Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 2, Teil II

von wolkenbeobachterin

Es ist immer noch Sonntag, der 11. September 2016. Im Treptower Park in Berlin wird die Musik gefeiert und ziemlich viel getanzt. Die Sonne brennt, der Himmel scheint ein Herz für Musikfans zu haben. Es sind fast 30 Grad auch heute. Die Leute sitzen, wenn möglich, im Schatten. Die Plätze unter den Bäumen sind dicht besetzt, auch die Schattenplätze an den aufgestellten Wänden sind beliebt (26 km Zaun), man hockt friedlich miteinander auf dem Boden, trinkt, isst, lacht, unterhält sich. Einige Leute machen Selfies. Am Schminkstand kann sich, wer will, ein Festival-Make-up schenken lassen. Wer Hunger hat, sitzt im Schatten der Bäume in der Nähe von Perry’s Stage oder im grünen Kiez. Da gibt es richtige Tische und Bänke und zusammengeschobene Holzpaletten, auf denen man sitzen kann. Years & Years verabschieden sich, ich mache mich auf zu Hauptbühne II. Hier noch mal ein Video von King, weil ich den Song so gern mag und Ihr vielleicht ja auch.

Beeindruckend an diesem Riesenfestival: Die Running Order, zu deutsch: Der Zeitplan, wann welche Band auf welcher der vier Bühnen spielt, ist nicht nur so ungefähr. Die Zeiten sind aufeinander abgestimmt und es ist perfekt getimed! Es ist 16.15 Uhr als Milky Chance spielen. Lt. Wikipedia bezeichnet sich diese Band als „Folktronica-Duo“. Dass Milky Chance deutsch sind, habe ich erst festgestellt, als der Sänger nach dem Einstiegssong ein ziemlich deutsch klingendes „Danke schön!“ in die begeisterte Menge ruft. Und später stellt der Leadsänger aus Kassel fest: „Ihr seid ganz schön viele!“ Wo er recht hat, hat er recht. Und es kommt mir vor, als wären heute mehr Festivalbesucher auf dem Gelände, als einen Tag zuvor. Insgesamt ist von 140.000 verkauften Tickets die Rede.

Hier mal ein eigenwilliges Lyricvideo von Milky Chance’s Song „Stolen dance“

Never danced like this before, we don’t talk about it“ heißt es darin. Aber hier talk ich nun doch about it. Denn es wird wieder überall gejubelt und getanzt. Wer günstig steht, steht im Schatten der Bühne. Ich stehe in der prallen Sonne. Sobald ein Plätzchen in Richtung Schatten frei wird, hüpfe ich ein Stück vor und tanze weiter. Obwohl es so voll ist, hat jeder genug Platz zum Tanzen. Hier wird man nicht getanzt, man tanzt selbst! Und zwischen allen Tanzenden immer wieder die Bierverkäufer mit Fäßchen auf dem Rücken, an dem ein „Bier“-Schild durch die Luft torkelt. Ich trinke Wasser.
Wer sich das Konzert ansehen möchte von Milky Chance. Noch steht es in der artothek. Hier der Link: http://concert.arte.tv/de/milky-chance-lollapalooza-berlin-2016

Es ist ca. 17.15 Uhr als Milky Chance mit ihrem Auftritt durch sind. Um 17.15 Uhr spielt auf der Hauptbühne nebenan James Blake. Der 27jährige englische Musiker ist den meisten vermutlich durch diesen Song bekannt:

Ich brauche nach dem ausgiebigen Sonnenbad bei Milky Chance erst mal eine Schatteneinheit. Ich setze mich an die rechte Seite der Bühne und verfolge das Konzert. James Blake sitzt im Lila-gestreiften Hemd am Keyboard. Insgesamt ist seine Musik eher ruhiger, was mir sehr recht ist nach den zwei Stunden Tanzen, Applaudieren und Singen mit Years & Years und Milky Chance.
arte hat auch dieses Konzert online gestellt. Hier der Link: http://concert.arte.tv/de/james-blake-lollapalooza-berlin-2016

Nach dem Konzert von James Blake, beschließe ich, etwas zu essen und meine Wasserflasche aufzufüllen. Ein großer Teil der Festivalbesucher ist wegen Radiohead hier. Wie ich las, geben sie hier heute das einzige Deutschlandkonzert dieses Jahr. Doch ich habe auf meiner Liste andere Bandnamen stehen. Die Beginner zum Beispiel. Und Alle Farben ab 19 Uhr Es ist also noch etwas Zeit. Auffällig an Tag II des Festivals: Die Zahl derer, die offene Schuhe tragen, hat sich drastisch reduziert. Ich höre nur kurz die Beginner und bleibe schließlich bei Alle Farben kleben. Alle Farben ist der Musiker und DJ Frans Zimmer aus Berlin. Hits von ihm sind u.a.: All along she moves, Please tell Rosie, Music is my best friend.
Auf der Bühne tanzen zwei Tänzer, schwenken Silberfahnen, während die bunten Lichter tanzen. Mehrere tausend Menschen tanzen hier ausgelassen. Hier bin ich tatsächlich mal ganz vorn an der Bühne und tanze mit! Hier mal ein (mir zumindest bislang) nicht so bekanntes Stück von ihm:

Und eigentlich, eigentlich, eigentlich … wollte ich dann bald den 2. Festival-Tag beschließen. Doch der Abend ist noch nicht zu Ende. Unerwarteter Weise hält mich jemand davon ab, der gar nicht auf meiner Liste stand: DJ Zedd. Die Videos, die ich gefunden hatte, hatten mir nicht sonderlich zugesagt (deshalb auch hier an dieser Stelle kein Video), aber als ich dann live vor Ort die Musik höre, will ich unbedingt bleiben und mit den anderen weiter tanzen. DJ Zedd ist ein 31jähriger deutsch-russischer Musiker und DJ. Die Bühnenshow ist beeindruckend. Digitale Bilder in schnellen Wechseln, Licht-und Farbenspiele, auch ein paar Dampf-Fontänen, Hell-Dunkel-Effekte. Es kracht, es wummert, die Menge tanzt und feiert und ich kann einfach noch nicht das Festival verlassen. Aber danach mache ich mich dann doch, ziemlich happy, langsam auf den Weg zum Ausgang. Adieu Lollapalooza!

Mein Fazit: Ein großartiges Festival! Für mich stimmte die Musik und im Endeffekt auch der Preis fürs Ticket (knapp 150 Euro für 15 Bands, die ich gesehen und gehört habe.) Insgesamt 45 Bands waren vor Ort, das Wetter war wie bestellt. Der Sound an allen Bühnen war bestens! Der Einlass ging unkompliziert, schnell und freundlich vonstatten. Es gab genügend Toiletten und kostenloses Wasser zum Selbstnachfüllen, ein breit gefächertes Essensangebot. Ich war beeindruckt, wie toll dieses Riesenevent organisiert war. Die Kameraleute haben tolle Bilder gemacht. Danke arte! Polizei habe ich wenig gesehen, drei Beamte spazierten am Tag zwei über das Gelände. Rundherum gabs überall Festival-Guards, die gern halfen, wenn man sich verlaufen oder eine Frage hatte. Der Treptower Park in Berlin ist eine sehr schöner Festivalort. Insgesamt war die Stimmung ausgelassen. Ich habe nirgends Betrunkene gesehen, es gab nirgends Schlägereien, Streitereien oder Krawall. Die Leute waren freundlich und haben einfach friedlich miteinander gefeiert. Dieses Festival war einfach großartig und hat richtig viel Spaß gemacht. Wenn das LineUp passt bin ich im nächsten Jahr vielleicht ja wieder dabei. Im Treptower Park wird es im kommenden Jahr allerdings nicht mehr sein. Wo, darüber wird noch verhandelt.
Danke fürs Lesen.

© mp

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