Zwischen.stationen.

von wolkenbeobachterin

Wenn man mal immer wüsste, wo man sich gerade befindet. Auf seinem Lebensweg, meine ich. Ich meine, ich weiß es, so ungefähr jedenfalls – ich bin gerade an einer Zwischenstation. Aber nicht nur an einer, sondern an mehreren, weil ich ja nicht nur eins bin, sondern zwei, drei, vier, fünf Anteile hier und da, Ihr wisst schon. Es gibt diese Aufgabe, jenes Thema, es gibt hier einen Punkt A, an dem man sich befindet, zu einem anderen Thema, an Punkt F, wobei A wie Anfang ist und F, das ist schon ein Stückchen weiter. Welches der Endpunkt dabei ist, welcher nicht als Endpunkt gemeint ist, sondern Ziel, das kann ich gerade nicht benennen, aber wenn man angekommen ist, das kennen ja manche, vielleicht ja sogar die meisten, dann fühlt man dies. Ich befinde mich also an verschiedenen Zwischenstationen, was die Themen angeht, die mich angehen. Ich stehe auf der Warteliste, sozusagen, es heißt eigentlich „Auswahlverfahren“, ich bin im Auswahlverfahren bei einem Thema. Nicht schlecht, ist recht, es kann sich nur um ein paar Wochen handeln, bis eine Antwort kommt. Von anderer Stelle gibt es auch diese Situation, doch wesentlich anders. Da heißt es nicht Auswahlverfahren, sondern, Rausschmeißverfahren, aber es wird natürlich anders genannt. Auch da handelt es sich um ein paar Tage nur, warten wir es also ab. Mit dem Auswahlverfahren im Kreuz, lässt sich das doch um einiges besser aushalten. Ja, ein bisschen aushalten ist dabei, aber das ist in Ordnung, weil ich gerade auch innehalten muss, wegen all der Anstrengungen in letzter Zeit und da kommt mir dieses „laufen lassen und abwarten, schließlich hab ich getan, was getan werden musste und ich habe es gut getan“ recht. Gestern traf ich einen Exfreund, einer, der mir ganz wichtig mal war, ich ihm aber leider nicht gleichermaßen. Interessant war, dass ich ihn mit dem falschen Namen ansprach, dies aber gleich bemerkte und mich korrigierte. Ich war beim Einkaufen und hatte Geschenke ausgesucht für jemanden, den ich bald besuche mit seinem Kind. Und da schwappte mir der Name heraus und nicht der eigentliche des Exfreundes. Ich denke, es hat ihm nichts ausgemacht, ich habe ihm ja auch nicht so viel ausgemacht, was mir seinerzeit sehr viel ausgemacht hatte. Den Garaus hatte es mir sogar gemacht, ganz schlimm war es für mich, aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls habe ich schon während des Gesprächs bemerkt, dass ich die Station, die seinen Namen trägt, längst verlassen habe. Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber irgendwas in mir war immer noch in dieser „Alert-Haltung“, die einen Alarm auslöste, sobald ich ihm begegnete. Gestern war es anders, vorher, hinterher und auch währenddessen war es keine Alert-Haltung. Beruhigend. Endlich. An manchen Menschen hat man wirklich lange zu tun. Und dann gibt es noch Freundschaften, die sich entwickeln. Hier und da. Freundschaften auch, die sich verändern, weil sich die Menschen verändert haben. An manchen Stellen tritt dann irgendwann auch die Wandlung auf, die Wandlung der Form. Die Freundschaft wird umbenannt in etwas anderes, manchmal trennen sich Wege. Vielleicht ist man ja sein ganzes Leben damit beschäftigt, an irgendwelchen Zwischenstationen oder Bahnhöfen zu sein, bis man irgendwann zur Endstation kommt, die dann zwar etwas Endgültiges (Vorläufiges?) hat, dennoch fährt man geruhsam hinein um die nächste Station zu betreten, die, hinter dem weißen Licht.

 

© mp

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