Warum haben Wolken keine Namen?

von wolkenbeobachterin

(für Rolf und seine Kinder)

Stomelovic. Atalaman. Operitzka. Neulauf. Etanerim. So klingt es, wenn Wolken ihre Namen sagen. Diese hier sind die Namen der Wolken von gestern, über der Stadt. Der liebe Gott hat allem einen Namen gegeben, auch den Wolken, ist doch klar. Allem, was auf der Erde ist, und allem, was Drumherum ist, sichtbar und unsichtbar. Gesagt hat er die Namen aber nur den Blumen.

Woher ich davon weiß? Aus einem Traum. In diesem Traum von einer Rose, schlief ich, nachts, ruhig in ihrer Blüte. Da spürte ich ein leichtes Summen, aus dem ein himmlischer Gesang wurde. Die Blätter kribbelten. Was ist das? rief ich in meinen Traum. Wir sind das!, hörte ich. Ich streckte meinen Kopf vorsichtig durch die Blütenblätter. Da sah ich die Blumen, die ringsum Lieder sangen und manche sagten Gedichte über Wolken auf. (Blumen und Wolken sind nämlich miteinander befreundet). Die Gedichte erzählten davon, was die Wolken taten: Tanzen, lachen, singen, summen, fangen spielen, sich aufblasen, sich teilen, wieder verbinden oder auflösen. Wie heißen die Wolken dort oben?, fragte ich. Da verrieten sie es mir.

Ob Wolken wohl Krawatten tragen?, fragte ich mich. So schön wie sie sind, haben sie sicher wichtige Termine, zum Beispiel sich von Menschen am Himmel finden zu lassen oder mit ihnen verstecken zu spielen. Oder sich verwandeln, in Tiere, Gegenstände oder Gesichter. Die Wolken wissen, dass alles schön ist, flüchtig und in Bewegung. Vermutlich tragen sie keine Krawatten. Trügen sie welche, könnte man meinen, sie seien sehr ernst, aber das sind sie nicht. Sie sind verspielt und reiselustig. Am liebsten wandern sie am Himmel und sie fragen sich, ob die Menschen ihre Namen erraten oder ihnen vielleicht neue geben.

© mp