about.the.city.that.never.sleeps.and.what.it.means.to.me.

von wolkenbeobachterin

die stadt, die nie schläft. das ist ja etwas, das man über new york sagt. aber das stimmt nicht. also, das stimmt schon, aber es stimmt auch für andere städte. für meine zum beispiel. meine schläft nämlich auch nie. und weil sie nie schläft, schlafe ich auch wenig. im haus gibt es neue mieter. nicht, dass ich sie schon zu gesicht bekommen hätte oder ein namensschild entdeckt hätte oder einen umzugs-einzugswagen. nichts habe ich gesehen und trotzdem weiß ich bescheid. wie das kommt? sie haben jemanden vorgeschickt. keine anstandsdamen. anstandsherren auch nicht. aber ein paar handwerker. die haben sie aufgefordert, die wand zu meiner wohnung durchzuhämmern. vornehmlich morgens vor acht uhr. auch, wenn ich lange gearbeitet habe. da besonders gern. ich höre, wenn sie kommen. und ich glaube, sie möchten auch, dass ich das höre. denn das erste, was sie machen, wenn sie kommen, ist steine durch die wohnung zu werfen. ziegelsteinweitwurfparade. direkt im nebenzimmer. aber nur so lange, bis ich richtig wach bin. dann ist erstmal ruhe. aber diese ruhe währt nicht ewig, schon bald geht es in die nächste trainingsrunde. wenn sie mit dem ziegelsteinweitwurf fertig sind, üben sie sich in einer weiteren disziplin – wanddurchschlagen. heute morgen dachte ich, sie würden gleich die steine in meinem schlafzimmer aufschichten. vielleicht kann man sie ja noch mal für irgendwas gebrauchen. jemanden an den schädel schmeißen zum beispiel. gebannt saß ich auf meinem bett und starrte die wand an. ich folgte dem geräusch, dem schlagen des hammers. bumm. bumm. bumm. „gleich sind sie durch“, dachte ich. vorsorglich tat ich einen blick hinter den schrank. wenn sie da landeten, würde ich es nicht sofort sehen. das hämmern hörte auf. die wand blieb ganz. völlig tiefenentspannt stand ich auf und kochte mir einen kaffee. dann schob ich den schrank von der wand ab. und installierte eine kamera. wenn, dann würde ich das material an rtl verkaufen. oder sat1. oder pro7. vielleicht.

 

© mp

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