ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: Januar, 2021

pandemie ist dicht am wort panik

so sagte ein professor, hier in der arte-doku als es schon einmal um eine pandemie ging. der damalige blick darauf war so:

refu

verquer

überall sitzt mir das virus
im kopf in meiner sprache
im radio in den geschäften
auf der straße tag und nacht
maskiert überall zahlen
es ist zum verzweifeln
ich kann kein gedicht schreiben
nicht darüber und nicht darunter
nicht hier und jetzt und überhaupt
ich kann nicht
die worte kämpfen miteinander
ich kann nicht nur das eine
sagen will doch soll doch ganz
und alles ach
ich kann nicht
ich kann überhaupt nichts sagen
ich kann überhaupt nichts schreiben
die worte rasen durch mich
ich schreie
ich kann überhaupt nichts tun
nicht mal ein gedicht kann ich schreiben

© mp

was siehst du?

© mp

eben habe ich drei interviews mit künstlerinnen gelesen*, die erzählten, wie wichtig die kunst ist. das hat mich bestätigt in meinem erleben und empfinden, auch dass ich es weiterhin vermisse, in ausstellungen gehen zu können und/oder auch andere formen und darbietungen von kunst und kreativem sehr vermisse. und ich dachte: also poste ich mal wieder ein kunstwerk von mir.
eigentlich wollte ich, passend zum „es schneit“-beitrag ein bild fliegender snowflakes posten, doch es vermittelte sich einfach nicht über das foto – die farben kamen nicht richtig durch, eine detailaufnahme half auch nicht, um einen gesamteindruck davon zu bekommen.
also habe ich nun ein anderes bild fotografiert, eines, das ich zum jahresende hin fertiggestellt habe. das sieht fotografiert auch so aus, wie ich es sehe.
anfangs war ich nicht sicher, ob ich es mag, das bild. es ist nämlich so, dass ein ständiger „austausch“ stattfindet, zwischen dem bild und mir, während ich es erschaffe. und diese „kommunikation“ und mein empfinden entscheiden dann auch über weitere farben, gestaltung, auch, ob ein bild fertig ist oder nicht. das kann andauern und sich zwischendurch durchaus ändern. manchmal übermale ich alles noch mal, fange noch mal neu an oder ich ergänze hier und dort etwas, bis dieser moment kommt, in dem etwas in mir sagt: jetzt ist es (erstmal) gut und fertig. bei diesem bild war ich mir bei beidem nicht sicher. doch nach einigen tagen der betrachtung gefällt es mir doch so, wie es ist und es darf auch erstmal so bleiben. es fällt mir hierfür ausnahmsweise schwer, einen titel zu finden. ich nehme vorschläge und spontane eingebungen gern entgegen. vielleicht ist was dabei, was sich auch für mich stimmig anfühlt. falls nicht, auch gut. mit der zeit wird mir schon ein titel dazu einfallen. oder ich belasse es einfach bei diesem.

© mp

*link zu den interviews:
https://literaturoutdoors.com

es schneit

es ist der dritte januar 2021, schnee fällt, er kommt erst heute, die wunsch-briefe an das schneeamt sind zu spät eingetroffen wegen corona, erst heute kann der himmel antworten: für jeden guten wunsch eine schneeflocke;
es schneit, heute, am dritten januar; es ist noch früh, es ist noch dunkel, in den häusern ist es noch ruhig; germurmelte sätze, erst mal aufwachen, frühstück machen, der kaffeeduft legt sich auf die bilder vor dem fenster; spaziergänger, warumummützt, eingepackt, schritte im schnee, rennende, fröhliche, aufgeweckte kinder; auch die hunde können ihre freude nicht verbergen;
es schneit, das laufende, kontinuierlich fallende weiß, das sich auf die erde schreibt; die zum himmel geschickten guten wünsche: wir haben die wünsche gehört, wir haben sie empfangen! von irgendwo klingt glockengeläut, locker flockig fällt die frohe botschaft, sie schreibt sich auf den boden, leise; das flüstern des himmels; zeit der ruhe, der kontemplation, es ist winter, es schneit;
schnee, der fällt, schnee, so weiß, so schön, die ruhe, die auf die stadt fällt, alles ist verhüllt mit flockigem weiß, die bäume, entspannt unter weißgrauem himmel, mit ausgebreiteten ästen, das jahr ist frisch und neu, der himmel schickt uns hoffnungsfrohes weiß, die welt, wie ein heft im neuen jahr, das darauf wartet mit gutem und schönem beschrieben zu werden.

© mp