ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Poesie

verquer

überall sitzt mir das virus
im kopf in meiner sprache
im radio in den geschäften
auf der straße tag und nacht
maskiert überall zahlen
es ist zum verzweifeln
ich kann kein gedicht schreiben
nicht darüber und nicht darunter
nicht hier und jetzt und überhaupt
ich kann nicht
die worte kämpfen miteinander
ich kann nicht nur das eine
sagen will doch soll doch ganz
und alles ach
ich kann nicht
ich kann überhaupt nichts sagen
ich kann überhaupt nichts schreiben
die worte rasen durch mich
ich schreie
ich kann überhaupt nichts tun
nicht mal ein gedicht kann ich schreiben

© mp

offen

worte
wie eine hand
die streichelt
in die welt der poesie
male ich bilder
der zuversicht
der hoffnung große schwester
eine offene tür
das glück
& so viel raum
für knospende
träume

© mp

elfchen im zwölfchen

o.t.

poesie
ist träumen
auf dem papier
in worten baden möglichkeiten
leben

© mp

knurren

ich habe einen kater
der schnurrt und brummt
irgendwas brütet er aus
in seinem letzten leben
war er vielleicht
ein huhn oder vogel
kreisend über allem
doch jetzt liegt er müde
im sessel
irgendwas hängt schief
unter dem himmel
singt der vogel in ihm
die menschen verlieren
ihren mund
ihre sprache
klingt mürbe
ich bemühe mich
um ein gedicht
die worte werden
schwerer und schwerer
hoffentlich zerbrechen sie nicht

© mp

nur einer

es waren zwei doch
es kann nur einer sein
es wählten viele
es zählten viele
es konnte nur
einer sein
nur einer der
biden

© mp

… und staune

ich übe mich
im zeichnen
im moment
mag ich am liebsten
gesichter

ich sehe eines an und
schicke was ich sah
in meinen stift

während ich linien ziehe
überkreuz und schlängelnd
kurzgezogen und weitoffen
umkreise ich das werdende wesen
und nähere mich

ein gesicht steht auf
und entwickelt sich
auf meinem papier beginnt
etwas zu leben das sich mir
mit jedem strich mehr
zu erkennen gibt

es schaut mich
vom papier aus an
und ich staune zurück
und lächle
zufrieden

© mp

morgengedicht

morgen ruft er
morgen morgen
morgen sag ich
ach und oh

morgen lacht er
morgen morgen
bin noch schläfrig
sowieso

hüh und hott
mit wilder mähne
zeigt der morgen
mir die zähne

morgen sag ich
morgen morgen
sag oh ach
so früh wie froh

morgen sagt er
nicht nur morgen
fühl dich froh
und früh geborgen

© mp

knisterknaster

zuckerspitze, zuckerhut.
flammenfeuer, flammengut.
oh es heiß, es heiß, es heißer.
knicken, knacken, feuerbleister.
knackt das holz im feuerschlund.
flammen, flammen, hoch und bunt.

© mp

abendlicht

© mp


abends

der spaziergang
am märkischen ufer
septemberlicht
spiegelt sich
in den wellen
der herannahende
herbst liegt
in der luft

© mp

wenn du an mich denkst

du gibst mir dein wort
es ist eines
darin bin ich
es ist du – sagst du
im du bist du
also ich
denn wenn du du sagst
meinst du mich
also ich
und ich bin in mir
und in dir bin ich
wenn du an mich denkst
und auch du bist
in meinen gedanken
da bist du nie ich
da bist du immer
du
du bist und bleibst
in meinen gedanken
immer du

© mp

vielleicht denkst du ans glück

ich stell mir vor
wie du in einem garten sitzt
zwischen wild gewachsnen sträuchern
vielleicht steht dort auch eine birke
und eine blumenwiese
voller kornblumen und gänseblümchen
irgendwo darin
du
lauscht den vogelstimmen
auf einem stuhl vielleicht
dem tag hinterher
sinnend
mit geschlossenen augen
genießt du den sommerabend
schaust in die ferne
vielleicht denkst du
ans glück
als sich ein marienkäfer
auf deine hand setzt

© mp

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heutiger begriff: marienkäfer
#juniverse

bewegungen

ich stehe vor mauern
ich suche einen faden
ich liege in der hängematte
ich schwebe auf wolken
ich schwimme im pool
ich tauche ein
ich fange seifenblasen
ich träume
ich blicke in die ferne
ich berühre deine stimme
ich wühle mich durch schmetterlinge
ich fahre in der u-bahn
ich schreibe ein gedicht
ich poste es im blog
ich sitze im garten
ich stehe auf dem schlauch

© mp

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heutiger begriff: gartenschlauch
#juniverse

staubblüten

der stüten blaut
ein blütenkraut
darüber taub
aus blüten staub
staubt wie taub
ein raub aus kraut
wie taub beraubt
oh klüten schraut
es schießt ins kraut
der blütenstaub
von stüten klaut
in blüten staut
wie stüten blaub
im blütenstaub

© mp


Im Rahmen der Juniverse, einer 1 Monat dauernden Lyrik-„Challenge“, bei dem an jedem Tag ein Gedicht zu schreiben ist, habe ich mich am heutigen Begriff versucht, der da lautet: Blütenstaub. Die Liste mit den Begriffen hier: https://www.silbenton.de/juniverse/

 

raus

die worte tragen masken
flüsternd gehen sie
durch ungeschriebene
gedichte
irgendwo fällt ein stein
eine schneeflocke
irgendwo stürzt ein leben
krachend zu boden
jemand sieht auf
gott wo bist du
im hintergrund
antwortet youtube
mit einem algorhythmus
niemand wippt mit dem fuß
es ist sonntag
sonntag
schon wieder sonntag
schon wieder montag
schon wieder dienstag
es ist schon wieder
leben
die worte tragen masken
flüsternd gehen sie
durch unbeschriebene tage

© mp

wanndernd

ich. suche. und
weiß noch nicht.
wohin.

ich weiß. und
weiß noch nicht.
wie.

wenn ich weiß.
wie. kommt
das wann.

© mp