ameisen im kirschblütenhaufen

schreiben als antwort aufs schweigen

Tag: Gefühl

Liebe

„In einem herzlichen Satz ist genügend Liebe für drei Winter.“ (Laotse)

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pfade

der faden
der sich in den tag legt
sich hindurchzieht

der faden
den wir nicht verlieren
wollen

aus unseren augen
der faden
der reißt

und wir
wie ausgefädelt
versuchen

den faden wieder
aufzunehmen
wieder anzuknüpfen

© mp

elfchen im zwölfchen

o.t.

poesie
ist träumen
auf dem papier
in worten baden möglichkeiten
leben

© mp

vom nichtstun

nichts tun
was heißt das
auf der stelle
zu stehen
nur zu atmen
mich nicht zu bewegen
heißt es
nicht einzukaufen
nicht zu sprechen
nicht zu denken
nicht aufzuräumen
nicht dichten
nichts tun
heißt es
nur zu atmen
hier und jetzt zu sein
im kopf
im körper
still sein
mich nirgends hin denken
mich nirgends hin fühlen
nirgends hin agieren
nichts tun
was heißt das

© mp

vom fehlen

ich liege wach
schreibe
gedicht an gedicht
& immer kommst du
darin vor
gewiss
ein gedicht kann nicht
du sein
doch wenn ich
über dich schreibe
ist es
als wäre etwas
von dir
hier bei mir

© mp

vom klopfen

du hast so oft
an mein herz geklopft
jetzt bekomme ich
jedes mal
wenn ich dich sehe
herzklopfen

© mp

gezeiten

an den ufern
der hoffnung
plaudern ängste
& zweifel
mit der zuversicht
& neugierde
ich sitze dazwischen
sehe in die ferne
& denke
an dich

© mp

der kreative prozess

während ich mich ehemals dafür schalt / gescholten habe, dass ich etwas im übermaß getan hatte – sei es zu schreiben, zu zeichnen, zu fotografieren, zu sprechen, unterwegs zu sein u.a. – ist es inzwischen so, dass ich die notwendigkeit erkannt habe, diesen impulsen nachzugeben, „es“ aus mir fließen zu lassen, zuzulassen und dem raum zu geben, was sich aus mir mitteilen möchte, es werden lassen zu einem gedicht, einer notiz, geschichte, einem foto, einer zeichnung oder einer erkenntnis, die genau zu dieser zeit in die welt will.
nun kann ich zulassen, was kommen will, ohne es zu bereuen, wie es mir in der vergangenheit manchmal passierte, weil ich mich schimpfte, wegen des sich anschließenden gefühls von müdigkeit oder der leere, übersah dabei das gefühl von glück und erleichterung darüber, dass ich kreativ gewesen war, erschaffen hatte, alles zugelassen und mich dem hingegeben hatte,
spürte, auch wenn es im übermaß aus mir kommt und sich manifestieren will, ich erlaube diesem inneren flow zu wirken, ich weiß um die endlichkeit, auch um die endlichkeit dieser erfahrung, die, ganz natürlich, wieder eine andere form von sich aus, aus sich heraus, annehmen wird, eine form, in der ich still bin, nichts heraus will, nichts heraus kommt, kann, will, eine zeit, in der ich schweige, mich sammle, ausruhe, innerlich „abgleiche“, bewusster werde, aufnehme, was ich erkannt habe in ebenjener zeit des „flows“ und der produktivität,
so hat alles seine zeit und ich urteile nicht mehr,
weiß, dass schon im wechsel zur stille, das nächste in mir vorbereitet wird, es gibt keinen grund zur sorge, oder mir druck zu machen, es geht alles seinen natürlichen und kreativen gang, es ist ein kontinuierlicher prozess im innern, der wie ein perpetuum mobile, stets in bewegung ist und sich fortsetzt in mir und der welt.
manchmal kommt der flow scheinbar ungelegen oder die stille fühlt sich schmerzhaft und unpassend an, gerade nach einem wechsel vom flow in die stille hinein, (seltener anders herum), doch ich habe erkannt, anerkannt und gelernt, dass dies natürlich wirkende impulse sind, die insgesamt ein gleichgewicht bilden,
dies hat mich frieden schließen lassen mit dem, was (in mir) ist, es zuzulassen, nichts zu (er-)zwingen, nichts zu unterdrücken, ja, nicht mehr zu wollen als das, was ist.

© mp

(tagebuchnotizen im november 2018)

das schönste gedicht bist du

 

wie man ein anderer mensch wird,

wenn man verliebt ist.

wie man ein anderer mensch wird,

wenn man geliebt wird.

wie das mit dem anderen anders wird,

wenn man liebt.

als würden zwei, die sich gut kennen,

sich kurz an der schwelle fremde nennen.

dann sinken sie sacht ins liebesland

und zärtlich in den anderen.

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© mp

(für meinen t.)

Auf.dem.Weg.

Gedanken.zum.War-ten.

Warten ist eine innere Einstellung. Dann, wenn wir es bewusst tun, dann empfinden wir Zeit. Wenn ich beschäftigt bin, dann warte ich nicht. Dann bin ich nicht in Gedanken und tatsächlich aktiv damit beschäftigt, dauernd auf die Uhr zu sehen. Die Zeit vergeht während ich etwas tue.

Wenn ich auf einen Termin warte, auf eine Verabredung, auf eine Nachricht, auf eine Diagnose – dann verschieben sich die Dinge mitunter. Das heißt, ich erlebe mich – in Abhängigkeit – zu einem, etwas oder jemandem anders. Es ist eine Art Fremdeinfluss und unterliegt nicht „meiner Macht.“ Wohl aber obliegt mir, OB ich warte.

Ich muss auf niemanden warten, ich kann geh’n. Ich kann eine Nachricht auch später lesen. Ich kann sagen: Ich bin dann mal weg.

Dann gibt es noch das „kleine Warten“. An der Tankstelle. Im Supermarkt an der Kasse. Vor der Ampel. In der Schlange bei der Post. In der Kirche.

Im Grunde sind dies die Momente, in denen man es genießen kann / könnte, dass man ein paar Minuten für sich hat. Zwischen dem einen und dem anderen Termin ist Zeit – für mich -. Meist ist es aber so, dass Termine oder Dinge, die man zu erledigen gedenkt drängeln, aber nur deshalb, weil wir es so denken.

Muss ja so nicht sein. Ich kann auch sagen: Erst mach ich dies, dann mache ich das. Und wenn keine Zeit mehr für das ist, dann mache ich das morgen.

Es ist also auch eine Frage, wo wir (mental und real) sind – mit uns selbst, mit unseren Gedanken, Ideen, (vermeintlichen) Aufgaben und Aufträgen.

Bin ich da, wo ich bin, oder bin ich schon beim nächsten Termin, bei der nächsten Aufgabe?

Es gibt Menschen, die verabreden sich und wenn man sie trifft, gucken sie dauernd auf die Uhr. Sie haben einen weiteren Termin. Sie sind weder hier da, noch sind sie dort da, wenn sie dort sind. Weil sie in Gedanken und mit dem, was sie sind, nie da sind, wo sie sich gerade aufhalten.

Warte-Zeit ist immer auch Zeit. Zeit, die genutzt werden kann. Zum Durchatmen, zum Ausruhen. Wenn man es sich möglich macht.

 

© mp

(Danke an Guinness, der mich zu diesem Thema inspiriert hat.)

http://guinness44.wordpress.com/2014/03/18/es-ware-wirklich-schon-wenn-man-schneller-warten-konnte/

Musik.für.dich.jetzt.

Gewillt. Getilt. Geteilt. Geheilt.

Dies ist ein Experiment. Eine Sache zwischen mir und mir. Ja, es ist mir Ernst damit. Ich behüte meinen Hut. Unsichtbar. Ziehe. Ich. Aus. Dem. Hut. Was. Darin. Ist. Wer hat das es dort hinein gelegt? Wer hat es dort hinein gelebt? Zögernd ziehen. Zugweise. Zaudern. Zirpen. Sich trauen. Vertrauen. Zu-trauen. Ich. Mir. Dir. Ver-trauen. Ich, die immer verstanden werden wollte. Ich, die immer verstehen wollte. Fazit heute: Ein Satz mit X. Ich glaub, ich steh im Walde. Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum. Und wenn die Gans gestohlen ist, dann fuchst das den Bauern. This is brainstorming. This is the life. Wenn Du das tust, wovor Du Dich fürchtest, dann fürchtet sich Besagtes und flüchtet. Deal? Aber ja. Jedenfalls so nach und nach. Und ich verspreche, bei mir zu bleiben. Mir zittern die Sätze. Es riecht herbstlich. Der Frühling sitzt mir im Herzen. Die Tür steht sperrangelweit offen und ich angle mir ein Herz. Verhakt. Vertagt. Verliebt. Wenn Du so weiter machst, dann bleibe ich. Ich beginne schon zu träumen. Lass mich doch. Und wenn Du nichts verstehst, macht das nichts. Wir haben doch Zeit. Der Himmel ist wolkenlos. Ich bin bereit.

© mp

Lernen

Es gibt so viele Arten und Möglichkeiten des Selbstbetrugs. Das Gefühl ist das untrügliche Zeichen ob etwas in Ordnung und stimmig ist oder nicht. Gegen das Gefühl zu handeln, weil es vielleicht leichter ist, gewohnter, gewöhnlicher und bequemer, zahlt sich nie aus. Im Gegenteil. Man handelt gegen sich selbst und seine eigene Wahrheit. Achtsam sein und in sich hören, auf sich hören, in sich gehen, auf sich zugehen. Dem Gefühl zu folgen, das gilt es zu lernen, immer wieder. Immer schneller. Dem Gefühl trauen. Sich trauen. Dem Leben.

 

© mp