines
für meinen nachbarn
ich nahm sie an
stellte sie hin
griff die orange
schaute in den flur
kein mensch zu sehen

© mp

Liebe

„In einem herzlichen Satz ist genügend Liebe für drei Winter.“ (Laotse)

.

mit der anderen hand

© mp

© mp

nimm doch mal das schöne händchen, so sagte man früher, wenn jemand mit links schrieb, malte usw. anstatt mit der rechten hand. ich zeichne, schreibe, male, usw. mit links, aber hier habe ich mal versucht mit der rechten hand zu zeichnen. ich fand die ergebnisse ganz interessant. die bewegungen der hand sind verständlicherweise andere, weil die hand ungeübt ist. mir gefallen sie dennoch. ich finde überhaupt, dass ein bild nicht perfekt sein muss um schön zu sein und mir zu gefallen. das gilt auch für menschen. 🙂

weisheit und erkenntnis

diesem buddhistischen mönch habe ich gerade zugehört und es hat mich sehr berührt, was er erzählt hat. es ist sehr hilfreich, es lohnt sich also, ihm 20 minuten zuzuhören. es ist auf englisch, er spricht sehr ruhig und langsam, wer möchte, kann sich die englischen untertitel aktivieren (das viereckige kästchen unter dem video). das beispiel mit der rose zwischen den kakteen, was er am ende bringt, ist sehr einleuchtend und berührend. ich wünsche euch einen schönen tag. liebe grüße,m.

osterhase

© mp

hallo, ihr lieben, ich wünsche euch, ja, trotz allem, schöne ostern. gern auch frohe, wenn ihr dazu in stimmung seid. ich darf heute wieder arbeiten. dem hasen ist das recht. mir auch. es frühlingt so, das ist das schöne. als ich vor zwei tagen ausgiebig spazieren war, waren unzählige menschen unterwegs und im park, saßen oder standen in der sonne, alle 1,5 meter von einander entfernt (bis auf die knutschenden und schmusenden), lachten, erzählten, probierten sich am hula-hoop-reifen. warfen frisbeescheiben. spielten gitarre oder trommelten. es war warm und leicht und froh. so wünsch ich es mir jetzt auch für euch und für mich. schöne freie tage euch und frohe ostern. eure wolkenbeobachterin

ohne zweifel

frühlingslicht am morgen
über den bäumen
der mond
blass und zart
darunter stimmen
lachen und gebell
singende vögel
unmaskiert
zeigt die natur uns
dass es weiter geht

© mp

nach außen und nach innen

ruh dich aus
wenn du dich müde fühlst
finde deine inseln
die dir kraft spenden
bereise sie
genieße die ruhe
das bei-dir-sein
schone dich
sei gut mit dir und geduldig
du bist es wert
[ich] schicke dir liebevolles
in den raum der du bist

© mp

pfade

der faden
der sich in den tag legt
sich hindurchzieht

der faden
den wir nicht verlieren
wollen

aus unseren augen
der faden
der reißt

und wir
wie ausgefädelt
versuchen

den faden wieder
aufzunehmen
wieder anzuknüpfen

© mp

vielleicht

vielleicht war ich zu früh
vielleicht war ich zu spät
vielleicht war ich zu schnell
vielleicht war ich zu langsam
vielleicht habe ich zu viel gesagt
vielleicht zu wenig
vielleicht war ich zu laut
vielleicht zu leise
vielleicht war ich zu ungenau
oder zu genau
vielleicht war ich zu ungeduldig
vielleicht zu zaghaft
vielleicht war ich an der falschen stelle
vielleicht an der richtigen
vielleicht stimmte die zeit nicht
vielleicht war es der beste zeitpunkt
vielleicht ist es schlimmer als es je war
vielleicht wird es schöner als alles
vielleicht sehe ich nicht klar
vielleicht ist alles gut

© mp

the importance of music

musik hat mir immer schon viel bedeutet. musik ist begleiterin in guten, schlechten, schweren, schmerzvollen und übergangszeiten. musik ist aufforderung zum tanzen, zum mitsingen, zum nachdenken, zum rauf-, rein-oder runterkommen. sie ist auch immer erzählerin und dokumentarin aus einer bestimmten zeit.
dieser song von den pixies wirft mich weit zurück in der erinnerung an einen fernen sommer am niederrhein. ich war ziemlich verknallt und schon ein paar monate mit meinem damaligen freund r. zusammen.
ich weiß noch genau, wie es bei ihm in der wg aussah. in seinem zimmer hing sein fahrrad an der wand, in der raummitte stand ein großes altes sofa mit ausladenden ohren, von dort aus der blick auf die fensterfront, wovor seine anlage aufgebaut war, auch riesige boxen und dahinter sein hochbett, natürlich selbst gebaut. auf dem durchgesessenen sofa saßen wir oft, knutschten, diskutierten, aßen, hörten musik.
r. lebte in einer zweier wg auf einer etage mit f., mit der ich mich anfreundete. er hatte mir seinen hausschlüssel gegeben und manchmal, wenn er noch nicht zuhause war, quatschte oder kochte ich mit f. sie fand ihn sonderbar, lebte dort aber gern. er fand sie auch sonderbar. so lebten sie einige jahre friedlich miteinander ohne zu viel miteinander zu tun zu haben.
das haus stand direkt an der niers, in der gocher innenstadt, das zimmer von f. hatte ein buntes und vielfarbiges bleiverglastes fenster das über die gesamte raumbreite ging. man konnte den unteren teil des fensters hochschieben, so dass man auf der breiten fensterbank sitzen und frühstücken konnte, was sie und ich manchmal taten. ich lernte viel durch sie und von ihr. wir philosophierten viel, hörten musik, wir sprachen über bücher und ein paar jahre später studierten wir beide philosophie und germanistik.
für mich war diese zeit eine sehr wichtige zeit, nicht nur wegen r., mit dem die beziehung leider nicht lang hielt, sondern auch deshalb weil ich mich sehr stark veränderte. meine mutter mochte f. nicht, aber mir machte all das gegenseitige mögen oder nichtmögen nichts aus. ich blieb allen verbunden. jedenfalls damals. meine mutter ist lange gestorben, der kontakt zu f. besteht nicht mehr, wir haben uns irgendwann aus den augen verloren. hin und wieder google ich ihren namen, da sie künstlerin ist und manchmal große ausstellungen hat.
r. hat eine neue freundin, mit der er mich vor ein paar jahren besucht hat, doch sie mochte es nicht, dass r. und ich uns immer noch mochten und so war es vielleicht nur eine frage der zeit, dass sich auch hier der kontakt minimierte.
keine frage der zeit ist für mich die musik. und eine musik aus der zeit ist diese musik, die erzählt und bilder trägt aus vergangenen zeiten. und sie bedeutet mir auch deshalb etwas, weil sie die schlussmusik von fight club ist, meinem lieblingsfilm.

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nullpunkt / wie im film

in fight club heißt es
an einer stelle:
du musst an deinen
nullpunkt kommen
eine szene in der
brad pitt und edward norton
im auto unterwegs sind
auf nächtlicher straße
diskutieren sie
wichtige fragen
des lebens
während edward norton
langsam panisch wird
löst brad pitt die hände
vom lenkrad
lass los
lass es los
lass es los

der nullpunkt ist der punkt
an dem zuerst alles stillsteht
bevor es dann umschlägt
aufsteht
erneuert
in eine andere richtung geht
der nullpunkt ist
kein toter punkt
sondern der an dem neues beginnt
doch dazu muss das alte
losgelassen werden
also vertrauen
und loslassen
lass los
lass es los
lass es los

© mp

hier zur erinnerung, für alle, die nicht mehr wissen, die sich nicht mehr erinnern oder den film überhaupt noch nicht gesehen haben. jemand hat die bilder nachträglich mit einem effekt versehen, aber sie sind noch erkennbar und die worte sind wichtig. (ich werde ihn mir in kürze auch noch mal ganz anschauen. mein absoluter lieblingsfilm).

in schweren zeiten

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

ist ein leicht dahin gesagtes
wort vielleicht
eine erleichterung
oder muss es schwer
gewichtig sein
damit es leichter wird

ist es vielleicht leichter
kein wort zu verlieren
und nur anzunehmen
und nur zuzuhören
was der andere sagt

wie leicht ist es
etwas schweres zu hören
und wie schwer ist es
etwas zu sagen
das sagt sich so leicht
das sagt sich nicht leicht

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

© mp

verquer

überall sitzt mir das virus
im kopf in meiner sprache
im radio in den geschäften
auf der straße tag und nacht
maskiert überall zahlen
es ist zum verzweifeln
ich kann kein gedicht schreiben
nicht darüber und nicht darunter
nicht hier und jetzt und überhaupt
ich kann nicht
die worte kämpfen miteinander
ich kann nicht nur das eine
sagen will doch soll doch ganz
und alles ach
ich kann nicht
ich kann überhaupt nichts sagen
ich kann überhaupt nichts schreiben
die worte rasen durch mich
ich schreie
ich kann überhaupt nichts tun
nicht mal ein gedicht kann ich schreiben

© mp