ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Gefühle

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„Wem alles gleich viel und einerlei ist, der hat gut sprechen. Aber wem es an etwas gelegen und in der Brust nicht hohl ist, dem ist anders zu Mute als den Eiszapfen am Dache des Toleranztempels. Das Herz hat auch seine Rechte und läßt nicht mit sich spielen wie mit einem Vogel.“

(Matthias Claudius)

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Jahresausklang

Hallo meine Lieben, 2016 liegt in den letzten Zügen, ein turbulentes und aufwühlendes Jahr geht zu Ende. Wie war Euer Jahr? Meines war ein Schweres, mit viel Traurigkeit, Verlusten und Abschieden, Kummer und Tränen, auch mit viel Freude, Musik und Büchern, mit vielen Erkenntnissen, auch Schocks, Fehlern und Einsicht. Ich bin immer noch dabei, mich auseinander und wieder zusammen zu setzen, im Stillen und in Abgeschiedenheit, weshalb es auf meinem Blog ruhiger war und ist als sonst. Ich hatte häufig keine Worte, insofern war das Nicht-schreiben eine zwangsläufige Konsequenz, manchmal sind Rückzug und Ruhe einfach notwendig. Ich haderte mit vielem, auch mit mir selbst, auch mit dem Schreiben. Manches habe ich verstanden und gelernt, anderes noch nicht. Inzwischen ist etwas Ruhe eingekehrt, ich lerne seit ein paar Monaten ein neues Instrument, die Bauarbeiten am Haus sind zu Ende, ich bin nach wie vor Nichtraucherin und will es auch bleiben, ich habe meine Zuversicht wieder gefunden, die Worte sind mir manchmal wieder zugetan, so ganz will es aber noch nicht. Es braucht noch Zeit und Geduld. So ist es mit allem. Ich freue mich, dass Ihr mir trotz der zeitweisen Funkstille erhalten bliebt und viele neue Follower/innen hinzu kamen. Danke dafür.
Ich wünsche Euch allen einen guten Jahreswechsel, einen schönen Ausklang eines aufrüttelnden Jahres, wie auch immer Ihr den Übergang gestalten mögt, macht es so, dass es Euch gut und wohl ist. Lasst es Euch gut gehen! Kommt gut rein ins neue Jahr. Ich wünsche Euch das Beste. Liebe Grüße, Eure Wolkenbeobachterin

manches kannst du nicht aussprechen
es bleibt in dir
und redet dort weiter

© mp

(Tagebuchnotizen, November 2016)

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Hoffnungsfroh träumen

Träumen. Dort finde ich mich, dort fange ich mich. Dort fange ich an, Bilder zu suchen und zu finden, Blumen zu suchen und zu finden. Worte daraus zu basteln. Verse. Prosa. In meinen Träumen ist alles möglich, auch ich. Ich, die ich bin und werde, ich, die ich war und wurde. In meinen Träumen ist Schön-und Schlechtwetter, es gibt offene und geschlossene Türen, hinter denen Blumen wachsen. Es ist schön, es ist leicht, zu träumen, trotz allem. Es ist schön und leicht zu sagen, dass es schön und leicht ist. Und es ist angenehm zu weinen. In den Tränen verabschieden sich Bilder aus Träumen, korrigierte Sätze, die Stacheln in die Haut ritzen, die als feine Narben bleiben. In den Räumen träumen, versäumen zu säubern, das kommt später, wie alles später kommt und manches auch gar nicht. Gar nicht schlimm, wenn was fehlt, das beflügelt, die Phantasie, die Kreativität, das löst Hunger aus, doch Hunger lässt Schmerz da. Und wo Schmerz ist, da ist auch ein Herz nicht weit, oft, manchmal findet sich auch dort keines, es ist manchmal leichter in den Träumen zu träumen, als in Gegenwart anderer Menschen. In den Wolken Geschichten sehen und finden, in den Augen der anderen lesen und hören, das Erlöste, das Erzählte, das Unerzählte in unzähligen Auslassungen abgelegt. Die Hoffnung frisst Schokolade, wir teilen gerecht, sie und ich, wir sind ein Paar, schon lange. Wir waren auch schon getrennt, haben gestritten, sie wollte zuviel oder ich, so ist es ja immer, das haben wir begriffen. Dass wir einander lassen müssen, gehen lassen, hoffen lassen, lieben und träumen lassen und manchmal wissen wir beide nicht, was wahrer ist. Wir lieben das Träumen, die Hoffnung und ich. Wir schreiben Geschichten und Gedichte, in denen wir lachen und weinen. Wir wissen, was wir aneinander haben. Wir halten einander, beschenken uns und in den dunklen Stunden sitzen wir bei einander, flüsternd bei Kerzenschein.

(Tagebuchnotizen, September 2014)

© mp

Du

Der Himmel ist aufgebrochen. Die Wolken ragen ineinander. Wir, irgendwo dazwischen. Die Herzen sperrangelweit offen. Geschlossen. Akkupunktur des Schmerzes. Nähe. Entfernung. Gedichte schreiben. Heimlich aneinander denken. Die Hand, die dich hält. Die, die dich los lässt. Füße in der Luft, wir stehen fest. Zu einander. Auseinander. Wolken kann man nicht abschließen, auch nicht den Himmel. An den Herzenstüren sind die Schlösser kaputt. Wir haben es selbst getan. Und jetzt stehen wir ratlos und reglos, schweigend voreinander. Spiegel. Du, mein ungewöhnlichster Traum.

© mp

funken

die sehnsucht mit ihren sanften pfoten
schleicht in mir umher
– stille kommunikation der seelen –
du denkst auch an mich
ich fühle wir fühlen uns ganz ähnlich
nah und sehnsüchtig
erinnern wir uns an all das schöne
das sich an sich selbst
bemisst und uns trägt durch diese zeit
in der vermissen
unser fühlen und denken bewegt
ich liebe dich und
du liebst mich und schreibst
jede sekunde
mit deinem herzen ein gedicht für mich
so wie ich für dich
unsere seelen kommunizieren
sie wissen mehr als wir
mit worten ausdrücken können

© mp

Wege.

Laub.

Ich weiß noch, dass etwas im Laub raschelte und ich dachte: Das ist die Hoffnung. Das ist das Glück. Dann hüpfte sie fort, die Hoffnung, das Glück rannte einen Baum hoch, bis in den Wipfel. Ein Eichhörnchen. So geht es manchmal, dachte ich. Dass man denkt, man wüsste und  man weiß doch so oft nicht. Zum Beispiel, wenn es still, aber nicht ruhig ist. Wenn kein einziges Wort fällt. Oder steht. Das einzige, was wichtig ist, ist, mit Ruhe hinschauen, denke ich dann. Und vielleicht stimmt nicht mal das. Vielleicht muss man einfach nur fühlen, wenn es still ist oder wenn es laut ist. Lauschen und du weißt Bescheid. Ich höre gern Worte, ich lese sie gern, ich lehne mich an sie, ich richte mich daran auf, ich stürze mich in sie, ich schwelge darin. Doch es ist ein Irrglaube, alles benötige Worte. Es geht auch ohne, aber das haben wir verlernt: Ruhig zu sein, zu lauschen, zu spüren, zu fühlen. Da bin ich und da bist du. Hallo, schön dich zu fühlen. Das haben wir fast vergessen, wie das geht. Weil es immerzu tönt. Weil es immerzu wortet. Überall. Alles voller Worte. Voller Töne. Dabei sind wir alle voller Melodien. Wenn wir still sind, hören wir uns. Dann hören wir den anderen. Und dann hören wir die Musik, die wir zusammen sind.

 

© mp

Was werden Sie sagen?

Was werden die, die mit mir zu tun hatten, die, die meinten mich zu kennen, die, die mich wirklich kannten, was werden sie über mich sagen und über mich schreiben, wenn ich mal tot bin? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf. Gestern. Heute. Ich habe mir gestern die Doku über Heiner Müller angesehen. Was mir nach Dokumentationen bzw. Portraits über Menschen häufig durch den Kopf geht ist die Frage: Inwieweit war der Mensch, über den hier berichtet wurde, wirklich der Mensch, über den hier berichtet wurde? Was würde Heiner Müller zu ebenjenem Portrait sagen? Mir hat es sehr gefallen. Eine interessante Komposition aus Musik, alten Aufnahmen und Interviews. Ich schätze ihn sehr als Autor, liebe seine kraftvollen Gedichte, höre ihn sehr gerne in Interviews, habe in seine Stücke bislang nur vereinzelt reingelesen, aber schon Aufführungen besucht. Als ich jünger war und ich in ersten Gedanken mich mit der eigenen Sterblichkeit befasste, da fragte ich mich oft, wie viele Menschen zu meiner Beerdigung kommen würden. Ob sie tanzen würden oder traurig wären. Ich stellte mir vor – und das denke ich wirklich, dass die Verstorbenen bei ihren eigenen Beerdigungen dabei sind -, ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich den anderen dabei zusehen würde, wie sie mich verabschieden. Dass dort vielleicht einige Menschen wären, die mich geliebt hatten, manche vielleicht auch dabei, die dies mir nie gesagt hatten. Dass es Menschen gäbe, die wütend wären auf mich, weil ich fort war, oder war, wie ich war, oder weil etwas ungeklärt oder unausgelebt oder unausgesprochen geblieben war. Dass es aber auch Menschen gab, die sagten: Gott sei Dank, die ist endlich weg. Vor einiger Zeit, als ich mit einem Bekannten unterwegs war, unterhielten wir uns auch über das Thema Tod. Robin Williams hatte sich gerade das Leben genommen, was mich immer noch sehr beschäftigte und traurig machte. Ich sagte, ich wisse ja nicht, ob ich nächstes Jahr noch leben würde, aber ich würde, wenn, dann gerne dies und das tun. Da war er sehr empört und meinte: Warum sollst Du denn nicht mehr leben? Und ich fragte: Was weiß denn ich, wann ich dran bin? (Seit dem Tod meiner Eltern habe ich einen anderen Bezug zum Tod). Die Frage nach dem „Was bleibt?“ ist eine häufige, die nicht nur im Zusammenhang mit dem Tod, sondern auch mit dem Absterben von Bindung sich auftut. Vielleicht, weil wir gern möchten, dass etwas bleibt. Auch von uns. Vielleicht brauchen wir den Gedanken, dass etwas Sinn hatte, wir Sinn hatten, gemacht haben, dass wir nicht nutzlos waren. Ob und dass wir geliebt wurden. Was werden Menschen über mich sagen? Über Begegnungen mit mir, wenn ich nicht mehr bin? Ich werde es nie erfahren. Vielleicht sollte man anfangen, Lobreden oder Dankesreden oder auch Wutreden zu schreiben über Menschen. Damit sie es zu Lebzeiten erfahren. Dass sie geliebt sind. Dass sie geachtet und geschätzt sind. Ich mag den Gedanken. In kleiner Form, denke ich, mache ich es. Indem ich lobe, anerkenne, schätze, liebe. Wertschätzung ausdrücke. Kürzlich erzählte mir jemand, dessen Mutter im Sterben liegt, er habe einen Brief an sie geschrieben, den er ihr vorlesen wollte am gleichen Abend. Und in diesem Brief, hatte er das ganze gemeinsame Leben rückblickend aufgeschrieben. Dank, Wertschätzung, Freud und Leid. Er bedankte sich bei Ihr. Ich fand das sehr rührend und liebevoll. Und vielleicht sollten das mehr Menschen tun, mich eingeschlossen. Danke sagen, sich mitteilen, solange es noch geht. Danke, dass es Euch gibt.

Die Doku für alle die es interessiert:

Heimat.

Wenn man in sich selbst ein Zuhause hat, kann man nicht verloren gehen.

 

© mp

Zell.teilung.

Manchmal weiß man nicht, wo man anfangen soll. Heute ist solch ein Tag. Ich fühle mich merkwürdig. Alles geht durcheinander, innen drin, im Kopf, im Bauch. Die gestrige Selbstmordankündigung eines Bloggers hier bei wordpress. Pascal. Und wie es aufwühlt und erinnert. Auf einer bestimmten Ebene sind wir alle miteinander verbunden und doch kann man sich so endlos allein und verloren fühlen. Der Hilferuf eines anderen, der an das eigene Rufen erinnert, was auch immer es ist, wonach jemand ruft. Nicht immer ist es zu hören, manches Rufen geht nur nach innen, weil es keine Worte hat oder etwas anderes fehlt. Alles durcheinander. Ich fühle mich leer, als wären mir alle Worte ausgegangen und doch denke ich und doch schreibe ich. Ich habe heute zufällig in einem Nebensatz erfahren, dass meine Stiefmutter verstorben ist. Ich weiß nichts. Nichts über die Umstände und den Zeitpunkt, nur das. Tränen. Ich mochte sie gern. Gestern jemandes Hand gegriffen, heute jemanden verloren. Versuche der Annäherung. Immerzu. Überall. Reden. Schweigen. Flüstern. Schreien. Lachen. Verletzendes und Verbindendes. Gespräche und der Versuch einander verständlich zu machen, zu sagen, zu zeigen, dass man sich mag, dass man versteht, dass man sich verzeiht und verziehen hat und doch nicht wieder so zusammen finden, wie es mal war. Ich weine. Es sitzt mir alles in den Knochen. Nachtschichten. Verluste. Scheitern. Menschen, die nicht berührbar sind, die Steine in sich züchten, Unversöhnlichkeit und Häme. Missverständnisse und Gespräche, die nicht geführt werden oder wurden. Das Unabgeschlossene, das einen eigenen Schlüssel braucht um irgendwo gelassen zu werden, um es irgendwo zur Ruhe kommen zu lassen und doch immer das Aufbrechen dessen, was nicht greifbar ist und nicht begriffen werden konnte. Lose Enden, lose Worte und Gedanken, die sich in Wunden legen. Es ist niemand mehr da. Meine Eltern sind tot, auch mein Stiefvater, meine Stiefmutter. Ich habe Geschwister. Die leben. Ich kann heute niemanden anrufen. Es ist eine seltsame Leere in mir an diesem Tag und doch sind da viele Gedanken und Gefühle. Manchmal kann ich es einfach nicht fassen, alles das, was da ist, die Fülle, die Leere, es ist eine Gnade, wenn die Worte kommen, ich sie greifen kann um zu begreifen. Es gibt so viele Überschneidungen, Überlappungen mit anderen, auch mit denen, die man nicht kennt. Hier ein Verstehen, da ein Unverständnis, ein Wunder(n). Dort ein geteilter Schmerz, geteilte Gedanken und Freude. Man begegnet sich, man tauscht sich aus, man geht aneinander vorbei, man teilt sich (mit) und etwas vom anderen bleibt in uns und etwas von uns verbleibt im anderen. Zellteilung. Verbindung aufnehmen. Morsen. Zeit mit etwas verbringen. Zeit miteinander verbringen. Zeitteilung. Ich weiß nicht, wohin dieser Text will und das entspricht meiner heutigen Verfassung, wie alles das, was ist und geschieht im Leben etwas anderem, Größerem entspricht. Gestern sagte ich, dass die Dinge sacken müssen, dass wir ihnen Zeit geben müssen, sie sacken zu lassen. Ich lasse sie sacken, hole sie hervor und sehe sie an. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Ein Spaziergang wird mir gut tun. Draußen scheint die Sonne und im Fernsehen weint ein Baby. Ein französischer Film mit einer eigenwilligen, sympathischen Hauptfigur. Liebenswert. Alles hat mit allem zu tun. Aus allem kann man etwas lernen. Manchmal braucht es einen Tag oder zwei. Manchmal dauert es Jahre. Manches lernt man nie. Manchmal muss man über alles lachen. Auch über sich selbst. Gestern hatte ich vor, einen Teil einer (versprochenen) Geschichte über einen Hund zu veröffentlichen und dann kam alles anders. Wie im richtigen Leben. Manchmal wird man fertig, manchmal nicht. So ist es hier und überall. In meinem Leben, in dem der Marktfrau, des Handwerkers und wem auch immer – wir begegnen Leben und wir sind Leben. Dieses Posting will nirgends hin. Nur ins Blog. Dahin lasse ich es jetzt frei. Alles andere dann später. Sofern die Worte wollen.

© mp

Ver.bindung.

Es gibt Menschen, mit denen fühlt man sich verbunden, obwohl man sie nicht kennt. Weil sie in der Lage sind, etwas auszudrücken, was einen selbst betrifft, was man SO aber nie hätte formulieren können. Sie haben Worte für die Stellen, die leise geworden sind, für die Stellen, die immer wieder aufbrechen, die nicht heilen wollen, die immer noch wund sind, wo immer noch Fragen sind oder schmerzhafte Antworten. Manchmal ist die Tatsache, dass es jemanden gibt, der ähnlich fühlt, empfunden und erfahren hat, schon eine Tröstliche. Einfach zu wissen: Damit bin ich nicht allein. Manchmal ist man selbst dieser Mensch für einen anderen. Manchmal ist es ein anderer für einen selbst. Manche nur kurz, im Vorbeigehen, andere wiederholt. Sie sind überall, diese Menschen, das ist das Schöne. Sensibel bis in die Worte und darüber hinaus. Seelennah und warm.

© mp

 

Aufmerksamkeit. Achtung. Respekt.

i.think.of.you.

DAS.

Manchmal ist es schon verwirrend. Es, Mensch. Hier ist ein Mensch, öffne die Tür. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Horch was kommt von draußen rein, Hollahi, Hollaho. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz. Fahrn, fahrn, fahrn, auf der Autobahn. I feel looking for freedom. Freedom is just another word for nothing left to lose. We carry in our heart the true Country, and that cannot be stolen. So könnt ich stundenlang weiter machen. Sich selbst auf die Spur kommen. Fragen beantworten, Fragen stellen, setzen, legen. Sich ergeben, sich erzürnen, sich ermuntern, sich wundern. Im Miteinander mit anderen, sich selbst er-fahren. Sich selbst erkennen. Sich selbst benennen. Wie heißt du? Was ist dir wichtig? Magst du Ziegenkäse? Oder andere Belanglosigkeiten. Manchmal wirkt es, als wirkten alle. Als wirkten alle etwas verstört. Verstört? Ach so. Ach so, was hattest du gemeint mit? Was hattest du gemein mit? Mir? Wir kennen uns nun schon so lange, findest du nicht, dass es an der Zeit ist, …? Ja, es ist Zeit, es wird Zeit, dass wir … Die Sätze mal zu Ende sprechen, vor denen wir uns am meisten fürchten. Fürchte dich nicht! Doch, fürchte dich. Ich flüchte! Hilfe. Ich sehe einen Menschen gehen. Hey, wo gehen Sie denn hin? Ich bin auf dem Weg in mein eigenes Unglück. One way oder return? Welchen Unterschied macht das schon? Einen gewaltigen. Einen gewaltigen Krach hat es gegeben. Wann denn? Als ich mir zuhörte. War es so schlimm? Es war schlimmer, als ich gedacht habe. Was war denn so schlimm? Dass ich gesagt habe, ich sei glücklich. Danach habe ich mir kein Wort mehr geglaubt. Sind Sie Komiker? Nein, nicht Komiker, aber was ähnliches. Was denn? Mensch. Mensch, da sagen Sie aber was! Ja, ich sage was und Sie sagen nichts. Nichts sage ich, nichts, gar nichts. Ich bin still, wie ein automatischer Bankeinzug. Was kann denn die arme Bank dafür? Sie hat mir im Weg gestanden. Da habe ich die Säge ausgepackt. Es kommt der Tag, da will die Säge sägen. Alles durchgesägt. Bedeutungen, Bindungen, ein ganzes Stück Leben abgeschnitten und es meistbietend angeboten. Wollte keiner haben. Hatten alle noch selbst genug. Sie machen wohl Witze? Ja, dauernd. Damit ich nicht weinen muss. Sie sind aber sehr durcheinander heute, kann das sein? Ich war noch nie so klar im Kopf. Also gut, wenn Sie so klar sind, dann haben Sie sicher viele Antworten. Ja, viele Antworten, ganz viele. Wollen Sie was wissen? Ja. Okay, dann schießen Sie mal …, nein, schießen Sie nicht. Fragen Sie. Haben Sie Fragen? Und wie ich Fragen habe! Dann los. Fragen Sie nur. Erklären Sie mir das doch mal. Was denn? Na, DAS. Was das? DAS! Ein wenig müssen Sie mir schon helfen … Dauernd will jemand, dass man hilft. Und wenn man dann einen Finger krumm macht, dann sagen Sie: Der Finger ist aber krumm. Also, DAS. Ach so, DAS. Jetzt weiß ich, was Sie meinen. Wirklich? Nein, aber ich erzähle Ihnen mal was. Gerne. Also DAS, das stimmt wirklich. Wirklich? Ja, es stimmt wirklich. Was jetzt? Na, DAS. Dann ist es also wahr? Ja. Das ist ja toll. Ja. Dann stimmt es also nicht, dass alles Lüge ist? Nein. Beruhigend. Es sei denn, … Ja? Es sei denn, auch das ist eine Lüge. Damit würde alles in sich zusammen stürzen, die komplette Diskussion. Nun ja, es war ja keine richtige Diskussion. Es war ja vielmehr ein …, ein …. Vortrag? Ja, genau. Es war ein Vortrag. Jetzt bin ich genau so schlau wie vorher. So ist es meistens. Außer, dass es sich anders anfühlt. Aber das ist nur ein Gefühl. Ach so, sie meinen ein Gefühl … Ja, ich meine, ein Gefühl ist ein Gefühl. Jetzt wird mir einiges klar. Und mir erst. Das ist das Gute an Feiertagen. Man kann mal so richtig in Ruhe nachdenken und über alles reden. Ja, das stimmt. Auch über DAS. Genau. Besonders über DAS. Beruhigend. Ja, die Unruhe bleibt. Ja. Zum Glück. Ja, zum Glück bleibt die Unruhe.

 

© mp