Was.Zur.Hölle.Ist.Loslassen?

von wolkenbeobachterin

Da, wo der Zweifel wohnt, da ist viel Platz für Möglichkeiten. Des Denkens. Des Erklärens. Des Wollens. Wissens. Werdens. Wachsens. Verirrens. Die Ruhe muss weichen oder bekommt nur einen Teilaufenthalt. Hier wird gewirbelt und gewechselt. Im Café saß ich und las. Gestern schon. Es ist schon erstaunlich, dass bei allem Nachdenken, bei allem Erkennen doch immer das Unbekannte, Fremde, Unbewusste alles umgibt oder beeinflusst. Nicht sichbar ist. Und doch die ganze Zeit da. Wie mit den Fischen bei David Foster Wallace.

Ich habe seit einiger Zeit das Talent jeweils auf „das richtige Buch“ zu stoßen, in dem es um das Thema geht, welches gerade meines ist. In dem Buch, das ich gerade lese, habe ich eine Antwort gefunden: Ich habe nicht genügend getrauert um meine Mutter. Ich weiß noch, dass ich damals darüber sehr verzweifelt war. Dass da soviel Wut war. Dass da so wenige Tränen waren. Und das mir. Wo ich doch „IHR“ Kind war. Heute weiß ich es besser. Zehn Jahre später, weiß ich es besser. Nicht genügend getrauert. Steckengeblieben. Stop. Stop. Stop. Holterdipolter. Es wollte nicht voran gehen. Es wollte kaputt gehen. Alles im Fokus der verlorenen Mutter. Alles unter dem Winkel des Versteckens. Versteckspiele. Drachentöter. Drüben dröhnt ein Drache. Dort driftet ein Dromedar dankend in den Dreck.

Ich habs einfach nicht kapiert. Bei aller Loslasserei nicht losgelassen. Was war dann das, was ich gemacht habe? Mich verirrt. Vielleicht. Eine Person einverleiben. Weil es so schwer ist, sie gehen zu lassen. Das kannte ich ja schon. Wie der Ex essen. Wie der Ex sprechen. Bis er fort ist. Bis er losgelassen ist. Stückweise Abschied nehmen. Und jetzt das. Ich weiß nicht, wie ich das bewerkstelligen soll. Aber vielleicht bin ich längst auf dem Weg. Was weiß ich denn? Nichts. Und alles. Und alles und nichts ist dasselbe. Etwa nicht? Setze die Sonnenbrille auf und schau mal in den Himmel. Da winkt jemand. Der Hoffnungsschimmer ist es. Winkt jemand zurück? Wer? Ich? Ich schau mal in den Spiegel. So steht es geschrieben. Ich kann das gar nicht alles begreifen. Wie unter Schock. Aber zurück geht es auch nicht. Soll es auch nicht. Ich bin Tarzan und schwinge mich von Liebkosung zu Liebkosung. Liane heißen die Dinger. Liane. Nicht Liebkosung. Ach, wozu brauche ich Lianen? Ich kann fliegen! Du spinnst ja! Na und? Ist das nicht meine Sache?

 

© mp

Advertisements