Boden.satz.

von wolkenbeobachterin

Falls du mich irgendwo suchst – ich bin gerade am Boden. (Wolkenbeobachterin)

Etwas größer als einen Zentimeter bin ich schon. Aber nicht viel mehr. Bin geschrumpft in den letzten Tagen und Nächten. Es hat geregnet, Absagen, gleich drei innerhalb eines Monats. Davon eine Persönliche. Schmerzhaft. Sehr. Am Boden bin ich, zerstreut, zerrührt und aufgelöst. Bezeichnend für Zeiten wie diese: Es ist grad niemand da. In den entscheidenden Momenten des Lebens ist man allein. Vielleicht ist das Quatsch und alle haben einfach nur ihr eigenes Leben, ihr eigenes Armageddon. Jeder muss sich auch und besonders um sich selbst kümmern, ich rede wie eine Erklärung. Wegen der Not. Jetzt und immer sowieso ist Selbsthilfe angesagt. Köfferchen aufgeklappt und los. Ich halte meine Hand, stelle mir Fragen, richte mir liebe Sätze aus und hoffe, dass Antworten kommen. Aus mir. Wie es weiter geht, möchte ich wissen. Wie es weiter gehen soll, versuche ich zu ergründen. Ich schicke Wünsche hinaus in die Welt. Wie ein Kind, wie ein Kind hoffe ich. Ich hoffe und wünsche, dass ich meine Hand nicht los lasse. Nicht jetzt. Nicht ich. Ein paar Entscheidungen treffen. Ein paar Erkenntnisse sammeln und eine Vision daraus legen. Erreichbare Ziele setzen: Mal gegen einen Mülleimer treten. An allem kann man scheitern oder wachsen. Sätze am Boden, zum Aufrichten. Die Katzen an meiner Seite schlafen, als wäre nichts geschehen. Vielleicht haben sie recht, aber ich fühle mich miserabel. Die Zeit lassen, sich Zeit lassen, sich Zeit nehmen. Langsam ins Verstehen gehen. Langsam aufsehen. In der Liste der Lieblingsworte steht derzeit eines ganz oben: Vielleicht. Vielleicht mal wieder Aufräumen, vielleicht mal wieder Umräumen, vielleicht mal wieder Aufbäumen. Alles ins richtige Licht rücken. Der Zug des Lebens ist ja nicht abgefahren. Er hat gerade angehalten. Zwischenstation, mal wieder. Zum Auftanken. Zum in-die-Landschaft-gucken. Zum Durchatmen. Ist ja ganz schön hier. Der Himmel trägt ein paar Wolken, ist doch hübsch. Da sehe ich Berge und eine Schlucht. Einen See gibt es auch und das Meer. Und da, unwegsames Gelände. Ein paar andere Menschen sind auch da. Weiter sehen. Aufstehen. Weiter gehen. Es ist nichts Besonderes, was gerade geschieht. Einfach nur das Leben. Mehr nicht.

 

© mp

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