Jetzt oder Ja

von wolkenbeobachterin

Es gibt so viele schöne Orte. Auch im Außen. Gestern war ich an einem solchen. Und während ich am Ufer stand und aufs Wasser blickte, da fragte ich mich, ob diesen Ort wohl alle Menschen schön finden würden. Ich setzte mich ins Gras und sah den vorbeischippernden Bötchen zu. Zwei Frauen hatten sich auf eine Bank gesetzt und unterhielten sich. Kurzer Blick, freundliches Nicken. Ich stand irgendwann auf und ging einen Schotterweg am Wasser entlang. Zwei Angler saßen im Gras und hatten sich einen Grill mitgebracht. Angeln ist nicht so mein Fall, aber vielleicht stimmt das gar nicht. Ein Kollege erzählte mir, Angeln sei zu Unrecht als langweilige Freizeitbeschäftigung verschrien, bei denen Männer stumpf auf Wasser guckten. So sei das ja gar nicht. Es sei ein adrenalinfördernder Sport ohne Gleichen und während er mir erzählte, was alles los ist in und mit ihm, während er da hoffnungsfroh und gespannt die Angel ins Wasser schmeißt, musste ich nicht nur lachen, sondern dachte: Vielleicht geh ich das nächste Mal einfach mal mit. Ich würde allerdings jeden Fisch wieder zurück ins Wasser schmeißen, aber vielleicht ist das Erlebnis Angeln ja ganz schön. Mit einem Ex-Freund war ich mal am Millerntor, da war er allerdings noch mein Freund und ein großer Fan von, – wie heißt noch diese coole Fußballmannschaft, die dauernd absteigt? Coole Truppe jedenfalls, das war schon ein Grund dort zu sein und außerdem wollte ich wissen, was es eigentlich ist, das Männer so willenlos macht, wenn sie auf einen grünen Rasen gucken. Ich weiß es jetzt, aber ich sag’s nicht. Wer es wissen will, soll selbst in ein Stadion gehen. Ihr wisst ja – manches kann man nicht vermitteln, das muss man erleben.  Jedenfalls hatte ich viel Spaß im Stadion und ich habe eine neue Seite an meinem damaligen Freund entdeckt. Er hatte noch denselben Namen und dasselbe Gesicht, aber etwas in ihm und an ihm war wie ausgetauscht. Ist das bei Frauen, wenn sie Schuhe kaufen wohl auch so? Also bei mir nicht, das sag ich gleich, aber ich höre ein Kreischen, welches nicht meines ist, sobald bestimmte Namen erklingen, die Schuhe so teuer machen, dass ich dafür lieber einen Gebrauchtwagen kaufen würde. Man muss ja nicht immer laufen, man kann ja auch mal fahren. Wo war ich? Wo bin ich? Wo will ich hin? Ich werde heute vermutlich nach L. fahren, so Gott will, sage ich gern mal dazu. Man weiß ja nie, wann man dran ist. Ach, welches Datum ist heute? Moment, heute ist doch die Soundso dran. Die will noch nach L.? Ja, das hat sie sich so gedacht. Es hat sich ausgeellt, heute ist Himmel dran. So oder so ähnlich könnte es ja laufen, wer weiß das schon. Ich würde jedenfalls gern hin, weil heute ein großartiger Mensch und Dichter liest. Ich habe ihm schon mal zugehört, während er las und sprach und schon da fand ich ihn toll und war so sprachlos, dass ich nicht mehr konnte, als ein zustimmendes Lächeln ihm zu schicken, das er sogar erwiderte, aber ich hatte nicht die Courage, mit meinem dort frisch gekauften Gedichtband hinzugehen, um eine Widmung zu bekommen. Berührungsängste. Respekt. Sind alles nur Menschen, ich weiß, aber ich habe da eine Hemmschwelle. Ich denke dann an all die, die beispielsweise des Öfteren im Fernsehen zu sehen sind, wo dann Leute hingehen und sagen: „Tach Frau Lindenstraße. Wie geht es eigentlich ihrem Sohn Benni.“ Arme Frau Lindenstraße. Passiert sicher ziemlich oft. Die Leute denken, dass sie andere kennen, wenn sie sie öfter in diesem viereckigen Gerät sehen und sie denken außerdem, dass die, die rausgucken auch die sehen können, die reingucken. Aber, ganz im Vertrauen, das ist nicht so. Manche Dinge müssen einfach mal ausgesprochen werden. Ich habe mal ein Interview mit dem Hauptdarsteller der Serie „Rex Revier“ gehört (also mit dem Mann, nicht mit dem Hund) und da erzählte der Mensch, dass jemand auf ihn zugekommen sei und gesagt hat: „Guten Tag, Herr Rex Revier“. Ich hab mich nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Jedenfalls werde ich nicht zu dem Dichter gehen und sagen: „Guten Tag Herr Frühlingsgedicht“. Wär mir unangenehm, obwohl das sicher ein Lacher wäre. Aber es muss ja nicht immer gelacht werden. Apropos nicht lachen. Ich habe bislang noch nicht verlinkt auf ein anderes Blog, aber ich habe vorhin derart schöne, berührende Fotos gesehen, dass ich die Seite verlinken möchte. Die sind allerdings nichts zum Lachen. Wer möchte, schaut dort mal:

http://stevemccurry.wordpress.com/2014/06/02/faces-of-afghanistan/

 

 

© mp

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