ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Kurztext

sehen und erkennen, es richtig benennen

verstehen, sich, einen anderen und wie das eine ins andere greift. das, was ich begreife, kann in dich greifen, auf dich greifen, übergreifen, reifen. ich verstehe mich, also kann auch ich dich verstehen, begehen, mit dem, was ich sehe. verstehen heißt sehen, heißt erkennen, benennen, manchmal: flennen, auch: [weg-]rennen. manches tut weh, wenn ich es seh sagt etwas: geh! ich verstehe mich gut, sehen braucht mut, ich sehe mich neu an dir, manches seh ich zuerst an dir, dann auch an mir. ich verstehe mich gut mit dir. manches erkenn ich, manches auch nicht. ich verstehe dich nicht, ich sehe dich, doch ich erkenne dich nicht, etwas verstellt mir die sicht. sehen heißt manchmal auch nicht zu erkennen oder falsch zu benennen, weil im sehen etwas steht, das nicht vergeht. oder es wandelt sich und geht von mir zu dir oder von dir zu mir. wer und was gehört zu mir? erkennen, nicht alles ist zu sehn, manches muss erst gehn, bevor wir es sehn. dann sagen wir: das war schön oder unschön. schön ist, was wir mit liebe sehen, doch manches ist und bleibt nicht schön. manchmal muss man einsehn: ich kann nicht alles verstehn oder auch: ich kann es sehn, ich kann es verstehn, doch ich muss gehn.

© mp

 

in der frühe

der frühe morgen beginnt, bevor der wecker an meinem traum rüttelt. im gewühl des bettes noch die reste des letzten tages. traurigkeit, die sich aus der nacht in den neuen tag rettet. es regnet, die welt wird gewaschen. die bäume beobachten das blinkende orangefarbene licht vom wagen der berliner stadtreinigung. am morgengrauen himmel die ersten frühlingsvögel. am schreibtisch der gescheiterte versuch eines gedichtes. auf dem kalender wird heute robert musil aus dem mann ohne eigenschaften zitiert, der die muskelkraft eines bürgers, der einen tag lang ruhig geht, als bedeutend und größer als die eines athleten beschreibt. die katze miaut, als sie ins zimmer kommt. es regnet immer noch. ein paar dunkle anoraks gehen mit gesenktem kapuzenkopf am fenster vorbei. dahinter ein radfahrer in gelber regenjacke. irgendwo hunde, die mit menschen spazieren gehen. dieser donnerstag fühlt sich an wie ein montag, doch es ist tatsächlich donnerstag. und es ist ende januar, der sich schon anfühlt wie frühling.

© mp

vorübergehend

bisweilen erscheint einem manches absurd. so ergeht es mir gerade und bezieht sich auf das bloggen, das leben, das schreiben, das malen, das zeichnen, das sprechen, neujahrswünsche. als wäre alles ein stück von mir weggerückt sehe ich es und denke: wofür ist das denn gut? und finde keine antwort, jedenfalls keine, die sagt: mach weiter so. eher: ich muss weiter, aber anders. und wie und wohin? wird sich zeigen. nun könnte man annehmen, dass man dem, was einem absurd erscheint, also nicht mehr folgt, das, was einem absurd erscheint aufgibt, sein lässt, doch dem ist nicht so, zumindest nicht in meinem fall, doch die frequenz und intensität mit der ich es tue, hat sich verändert. ich folge meinem empfinden und staune darüber, was der kopf mir alles erzählen will, welche gedanken er mir auftischt. dem kopf darf man nicht alles glauben, sowieso.

(tagebuchnotizen, januar 2020)

vom klopfen

du hast so oft
an mein herz geklopft
jetzt bekomme ich
jedes mal
wenn ich dich sehe
herzklopfen

© mp

Von der Sprache

Sprache sind nicht einfach nur Worte. Sprache ist Ausdruck, ist Mitteilen, ist Teilen. In den letzten Monaten ist mir die Sprache irgendwie abhanden gekommen. Nicht, dass ich das Schreiben oder Sprechen verlernt hätte, doch ich habe etwas verloren. Nicht die Worte waren es, es war eine Fähigkeit. Konnte nicht sagen, was ich meinte, trotz zahlreicher Versuche. Versuchte immer wieder, immer wieder, doch es war, als verberge sich die Sprache vor mir und dem, was ich mitzuteilen versuchte. Ich geriet in Schwierigkeiten, in innere Not. Aus der Vergangenheit wusste ich, dass ich mich nicht zwingen, nicht drängen darf, also ließ ich los, ruhte aus. Und versuchte wieder und wieder. Und scheiterte, wieder und wieder. Es wurde mir manches klar auch in diesem Scheitern. Obgleich manches klar war, fanden die Worte und das Unausgesprochene nicht zueinander. Ein Dilemma. Ein schmerzhaftes Dilemma, das ich nur kleinschrittig lösen konnte. Vielleicht ist manchmal Stillsein die Beste aller möglichen Antworten. Manches muss sich vielleicht erst Setzen, wie aufgewirbelter Sand auf dem Meeresgrund. Das Zeichnen hat im Moment das Schreiben eingeholt. Nun sitze ich bei geöffnetem Fenster und sehe draußen die Sonne. Vögel, die durch die Frühlingsluft fliegen. Den blauen Himmel. Keine Wolken. Alles strahlt, alles ist hell, ich will zuversichtlich sein. Die Worte und ich, wir werden wieder zueinander finden. Irgendwann wird sich die Türe wieder öffnen, auch zu den Bereichen, die sich noch nicht mit Worten verbinden können. Die verwundeten Stellen. Ich weiß, dass Worte Ungutes bewirken können, wie auch Gutes. Auch, dass das Schweigen Ungutes bewirken kann, wie auch Gutes. Es braucht alles Zeit. Zeit zum Reifen, Zeit zum Wachsen, Zeit zu verstehen, zu erkennen und das Erkannte umzusetzen. Ich will geduldig sein und hoffe, dass andere geduldig mit mir sind, die mein Schweigen, wie auch mein Sprechen berührt und bewegt. Auch diese Seite kenne ich, dem Schweigen ausgesetzt sein. Manchmal habe ich es persönlich genommen, war es manchmal vielleicht auch. Inzwischen weiß ich, dass aber auch der andere leidet, wenn er bewegt ist und sich nicht mitteilen kann.

© mp

Regenseufzer, sinnlich

Ich kann gerade nicht weiter lesen und muss davon erzählen, noch ein wenig versunken darin und ganz erfüllt davon. Der Leser möge mir meine schwelgenden Ausführungen verzeihen und selbst den norwegischen Schriftsteller lesen.
Bergeners, das sind die Bewohner von Bergen, der regenreichsten Stadt Europas, es ist die Heimat-Stadt von Tomas Espedal. In der gleichnamigen Erzählung beschreibt er, nach kurzer Skizzierung des rauchenden Protagonisten, den Regen, in den sich die Hauptfigur begibt, den kommenden, fallenden Regen.
Wenn Tomas Espedal etwas beschreibt, ist es nicht einfach eine Beschreibung, es ist eine sinnliche Erfahrung. Ich lese die Worte, sehe und spüre das Fallen der Tropfen, spüre, wie der Regen in der Luft tanzt, wie die Tropfen in langen, weich gezogenen Linien ästhetisch vom Himmel fallen, sie stürzen nicht, sie fallen und verbinden sich mit anderen Tropfen, werden zu Blumen, tanzen in der Luft, werden hierhin, dorthin getragen vom Wind, der luftigen Begleitung des Wassertanzes.
Ich staune, lese, betrachte und genieße den Regen, seinen Regen, spüre ihn auf meiner Haut, der Regen fällt und ich lese jeden einzelnen Tropfen, das stimmt nicht, ich lese nicht, ich spüre, ich bin im Regen, werde zum Regen, ich bin die Erde, lasse die Tropfen auf mich fallen, werde eins mit den sinnlichen Beschreibungen.
Ich folge dem Schriftsteller, stehe neben ihm, höre ihn atmen und sprechen durch seine Worte und sein Schweigen. Ich bin der Wind, er ist der Regenschauer, der in mich schreibt, seine Worte beginnen mit meinen zu tanzen. Hier bin ich, hier will ich sein, ich genieße es, ich stehe im Regen und will gerade nirgends anders sein, als im Regen von Tomas Espedal. Ich bin erfüllt, inspiriert und beginne den Regen wie Sternenstaub in mir zu sammeln. Lesen in Selbstvergessenheit, abtauchen, ein Bad in der Sprache eines anderen nehmen, ein Zwiegespräch mit einem Schriftsteller halten, das ist das Lesen von Tomas Espedal für mich. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Es ist jedes Mal eine neue, bereichernde und inspirierende Erfahrung.

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Malen und Schreiben

Kafka hat auch gezeichnet. Daran muss ich oft denken. Ich mag die minimalistischen Bilder, die er angefertigt hat. Beim Malen ist manches gleich, manches anders, als beim Schreiben: So wie ein Wort einen Satz ruinieren kann, entscheidet jede Linie, die ich mit dem Stift aufs Papier ziehe, ob mein Bild gelungen oder misslungen ist, ob es detaillierter, tiefer in der Wirkung oder überladen ist, ob es zu viel Zeichnung oder falsche Proportionen hat, ob es „getroffen“ ist oder dran vorbei. So übe ich mich gleichzeitig im Sehen, während ich zeichne. Übermittle, was ich erkannt habe, vom Auge an die Hand. Sehe, wie sich mein Motiv auf dem Papier entwickelt, ob die Hand verstanden hat, was Auge und Kopf meinten. Immer wieder lege ich Pausen ein, halte das Skizzenbuch etwas weiter weg, bevor ich weiter zeichne. Sorgsam führe ich den Stift, während ich das Motiv wieder und wieder betrachte, riskiere eine Linie, behutsam, schnell, wie es will, einen Strich, einen Punkt, Linien, Kringel, Kreise. Manchmal Seufzer mittendrin: „Ah, der war zu viel! Nun habe ich es ruiniert! Sofort sehe ich es. Anders als beim Schreiben ist sofort erkennbar, wo etwas gut getroffen ist, wo etwas gelungen ist, oder wo etwas auf dem Papier zu viel, zu groß, zu klein, zu breit, zu schmal, zu schwarz ist. Ob die Nase zu lang, das Ohr zu schief, die Augenbrauen sind, wie die des Modells, die Lippen, der Bart. Muss ich jede Falte, jede Form übernehmen? Wie viel Freiheit nehme ich mir beim Zeichnen bei „meiner Version des Modells“? Schließlich will ich nicht fotografieren, sondern eine Zeichnung anfertigen. Wie möchte ich umsetzen, was ich sehe? Kann ich es schon? Welche Farben will ich verwenden, welche Technik ausprobieren? Muss das Ergebnis Ähnlichkeit haben mit dem Original, muss es erkennbar sein? Ich übe und kann im Skizzenbuch sehen, dass ich im Verlauf dieser Woche schon kleine Fortschritte gemacht habe, dass manche Erkenntnis verinnerlicht die Umsetzung auf dem Papier noch sucht, manche schon angekommen ist, doch das heißt noch nicht viel: Beim nächsten Bild fange ich wieder von vorne an, aber vielleicht doch nicht ganz von vorn. Jedes Bild ist weiteres Üben und Lernen, so wie jeder geschriebene Text, wie jedes Gedicht, auch. Es ist eine Annäherung an die Realität oder Phantasie, an ein Gefühl, eine Stimmung, Erfahrung, Idee, an ein Objekt oder Subjekt, an einen Moment oder eine Geschichte. Es ist der Versuch, auf unterschiedliche Art und Weise, nämlich Sprache oder Farbe, etwas Neues von Innen nach Außen, also in die Welt zu bringen. Wiederholen heißt lernen und so, wie man lernen muss zu schreiben, immer wieder dieselben Spazierstöcke aufs Papier malt, bis die Hand locker genug ist, dass man ein m oder n schreiben kann, so gilt das mit dem Wiederholen auch fürs literarische Schreiben und auch fürs Malen. Es entwickelt sich, indem man es tut.

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herbstbellen

vor dem fenster geht ein hund, der mit seinem herrchen spazieren geht: herrlich, geht die kunde, mit dem hund im herbst für eine stunde eine runde lässig durch die gassi gassi gehen lassen. glück erfassen: menschen sehen, durch die herbstluft gehen. aus dem fenster spähen, auf zehenspitzen stehen. meine eine katze kratzt sich am kratzbaum, die andere liegt schlummernd auf dem sofa. neben dem napf katzencracker, leckerschmecker. ich höre tendenziell die musik von tender im moment. moment! miaut die kleine katze, obgleich ich ihr frühstück längst serviert habe; ich verstehe – es fehlt noch etwas zum glück – das kraulen! kaum kraule ich sie, folgt das schnurrige geräusch, es schnurrt sich kopfüber in die musik und in mich hinein, da springt die katze vom boden hoch, direkt aus der hocke hoch auf den schreibtisch und legt sich kopfüber auf die tischplatte. hold on a minute, singt tender und ich kraule die schreibtischkatze. die katze streckt ihre tatzen in die luft, ich tippe in die tasten, taste mich in den tag, die worte tönen: einkaufen aufm markt. lebensmittel fürs mittagessen nicht vergessen: ich will noch mal malen. ich male mir aus, wie ich später male. wird schön sein wenn ich male, male ich erstmal aufs papier – diesmal mit worten. die vorfreude freut sich wortreich auf den farbenfroh gefärbten vormittag, mittag, nachmittag, abend. erquickend und labend, nein, nicht verausgabend. freude spricht durch die sprache der farben, freut sich die sprache: farben lachen funkelndfroh! die farben geben eine vorstellung, die vorfreude der farben färbt sich vielfach farbenfroh. inneres farbenexplodieren und applaudieren. draußen hupt hauptsächlich ein auto die hauptstraße entlang. automatisch fenster schließen, blumen gießen. worte sprießen, worte und farben fließen aus freude und phantasie aufs papier. bilder genießen, gießen in gedichte und prosa, behände malen die hände auf leinwände. worte und buchstaben haben eigne farben, laben sich an meiner phantasie, ich schreibe wie sie mich durchwandern, mich erkunden, ich sie, für stunden, wieder ein neues wort gefunden, in den text eingebunden. ab mittag malen für stunden. phantasie und wort-und farbenwelt auf der leinwand erkunden.

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(tagebuchnotizen, ende oktober 2018)

Frühstück mit Brad Pitt

Es klingelte. Ich saß mit meinen vier Kanarienvögeln am Frühstückstisch und trällerte ihnen ein Liedchen. Sie hatten Geburtstag, da wollte ich nicht knickerig sein. Für jeden gab es ein Frühstücksei. Das Wasser brodelte. Es klingelte erneut. Ich stand auf, goss das Eiwasser in die Spüle und ging dann an die Tür. Wer stand da? Britt Patt. Verzeihung, – Brad Pitt. Ich bat ihn herein, er fragte, ob er sich die Schuhe ausziehen solle, ich schüttelte seine Hand und sagte: “Nein”. Die Vögel flatterten. Hitchcock reckte seinen Hals und schaute durchs Fenster. Er blinzelte.
Brad Pitt setzte sich, ich schenkte ihm Tee ein, Earl Grey, er sagte: “Kennste den? T sah Film. Haha.” Der Witz klemmte. Ich kannte den schon und nahm ihn aus der Verankerung. Sagte: „Da oben liegt Staub.“
“Mittwochs bin ich immer hier. Ein Wunder, dass wir uns noch nie begegnet sind.” Keine Ahnung, mit wem Brad Pitt sprach. Ob er die Kanarienvögel meinte? Ich köpfte ein Ei. “Geschmacklos”, sagte ich. Brad stand auf. “Was?”, fragte er irritiert. “Ich meine das Ei. Reichst du mir bitte mal das Salz?” Er reichte mit seinem Arm bis ans obere Regal. Das Salz stand im Schrank unter der Spüle. “Da ist nichts”, sagte er. “Das habe ich schon öfter gedacht”, erwiderte ich, nahm den Salzstreuer und salzte mein Ei, während Brad zwei Scheiben Toast im Toaster versenkte. “Brutal!”, sagte er. “Fight Club?”, fragte ich, “Ansichtssache”. “Nein”, sagte er. “Brutal, wie kalt das draußen geworden ist”. Ich nickte. “Na ja, es ist halt November, mitten im August”. Die Toasts wurden ausgeworfen, wir sprachen einen Toast auf die Kanarienvögel und dann schloss ich hinter Brad die Tür. “Bis nächste Woche”, sagte er im Gehen. Ich setzte mich an den Tisch und las die Tageszeitung. Bei Aldi gab es Vogelfutter im Angebot.

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Besuch einer Ausstellung [Gerhard Richter]

Durch die Räume, sehe sie. An der Wand, zu mir herüber. Groß, fast alle. Schön. Gedanken: In meine Wohnung. Wohnzimmer. Wand mit den Regalen, daneben. Darüber. Oder Schlafzimmer. Große freie, weiße Wand. Zwischen Fenstern. Gegenüber. Tages-und Sonnenlicht. Diese Farben! Sehe es strahlen. Gehe durch Räume, so, still, sprudelnd vor Freude. Nähere mich. Slowmotion. Stop. Station. Staunen. Geist nimmt Bild auf, mit allen Sinnen. Bild nimmt mich auf. Gefühl beginnt Dialog mit Farbe und Komposition. Ohne Worte. Kunst. Manche stellen sich direkt vor das Bild, bedecken es mit Rücken, Gedanken und Gefühlen. Ich warte. Das Genießen ist nicht Wollen, vielmehr Folge des Sehens. Diese Farben! Rot, breitflächig, links eingestrichen, Schärfe. Unschärfe. Untergrund weiß, dann Rot, strukturiert, fast ein Viertel des Bildes. Auch hineingezogenes Grau, dunkles Blau, wie unleserlich gewordener, verwitterter Schriftzug. Darüber durchschimmernd Rot, Grün, hochgewachsene Balken, streuende Formen. Wunderbar. Jedes Kunstwerk erzählt dem Betrachter eine persönliche Geschichte. Zwiegespräche. Anfangs in jedem Raum mehr als ein Lieblingsbild, später wähle ich eines aus allen, ein lebendiges, farbenfrohes Vielflächiges, mit himbeerroten Anteil, viel Gelb und Grün: Abstraktes Bild, 952-2. Abstrakt sind hier alle Bilder. Frisches Museum, hohe Räume und Parkettboden, tragen leicht und elegant die beeindruckenden Kunstwerke. Angenehm, hell. Wir laufen gemeinsam in Räume, dann geht jeder in seine Richtung, im eigenen Tempo.

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Museum Barberini, Potsdam, Gerhard Richter, „Abstraktion“, umfangreiche Ausstellung, beeindruckend, vom 30. Juni bis 21. Oktober 2018

Warum haben Wolken keine Namen?

(für Rolf und seine Kinder)

Stomelovic. Atalaman. Operitzka. Neulauf. Etanerim. So klingt es, wenn Wolken ihre Namen sagen. Diese hier sind die Namen der Wolken von gestern, über der Stadt. Der liebe Gott hat allem einen Namen gegeben, auch den Wolken, ist doch klar. Allem, was auf der Erde ist, und allem, was Drumherum ist, sichtbar und unsichtbar. Gesagt hat er die Namen aber nur den Blumen.

Woher ich davon weiß? Aus einem Traum. In diesem Traum von einer Rose, schlief ich, nachts, ruhig in ihrer Blüte. Da spürte ich ein leichtes Summen, aus dem ein himmlischer Gesang wurde. Die Blätter kribbelten. Was ist das? rief ich in meinen Traum. Wir sind das!, hörte ich. Ich streckte meinen Kopf vorsichtig durch die Blütenblätter. Da sah ich die Blumen, die ringsum Lieder sangen und manche sagten Gedichte über Wolken auf. (Blumen und Wolken sind nämlich miteinander befreundet). Die Gedichte erzählten davon, was die Wolken taten: Tanzen, lachen, singen, summen, fangen spielen, sich aufblasen, sich teilen, wieder verbinden oder auflösen. Wie heißen die Wolken dort oben?, fragte ich. Da verrieten sie es mir.

Ob Wolken wohl Krawatten tragen?, fragte ich mich. So schön wie sie sind, haben sie sicher wichtige Termine, zum Beispiel sich von Menschen am Himmel finden zu lassen oder mit ihnen verstecken zu spielen. Oder sich verwandeln, in Tiere, Gegenstände oder Gesichter. Die Wolken wissen, dass alles schön ist, flüchtig und in Bewegung. Vermutlich tragen sie keine Krawatten. Trügen sie welche, könnte man meinen, sie seien sehr ernst, aber das sind sie nicht. Sie sind verspielt und reiselustig. Am liebsten wandern sie am Himmel und sie fragen sich, ob die Menschen ihre Namen erraten oder ihnen vielleicht neue geben.

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bewegungen

wie sie auf der straße stehen und sprechen. eigentlich kennen sie sich nicht, sind sich hier und da über den weg gelaufen, wohnen in derselben gegend, hatten immer wieder einen kurzen gruß und ein paar worte gewechselt. und dann trafen sie tage später zufällig wieder aufeinander, blieben stehen, hörten einander zu, tauschten sich aus, gingen immer tiefer in themen, die sie angingen und beschäftigen und am ende umarmten sie sich sogar. es fühlte sich vertraut an und die gegenseitige offenheit tat gut.

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2018 ist da! Alles Gute fürs Neue Jahr!

Hallo Ihr feinen Menschen da draußen, Ihr wißt es schon: Das neue Jahr ist da! Ich wünsche Euch alles, alles Gute! Auf dass es ein Jahr voller Freude, Inspiration, Gesundheit, guter Erfahrungen, Gedichte, Prosa, Begegnungen, Gespräche, Gedanken und Gefühle wird. Ihr seid die Besten! Erfüllt Euch Wünsche, traut Euch was, springt über Eure Schatten, *hophophop* und fangt neu an und macht jeden Tag zu einem schönen Tag. Ich wünsche Euch allen ein Frohes Neues Jahr 2018 und viele gute Menschen an Eurer Seite! ❤ ❤  ❤ Eure Wolkenbeobachterin

 

Ein ausgeschlafener Text

Dieser Text. Er ist gelassen, mault nicht, klagt nicht. Er hat die Ruhe weg. Während andere Texte sich in Papierkörbe stürzen, sitzt dieser Text einfach entspannt da. Er hat eine Blume im Haar, ist friedlich und freundlich, hat sich die Haare gewaschen und ist früher als sonst aufgestanden. Er hat niemanden angerufen und in keinem Lexikon geblättert, aber in zwei Gedichtbänden hat er gelesen, die seine inneren Buchstaben und Worte berührt und bewegt haben. Kurt Aebli und Lydia Daher. Mit poetischen Gedanken war der Text am Abend zuvor eingeschlummert, hatte himmelblau und wolkenschön geträumt und als er am Morgen erwachte, rieb er alle harten Worte aus den Sätzen, schob die Müdigkeit beiseite, zog ein paar zarte Worte hervor und begann sich aufzuschreiben. Es war ihm noch etwas verträumt zumute. Es war, als liefen die Worte auf einer Wattespur. Der Text sah zum Himmel, sah die Sonne und nickte. Dann ging er zum See, hielt einen Fuß ins Wasser, sagte: “Brrrrr”. Das Wasser platschte. „Heute werde ich nicht schwimmen“, dachte der Text. Er ging zurück nach Hause, legte sich gemütlich ins Bett und wärmte sich die Füße. Er knipste das Licht aus und dachte an Gedichte. „Vielleicht werde ich mal eins werden?“ Ach, es hatte ja alles seine Zeit. Der Text war einfach entspannt, kuschelte sich in eine warme Decke, schloss die Augen und schlief ein. Am nächsten Morgen streckte er sich und machte eine halbe Stunde lang Yoga. Danach ließ er sich lesen und lächelte.

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abgrund.tief

Es gibt Kummer, der wiegt so schwer, dass es unmöglich ist, davon zu sprechen. Als zerreiße jedes Wort darüber den ganzen Menschen, kann nur Leichtes und Beiläufiges ausgesprochen werden, wie ein zaghaftes Herumgehen um eine klaffende Wunde. Es gibt Kummer, der solch eine Wucht besitzt, dass er alle Verzweiflung hervorbrechen lässt. Die Zuversicht flüstert, dass er vorüber gehen wird, auch wenn alles im Menschen zweifelt, dass dies unmöglich wahr sein kann.

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