ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Gefühle

wechsel

der frische morgen
und die luft
die schon nach herbst riecht
die sonnenstrahlen
künden noch vom sommer
doch die zeit des wechsels ist da
das eine endet
das andere beginnt
die natur gleitet
in die nächste jahreszeit

© mp

vom fehlen

ich liege wach
schreibe
gedicht an gedicht
& immer kommst du
darin vor
gewiss
ein gedicht kann nicht
du sein
doch wenn ich
über dich schreibe
ist es
als wäre etwas
von dir
hier bei mir

© mp

vom klopfen

du hast so oft
an mein herz geklopft
jetzt bekomme ich
jedes mal
wenn ich dich sehe
herzklopfen

© mp

spuren

mir fehlen meine gedichte
auch meine prosa
der schwung und die leichtigkeit
mit der ich sie schrieb
mir fehlt ein stück meiner phantasie
und meiner tiefe
mir fehlt der teil
den ich durch dich verloren habe
und nicht mehr wieder finde
ein teil meines wesens
wie ausgelöscht
auch wenn längst neues
gewachsen ist
ich trauere immer noch
um das verlorene
ich fehle mir
auf ganz bestimmte weise

© mp

natur

frühling
flatterndes flüstern
in vogelsausen hausen
vögel auf bäumen zwitschern
tschirpend

 

© mp

musik

musik
bist du
alles an dir
bewegt mich – die leidenschaft
tanzt

© mp

Durch_drungen

Ich spüre, wie ich innerlich leichter werde, sich Freude, Leichtigkeit und Erleichterung in mir wieder ausbreiten und wachsen. Immer wieder atme ich tief durch und fühle, wie nach und nach etwas von mir abfällt, wie ich loslasse und frische Energie freigesetzt wird. Ein Gefühl von Befreiung. Wunderbar.

(Tagebuchnotizen, 27.05.2019)

Von der Sprache

Sprache sind nicht einfach nur Worte. Sprache ist Ausdruck, ist Mitteilen, ist Teilen. In den letzten Monaten ist mir die Sprache irgendwie abhanden gekommen. Nicht, dass ich das Schreiben oder Sprechen verlernt hätte, doch ich habe etwas verloren. Nicht die Worte waren es, es war eine Fähigkeit. Konnte nicht sagen, was ich meinte, trotz zahlreicher Versuche. Versuchte immer wieder, immer wieder, doch es war, als verberge sich die Sprache vor mir und dem, was ich mitzuteilen versuchte. Ich geriet in Schwierigkeiten, in innere Not. Aus der Vergangenheit wusste ich, dass ich mich nicht zwingen, nicht drängen darf, also ließ ich los, ruhte aus. Und versuchte wieder und wieder. Und scheiterte, wieder und wieder. Es wurde mir manches klar auch in diesem Scheitern. Obgleich manches klar war, fanden die Worte und das Unausgesprochene nicht zueinander. Ein Dilemma. Ein schmerzhaftes Dilemma, das ich nur kleinschrittig lösen konnte. Vielleicht ist manchmal Stillsein die Beste aller möglichen Antworten. Manches muss sich vielleicht erst Setzen, wie aufgewirbelter Sand auf dem Meeresgrund. Das Zeichnen hat im Moment das Schreiben eingeholt. Nun sitze ich bei geöffnetem Fenster und sehe draußen die Sonne. Vögel, die durch die Frühlingsluft fliegen. Den blauen Himmel. Keine Wolken. Alles strahlt, alles ist hell, ich will zuversichtlich sein. Die Worte und ich, wir werden wieder zueinander finden. Irgendwann wird sich die Türe wieder öffnen, auch zu den Bereichen, die sich noch nicht mit Worten verbinden können. Die verwundeten Stellen. Ich weiß, dass Worte Ungutes bewirken können, wie auch Gutes. Auch, dass das Schweigen Ungutes bewirken kann, wie auch Gutes. Es braucht alles Zeit. Zeit zum Reifen, Zeit zum Wachsen, Zeit zu verstehen, zu erkennen und das Erkannte umzusetzen. Ich will geduldig sein und hoffe, dass andere geduldig mit mir sind, die mein Schweigen, wie auch mein Sprechen berührt und bewegt. Auch diese Seite kenne ich, dem Schweigen ausgesetzt sein. Manchmal habe ich es persönlich genommen, war es manchmal vielleicht auch. Inzwischen weiß ich, dass aber auch der andere leidet, wenn er bewegt ist und sich nicht mitteilen kann.

© mp

gezeiten

an den ufern
der hoffnung
plaudern ängste
& zweifel
mit der zuversicht
& neugierde
ich sitze dazwischen
sehe in die ferne
& denke
an dich

© mp

aufgewühlt

der schräg eingeparkte wagen
von dir
aus dem ein fremder mann
in leuchtender uniform steigt
du liegst
in dem wagen mit dem blaulicht
jemand hat bei mir geklingelt
ich springe
in meine schuhe renne hinunter
zum notarztwagen doch
ich darf kein wort
mit dir sprechen
ich bin nicht familie
sondern freundin
meine angst schüttelt mich
und meine gedanken durcheinander
ich vergesse zu fragen
wohin sie dich fahren
die tränen fließen
ich muss abwarten
und hoffe es wird wieder gut

© mp

let it flow

ich konnte nach dem zeichnen zwischen vier und sechs uhr heute morgen nicht mehr schlafen, habe mich aber noch etwas ausgeruht, geschlummert, bis gerade eben. und mir die freude bereitet aufzustehen bevor der wecker klingelt. die eine arbeit wartet, die andere ist getan. ich habe vier zeichnungen angefertigt, (fineliner und bleistift), habe eine angefangene vom montag fertig gestellt, mich danach drei mal an einem portrait eines schriftstellers versucht, das noch zu wenig ähnlichkeit mit dem original hat, mir dennoch gefällt. ich werde es weiter versuchen, aber nicht jetzt. jetzt wartet die andere arbeit, für die ich bezahlt werde. ich höre seit heute morgen kurz nach vier uhr schon ry x – ich könnte durchdrehen vor freude. was für ein sänger! diese musik berührt mich so sehr. tschicketschicketschicketschicke, herrlich! for so long, for so long, for so long. das malen hat etwas mit mir gemacht. alles hat etwas mit mir gemacht. ich habe mit allem etwas gemacht, aus allem etwas gemacht. ich bin glücklich. ich fühle mich erfüllt und glücklich. die lebensenergie fließt durch mich, ich kann es fühlen, es ist so stark, meine kraft ist wieder da, ich möchte dauernd juchzen und tanzen, sitze grinsend am schreibtisch, male mit den fingern, zeichne mit dem bleistift, mit dem fineliner, mit acrylfarbe, singe und tanze. mein letztes bild macht mich glücklich! es ist so schön geworden, ich kann es kaum glauben, was ich da geschaffen habe. jeden morgen, wenn ich die augen öffne und der blick auf das bild fällt, 90 cm x 90 cm ist es groß, spüre ich meine kraft und energie, ich bin so glücklich und möchte die ganze welt umarmen. for so long, for so long. wooooooooow, diese musik, diese musik ist so unfassbar schön. tschicketschicketschicketschicke. und jetzt mache ich mir und den katzen frühstück. und danach werde ich das musikstück bloggen. das müssen einfach alle hören und sich mitfreuen und mitsingen und tanzen! waaaaaaah, ich sprühe vor freude!

tagebuchnotizen, 21.11.2018

© mp

Regenseufzer, sinnlich

Ich kann gerade nicht weiter lesen und muss davon erzählen, noch ein wenig versunken darin und ganz erfüllt davon. Der Leser möge mir meine schwelgenden Ausführungen verzeihen und selbst den norwegischen Schriftsteller lesen.
Bergeners, das sind die Bewohner von Bergen, der regenreichsten Stadt Europas, es ist die Heimat-Stadt von Tomas Espedal. In der gleichnamigen Erzählung beschreibt er, nach kurzer Skizzierung des rauchenden Protagonisten, den Regen, in den sich die Hauptfigur begibt, den kommenden, fallenden Regen.
Wenn Tomas Espedal etwas beschreibt, ist es nicht einfach eine Beschreibung, es ist eine sinnliche Erfahrung. Ich lese die Worte, sehe und spüre das Fallen der Tropfen, spüre, wie der Regen in der Luft tanzt, wie die Tropfen in langen, weich gezogenen Linien ästhetisch vom Himmel fallen, sie stürzen nicht, sie fallen und verbinden sich mit anderen Tropfen, werden zu Blumen, tanzen in der Luft, werden hierhin, dorthin getragen vom Wind, der luftigen Begleitung des Wassertanzes.
Ich staune, lese, betrachte und genieße den Regen, seinen Regen, spüre ihn auf meiner Haut, der Regen fällt und ich lese jeden einzelnen Tropfen, das stimmt nicht, ich lese nicht, ich spüre, ich bin im Regen, werde zum Regen, ich bin die Erde, lasse die Tropfen auf mich fallen, werde eins mit den sinnlichen Beschreibungen.
Ich folge dem Schriftsteller, stehe neben ihm, höre ihn atmen und sprechen durch seine Worte und sein Schweigen. Ich bin der Wind, er ist der Regenschauer, der in mich schreibt, seine Worte beginnen mit meinen zu tanzen. Hier bin ich, hier will ich sein, ich genieße es, ich stehe im Regen und will gerade nirgends anders sein, als im Regen von Tomas Espedal. Ich bin erfüllt, inspiriert und beginne den Regen wie Sternenstaub in mir zu sammeln. Lesen in Selbstvergessenheit, abtauchen, ein Bad in der Sprache eines anderen nehmen, ein Zwiegespräch mit einem Schriftsteller halten, das ist das Lesen von Tomas Espedal für mich. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen. Es ist jedes Mal eine neue, bereichernde und inspirierende Erfahrung.

© mp

Tagwerk

„Wenn man glücklich ist, so gibt es noch viel zu tun: Das Trösten der anderen.“

(Jules Renard)

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herbstbellen

vor dem fenster geht ein hund, der mit seinem herrchen spazieren geht: herrlich, geht die kunde, mit dem hund im herbst für eine stunde eine runde lässig durch die gassi gassi gehen lassen. glück erfassen: menschen sehen, durch die herbstluft gehen. aus dem fenster spähen, auf zehenspitzen stehen. meine eine katze kratzt sich am kratzbaum, die andere liegt schlummernd auf dem sofa. neben dem napf katzencracker, leckerschmecker. ich höre tendenziell die musik von tender im moment. moment! miaut die kleine katze, obgleich ich ihr frühstück längst serviert habe; ich verstehe – es fehlt noch etwas zum glück – das kraulen! kaum kraule ich sie, folgt das schnurrige geräusch, es schnurrt sich kopfüber in die musik und in mich hinein, da springt die katze vom boden hoch, direkt aus der hocke hoch auf den schreibtisch und legt sich kopfüber auf die tischplatte. hold on a minute, singt tender und ich kraule die schreibtischkatze. die katze streckt ihre tatzen in die luft, ich tippe in die tasten, taste mich in den tag, die worte tönen: einkaufen aufm markt. lebensmittel fürs mittagessen nicht vergessen: ich will noch mal malen. ich male mir aus, wie ich später male. wird schön sein wenn ich male, male ich erstmal aufs papier – diesmal mit worten. die vorfreude freut sich wortreich auf den farbenfroh gefärbten vormittag, mittag, nachmittag, abend. erquickend und labend, nein, nicht verausgabend. freude spricht durch die sprache der farben, freut sich die sprache: farben lachen funkelndfroh! die farben geben eine vorstellung, die vorfreude der farben färbt sich vielfach farbenfroh. inneres farbenexplodieren und applaudieren. draußen hupt hauptsächlich ein auto die hauptstraße entlang. automatisch fenster schließen, blumen gießen. worte sprießen, worte und farben fließen aus freude und phantasie aufs papier. bilder genießen, gießen in gedichte und prosa, behände malen die hände auf leinwände. worte und buchstaben haben eigne farben, laben sich an meiner phantasie, ich schreibe wie sie mich durchwandern, mich erkunden, ich sie, für stunden, wieder ein neues wort gefunden, in den text eingebunden. ab mittag malen für stunden. phantasie und wort-und farbenwelt auf der leinwand erkunden.

© mp

(tagebuchnotizen, ende oktober 2018)

Jahresausklang

Hallo meine Lieben, 2016 liegt in den letzten Zügen, ein turbulentes und aufwühlendes Jahr geht zu Ende. Wie war Euer Jahr? Meines war ein Schweres, mit viel Traurigkeit, Verlusten und Abschieden, Kummer und Tränen, auch mit viel Freude, Musik und Büchern, mit vielen Erkenntnissen, auch Schocks, Fehlern und Einsicht. Ich bin immer noch dabei, mich auseinander und wieder zusammen zu setzen, im Stillen und in Abgeschiedenheit, weshalb es auf meinem Blog ruhiger war und ist als sonst. Ich hatte häufig keine Worte, insofern war das Nicht-schreiben eine zwangsläufige Konsequenz, manchmal sind Rückzug und Ruhe einfach notwendig. Ich haderte mit vielem, auch mit mir selbst, auch mit dem Schreiben. Manches habe ich verstanden und gelernt, anderes noch nicht. Inzwischen ist etwas Ruhe eingekehrt, ich lerne seit ein paar Monaten ein neues Instrument, die Bauarbeiten am Haus sind zu Ende, ich bin nach wie vor Nichtraucherin und will es auch bleiben, ich habe meine Zuversicht wieder gefunden, die Worte sind mir manchmal wieder zugetan, so ganz will es aber noch nicht. Es braucht noch Zeit und Geduld. So ist es mit allem. Ich freue mich, dass Ihr mir trotz der zeitweisen Funkstille erhalten bliebt und viele neue Follower/innen hinzu kamen. Danke dafür.
Ich wünsche Euch allen einen guten Jahreswechsel, einen schönen Ausklang eines aufrüttelnden Jahres, wie auch immer Ihr den Übergang gestalten mögt, macht es so, dass es Euch gut und wohl ist. Lasst es Euch gut gehen! Kommt gut rein ins neue Jahr. Ich wünsche Euch das Beste. Liebe Grüße, Eure Wolkenbeobachterin