nächtliches gespräch mit borges und fried

von wolkenbeobachterin

borges und fried sitzen vor ihrem bier.
sie unterhalten sich nicht.
ich setze mich dazu.
beide nicken.
ich bestelle mir ein bier.
borges lächelt.
fried sieht in die ferne.
„wie geht es ihnen beiden“, frage ich.
„die berge sind ewige wahrheit“, sagt borges.
„die sterne legen sich darüber wie eine warme decke“, sagt fried.
ich habe tränen in den augen.
mein bier wird gebracht.
ich nehme einen schluck, dann zünde ich mir eine zigarette an.
„ich mag ihre worte“, sage ich zu fried. „ich habe schon viel von ihnen gelesen und lese es immer wieder neu“.
„meine worte sind ihre worte“, sagt er und sieht meinem zigarettenqualm hinterher.
„was kann ein autor anderes tun als sie aufzuschreiben?“, fragt er ins leere.
„schweigen“, sage ich. „herunter schlucken. daran verzweifeln“.
„ja“, nickt er.
„was ist realität als das, was wir darunter verstehen?“, fragt borges. er schreibt gerade an einem neuen gedichtband.
„eben“, sagt fried.
„ich bin müde“, sage ich.
„das geht vorbei“, sagen beide.
„wenn ihr noch mal auf die erde kommt. was wollt ihr dann sein?“ frage ich.
„eine stadt“, sagt borges.
„die grüne garnitur“, sagt fried.
„und du?“ fragen sie aus einem munde.
„eine katze“, sage ich und erwache.

(2012)

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