ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Humor

„biliiiing“

ich saß gerade hinter dem espressokocher und aß eine murmel aus schokolade, da passierte es: die katze kam in die küche und öffnete den kühlschrank. mit einer pfote griff sie den himbeerquark, mit der hinterpfote schubste sie die tür zu, dann ging sie ans regal, nahm eine kleine weiße schüssel und kippte den quark hinein. danach öffnete sie das küchenfenster, schaltete das radio ein und setzte sich an den tisch. genüsslich schlabberte sie den quark aus der schüssel.
ich beschloss, ein erinnerungsfoto zu machen und krabbelte den herd hinunter, rannte über den glatten boden um die ecke, noch einmal, und stand im wohnzimmer.
wo war die kamera? sie lag in der tasche. die katze schmatzte, ich hörte es bis hierher. ich schubste die tasche um und fischte die kamera heraus. dann zog ich sie hinter mir her und brachte mich in position am türrahmen.
immer noch zufrieden schlabberte die katze im schälchen herum. „biliiiing“, machte die kamera, als ich sie einschaltete. das rote lämpchen blinkte und wurde grün.
die kamera war bereit, doch bevor ich durch den sucher den optimalen bildausschnitt finden konnte, sah ich, dass die katze erschrocken am tisch stand, mit einer banane im anschlag.
sie hatte mich beobachtet! ihre kopfhaare standen zu berge oder berghoch oder wie auch immer das heißt. in solch einem moment der hochspannung fallen einem manchmal nicht die passenden vokabeln ein! ich muss die geschichte weiter erzählen!
ich rannte um die nächste ecke, die mir zur verfügung stand. es war eine nussecke, mir war das egal, hauptsache ecke. „kannst rauskommen, ich hab dich gesehen!“, rief die katze.
ich strich mir einmal durchs haar und ging selbstbewusst, mit erhobenem haupt, von einer seite des türrahmens zur anderen. dabei sah ich wie zufällig rechts rüber zur katze, die immer noch die banane auf mich richtete, ich nickte ihr zu, rief „moooooin“, um sie beiläufig zu grüßen und war bald auf der anderen seite des türrahmens angekommen.
da setzte ich mich, mit einem fast unhörbaren seufzer direkt auf den boden, um zu überlegen, wie ich aus dieser gefahrensituation entkommen könnte. da hörte ich ein atmen, direkt neben mir. quasi direkt an meinem ohr. und vernahm ein flüstern: „na, du kleine maus. was spielen wir jetzt?“
aus reflex habe ich meine augen so weit aufgerissen wie möglich. beeindruckt hat das die katze nicht. bevor ich darüber nachdenken konnte an meinem ausdruck zu arbeiten, rannte ich auch schon. wer war in meinem windschatten? die katze!
sofabeine, einmal links rum, dann weiter zum tisch, wieder um die beine, dann zu einem stuhl, dort eine acht gerannt, zum nächsten stuhl, eine sieben gerannt, haha, dann die treppe rauf, ich musste zeit gewinnen. während ich gehetzt rannte und rannte, ging die katze entspannt hinter mir.
die einzige, die außer atem war, war ich. ich glaube, ich hatte hitzeflecken am hals, eventuell auch ausschlag im gesicht, sicher war ich mir nicht. während ich keuchte und die katze mich angrinste, überlegte ich, wohin ich jetzt in sicherheit flüchten könnte.
das bett! ich sprang mit schwung auf die matratze und verkroch mich unter dem bettzeug. die katze lachte. dann schob sie eine pfote unters bettzeug, hob es an und legte mich frei. scheiße, ich zitterte. dann hörte ich: „biliiiing“ und sie drückte auf den auslöser. „ein foto fürs erinnerungsalbum“, sagte sie gelassen und lachte wieder. dann drehte sie sich um und ging zurück in die küche, um ihren quark zu ende zu schlabbern.
sie mochte es genauso wenig wie ich, fotografiert zu werden. nur ihre maßnahmen waren irgendwie drastischer als meine.

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aufgeräumt im kopf

mit einem besen fege ich
meine gedanken durch den kopf
zu den ohren & zum mund heraus
bis alles leergefegt ist und ich
denke: was denke ich eigentlich?
wo sind meine gedanken?
wieso ist es so still in meinem kopf?
was hat die gedanken gemacht?
was hat sie weggemacht?
ist alles leer und leicht?
gut!
der kopf ist frei!
die gedanken sind frei.
jetzt ist wieder platz für neue.

© mp

prozess

manchmal schreibe ich einfach
ein paar worte nebeneinander
so wie sie herauskommen wollen
lasse ich sie aufs papier fallen
& sehe ihnen zu wie sie
auf der weißen fläche gleiten
ziehe ihnen schlittschuhe an
& warte ob sie auf dem weißen
grund mir ein gedicht erzählen
oder einfach nur ihre runden
dort drehen einfach so

© mp

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heute morgen als ich erwachte

es war so gegen fünf und
viel zu früh um aufzustehen
da lagst du plötzlich neben mir
und sahst mich direkt an

ich konnte nicht anders
als dich auch anzusehen
mir schlug das herz so warm
und fest

so lagen wir einfach nur da
schweigend hielten wir uns
in unserem blick
mehr brauchte es nicht

dann hielt ich es nicht mehr aus
stand auf und ging
in die küche
um dir dein katzenfutter zu geben

© mp

Eigenwillige Worte

Manchmal denke ich:
Da kommt ein Gedicht,
schreib es schnell auf.

Doch wenn ich dann hinschaue,
liegt da ein blauer Koffer oder
es winkt ein fliegender Luchs.

Manchmal kann man es
den Worten einfach nicht ansehn,
wozu sie aufgelegt sind.

© mp

kein gedicht in sicht

das hier ist ein lotussitz aus worten
die beine der buchstaben
sind ineinander verschränkt
ganz schön gelenkig
& dabei so entspannt aussehend
ommmmmmmmmmmmmmmmm
kein gedicht weit und breit
die worte sitzen einfach still da
& laufen ihr inneres ab
mit einer taschenlampe
schreiben sie nur
in sich selbst hinein

© mp

Ein ausgeschlafener Text

Dieser Text. Er ist gelassen, mault nicht, klagt nicht. Er hat die Ruhe weg. Während andere Texte sich in Papierkörbe stürzen, sitzt dieser Text einfach entspannt da. Er hat eine Blume im Haar, ist friedlich und freundlich, hat sich die Haare gewaschen und ist früher als sonst aufgestanden. Er hat niemanden angerufen und in keinem Lexikon geblättert, aber in zwei Gedichtbänden hat er gelesen, die seine inneren Buchstaben und Worte berührt und bewegt haben. Kurt Aebli und Lydia Daher. Mit poetischen Gedanken war der Text am Abend zuvor eingeschlummert, hatte himmelblau und wolkenschön geträumt und als er am Morgen erwachte, rieb er alle harten Worte aus den Sätzen, schob die Müdigkeit beiseite, zog ein paar zarte Worte hervor und begann sich aufzuschreiben. Es war ihm noch etwas verträumt zumute. Es war, als liefen die Worte auf einer Wattespur. Der Text sah zum Himmel, sah die Sonne und nickte. Dann ging er zum See, hielt einen Fuß ins Wasser, sagte: “Brrrrr”. Das Wasser platschte. „Heute werde ich nicht schwimmen“, dachte der Text. Er ging zurück nach Hause, legte sich gemütlich ins Bett und wärmte sich die Füße. Er knipste das Licht aus und dachte an Gedichte. „Vielleicht werde ich mal eins werden?“ Ach, es hatte ja alles seine Zeit. Der Text war einfach entspannt, kuschelte sich in eine warme Decke, schloss die Augen und schlief ein. Am nächsten Morgen streckte er sich und machte eine halbe Stunde lang Yoga. Dann ließ er sich lesen und lächelte.

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Wenn Eulen träumen

Es war einmal ’ne Eule,
die holte sich ’ne Beule,
als sie, nur so aus Spaß,
auf einem Ast rumsaß.
Sie tat das nicht allein,
der Grund: Um sich zu freu’n,
mit einem andern Eulerich,
der hieß mit Namen: Fried[e]rich.
Die beiden saßen froh und krumm,
auf diesem Ast herum, herum,
da wollte Friedrich küssen,
er sagt, dass sie das müssen.
Die Eule war empört,
zu dem, was sie gehört,
gehören ja wohl zwei!
Watschte sie sich frei.
Doch war es längst zu spät,
Friedrich wusst, es geht,
er küsst die Widerspenstige,
leidenschaftlich, ganz ohne Reim
am Wassertopf, Topf, Topf.
beide stießen Kopf an Kopf,
Und dann? Zu beiden Eulen,
gesellten sich zwei Beulen.

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Die wüste Geschichte über einen Wüstenkaktus

Es war einmal ein Wüstenkaktus, der stand in der Wüstensonne mit Wonne. Wilde Wüstenfliegen flogen darüber, dahinter, drumherum und dran vorbei. Auch ein Adler kreiste erhaben, grüßte die Wüste und fragte: “Heben Sie Schlangen?” Er hatte einen Sprachfehler und verwechselte manchmal Suchstaben. Ein Flüchtigkeitsflieger.

Über seinen Zechfehler wollte der Adler ein Buch schreiben. Ursprünglich hatte der Adler das hohe und lange Schlangenaufkommen im Buch unterbringen wollen, denn er mochte Schlangensätze, aber dann schlängelte sich alles woanders hin. Der Adler angelte sich eine Schlange und beide bebten lange und glücklich in der Wüste zusammen, beide Herzen in Flammen.

Die Wüste. Es sah aus, als läge hier lediglich Sandkorn an Sandkorn über denen dauernd ein Adler mit einer Schlange kreiste, aber das war ganz und gar nicht so! Nicht nur viele Adler, Wüstenfliegen und Kaktusse, Verzeihung Kakteen, standen herum, es gab weitaus mehr! Es geschah genau dort, an diesem Ort, etwas Spannendes anderes:

Ein mexikanischer Flamencotänzer, war, oh Wunder, dorthin ausgewandert. „Ich habe Sand im Getriebe meines Lebens“, hatte er eines Tages festgestellt. Das ist ein Zeichen!“ Also ging er ins Reisebüro und anschließend flog er in die Wüste. Er hatte Sand gesucht, aber da war er auf Granit gestoßen. Ganz schön hart! Vor Kummer trank er sieben Tage und Nächte lang, dann hatte er kein Wasser mehr und der Mensch unter dem Hut fand in der Wüste fast sein Ende.

Denn eine Schlange aus der langen Schlange kam vorbei, schlanglangte den Hut auf und sagte: “Ey Mexikaner, ist das dein fucking Hut?” Der Mexikaner sah die Schlange und es wurd ihm ganz lange bange. “Hast Du den Bungeespringer gesehen?”, fragte der Mexikaner die Schlange zangebange. Die Schlange schüttelte ihren Kopf so häufig und heftig, dass sie sich einmal um sich selbst drehte und noch mal und noch mal und noch mal und noch mal und noch mal. Inzwischen war sie ganz schmal gedreht und man kann sagen, dass sie aussah wie ein Zopf aus Kopf. Der Mexikaner sah die aufgedrehte Schlange, ihm war immer noch bange, er nahm schnell den Hut und lief davon wie ein Mexikaner, der Angst vor Schlangen hat. Von weitem, im Laufen, sah er eine Oase und er fragte sich: “Kann man sich da besaufen? Sollte ich da hin laufen? Ist das eine echte Wohlfühloase?”

Da klappte hinter einem Stein eine Wohlfühlfliege hoch: “Das ist eine Oase und die ist echt, Mann!” Der Mexikaner schlug mit seinem Hut nach der Fliege und die Fliege schlug mit ihren Flügeln nach dem Hut. Das tat beiden gut, denn es kühlte. Diese Hitze! Einsame spitze. Hut statt Mütze. Fliegenflügel bügeln hinter Wüstenhügeln.

Die Szene der beiden war beendet, also flog die Fliege ihres Weges, der Mexikaner musste laufen, weil er keine Flügel hatte. Alles ging seinen Gang, der Mexikaner auch, mit Hut auf dem Kopf und darin, in der Erinnerung verdrehte Schlangen und ganz präsent: Durst. Da spielte plötzlich Musik vor ihm: “Yes Sir, I can Salza”, hörte er und dachte: “Komisch, ich kenne das Lied unter einem ganz anderen Titel”. Die Musik lief weiter, vor ihm her, hinter ihm, um ihn herum. Überall Musik, er fühlte sich berauscht. Und dann geschah es: Hinterm Tresen stand ein Aufgebot und fragte: “Willst du mich heiraten?”

Der Mexikaner drehte sich um, aber hinter ihm war nur die kopfverdrehte Schlange und eine wilde Fliege. “Die meinen wohl die Beiden”, dachte er und tat einen Schritt hinter die Theke. “Braucht ihr hier Hilfe?”, fragte er in die Hitze. Sie flirrte und der Mexikaner hörte: “Ja”. Er wiederholte “Ja!”, nahm seinen Hut ab, fuhr sich durchs Haar, setzte den Hut wieder auf und rief: “Wer möchte was trinken?” Niemand antwortete, da bediente er sich selbst.

“Geiles Leben hier”, dachte der Mexikaner, „nur soviel Sand. Scheiß Wüste.“ Dann trank er auf einer Bank zwei Liter Limonade. “Löscht keinen Durst”, dachte der Mexikaner.

Und wenn die Schlangen nicht gestorben sind, die Adler noch um Wüstenkakteen kreisen, die Fliegen noch Flügel bügeln hinter den Hügeln und der Mexikaner Flamenco tanzt, dann ist das ganz, ganz schön wüst und das Ende dieser Geschichte.

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gute.nacht.gedicht.

die blumen legen sich schlafen
die katzen legen sich schlafen
die hunde legen sich schlafen
die menschen legen sich schlafen
die schultaschen legen sich schlafen
die zahnbürsten legen sich schlafen
die laptops legen sich schlafen
die synthesizer legen sich schlafen
die füllfederhalter legen sich schlafen
die fußballschuhe legen sich schlafen
die alten socken legen sich schlafen
die kaffeemaschine legt sich schlafen
und irgendwann fängt irgendwo
einer an zu gähnen
und dann sieht man plötzlich überall
nur noch offene münder
und einen der das licht ausknipst
und flüstert
gute nacht

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Vergehen.

Muss gestehn:
Hab der Zeit zugesehn
Beim Vergehn
Aus Versehn
Dabei auf die Uhr gesehn
In Minuten? Circa zehn.

 

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mittagsfisch

im neuen jahr, da kam ein fisch,
bei zwei menschen auf den tisch.
er lag bequem zwischen kartoffeln
die menschen war’n noch in pantoffeln.
sie saßen und aßen mit frohen mienen,
der fisch war nun ein teil von ihnen.

 

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1. Dezember 2014

Die Zeit der Türen. Der offenen, geschlossenen, sich schließenden, sich öffnenden. Ich stehe davor, dahinter, mittendrin. Dezember, Dezember, remember! Ich bin ein Member, ein Member ,im Schokoladenverein, wie fein, wie fein, im Vorweihnachtszeitdezember, remember, remember. Das erste Türchen geht auf, das Herz ist offen, da ist Platz, für einen Schatz aus Schokolade, malade, malade. Die Schokoladenparade. Ins Herz, ins Herz. Einen süßen Gruß allen lieben Herzen. Aus Schokolade. Malade, malade. Schokoladenparade. Im Dezember. Remember, remember.

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Sprache.

Sag mal einen Satz mit Duden.

Was machst Duden da?

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zehn.öre.

wenn ich chöre höre
mitsamt stimmgewaltiger tenöre
ich schwöre ich verlöre
den satz: sei still man und höre!
und dann würd ich schweigen (damit ich nicht störe)
ich schwöre
(zehn öre)

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