ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Kategorie: Absurdes

Die magische Tür

Da war einer
der sagte:
Ich gehe durch diese Tür.

Er ging
und war wieder da.

Jetzt bin ich weg,
sagte er,
ging
und war wieder da.

Es reicht!,
sagte er.

Er ging
und war wieder da.

© mp

 

(2010)

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Auf dem Hügel über der Stadt

Wie ist das möglich, dass sich die Stadt so verändert hat, während ich immer gleich geblieben bin?
Der Baum sah an sich herunter und seufzte. Dann blickte er in die Ferne, sah auf die Stadt die vom Hügel aus so gut zu erkennen war. Rundherum wuchsen Häuser aus dem Boden, immer mehr, umgeben von unzähligen Straßen, auf denen viele Autos fuhren. Die Bäume, die vorher dort waren, mussten alle weichen.

Alles wächst. Und ich? sagte der Baum zu sich. Die Blätter raschelten.
Und ich? hörte er.
Wer hat das gesagt? fragte der Baum.
Wer wars? antwortete eine Stimme.
Wo steckst du, zeig dich! sagte der Baum.

Da tänzelte ein kleiner Schmetterling durch die Luft. Er kitzelte eines der Blätter des Baumes und flog lachend davon.

Das hat mir gerade noch gefehlt, brummelte der Baum, dass mich ein Schmetterling nachäfft. Dann seufzte er wieder. In dieses Geräusch mischte sich ein anderes.

Kuckuck.
Kuckuck? fragte der Baum.
Kuckuck.

Der Baum konnte keinen Kuckuck sehen, fühlen oder finden.

Kuckuck. Kuckuck. Kuckuck.
Wo zum Kuckuck steckst du? fragte der Baum. Bist du ein Schmetterling?
Kuckuck. Kuckuck. Kuckuck.
Der Baum hob seine Äste an und schüttelte sie. Es klang, als applaudierten die Blätter.
Kuckuck, hörte er wieder.

Der Baum sah nichts. Er lauschte.

Hallo Baum! rief da die Stimme.
Wer, ich? fragte der Baum.
Wer sonst?, fragte die Stimme.
Du kannst doch alles Baum nennen, sagte der Baum, nicht nur Bäume.

Eine lustige Idee,, lachte die Stimme, wenn ich ein Auto Baum nennen würde, oder Blume. Stell doch mal den Baum in die Vase. Oder: Ich setz mich jetzt in die Blume und fahre nach Tapete.

Der Baum hörte ein Kichern.

Zeig dich mal, bat der Baum. Bist du ein Kuckuck?
Nein, sagte die Stimme. Seh ich aus wie ein Kuckuck?

Ich kann dich nicht sehen, sagte der Baum. Geh mal ein paar Schritte, die Blätter hängen so dicht in meinen Ästen, ich kann dich nicht sehen.

Da sah der Baum, dass sich ein Mädchen mit blonden Zöpfen neben die Parkbank stellte, die ihm gegenüber stand.
Ich bin das, rief das Mädchen und wedelte mit den Armen. Rosemarie. Ich bin Rosemarie.

Hallo Rosemarie, sagte der Baum. Schön, dich zu sehen. Was machst du denn hier?
Dich angucken, sagte Rosemarie. Ich mag Bäume so gern. Es gibt kaum noch welche, wo ich wohne.
Danke schön, sagte der Baum, und ich mag Kinder sehr gern. Es kommen nur noch selten welche her, früher war das anders.
Ist wie mit den Bäumen, sagte Rosemarie. Früher war die Straße voller Bäume, Jetzt ist da kein einziger mehr. Nur noch Autos.

Ja, seufzte der Baum. Alles verändert sich, nur ich nicht.
Oh, du dich auch!, sagte das Mädchen.
Ich mich auch?, fragte der Baum überrascht.

Ja. Als ich dich das erste Mal sah, hattest du keine Blätter. Es war Winter, als ich mit dem Schlitten hier war. Da hast du ganz anders ausgesehen und warst doch der Baum, der du bist.

Meinst du?, fragte der Baum.
Ganz sicher, sagte Rosemarie. Jeder verändert sich doch.

In der Stadt sehe ich das, sagte der Baum. Es gibt dort immer mehr Häuser, hohe Häuser und immer mehr Autos. Das ist mir aufgefallen, doch an mir ist mir nicht aufgefallen, dass ich mich verändere.

Dafür bin ich ja da, sagte das Mädchen. Ich hab dich im Winter gesehen, im Frühling und im Sommer und ich werde dich auch im Herbst besuchen. Immer siehst du anders aus, aber immer bist du du. Manchmal lächelst du sogar mit deinen Ästen, manchmal siehst du traurig aus. Aber du bist immer ein wunderschöner Baum.

Und du bist ein wunderschönes Mädchen, sagte der Baum.

Da lächelte Rosemarie und umarmte den Baum. Und als sie später nach Hause ging, drehte sie sich immer wieder um, um dem Baum zu winken.

Bald komm ich wieder!, rief sie.
Da lächelte auch der Baum, winkte mit seinen Ästen und die Blätter applaudierten.

© mp

„biliiiing“

ich saß gerade hinter dem espressokocher und aß eine murmel aus schokolade, da passierte es: die katze kam in die küche und öffnete den kühlschrank. mit einer pfote griff sie den himbeerquark, mit der hinterpfote schubste sie die tür zu, dann ging sie ans regal, nahm eine kleine weiße schüssel und kippte den quark hinein. danach öffnete sie das küchenfenster, schaltete das radio ein und setzte sich an den tisch. genüsslich schlabberte sie den quark aus der schüssel.
ich beschloss, ein erinnerungsfoto zu machen und krabbelte den herd hinunter, rannte über den glatten boden um die ecke, noch einmal, und stand im wohnzimmer.
wo war die kamera? sie lag in der tasche. die katze schmatzte, ich hörte es bis hierher. ich schubste die tasche um und fischte die kamera heraus. dann zog ich sie hinter mir her und brachte mich in position am türrahmen.
immer noch zufrieden schlabberte die katze im schälchen herum. „biliiiing“, machte die kamera, als ich sie einschaltete. das rote lämpchen blinkte und wurde grün.
die kamera war bereit, doch bevor ich durch den sucher den optimalen bildausschnitt finden konnte, sah ich, dass die katze erschrocken am tisch stand, mit einer banane im anschlag.
sie hatte mich beobachtet! ihre kopfhaare standen zu berge oder berghoch oder wie auch immer das heißt. in solch einem moment der hochspannung fallen einem manchmal nicht die passenden vokabeln ein! ich muss die geschichte weiter erzählen!
ich rannte um die nächste ecke, die mir zur verfügung stand. es war eine nussecke, mir war das egal, hauptsache ecke. „kannst rauskommen, ich hab dich gesehen!“, rief die katze.
ich strich mir einmal durchs haar und ging selbstbewusst, mit erhobenem haupt, von einer seite des türrahmens zur anderen. dabei sah ich wie zufällig rechts rüber zur katze, die immer noch die banane auf mich richtete, ich nickte ihr zu, rief „moooooin“, um sie beiläufig zu grüßen und war bald auf der anderen seite des türrahmens angekommen.
da setzte ich mich, mit einem fast unhörbaren seufzer direkt auf den boden, um zu überlegen, wie ich aus dieser gefahrensituation entkommen könnte. da hörte ich ein atmen, direkt neben mir. quasi direkt an meinem ohr. und vernahm ein flüstern: „na, du kleine maus. was spielen wir jetzt?“
aus reflex habe ich meine augen so weit aufgerissen wie möglich. beeindruckt hat das die katze nicht. bevor ich darüber nachdenken konnte an meinem ausdruck zu arbeiten, rannte ich auch schon. wer war in meinem windschatten? die katze!
sofabeine, einmal links rum, dann weiter zum tisch, wieder um die beine, dann zu einem stuhl, dort eine acht gerannt, zum nächsten stuhl, eine sieben gerannt, haha, dann die treppe rauf, ich musste zeit gewinnen. während ich gehetzt rannte und rannte, ging die katze entspannt hinter mir.
die einzige, die außer atem war, war ich. ich glaube, ich hatte hitzeflecken am hals, eventuell auch ausschlag im gesicht, sicher war ich mir nicht. während ich keuchte und die katze mich angrinste, überlegte ich, wohin ich jetzt in sicherheit flüchten könnte.
das bett! ich sprang mit schwung auf die matratze und verkroch mich unter dem bettzeug. die katze lachte. dann schob sie eine pfote unters bettzeug, hob es an und legte mich frei. scheiße, ich zitterte. dann hörte ich: „biliiiing“ und sie drückte auf den auslöser. „ein foto fürs erinnerungsalbum“, sagte sie gelassen und lachte wieder. dann drehte sie sich um und ging zurück in die küche, um ihren quark zu ende zu schlabbern.
sie mochte es genauso wenig wie ich, fotografiert zu werden. nur ihre maßnahmen waren irgendwie drastischer als meine.

© mp

aufgeräumt im kopf

mit einem besen fege ich
meine gedanken durch den kopf
zu den ohren & zum mund heraus
bis alles leergefegt ist und ich
denke: was denke ich eigentlich?
wo sind meine gedanken?
wieso ist es so still in meinem kopf?
was hat die gedanken gemacht?
was hat sie weggemacht?
ist alles leer und leicht?
gut!
der kopf ist frei!
die gedanken sind frei.
jetzt ist wieder platz für neue.

© mp

Das Faltboot in der Küche

Ich wollte mich gerade um mein Frühstück kümmern, da überraschte es mich: Ein Faltboot, in der Küche, genauer gesagt, in meinem Kühlschrank. Es lag im Gemüsefach, zwischen Brokkoli und Radieschen.
Während ich verdattert da stand, gab es plötzlich einen Knall und das Boot entfaltete sich mir entgegen, mit einem heftigen Schlag gegen die Stirn. Da hörte und spürte ich auch schon: Wasser! Nach und nach rauschte zu meinen Füßen das Meer heran. Bereits nach ein paar Minuten stand ich in fünf Zentimetern Wasser, als das Faltboot sprach: „Du kommst hier net rein.“
„Ich will auch gar nicht da rein!“, rief ich, während ich mir mit der linken Hand an die Stirn fasste. Das Wasser schwappte um meine Füße. „Wie, verdammt noch mal, kommst du in meinen Kühlschrank und kannst du bitte das Meer stoppen!?“
Das Faltboot sagte nichts. Es sank in sich zusammen. Oh je, ein sensibles Faltboot in meinem Kühlschrank!, dachte ich, unerfahren in Faltbootpsychologie. Der Wasserpegel stieg auf sieben Zentimeter.
„Hör zu“, sagte ich bestimmt, „du musst das Wasser stoppen! Du bist hier, aus Versehen, in meiner Küche gelandet. Ich brauche hier kein Meer! Ich brauche Brokkoli und ein Pflaster!“ Das Blut tropfte mir von der Stirn.
Das Faltboot blieb still.
„Bist du beleidigt?“, versuchte ich unsere Konversation in Gang zu bringen. Nichts. Wasserpegel inzwischen 9 Zentimeter. Die ganze Wohnung machte Schwappgeräusche, nur das Boot blieb still.
Ich warf einen Blick um die Ecke. Das Wasser stand auf gleicher Höhe in Flur und Wohnzimmer. Ich hörte, wie es im Bad gegen die Fliesen klatschte. Was mach ich denn jetzt?, dachte ich laut.
„Hör zu, wenn du was essen willst,“ begann plötzlich das Faltboot, „ich hab in einer meiner Innentaschen noch ein Sandwich. Irgendwo muss auch ein Campingkocher für Tee sein, kannst du gern benutzen.“ Dann war es wieder still.
Ich lachte laut auf.
„Entschuldige,“ stammelte ich, nachdem ich mich wieder gefangen hatte. „Ich hatte noch nie das Meer in meiner Wohnung oder ein Faltboot im Gemüsefach… und mit Faltbootpsychologie kenne ich mich nicht aus.“
„Macht nichts,“ antwortete das Faltboot, dafür kenne ich mich, sowohl mit Meeres-, als auch mit Menschenpsychologie aus. „Ich kann dir anbieten: Ein herrliches Sandwich mit frischem Gouda, Gurken-und Tomatenscheibchen. Interessiert?“
„Welchen Tee hast du dazu,“ fragte ich, halb im Scherz.
„Welchen trinkst du denn am liebsten?“
„Roibuschtee“, antwortete ich.
„Den hab ich, kein Problem. Soll ich den Tisch für dich decken?“
Das hier war zu absurd, träumte ich? Ich schlug mir mit der flachen Hand an die Stirn. Autsch, das tat weh. Ich hatte Blut an den Fingern. Nein, das hier war real!
„Ja, gerne, deck für mich den Tisch,“ sagte ich. „Aber sag: Könntest du bitte endlich das Meer stoppen?“ Das Wasser reichte mir inzwischen bis an die Kniekehlen. Wie mochte es wohl im Hausflur aussehen? Die Türe konnte ich nicht öffnen, wegen des starken Wasserdrucks. Als ich durch den Türspion sah, sah ich, wie ein Papierbötchen über die Treppen von der vierten in die fünfte Etage schipperte.
„Eine Bedingung!“, sagte das Faltboot in meine Beobachtungen.
„Welche?“, fragte ich.
„Du musst mich ans Meer bringen, ans richtige, dann stopp ich das Meer hier.“
„Mach ich“, sagte ich kurzentschlossen. „Eine Fahrt von ein paar Stunden, ich pack dich einfach ins Auto.“
„Mir wird aber so schnell übel beim Autofahren,“ sagte das Faltboot. „Das letzte Mal hab ich in den Innenraum gekotzt.“
Ich stellte mir vor, wie das wohl ausgesehen haben könnte, sah Gürkchenscheiben und Gouda schwimmen und wie sich Gurkenscheibchen in den CD-Player schoben.
„Ich könnte das Fenster öffnen, während der Fahrt. Und wir machen genügend Pausen, dann kannst du dir die … ähm, Flanken vertreten auf dem Autobahnparkplatz“, schlug ich vor.
„Flanken vertreten“, spottete das Faltboot. „Willst du mich verscheißern? Wenn schon, dann musst du mich zwischendurch zu Wasser lassen. Da bin ich wie ein Fisch.“
„Ein Fisch?“, fragte ich verdattert.
„Ja, in meinem früheren Leben war ich ein Fisch,“ berichtete das Faltboot. „Hab ich bei einem Retreat herausgefunden. Spannend war das.“
„Ahja, sehr spannend“, sagte ich. „Also gut, ich suche per Routenplaner die Strecke aus, auf der die meisten Tümpel, Seen, Pfützen und Wasserlachen sind.“
Es entstand eine Stille zwischen uns. Ich befürchtete, das Faltboot könne wieder eingeschwappt, äh eingeschnappt sein, weil ich nicht richtig geantwortet hatte. Inzwischen hatte das Wasser meine Kniescheiben überwunden. Ich sah das Toastbrot am Küchenfenster durchs Wasser schwimmen, gleich daneben drehten sich die Äpfel zufrieden im Wasser. Aus dem Wohnzimmer kamen mir die Blumenvasen im Flur entgegen geschwommen.
„Einverstanden“, sagte das Faltboot in meine Gedanken hinein. Dann gab es einen Zischlaut von sich und mit einem Schlag war alles Wasser verschwunden und kein Meeresrauschen mehr da.
„Such die Route schon mal raus,“ sagte das Faltboot selbstbewusst und klappte in den Flur, als wolle es gleich los. Ich trottete klatschnass zum Computer und suchte, wie gewünscht, die Route aus.
„Ich freu mich schon aufs Meer“, rief das Faltboot aus dem Flur.
Ich starrte auf den Bildschirm. Zwischen all den Tümpeln, Seen und Pfützen gab es einen Weg ans Meer. Zwar kostete das 149 km Umweg, aber was macht man nicht alles für eine trockene Wohnung und ein Sandwich mit Gouda und Gürkchen.
„Ich habs,“ rief ich zufrieden.
Das Faltboot applaudierte in der Küche. „Ich hab dir dein Frühstück angerichtet“, hörte ich. „Mit Roibuschtee.“
Ich nahm die Wegbeschreibung aus dem Drucker, krempelte meine Hose hoch, zog die Socken aus, suchte im Schuhregal nach trockenen Schuhen, zog Sandalen an und setzte mich an den Küchentisch. Das Sandwich schmeckte vorzüglich. Das Faltboot grinste, während ich begierig aß.
Zehn Minuten später fuhr ich auf die Autobahn. Es gab keine unangenehmen Zwischenfälle, die Route war gut gewählt, es gab allerhand Planscherei und ein zufriedenes Faltboot.
Gegen Abend war ich wieder zurück Zuhause. In der Wohnung war alles wie immer. Keine umherschwimmenden Toastboote, ähm, Toastbrote, die Äpfel lagen unversehrt in der Obstschale, die Vasen standen da, wo sie zuvor gestanden hatten, der Boden war trocken, die gesamte Wohnung war in Ordnung, als hätte ich alles zuvor geträumt.
Am Kühlschrank fand ich einen Zettel hinter einem Magneten. „Dank dir fürs Übernachten,“ stand drauf. „Ich freu mich aufs Meer! Das andere!“ Dahinter war ein Smilie gezeichnet. Sachen gibts.

© mp

Die wüste Geschichte über einen Wüstenkaktus

Es war einmal ein Wüstenkaktus, der stand in der Wüstensonne mit Wonne. Wilde Wüstenfliegen flogen darüber, dahinter, drumherum und dran vorbei. Auch ein Adler kreiste erhaben, grüßte die Wüste und fragte: “Heben Sie Schlangen?” Er hatte einen Sprachfehler und verwechselte manchmal Suchstaben. Ein Flüchtigkeitsflieger.

Über seinen Zechfehler wollte der Adler ein Buch schreiben. Ursprünglich hatte der Adler das hohe und lange Schlangenaufkommen im Buch unterbringen wollen, denn er mochte Schlangensätze, aber dann schlängelte sich alles woanders hin. Der Adler angelte sich eine Schlange und beide bebten lange und glücklich in der Wüste zusammen, beide Herzen in Flammen.

Die Wüste. Es sah aus, als läge hier lediglich Sandkorn an Sandkorn über denen dauernd ein Adler mit einer Schlange kreiste, aber das war ganz und gar nicht so! Nicht nur viele Adler, Wüstenfliegen und Kaktusse, Verzeihung Kakteen, standen herum, es gab weitaus mehr! Es geschah genau dort, an diesem Ort, etwas Spannendes anderes:

Ein mexikanischer Flamencotänzer, war, oh Wunder, dorthin ausgewandert. „Ich habe Sand im Getriebe meines Lebens“, hatte er eines Tages festgestellt. Das ist ein Zeichen!“ Also ging er ins Reisebüro und anschließend flog er in die Wüste. Er hatte Sand gesucht, aber da war er auf Granit gestoßen. Ganz schön hart! Vor Kummer trank er sieben Tage und Nächte lang, dann hatte er kein Wasser mehr und der Mensch unter dem Hut fand in der Wüste fast sein Ende.

Denn eine Schlange aus der langen Schlange kam vorbei, schlanglangte den Hut auf und sagte: “Ey Mexikaner, ist das dein fucking Hut?” Der Mexikaner sah die Schlange und es wurd ihm ganz lange bange. “Hast Du den Bungeespringer gesehen?”, fragte der Mexikaner die Schlange zangebange. Die Schlange schüttelte ihren Kopf so häufig und heftig, dass sie sich einmal um sich selbst drehte und noch mal und noch mal und noch mal und noch mal und noch mal. Inzwischen war sie ganz schmal gedreht und man kann sagen, dass sie aussah wie ein Zopf aus Kopf. Der Mexikaner sah die aufgedrehte Schlange, ihm war immer noch bange, er nahm schnell den Hut und lief davon wie ein Mexikaner, der Angst vor Schlangen hat. Von weitem, im Laufen, sah er eine Oase und er fragte sich: “Kann man sich da besaufen? Sollte ich da hin laufen? Ist das eine echte Wohlfühloase?”

Da klappte hinter einem Stein eine Wohlfühlfliege hoch: “Das ist eine Oase und die ist echt, Mann!” Der Mexikaner schlug mit seinem Hut nach der Fliege und die Fliege schlug mit ihren Flügeln nach dem Hut. Das tat beiden gut, denn es kühlte. Diese Hitze! Einsame spitze. Hut statt Mütze. Fliegenflügel bügeln hinter Wüstenhügeln.

Die Szene der beiden war beendet, also flog die Fliege ihres Weges, der Mexikaner musste laufen, weil er keine Flügel hatte. Alles ging seinen Gang, der Mexikaner auch, mit Hut auf dem Kopf und darin, in der Erinnerung verdrehte Schlangen und ganz präsent: Durst. Da spielte plötzlich Musik vor ihm: “Yes Sir, I can Salza”, hörte er und dachte: “Komisch, ich kenne das Lied unter einem ganz anderen Titel”. Die Musik lief weiter, vor ihm her, hinter ihm, um ihn herum. Überall Musik, er fühlte sich berauscht. Und dann geschah es: Hinterm Tresen stand ein Aufgebot und fragte: “Willst du mich heiraten?”

Der Mexikaner drehte sich um, aber hinter ihm war nur die kopfverdrehte Schlange und eine wilde Fliege. “Die meinen wohl die Beiden”, dachte er und tat einen Schritt hinter die Theke. “Braucht ihr hier Hilfe?”, fragte er in die Hitze. Sie flirrte und der Mexikaner hörte: “Ja”. Er wiederholte “Ja!”, nahm seinen Hut ab, fuhr sich durchs Haar, setzte den Hut wieder auf und rief: “Wer möchte was trinken?” Niemand antwortete, da bediente er sich selbst.

“Geiles Leben hier”, dachte der Mexikaner, „nur soviel Sand. Scheiß Wüste.“ Dann trank er auf einer Bank zwei Liter Limonade. “Löscht keinen Durst”, dachte der Mexikaner.

Und wenn die Schlangen nicht gestorben sind, die Adler noch um Wüstenkakteen kreisen, die Fliegen noch Flügel bügeln hinter den Hügeln und der Mexikaner Flamenco tanzt, dann ist das ganz, ganz schön wüst und das Ende dieser Geschichte.

© mp

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gute.nacht.gedicht.

die blumen legen sich schlafen
die katzen legen sich schlafen
die hunde legen sich schlafen
die menschen legen sich schlafen
die schultaschen legen sich schlafen
die zahnbürsten legen sich schlafen
die laptops legen sich schlafen
die synthesizer legen sich schlafen
die füllfederhalter legen sich schlafen
die fußballschuhe legen sich schlafen
die alten socken legen sich schlafen
die kaffeemaschine legt sich schlafen
und irgendwann fängt irgendwo
einer an zu gähnen
und dann sieht man plötzlich überall
nur noch offene münder
und einen der das licht ausknipst
und flüstert
gute nacht

© mp