Heimat.gefühle.

von wolkenbeobachterin

Vergesse nie die Heimat, wo deine Wiege stand. Du findest in der Ferne, kein zweites Heimatland. (aus dem Poesiealbum)

 

Ich weiß nicht, was es zuerst war: Die Weite, das Grün oder die frische Landluft. Das Gefühl von Zuhause. Eins von den frühen. Das erste. Danach Städte, viele Städte. Das Neue, Ungewohnte. Fremde. Menschenmassen, viel Kulturelles und an jeder Haltestelle ein Bettler. Ich genieße die Tage auf dem Land. Straßen und Vorgärten so sauber, das man einen Preis dafür bekommen könnte. Alles gepflegt. Die Autos gewaschen und auch die Gesichter. Niemand ist hier mit der Bierflasche auf der Straße unterwegs. Keiner, der bettelt. Die Häuser nicht höher als zwei, drei Etagen. Es gibt Straßen, die kann ich entlang gehen, ohne dass mir ein Mensch begegnet. Und kommt doch jemand, nickt man sich zu und sagt: Guten Tag. Vogelgezwitscher, Hundegebell, lachende Kinder. Ich gehe und fahre durch meine Vergangenheit, ich berühre wichtige Punkte. Mein Elternhaus eins und zwei. Die Orte, an denen ich gearbeitet habe. Das Grab meiner Mutter. Das Grab meines Vaters. Ich fahre über Landstraßen, vor mir Trecker, links und rechts Felder. Gelbe Rapsfelder, Windräder, Weite. Ich gehe spazieren, merke, wie ich innerlich ankomme, angekommen bin, wie ich innerlich ausruhe, wie ich innerlich Frieden finde, alles aufsauge. Es ist so schön, hier zu sein! Beim Bäcker treffe ich zufällig eine alte Schulfreundin, sie lädt mich auf einen Kaffee ein. Kurzer Plausch zwischen Weißbrot und Rosinenbrötchen. Ich vermisse mein Zuhause nicht, hier ist mein Zuhause, jetzt. Ich fühle mich wohl, so wohl, – es fühlt sich an, wie ein Bad in der Freude. Ich fotografiere Felder, fotografiere Schafe, Pferde, Wanderwege, doch ich finde keine Kühe. Wir fahren durch die Gegend und ich schaue, ob ich irgendwo Kühe sehe. Da! Wir halten an, ich klatsche in die Hände, die Kühe sehen auf, die Kühe kommen näher, ich fotografiere. Der Kleine lacht und wundert sich. „Warum willst Du Kühe fotografieren?“, fragt er. „Weil es in der Stadt keine Kühe gibt“, antworte ich. Er lacht.  „Hier schon“,sagt er. Ich nicke. Es ist schön. Es ist schön, bei dem Freund zu wohnen, zu sehen, sich, den anderen, die gemeinsame Vergangenheit, es ist schön Zeit miteinander zu verbringen, da zu sein, es ist schön, meine Schwester und ihre Familie zu sehen und zu sprechen. Ich genieße die Zeit. Als wir uns verabschieden, umarmen wir uns fest und tränennah. Dann, gestern Abend, wieder zurück. Kilometer für Kilometer, abreisen und neu ankommen. Hier bin ich Zuhause, jetzt. Als ich einparke, kommt mir meine Nachbarin entgegen und hilft mir beim Auspacken. Ich habe frischen Spargel gekauft, Gemüse beim Bauern, frisch gepresste Säfte und ein paar Geschenke mitgebracht. Ein anderer Nachbar kommt die Straße entlang vom Einkaufen und winkt mir von Weitem. Ich bin Zuhause. Jetzt. Hier. Auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht. Am frühen Morgen eine sms von einem Freund, der fragt, wie es war, auf dem Land, in der alten Heimat. Es war schön, ich genieße es, noch ein paar freie Tage zu haben. Ziehe die Karte aus dem Fotoapparat und sehe mir die Fotos an, die ich gemacht habe. Zuhause kann man sich an vielen Orten fühlen, Heimat aber gibt es nur einmal.  Heimat.Gefühle. Ich habe mich verliebt.

© mp

 

HeimatSpaziergangMuh

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