Laub.

von wolkenbeobachterin

Ich weiß noch, dass etwas im Laub raschelte und ich dachte: Das ist die Hoffnung. Das ist das Glück. Dann hüpfte sie fort, die Hoffnung, das Glück rannte einen Baum hoch, bis in den Wipfel. Ein Eichhörnchen. So geht es manchmal, dachte ich. Dass man denkt, man wüsste und  man weiß doch so oft nicht. Zum Beispiel, wenn es still, aber nicht ruhig ist. Wenn kein einziges Wort fällt. Oder steht. Das einzige, was wichtig ist, ist, mit Ruhe hinschauen, denke ich dann. Und vielleicht stimmt nicht mal das. Vielleicht muss man einfach nur fühlen, wenn es still ist oder wenn es laut ist. Lauschen und du weißt Bescheid. Ich höre gern Worte, ich lese sie gern, ich lehne mich an sie, ich richte mich daran auf, ich stürze mich in sie, ich schwelge darin. Doch es ist ein Irrglaube, alles benötige Worte. Es geht auch ohne, aber das haben wir verlernt: Ruhig zu sein, zu lauschen, zu spüren, zu fühlen. Da bin ich und da bist du. Hallo, schön dich zu fühlen. Das haben wir fast vergessen, wie das geht. Weil es immerzu tönt. Weil es immerzu wortet. Überall. Alles voller Worte. Voller Töne. Dabei sind wir alle voller Melodien. Wenn wir still sind, hören wir uns. Dann hören wir den anderen. Und dann hören wir die Musik, die wir zusammen sind.

 

© mp

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