Zell.teilung.

von wolkenbeobachterin

Manchmal weiß man nicht, wo man anfangen soll. Heute ist solch ein Tag. Ich fühle mich merkwürdig. Alles geht durcheinander, innen drin, im Kopf, im Bauch. Die gestrige Selbstmordankündigung eines Bloggers hier bei wordpress. Pascal. Und wie es aufwühlt und erinnert. Auf einer bestimmten Ebene sind wir alle miteinander verbunden und doch kann man sich so endlos allein und verloren fühlen. Der Hilferuf eines anderen, der an das eigene Rufen erinnert, was auch immer es ist, wonach jemand ruft. Nicht immer ist es zu hören, manches Rufen geht nur nach innen, weil es keine Worte hat oder etwas anderes fehlt. Alles durcheinander. Ich fühle mich leer, als wären mir alle Worte ausgegangen und doch denke ich und doch schreibe ich. Ich habe heute zufällig in einem Nebensatz erfahren, dass meine Stiefmutter verstorben ist. Ich weiß nichts. Nichts über die Umstände und den Zeitpunkt, nur das. Tränen. Ich mochte sie gern. Gestern jemandes Hand gegriffen, heute jemanden verloren. Versuche der Annäherung. Immerzu. Überall. Reden. Schweigen. Flüstern. Schreien. Lachen. Verletzendes und Verbindendes. Gespräche und der Versuch einander verständlich zu machen, zu sagen, zu zeigen, dass man sich mag, dass man versteht, dass man sich verzeiht und verziehen hat und doch nicht wieder so zusammen finden, wie es mal war. Ich weine. Es sitzt mir alles in den Knochen. Nachtschichten. Verluste. Scheitern. Menschen, die nicht berührbar sind, die Steine in sich züchten, Unversöhnlichkeit und Häme. Missverständnisse und Gespräche, die nicht geführt werden oder wurden. Das Unabgeschlossene, das einen eigenen Schlüssel braucht um irgendwo gelassen zu werden, um es irgendwo zur Ruhe kommen zu lassen und doch immer das Aufbrechen dessen, was nicht greifbar ist und nicht begriffen werden konnte. Lose Enden, lose Worte und Gedanken, die sich in Wunden legen. Es ist niemand mehr da. Meine Eltern sind tot, auch mein Stiefvater, meine Stiefmutter. Ich habe Geschwister. Die leben. Ich kann heute niemanden anrufen. Es ist eine seltsame Leere in mir an diesem Tag und doch sind da viele Gedanken und Gefühle. Manchmal kann ich es einfach nicht fassen, alles das, was da ist, die Fülle, die Leere, es ist eine Gnade, wenn die Worte kommen, ich sie greifen kann um zu begreifen. Es gibt so viele Überschneidungen, Überlappungen mit anderen, auch mit denen, die man nicht kennt. Hier ein Verstehen, da ein Unverständnis, ein Wunder(n). Dort ein geteilter Schmerz, geteilte Gedanken und Freude. Man begegnet sich, man tauscht sich aus, man geht aneinander vorbei, man teilt sich (mit) und etwas vom anderen bleibt in uns und etwas von uns verbleibt im anderen. Zellteilung. Verbindung aufnehmen. Morsen. Zeit mit etwas verbringen. Zeit miteinander verbringen. Zeitteilung. Ich weiß nicht, wohin dieser Text will und das entspricht meiner heutigen Verfassung, wie alles das, was ist und geschieht im Leben etwas anderem, Größerem entspricht. Gestern sagte ich, dass die Dinge sacken müssen, dass wir ihnen Zeit geben müssen, sie sacken zu lassen. Ich lasse sie sacken, hole sie hervor und sehe sie an. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Ein Spaziergang wird mir gut tun. Draußen scheint die Sonne und im Fernsehen weint ein Baby. Ein französischer Film mit einer eigenwilligen, sympathischen Hauptfigur. Liebenswert. Alles hat mit allem zu tun. Aus allem kann man etwas lernen. Manchmal braucht es einen Tag oder zwei. Manchmal dauert es Jahre. Manches lernt man nie. Manchmal muss man über alles lachen. Auch über sich selbst. Gestern hatte ich vor, einen Teil einer (versprochenen) Geschichte über einen Hund zu veröffentlichen und dann kam alles anders. Wie im richtigen Leben. Manchmal wird man fertig, manchmal nicht. So ist es hier und überall. In meinem Leben, in dem der Marktfrau, des Handwerkers und wem auch immer – wir begegnen Leben und wir sind Leben. Dieses Posting will nirgends hin. Nur ins Blog. Dahin lasse ich es jetzt frei. Alles andere dann später. Sofern die Worte wollen.

© mp

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