ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Tag: Zeichnen

round and round and round it goes

©mp

schöne pfingsten wünsche ich euch und hoffe, ihr habt es ebenso sonnig, wie wir hier in b. 🙂

digital male 1

© mp

ich habe euch ja vor ein paar tagen schon erzählt, dass ich viel und gerne ausprobiere. das ist auch immer noch so und beschränkt sich nicht aufs zeichnen mit verschiedenen stiften und farben, sondern auch aufs digitale. ich habe mich nämlich auch im digitalen zeichnen versucht und bleibe auch da dran. dies hier ist eines der entstandenen portraits. ich versuche das programm zu erkunden, zu verstehen und anzuwenden. es funktioniert in layer-technik, etwas, womit ich bislang wenig bis gar nicht zu tun hatte. es gibt viel zu lernen. ich habe einige abstrakte bilder auch schon damit kreiert. jedoch ist das digitale zeichnen, auch wenn es mit einem stift erfolgt, für mich nicht vergleichbar mit dem greifen eines fineliners, bleistifts oder pinsels, es ist einfach ein anderes arbeiten und erleben tatsächlich.
das digitale zeichnen hingegen ermöglicht dinge, die so mit dem stift vielleicht nicht entstehen würden. mir macht beides spaß, aber das zeichnen auf dem papier ist mir doch tatsächlich noch lieber, müßte ich einen favoriten benennen. wie dem auch sei – hier ein portrait, das ich gezeichnet habe. ich habe es vom anderen bildschirm abfotografiert, weil ich noch nicht weiß, wie ich die datei da heraus bekomme um sie hier hinein zu machen, lach. braucht alles seine zeit.
am 09.12.21 habe ich einen zeichenblock in buchform, din a 4, begonnen. er/es hat 150 seiten und ist fast voll. d.h. innerhalb von 20 tagen mehr als 150 zeichnungen. außerdem habe ich ein kleines din a 5 sketchbook angefangen, darin sind noch drei freie seiten. und dann kommen noch die zeichnungen hinzu, die ich auf karton gezeichnet habe und das, was ich so nebenbei zeichne. echt richtig viel output. war mir gar nicht so bewusst. ich hätte gern ein atelier. vielleicht ergibt sich das irgendwann, das wäre toll. bis es soweit ist, arbeite ich weiter zuhause künstlerisch.

… und staune

ich übe mich
im zeichnen
im moment
mag ich am liebsten
gesichter

ich sehe eines an und
schicke was ich sah
in meinen stift

während ich linien ziehe
überkreuz und schlängelnd
kurzgezogen und weitoffen
umkreise ich das werdende wesen
und nähere mich

ein gesicht steht auf
und entwickelt sich
auf meinem papier beginnt
etwas zu leben das sich mir
mit jedem strich mehr
zu erkennen gibt

es schaut mich
vom papier aus an
und ich staune zurück
und lächle
zufrieden

© mp

gedanken zum malen, zeichnen und schreiben.

manchmal weiß ich nicht genau, ob ein bild fertig ist oder nicht.
in dem moment, wo es entsteht, entsteht es.
ich habe in dem moment, wo ich es male oder zeichne, kein anderes ziel,
als es zu malen oder zu zeichnen.
es ist nicht mal ein moment des wollens, das ist fast gänzlich abgelegt,
es ist mehr ein moment des handelns, des tuns, der aktivität.
ich bin gleichzeitig erschafferin und betrachterin von etwas,
das entsteht.
irgendwann gibt es den punkt, an dem ich das gefühl habe:
das war es,
mehr farbe muss nicht, mehr linien müssen nicht,
„ich hab es“,
so kann es bleiben,
dann lasse ich die farbe trocknen,
oder lege die zeichnung beiseite.
meist am nächsten tag weiß ich mehr über das bild.
ist es fertig? oder war es nur eine weitere stufe,
bis ich zu dem bild komme, was es sein will und soll?
manchmal denke ich über ein bild nach,
oder ich betrachte es nur, „fühle es“.
und dann gibt es oft einen impuls, der entweder lauten kann:
mehr farbe, oder: andere farbe, oder: übermale alles.
dann geht es wieder von vorne los.

das, was ich durch und über das malen lerne,
habe ich beim schreiben so nicht gelernt oder anders gelernt.
interessant ist auch, dass das, was ich woanders gelernt habe,
neu im kontext der malerei oder kunst lernen, oder besser gesagt:
mir übersetzen muss. es „der hand beibringen muss“,
in die sprache der hand übersetzen.
die prozesshaftigkeit des entstehens, empfinde ich beim malen
und zeichnen deutlicher als beim schreiben.
auch diesen punkt, diese empfindung, wann etwas gut ist oder nicht,
das fällt mir wesentlich leichter beim malen und zeichnen,
als beim schreiben.
und doch profitiert das eine vom anderen. und darüber hinaus
profitiere ich von allem.

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Die Fliege

Heute Morgen nach dem Aufstehen spürte ich das unwiderstehliche Bedürfnis, meine neuen, am Vortag gekauften Stifte in die Hand zu nehmen, um das Zeichnen fortzusetzen, das mich nun seit zwei Monaten, fast ununterbrochen, begleitet. Ich hatte mich einige Tage zuvor an kleinen und großen Tieren versucht: Eine Fliege war dabei, ein Schmetterling, ein Marder, eine Maus, ein Hirsch, ein Adler und eine Löwin. Heute morgen in mir der Wunsch, das Zeichnen fortzusetzen. Ich kritzelte zuerst Blätter, dann Blumen und plötzlich wollte eine Fliege aufs Papier. Ich folgte diesem Impuls, begann mit den Augen, an denen sich der Rumpf anschloss, dann die Flügel und zuletzt die Beinchen. Strich für Strich, setzte sich die Fliege aufs Papier. Während ich zeichnete wurde mir klar, was hier geschah: Die Fliege, die ich vor ein paar Tagen gezeichnet hatte, wollte sich in Erinnerung bringen. Strich für Strich wuchs mir die Fliege aus der Hand. Bald sah sie aus wie eine Fliege, einzig der Kopf war nicht vollständig erinnert, aber doch als Kopf erkennbar. Ich fragte mich, ob mein Gehirn so funktioniert, (vielleicht auch das der anderen), dass wir, sobald wir etwas lernen, sich im Gehirn etwas abspeichert, das nach Bestätigung oder Vervollständigung sucht. Als wollte es wissen, ob das Abgespeicherte der Wahrheit entspricht. Durch das erneute Zeichnen, kann ich nun sagen, wo ich noch einmal hinschauen muss: In diesem Falle auf den Kopf der Fliege. Vielleicht heißt das Lernen: Wir sehen hin und sehen doch nicht alles. Doch je öfter wir hinsehen und je genauer, offener und konzentrierter, umso mehr können wir erkennen, wie dieses Betrachtete wirklich ist. Und wenn wir gelernt haben, wie es aussieht und beschaffen ist, müssen wir unseren Blick wieder entfernen, um dieses „Gewusste“ aus einem Abstand, einer stetigen Unwissenheit, trotz „Wissen“, immer wieder neu betrachten, immer wieder neu zu lernen und zu erkennen. Denn Veränderung wohnt allem inne, auch uns selbst. Die, die wir schauen, lernen und begreifen, sind heute nicht mehr die, die wir gestern waren. Auch wir sind jemand anders geworden, den wir auch immer wieder neu begreifen und erkennen können, so wir denn wollen und dazu bereit sind.

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Malen und Schreiben

Kafka hat auch gezeichnet. Daran muss ich oft denken. Ich mag die minimalistischen Bilder, die er angefertigt hat. Beim Malen ist manches gleich, manches anders, als beim Schreiben: So wie ein Wort einen Satz ruinieren kann, entscheidet jede Linie, die ich mit dem Stift aufs Papier ziehe, ob mein Bild gelungen oder misslungen ist, ob es detaillierter, tiefer in der Wirkung oder überladen ist, ob es zu viel Zeichnung oder falsche Proportionen hat, ob es „getroffen“ ist oder dran vorbei. So übe ich mich gleichzeitig im Sehen, während ich zeichne. Übermittle, was ich erkannt habe, vom Auge an die Hand. Sehe, wie sich mein Motiv auf dem Papier entwickelt, ob die Hand verstanden hat, was Auge und Kopf meinten. Immer wieder lege ich Pausen ein, halte das Skizzenbuch etwas weiter weg, bevor ich weiter zeichne. Sorgsam führe ich den Stift, während ich das Motiv wieder und wieder betrachte, riskiere eine Linie, behutsam, schnell, wie es will, einen Strich, einen Punkt, Linien, Kringel, Kreise. Manchmal Seufzer mittendrin: „Ah, der war zu viel! Nun habe ich es ruiniert! Sofort sehe ich es. Anders als beim Schreiben ist sofort erkennbar, wo etwas gut getroffen ist, wo etwas gelungen ist, oder wo etwas auf dem Papier zu viel, zu groß, zu klein, zu breit, zu schmal, zu schwarz ist. Ob die Nase zu lang, das Ohr zu schief, die Augenbrauen sind, wie die des Modells, die Lippen, der Bart. Muss ich jede Falte, jede Form übernehmen? Wie viel Freiheit nehme ich mir beim Zeichnen bei „meiner Version des Modells“? Schließlich will ich nicht fotografieren, sondern eine Zeichnung anfertigen. Wie möchte ich umsetzen, was ich sehe? Kann ich es schon? Welche Farben will ich verwenden, welche Technik ausprobieren? Muss das Ergebnis Ähnlichkeit haben mit dem Original, muss es erkennbar sein? Ich übe und kann im Skizzenbuch sehen, dass ich im Verlauf dieser Woche schon kleine Fortschritte gemacht habe, dass manche Erkenntnis verinnerlicht die Umsetzung auf dem Papier noch sucht, manche schon angekommen ist, doch das heißt noch nicht viel: Beim nächsten Bild fange ich wieder von vorne an, aber vielleicht doch nicht ganz von vorn. Jedes Bild ist weiteres Üben und Lernen, so wie jeder geschriebene Text, wie jedes Gedicht, auch. Es ist eine Annäherung an die Realität oder Phantasie, an ein Gefühl, eine Stimmung, Erfahrung, Idee, an ein Objekt oder Subjekt, an einen Moment oder eine Geschichte. Es ist der Versuch, auf unterschiedliche Art und Weise, nämlich Sprache oder Farbe, etwas Neues von Innen nach Außen, also in die Welt zu bringen. Wiederholen heißt lernen und so, wie man lernen muss zu schreiben, immer wieder dieselben Spazierstöcke aufs Papier malt, bis die Hand locker genug ist, dass man ein m oder n schreiben kann, so gilt das mit dem Wiederholen auch fürs literarische Schreiben und auch fürs Malen. Es entwickelt sich, indem man es tut.

© mp