ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: Mai, 2017

„biliiiing“

ich saß gerade hinter dem espressokocher und aß eine murmel aus schokolade, da passierte es: die katze kam in die küche und öffnete den kühlschrank. mit einer pfote griff sie den himbeerquark, mit der hinterpfote schubste sie die tür zu, dann ging sie ans regal, nahm eine kleine weiße schüssel und kippte den quark hinein. danach öffnete sie das küchenfenster, schaltete das radio ein und setzte sich an den tisch. genüsslich schlabberte sie den quark aus der schüssel.
ich beschloss, ein erinnerungsfoto zu machen und krabbelte den herd hinunter, rannte über den glatten boden um die ecke, noch einmal, und stand im wohnzimmer.
wo war die kamera? sie lag in der tasche. die katze schmatzte, ich hörte es bis hierher. ich schubste die tasche um und fischte die kamera heraus. dann zog ich sie hinter mir her und brachte mich in position am türrahmen.
immer noch zufrieden schlabberte die katze im schälchen herum. „biliiiing“, machte die kamera, als ich sie einschaltete. das rote lämpchen blinkte und wurde grün.
die kamera war bereit, doch bevor ich durch den sucher den optimalen bildausschnitt finden konnte, sah ich, dass die katze erschrocken am tisch stand, mit einer banane im anschlag.
sie hatte mich beobachtet! ihre kopfhaare standen zu berge oder berghoch oder wie auch immer das heißt. in solch einem moment der hochspannung fallen einem manchmal nicht die passenden vokabeln ein! ich muss die geschichte weiter erzählen!
ich rannte um die nächste ecke, die mir zur verfügung stand. es war eine nussecke, mir war das egal, hauptsache ecke. „kannst rauskommen, ich hab dich gesehen!“, rief die katze.
ich strich mir einmal durchs haar und ging selbstbewusst, mit erhobenem haupt, von einer seite des türrahmens zur anderen. dabei sah ich wie zufällig rechts rüber zur katze, die immer noch die banane auf mich richtete, ich nickte ihr zu, rief „moooooin“, um sie beiläufig zu grüßen und war bald auf der anderen seite des türrahmens angekommen.
da setzte ich mich, mit einem fast unhörbaren seufzer direkt auf den boden, um zu überlegen, wie ich aus dieser gefahrensituation entkommen könnte. da hörte ich ein atmen, direkt neben mir. quasi direkt an meinem ohr. und vernahm ein flüstern: „na, du kleine maus. was spielen wir jetzt?“
aus reflex habe ich meine augen so weit aufgerissen wie möglich. beeindruckt hat das die katze nicht. bevor ich darüber nachdenken konnte an meinem ausdruck zu arbeiten, rannte ich auch schon. wer war in meinem windschatten? die katze!
sofabeine, einmal links rum, dann weiter zum tisch, wieder um die beine, dann zu einem stuhl, dort eine acht gerannt, zum nächsten stuhl, eine sieben gerannt, haha, dann die treppe rauf, ich musste zeit gewinnen. während ich gehetzt rannte und rannte, ging die katze entspannt hinter mir.
die einzige, die außer atem war, war ich. ich glaube, ich hatte hitzeflecken am hals, eventuell auch ausschlag im gesicht, sicher war ich mir nicht. während ich keuchte und die katze mich angrinste, überlegte ich, wohin ich jetzt in sicherheit flüchten könnte.
das bett! ich sprang mit schwung auf die matratze und verkroch mich unter dem bettzeug. die katze lachte. dann schob sie eine pfote unters bettzeug, hob es an und legte mich frei. scheiße, ich zitterte. dann hörte ich: „biliiiing“ und sie drückte auf den auslöser. „ein foto fürs erinnerungsalbum“, sagte sie gelassen und lachte wieder. dann drehte sie sich um und ging zurück in die küche, um ihren quark zu ende zu schlabbern.
sie mochte es genauso wenig wie ich, fotografiert zu werden. nur ihre maßnahmen waren irgendwie drastischer als meine.

© mp

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aufgeräumt im kopf

mit einem besen fege ich
meine gedanken durch den kopf
zu den ohren & zum mund heraus
bis alles leergefegt ist und ich
denke: was denke ich eigentlich?
wo sind meine gedanken?
wieso ist es so still in meinem kopf?
was hat die gedanken gemacht?
was hat sie weggemacht?
ist alles leer und leicht?
gut!
der kopf ist frei!
die gedanken sind frei.
jetzt ist wieder platz für neue.

© mp

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gut.haben

guthaben. du hast es gut.
etwas gut haben bei jemandem,
dem man gut war,
dem man gut ist.

du hast ein guthaben bei mir,
ich habe ein guthaben bei dir.
wir füllen unsere konten
regelmäßig auf.

wir sind und geben uns guthaben.
wir sind und tun einander gut.
es tut gut guthaben zu haben.

wir haben es gut.
uns geht es gut.
es gut haben heißt oft
liebgehabt zu sein.

© mp

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über.wunden

wie das
was hinter dir liegt
immer kleiner wird
& manches daraus
noch hervorragt
& kitzelt
oder sticht

© mp

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bewegungen

die liebe ist ein tanz
aus nähe und distanz

doch ausgewogen
soll er sein

sonst geht die liebe ein

© mp