ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: Januar, 2021

in schweren zeiten

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

ist ein leicht dahin gesagtes
wort vielleicht
eine erleichterung
oder muss es schwer
gewichtig sein
damit es leichter wird

ist es vielleicht leichter
kein wort zu verlieren
und nur anzunehmen
und nur zuzuhören
was der andere sagt

wie leicht ist es
etwas schweres zu hören
und wie schwer ist es
etwas zu sagen
das sagt sich so leicht
das sagt sich nicht leicht

wie leicht muss ein wort sein
wenn alles schwierig erscheint
muss es leicht sein
um zu erleichtern
darf es auch schwer sein
oder beschwert es dann
noch mehr

© mp

ooo

puzzled

© mp

…….

was hast du, was ich nicht habe?

letztes wochenende habe ich gearbeitet. samstagabend habe ich mein auto abgestellt, doch die parkplätze sind gerade dünn gesät, weil viele dauernd zuhause sind, wegen homeoffice oder einfach, weil wochenende ist und man sowieso nirgends anders sein kann oder darf. ich parkte mein auto in eine ziemlich schmale lücke, konnte aussteigen, doch der abstand zum auto neben mir war recht klein. ich ging erst mal nach hause, ich beschloss, mein auto später umzuparken und ging kurz heim. dort aß ich etwas, zog mich wieder an und ging raus. am ende der straße fand ich einen freien platz, parkte ein und ging wieder nach hause. am dienstag musste ich wieder arbeiten und ging zum auto. ich startete und das auto war unfassbar laut. ich dachte: ohje, klingt, als hätte sich eine schelle vom auspuff gelöst. oder soll gar der ganze auspuff weg sein? ich stieg aus, das auspuffrohr war sichtbar außen, mehr konnte ich nicht erkennen. ich stieg ins auto und beschloss auf dem weg zur arbeit bei meiner autowerkstatt vorbei zu fahren, was ich auch tat. von dort wollte ich ein taxi rufen, doch es ließ sich keines erreichen. einer der mitarbeiter fuhr mich zur arbeit, das auto ließ ich in der werkstatt. später bekam ich einen anruf. es hatte sich keine schelle gelöst, es war auch kein bruch im auspuffrohr, was ich außerdem vermutet hatte. etwas anderes hatte sich zugetragen: diebe hatten den katalysator vom auto vorne und hinten herausgetrennt und gestohlen. ja, ich war auch geschockt. ein schaden um 400 euro. und viele fragen um das thema, von dem ich zuvor nichts gehört hatte. ich recherchierte etwas und es stellte sich heraus, dass das innenleben des katalysators für die diebe „das interessante“ ist, da es sich zu geld machen lässt. ich dachte, wie kann das sein? mein auto steht an der straße und jemand kriecht da runter oder wie? bei yout. fand ich ein video dazu. weniger als 30 sekunden werden dafür gebraucht. das finde ich leider nicht wieder, aber dafür ein anderes schaut selbst:

um die frage im titel zu beantworten, was hast du, was ich nicht habe? den katalysator von meinem auto. das ist übrigens 20 jahre alt. ob die versicherung etwas von der schadenssumme übernimmt, weiß ich noch nicht. es gibt also noch andere themen als nur corona, corona, corona. die kriminalität in berlin lässt sich von viren nicht aufhalten. nicht das autofahren ist teuer, sondern das auto stehen lassen.

© mp

pandemie ist dicht am wort panik

so sagte ein professor, hier in der arte-doku als es schon einmal um eine pandemie ging. der damalige blick darauf war so:

refu

verquer

überall sitzt mir das virus
im kopf in meiner sprache
im radio in den geschäften
auf der straße tag und nacht
maskiert überall zahlen
es ist zum verzweifeln
ich kann kein gedicht schreiben
nicht darüber und nicht darunter
nicht hier und jetzt und überhaupt
ich kann nicht
die worte kämpfen miteinander
ich kann nicht nur das eine
sagen will doch soll doch ganz
und alles ach
ich kann nicht
ich kann überhaupt nichts sagen
ich kann überhaupt nichts schreiben
die worte rasen durch mich
ich schreie
ich kann überhaupt nichts tun
nicht mal ein gedicht kann ich schreiben

© mp

was siehst du?

© mp

eben habe ich drei interviews mit künstlerinnen gelesen*, die erzählten, wie wichtig die kunst ist. das hat mich bestätigt in meinem erleben und empfinden, auch dass ich es weiterhin vermisse, in ausstellungen gehen zu können und/oder auch andere formen und darbietungen von kunst und kreativem sehr vermisse. und ich dachte: also poste ich mal wieder ein kunstwerk von mir.
eigentlich wollte ich, passend zum „es schneit“-beitrag ein bild fliegender snowflakes posten, doch es vermittelte sich einfach nicht über das foto – die farben kamen nicht richtig durch, eine detailaufnahme half auch nicht, um einen gesamteindruck davon zu bekommen.
also habe ich nun ein anderes bild fotografiert, eines, das ich zum jahresende hin fertiggestellt habe. das sieht fotografiert auch so aus, wie ich es sehe.
anfangs war ich nicht sicher, ob ich es mag, das bild. es ist nämlich so, dass ein ständiger „austausch“ stattfindet, zwischen dem bild und mir, während ich es erschaffe. und diese „kommunikation“ und mein empfinden entscheiden dann auch über weitere farben, gestaltung, auch, ob ein bild fertig ist oder nicht. das kann andauern und sich zwischendurch durchaus ändern. manchmal übermale ich alles noch mal, fange noch mal neu an oder ich ergänze hier und dort etwas, bis dieser moment kommt, in dem etwas in mir sagt: jetzt ist es (erstmal) gut und fertig. bei diesem bild war ich mir bei beidem nicht sicher. doch nach einigen tagen der betrachtung gefällt es mir doch so, wie es ist und es darf auch erstmal so bleiben. es fällt mir hierfür ausnahmsweise schwer, einen titel zu finden. ich nehme vorschläge und spontane eingebungen gern entgegen. vielleicht ist was dabei, was sich auch für mich stimmig anfühlt. falls nicht, auch gut. mit der zeit wird mir schon ein titel dazu einfallen. oder ich belasse es einfach bei diesem.

© mp

*link zu den interviews:
https://literaturoutdoors.com

es schneit

es ist der dritte januar 2021, schnee fällt, er kommt erst heute, die wunsch-briefe an das schneeamt sind zu spät eingetroffen wegen corona, erst heute kann der himmel antworten: für jeden guten wunsch eine schneeflocke;
es schneit, heute, am dritten januar; es ist noch früh, es ist noch dunkel, in den häusern ist es noch ruhig; germurmelte sätze, erst mal aufwachen, frühstück machen, der kaffeeduft legt sich auf die bilder vor dem fenster; spaziergänger, warumummützt, eingepackt, schritte im schnee, rennende, fröhliche, aufgeweckte kinder; auch die hunde können ihre freude nicht verbergen;
es schneit, das laufende, kontinuierlich fallende weiß, das sich auf die erde schreibt; die zum himmel geschickten guten wünsche: wir haben die wünsche gehört, wir haben sie empfangen! von irgendwo klingt glockengeläut, locker flockig fällt die frohe botschaft, sie schreibt sich auf den boden, leise; das flüstern des himmels; zeit der ruhe, der kontemplation, es ist winter, es schneit;
schnee, der fällt, schnee, so weiß, so schön, die ruhe, die auf die stadt fällt, alles ist verhüllt mit flockigem weiß, die bäume, entspannt unter weißgrauem himmel, mit ausgebreiteten ästen, das jahr ist frisch und neu, der himmel schickt uns hoffnungsfrohes weiß, die welt, wie ein heft im neuen jahr, das darauf wartet mit gutem und schönem beschrieben zu werden.

© mp