Lollapalooza im Treptower Park, Berlin, Tag 1, Teil 2

von wolkenbeobachterin

Klingande (live) spielen ab 17.30 Uhr. Klingande? Kenn ich nicht. Doch, kennst Du. Zum Beispiel das hier:

Samstagabend, 30 Grad und dann diese Musik. Perfekt! Da störte kein Staub, da störte nichts. Da wurde abgetanzt bis zum geht nicht mehr und danach noch weiter! Klingande ist übrigens schwedisch und bedeutet klingend. Klingande ist ein Projekt zweier französischer Studenten. Und ich hab Essen ausgefahren, damals an der Uni. Wenn ich das gewusst hätte … 🙂 Und während ich mit den anderen abtanzte bis zum Abwinken, hatte ich extreme Glücksgefühle und dass es eine tolle Atmosphäre war, muss ich nicht etwa erwähnen, nehme ich an. Guckt mal – bei ca 31 sek. irgendwo dazwischen bin ich auch. Es fällt mir schwer, hier einen sachlichen Bericht zu verfassen, nach diesem Festival.

Nach Klingande (live) ging es wieder zurück zu Hauptbühne I. Da spielte Philipp Poisel ab 18.30 Uhr. Vielleicht könnt Ihr Euch vorstellen, dass alles etwas ruhiger wurde, er wird ja bekanntlich als Schmusesänger gehandelt. Er schreibt wirklich gute Lieder, ich mag seine Texte und die Musik sehr. Er kam mit leichter Sturmfrisur auf die Bühne, sprach ins Publikum, grüßte und sang und irgendwann fragte er: Erklär mir einer die Liebe! (Wer das kann, bitte vor und bitte jetzt! Das sage ich, nicht er). Und er sang weiter seine traurigen und auch stimmungsvollen Lieder, da passierte es: Auch er weinte. Erst Jess Glynne, jetzt er. Ich hab ein Video gefunden. Ihr braucht mich nicht zu suchen, ich stehe auf der anderen Seite von der Bühne und singe von dort aus mit. Lieber Philipp, ich kenne diesen Schmerz so gut. Danke für Deine Lieder. Fühl Dich gedrückt!
Übrigens seht Ihr im Hintergrund die Hauptbühne zwei. Philipp Poisel spielt hier auf der Hauptbühne eins. Und im Hintergrund, also da, wo die Hauptbühne zwei ist, da spielt ab 19.30 Uhr, worauf ich mich schon extrem freue: Paul Kalkbrenner.

Paul Kalkbrenner, Musiker und DJ, nebenbei auch Bruder von Fritz Kalkbrenner, der ja auch Musik macht. Aber andere Musik. (Fritz ist aber nicht aufgetreten dort). Es ist das erste Mal, dass ich Paul Kalkbrenner live sehe. Ich hab mich schon sehr drauf gefreut. Es ist inzwischen schon abendlich und ziemlich voll. Von schwarzen Füßen schreibe ich jetzt mal nichts mehr, bald sieht man die eh nicht mehr. Es war inzwischen sehr voll auf dem Festivalgelände. Vorab hatten die Veranstalter schon darüber berichtet, dass im Verlauf des Tages der Besucherstrom zunähme und man besser früher da sein soll, wenn man nicht lange warten möchte. War ich ja. Ich war ja schon dort und war innerhalb von 6 oder 7 Minuten auf dem Festivalgelände, mitsamt Taschen-und Bodycheck. Ich habe viele Male die Organisation des Festivals bewundernd bestaunt. So eine Masse an Menschen zu organisieren und einen reibungslosen Ablauf hinzukriegen. Respekt! Das einzige, was hätte mehr sein können waren Mülleimer. Die waren bei 140.000 Besuchern natürlich ziemlich schnell voll. Aber zurück zu Paul Kalkbrenner. Der saß hinter seinem Pult und hat Musik gemacht, aber wie! Kam mir vor, als sei er in Trance, mit geöffnetem Mund drehte er die Knöpfe. Ich hatte den Eindruck, er isst die Musik! Lecker! Der Sound war extrem gut und laut, zwischendurch schien Paul Kalkbrenner zu bemerken, dass Publikum da ist. Dann guckte er in die Kamera und grinste oder zog Grimassen. Extrem sympathisch!

Ich will an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass auch aus mir während des Tanzens Freudenschreie kamen. Ich konnte nichts machen, das wollte so. Das Leben war auf einmal eine riesengroße Party für zwei Tage! Ihr könnt es Euch nicht vorstellen, es war einfach superklasse! Alle happy, immer noch keine Betrunkenen (zum Glück!), tolle Acts, nur ein bisschen voll geworden dann doch am Abend. Die Kameraleute haben auch unermüdlich gearbeitet und unentwegt die besten Bilder an die Leinwände gebracht. Zum Teil wurde ein live-stream von arte angelegt, manche der Clips sind dort noch zu sehen und zu hören. Paul Kalkbrenner hat aufgehört, um die Bühne zu verlassen und eine Zugabe zu spielen. Die Leute sind ausgerastet vor Freude. Ich auch. Ich grins jetzt schon wieder glücklich, wenn ich daran denke.

Inzwischen war es 21 Uhr. Glücklich abgetanzt dank Paul Kalkbrenner kaufte ich mir an einem Stand noch eine Waffel und dachte dann das Festival für diesen Tag zu Ende sein zu lassen. Kurz hatte ich bei Kings of Leon an der Bühne nebenan noch zugehört, aber mir gefiel es nicht und ich machte mich auf, das Gelände zu verlassen. Während ich auf dem Weg war, dachte ich dann: Ach, ich könnte ja noch kurz mal reinhören, was New Oder machen. Die spielten ab 21.20 Uhr auf der alternative Stage. Ich also rüber. Und war begeistert! Ich hatte die weitere Entwicklung nach Blue Monday nicht wirklich weiter verfolgt. Das war schon ziemlich lange her. Mir war nicht bewusst, dass die immer noch Musik machen. Aber hier, das war der lebende Beweis. Vor grafischer Kulisse, die fröhlich wechselte zwischen farbigen Punkten und bunten Farbstangen mit kleinen Filmsequenzen. Es gefiel mir, was die Band inzwischen musikalisch produzierte. Es war dann doch ein besonderer Moment, als sie eben das spielten, was ich so lange schon kannte und nicht mehr gehört hatte:

Es war inzwischen kurz vor 23 Uhr. Dann bin ich aber tatsächlich runter vom Festivalgelände, raus aus den Schuhen und ziemlich bald, ziemlich zufrieden schlafen gegangen.

© mp

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