ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Monat: Februar, 2014

about.the.city.that.never.sleeps.and.what.it.means.to.me.

die stadt, die nie schläft. das ist ja etwas, das man über new york sagt. aber das stimmt nicht. also, das stimmt schon, aber es stimmt auch für andere städte. für meine zum beispiel. meine schläft nämlich auch nie. und weil sie nie schläft, schlafe ich auch wenig. im haus gibt es neue mieter. nicht, dass ich sie schon zu gesicht bekommen hätte oder ein namensschild entdeckt hätte oder einen umzugs-einzugswagen. nichts habe ich gesehen und trotzdem weiß ich bescheid. wie das kommt? sie haben jemanden vorgeschickt. keine anstandsdamen. anstandsherren auch nicht. aber ein paar handwerker. die haben sie aufgefordert, die wand zu meiner wohnung durchzuhämmern. vornehmlich morgens vor acht uhr. auch, wenn ich lange gearbeitet habe. da besonders gern. ich höre, wenn sie kommen. und ich glaube, sie möchten auch, dass ich das höre. denn das erste, was sie machen, wenn sie kommen, ist steine durch die wohnung zu werfen. ziegelsteinweitwurfparade. direkt im nebenzimmer. aber nur so lange, bis ich richtig wach bin. dann ist erstmal ruhe. aber diese ruhe währt nicht ewig, schon bald geht es in die nächste trainingsrunde. wenn sie mit dem ziegelsteinweitwurf fertig sind, üben sie sich in einer weiteren disziplin – wanddurchschlagen. heute morgen dachte ich, sie würden gleich die steine in meinem schlafzimmer aufschichten. vielleicht kann man sie ja noch mal für irgendwas gebrauchen. jemanden an den schädel schmeißen zum beispiel. gebannt saß ich auf meinem bett und starrte die wand an. ich folgte dem geräusch, dem schlagen des hammers. bumm. bumm. bumm. „gleich sind sie durch“, dachte ich. vorsorglich tat ich einen blick hinter den schrank. wenn sie da landeten, würde ich es nicht sofort sehen. das hämmern hörte auf. die wand blieb ganz. völlig tiefenentspannt stand ich auf und kochte mir einen kaffee. dann schob ich den schrank von der wand ab. und installierte eine kamera. wenn, dann würde ich das material an rtl verkaufen. oder sat1. oder pro7. vielleicht.

 

© mp

in.peace

„Let us forget with generosity those who cannot love us.“

(Pablo Neruda)

wie.die.dinge.standen.bevor.sie.fielen.

gestern abend sah ich auf arte eine reportage über elephant and castle. elephant and castle ist ein stadtteil in london. einer, in dem vornehmlich arbeiter lebten, danach wenigverdienende, dann sozialhilfeempfänger, alte leute. die immobilienmakler haben irgendwann diesen stadtteil entdeckt, häuserzeilen und „landschaften“ für diesen stadtteil entworfen, in denen gutverdienende wohnen konnten bzw. können, sofern sie bereit waren / sind, eine wohnung oder ein haus dort zu kaufen. doch wohin mit den sozialhilfeempfängern? wo sollen die wohnen? ach die. margaret thatcher hatte in den 80ern empfohlen, eigentum zu privatisieren. wohnungen zu verkaufen. immobilienhandel zu betreiben. nun konnte eine vierkörpfige arbeiterfamilie endlich in eine kleine sozialwohnung ziehen und dafür 400.000 pfund bezahlen. wie lange muss man dafür arbeiten? zu lange. es gibt fast keine wohnungen mehr in london. zu wenige. gentrifizierung. überall. auch ich denke ans umziehen. vier mieterhöhungen, seitdem ich eingezogen bin. inzwischen zahle ich fast das doppelte an miete seit einzug, aber im vergleich wohne ich immer noch günstig. in den letzten jahren sind die mieten quasi „explodiert“. auch in meiner stadt sind die immobilienmakler fleißig. es gibt ganze straßenzüge, die anderen ländern gehören. großbritannien. dänemark etcpp..  im städte-und ländervergleich „lohnt“ es sich, woanders zu kaufen. straßenzug. zug um zug verändern um-zug. die landschaft ist überzogen von überzogenen mietpreisen. die stadt, in der die immobilienmakler niemals schlafen. ich frage mich, ob die zukunft in kollektiver überschuldung liegt, weil kein mietraum mehr verfügbar ist. wir, demnächst, alle immobilienbesitzer?

 

© mp

atmen.

das.harte.trifft.das.weiche.

kann man auch an worten zerbrechen?

ja.

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© mp

no.name.

nichts.

nichts

erst haben wir einander geschrieben

wir wollten uns nicht ineinander verlieben

bald hat uns etwas auseinander getrieben

nichts ist übrig geblieben

© mp
(2011)
(insp. by e. jandl)

un.wissen.heit.leben.

nur worte?

Ein Gedicht kann einem manchmal den ganzen Tag retten.

© mp

get.lucky.

Stadtbild

Man kann fast alles im Internet bestellen und kaufen, muss man aber nicht.

Spiel.mir.das.Lied.vom.Glück.

Vor ein paar Tagen kam das Glück als Telefonanruf zu mir: Ich erhielt eine Einladung zu einem Konzert von Ennio Morricone. Ennio Morricone ist ein 1928 geborener italienischer Komponist und Dirigent. Für mehrere hundert Filme hat er die Filmmusik komponiert u.a. für Django unchained und Kill Bill.2, U-Turn, Für eine Handvoll Dollar und Exorzist II um nur ein paar zu nennen. Jetzt ist er auf Welt-Tournee mit Orchester und Chor. Spiel mir das Lied vom Tod, auch Chi Mai werden die meisten kennen oder The good, the bad and the ugly. Er hat zahlreiche Preise für seine Musik und auch für sein Lebenswerk erhalten. Die aktuelle Tournee heißt My life in Music.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, wenn Ihr in ein Konzert geht – mich beflügelt es. Es ist, als würde meine Seele an ihre eigene Kraft erinnert. Sobald ich etwas Schönes sehe, lese oder höre, sei es Kunst, Theater, Literatur, Musik oder Filme. wird etwas in meinem Innern angestoßen. So war es auch hier. Die Musik live zu hören, dirigiert vom Maestro selbst, war eine unglaublich schöne, berührende Erfahrung. Das Schöne ist kraftvoll! Wer die Möglichkeit hat, sollte sich ein Ticket für sein Konzert besorgen. Unbedingt!

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http://www.enniomorricone.it/index.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Ennio_Morricone

Über.die.Kunst.der.Veränderung.en.

Andy Goldsworthy hat einen Auftrag. Er geht in die Natur und inspiziert sie. Er geht mit wachem Blick durch Wälder, über Wege, durch Landschaften. Mit dem Auftrag von Außen und seinem persönlichen inneren Auftrag setzt er seine Ideen um. Dabei verwendet er i.d.R. Materialien aus der Natur, u.a. Steine, Hölzer, Blätter. Das, was er erschafft ist Kunst, künstlich und natürlich zugleich. Das, was er erschafft, wird wie natürlich in die Landschaft eingebunden, – eine Art existierender und verschwindender Teil zugleich.

Andy Goldsworthy ist Künstler und Fotograf. Er ist einer der wichtigsten Künstler/Vertreter im Bereich der Landart, zu deutsch Naturkunst. Die Dokumentation Rivers and Tides beschäftigt sich mit ihm und seiner Kunst.

Landart/Naturkunst, ist eine Kunstströmung der bildenden Kunst, die Ende der 60er Jahre in den USA entstanden ist. Naturkunst, was ist das?  Eine Kurzdefinition: Wiki erklärt, dass Landart, die Umwandlung von Natur in Kunstwerk sei.

Goldworthys Aufträge sind sehr unterschiedlicher Art. Beispielsweise erinnere ich den Wald, durch den ein kleiner Fluss floss. Angefangen vom Wasser aus, bis in den Wald hinein begann er Steine aufzuschichten, erschuf eine Mauer, die, wie aus dem Wasser gewachsen aussah und sich zum Land, zu den Bäumen hin streckte und schlängelte. Goldsworthy baute eine Mauer ohne Zement oder sonst ein verbindendes Element zu den Bäumen hin, um die Bäume herum. In Wellenlinien schichtete er Stein auf Stein. Wunderschön! Am Strand sammelte er flache Steine und schichtete diese zu einer Skulptur, die der Form eines Ei’s, – dem Symbol für das Leben -, ähnlich war. Er legte die Steine behutsam aufeinander, rundherum aneinander, schichtete von Innen nach Außen, – eine wackelige Angelegenheit, die viel Konzentration erforderte.

Stundenlang und geduldig sitzt er an seinen Arbeiten und dann kommt eine Welle und nimmt die Steine / Skulptur mit und er beginnt wieder von vorn. Er macht sich frühmorgens auf, um eine Eisskulptur zu schaffen, die durch die aufsteigende Sonne langsam schmilzt. Er legt einen schmalen Weg aus gelben Blumenblüten. Dann irgendwo ein paar rote Blüten. Er fertigt flache Gitter aus Hölzern, die er sammelt.

Häufig existiert seine Kunst / sein Kunstwerk nur kurz, mitunter reicht die Zeit nicht mal aus, um ein Foto davon zu machen. Es ist schwer zu beschreiben, was er alles macht und wie er es macht, es ist umfangreich und sehr facettenreich – ich empfehle den Film über ihn anzuschauen „Rivers and Tides“. Bei Yout. gibt es die gesamte Dokumentation, gestückelt in sieben Teile. Oder einfach in die Videothek gehen und den Film ausleihen.

Ich wusste nicht, dass es diese Kunst (Natur-Kunst, engl. „Land-Art“), überhaupt gibt, bis zu diesem Film. Ansprechend finde ich neben der großen Ästhetik seiner Kunst zweierlei: Einmal, dass er (von) der Natur „nimmt“ und ihr wieder zurück gibt – welches, – wenn ich das richtig erinnere, auch das „Motto“ der Aborigines ist.

Außerdem: Das Leben ist sein Thema. Werden und Vergehen, Schaffen und Zerstören,  – der ewige Kreislauf. Etwas zu erschaffen und davon auszugehen, dass es nur kurz existieren wird, ich finde, das hat eine bestimmte Qualität, die ich kaum in Worte fassen kann. Es geht nicht darum, etwas zu Schaffen, was über-dauert. Er er-schafft und sieht dabei zu, wie es vergeht. Und das macht er seit Jahrzehnten. Mit seiner ästhetischen Kunst verschönert er die ohnehin schöne Natur. Und Veränderung ist etwas, das für ihn dazu gehört. Es ist Kunst für den Moment.

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Hier ein paar Fotos seines beeindruckenden Schaffens:

http://www.bing.com/images/search?q=andy+goldsworthy&FORM=HDRSC2

Danke an Wildgans, die Nancy Holt gedachte, die Naturkunst fotografierte und mich damit an Andy Goldsworthy erinnerte.

Natür.l.ich.

Die Natur ist das große Bilderbuch, das der liebe Gott uns draußen aufgeschlagen hat.

(Joseph von Eichendorff)

Die.Entdeckung.der.Geschwindigkeit.

Schnell. Schneller. Am Schnellsten. In einem Lied der Rockband „Die Ärzte“ heißt es, dass jemand nicht zu langsam ist, aber die anderen zu schnell seien. Alles hat ein Tempo. Vom Standpunkt des Betrachters ergibt sich eine Geschwindigkeit. Nach Außen gucken. Nach Innen gucken. Autos. Menschen. Tiere. Natur. Geschehnisse. Tanzen. Tage. Nächte. Entscheidungen. Auch das Leben hat ein Tempo. Meines. Deines. Gas geben. Bremsen. Gucken. Ein Fluss! Ein Fließen. Einfließen. Einfluß nehmen. Bremsen. Anhalten. Schauen. Zulassen. Geschehen lassen. Der Tag beginnt im Dunkeln. Am Mittag steht die Sonne am Himmel. Auf  dem Wasser des Sees, spiegelt sich ihr heller Blick. Am Abend wird es ruhiger, die Sonne senkt sich. Abläufe. Verläufe. Lebensläufe. Geht es zu schnell? Zu langsam? Gelingt es mir, das Tempo der Geschehnisse anzunehmen? Mein Tempo. Aber ich wollte doch noch … Bin ich ungeduldig? Die Dinge haben ihre Zeit. Es gibt schnelle Tage. Langsame Tage. Tage, an denen alles so geschieht. Alles möglich ist. Alles gleichzeitig zu geschehen scheint. Nichts möglich zu sein scheint. Sich scheinbar nichts tut. Es holpert. Stockt. Stagniert. Fliegt. Im eigenen Tempo. Gehen. Essen. Schlafen. Sprechen. Schweigen. Singen. Entscheiden. Tanzen. Die Entdeckung der Geschwindigkeit. Die Entdeckung der Jahreszeiten in den Dingen, die geschehen oder nicht geschehen. In sich selbst. Warten. Erwarten. Abwarten. Eingreifen. Begreifen. Ergreifen. Den Moment der Stille genießen und darum wissen, dass es bald wieder lebendiger zugehen wird. Der stille Moment. Der Moment der Stille. Still sein im Moment. Gleich geht es weiter. Es geht immer weiter. Schnell. Langsam. Stück für Stück. Moment für Moment. Leben für Leben. Glücklich. Glücklicher. Am Glücklichsten. Das Tempo des Tages drosseln. Erhöhen. Akzeptieren. Den Moment genießen. Inne halten. Bei sich sein. Alles hat ein Tempo. Du. Ich. Antworten. Fragen. Tage. Nächte. Sprechen. Schweigen. Ausruhn. Carpe diem.